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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-19 · 25 (19.6.1908) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
25 (19.6.1908)
Date
1908-06-19
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Lwcd's Mocbenscbrlkr. «eit, 46s so: Sie haben seit etlichen Jahren hier einen Christenbischos, einen stolzen, unbeugsamen Mann, der den Juden blutfeind ist. Der nun hat geboten, daß sie alle Juden, die sie am Tag vor ihrem Osterfest auf der Straße finden, greifen und martern, um Rache für ihren Messias zu üben. Deshalb hüten wir uns an diesem Tag und bergen uns zuinnerst in den Häusern. Das wissen sie wohl, und nun wollen sie das Los werfen, wer von unserem Volk der Pein anheimfallen soll. Wehe ihm, er wird vergehen unter ihren Händen! Euch aber," schrie sie und drängte uns zum Wagen, „euch, die ihr fremd hier seid, wird man nicht schonen! Ihr kennet nicht die Leute dieser Stadt, reißende Tiere sind sie, wenn ihr Blut entzündet wird! Eilet, eilet, suchet den nächsten Ort zu gewinnen und wartet dort das Ende dieses Unglückstages ab, ehe ihr hierherkommet, eure Geschäfte zu tun!" So schrie die Alte und goß ihren Schmerz über uns aus und hob die Hände und ballte sie gegen oben. Uns dreien, die wir den Meister geleitet hatten, wurde es dunkel im Herzen. Der Baalschem aber hatte ihrer keine Acht, schob sie beiseite, trat ein, hieß uns das Tor öffnen und Wagen und Pferde in den Ställen und unseren Bedarf, den wir mit uns führten, im Hause bergen. Er aber stand und schaute ruhig auf alles, was nach seinem Wort geschah. Dann hieß er uns Tor und Tür wieder schließen, und wir standen in dem großen dunklen Flur. Der Meister winkte uns und ging voran, die Treppe aus geschnitztem Holz um einige Stufen ersteigend. Er öffnete eine Tür und wir traten in einen großen, stattlichen Raum, der um ein weniges über die ebene Erde erhöht war. Ich stand eine Weile, ehe meine Augen das Zimmer übersahen, denn obwohl draußen inzwischen der helle Morgen heraufgestiegen war, lag das Gemach im Dunkel. Man hatte die Fensterläden geschloffen und überdies die schweren Vorhänge zusammengezogen. Nach einiger Umschau wurde ich gewahr, daß der Raum viele Menschen barg. Sie hatten sich lautlos, wie vor Schmerz und Angst der Besinnung ledig, in den Ecken und ' Winkeln versteckt. Es mochte wohl der ganze Hausstand hier versammelt sein. Indessen war uns die Alte vom Hausflur hereingefolgt, weinte und widerstritt in heftigen Worten dem Baalschem, daß er eingedrungen sei und am Ende damit gar das Unglück über ihr Haus herbeiziehe. Er antwortete ihr aber nicht, sondern durchmaß die Stube mit großen Schritten und hielt bei einem Fenster, das von einem halbrunden Ausbau ins Freie ging. Er streckte gelassen die Hand aus und schob die Vorhänge zurück, hierauf öffnete er die Fenster und die hölzernen Läden dahinter und stand nun mit seiner ganzen Gestalt gegen den offenen Rahmen. Die Morgenhelle und eine klare Luft strömten herein. Die Alte wagte nicht mehr laut zu reden, aber sie bedrängte den Meister mit.verzweiflungsvollen Geberden, daß er wieder schließen und sich zurückziehen möge. Da er aber gar nicht auf sie sah, sank sie endlich schweigend neben den Anderen zu Boden. (Schluß folgt.) Neue Bücher. Dr. Julius Reiner. Giordano Bruno und seine Weltanschauung. II. Auflage. Verlag von Hermann Seemann Nachf., Berlin und Leipzig. Dr. M. Lewin, Rabbiner zu Nikolsburg. Gedenkrede bei der Enthüllung eines neuen Grabsteines für den Ober-Landesrabbiner von Mähren und Schlesien Rabbi Mordechai Benet s. A., gehalten auf dem Friedhofe in Nikolsburg am 78. Begräbnistage, am Sonntag den 12. Adar Scheni 5668 (15. März 1908). Von der ist. Kultusgemeinde Nikolsburg veröffentlicht. Wien 1908. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für modernes Judentum. Herausgegeben von Leo Win z. Verlag Ost und W e st. Berlin W 8. Organ der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der „Alliance Jsraslite Universelle". 