Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 25 (19.6.1908)
- Date
- 1908-06-19
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 460 Dr. Moeb's Mocbenscbritt. Nr. 25 stWMUng an, deren Resultat die Ablehnung der Resolution Kuh mit ungefähr 80 gegen 20 