8. Jahrgang. Heft 6. Juni 1908. Inhalt: A. Benesra: Der Kampf ums Blut. Heinz Schnabel: Sophie Blum-Lazarus (mit 4 Jllustr.). Julius Basch: Notwendigkeit und Berechtigung einer inneren Miffion unter den Juden. Josefa Metz: Aakobs Traum. D r. Max Steif: Mendeles „Klär"-Stunden (mit 2 Jllustr.). Dr. Bernh. Weiß: Zwei Freunde (ungedruckte Briefe von Salomon Munk aus den Jahren 1827—1860, mit 3 Jllustr.). A. S i l b e r g l e i t: Sabbat. B. Samuel: Die Juden in Oesterreich (I.). Mitteilungen aus dem Deutschen Bureau der „Alliance Jsraelite Universelle": I. Die Alliance-Expedition zur Erforschung des Falascha-Stammes. II. Die Blutverleumdungen. III. Der neue Vizepräsident der Deutschen Konferenzgemeinschast. IV. Adreffe an Geheimrat Goldberger. V. Notizen. Kriefkasterr. R. T. Vierundzwanzig jüdische Minister gibt es in allen Staaten der Welt, nach einer Berechnung des „New-Aork Herald". Es find dies: der Finanzminister in Egypten; der Justiz- und Finanzminister in Argentinien; der Landwirtschaftsminister in Brasilien; der Kriegsminister in Kanada; derHandelsminister inDänemark; der Justizminister und der Marineminister in Holland; der Flottenmmister in der Türkei usw. Die meisten jüdischen Minister weist derzeit Italien auf: der Minister für Post und Telegraphen Carlo Schanzer, der Justizminister Halla, der Schatzminister Majorana, der Finanzminister Masimini und der Minister für Volksbildung Rava. B. K. Die Zeitschrift „La Vie de Paris" erzählt nach der „Franks. Ztg." folgende amüsante und charakteristische Anekdote: Herr Henri de Rothschild ist Bühnenschriftsteller und gleichzeitig ein Mann von Geist. Diese seltene Eigenschaft gestattet ihm, das schmerzliche Gewicht seines Vermögens zu tragen und die Begierden gewiffer Direktoren zu verhöhnen. Einem dieser, und zwar nicht einem der geringsten, brachte er letzthin ein sorgfältig zusammengerolltes Manuskript, das mit einem symbolischen Goldfaden gebunden war. „Einverstanden!" rief der Bühnenleiter aus. „Ich spiele Ihr Stück sofort bei Eröffnung der Saison!" — „Verzeihung, ich bestehe darauf, daß Sie es erst lesen!" erwiderte Henri de Rothschild. „Ich spreche morgen wieder vor." Am nächsten Tage überhäufte den theaterfreudigen Millionär mit BewunderungSausbrüchen über sein glänzendes Werk. Das Manuskript mit dem Goldfaden lag noch immer auf dem Schreibtisch. Herr Henri de Rothschild zog den Goldfaden heraus, zeigte, daß die Rolle nur weißes, unbeschriebenes Papier enthielt und verließ dann ruhig und würdig das Bureau des allzu enthusiastischen Direktors. „Antikorruptionist". Es ist jedenfalls zum ersten Mal, daß die Lieferanten beim Bau einer Landesanstalt dem obersten Bauleiter, welcher die Lieferungen zu überwachen hat, ein Denkmal errichten. So geschehen in der Anstalt am Steinhof, wo der „Volksmann", Herr Leopold Steiner, ein Denkmal in Erz und Stein erhielt. Auf die Bitte des Herrn Dr. Jfidor Bing hin übernahm n n der Landesausschuß Bielohlawek das Monument in die Obhut des Landes und er dankte natürlich den „Gewerbetreibenden", die es errichtet haben. „Gesinnungstreu". Minister G e ß m an n erklärte in Prag: „Der Kaufmann ist so recht der Träger moderner Ideen" — „Schon Homer hat den Kaufmann als denjenigen hingestellt, der den Verkehr der Völker vermittelt" — „Am Schluffe eine Bitte: Auch wir in Oesterreich müssen moderner werden, viel moderner, als dies bisher der Fall war". Exzellenz Geßmann ist vor lauter Gefinnungstreue gar nicht wiederzuerkennen. F. A. Herr Camillo Kurz, Inhaber des Hotels „Styria" in Gleichenberg, erläßt ein offenes Schreiben, in welchem bekanntgegeben wird, daß sein Hotel einen rein christlichen Charakter angenommen, um es ausschließlich christlichen Gästen angenehm zu machen. Wir nehmen davon Kenntnis. 11/1, Wien 23. Ihre Zuschrift kann wegen ungenauer Wohnungsangabe nicht publiziert werden. Dr. M. Berkowiez. Ueber Ihren Wunsch notieren wir die Richtigstellung, daß die Monumenta Judaica, deren redaktioneller Mitarbeiter Sie find, nicht im „Wiener Verlag" sondern im „Akademischen Verlag" erscheinen. Gebnrtsscticine zu Schulciuscbreibungen. Da die Anforderungen um Ausfertigung von Geburtsscheinen für schulpflichtig gewordene Kinder behufs Einschreibung in die Schulen vor Beginn des Schuljahres, insbesondere seit der Einverleibung der Vororte, derart zahlreich sind, dass das Matrikelamt der israelitischen Kultusgemeinde denselben nicht sofort Nachkommen kann, werden die Eltern etc. in ihrem eigenen Interesse erinnert, schon jetzt solche Dokumente zu bestellen und auch in Empfang zu nehmen. Vom 15. Juli ab können die erwähnten Dokumente nicht vor drei Tagen nach der Bestellung behoben werden. Die Amtsstunden für den Parteienverkehr sind von 9 bis 12 Uhr vormittags. Wien am 10. Juni 1908. Vom Matrikelamte der israelitischen Kultusgemeinde.

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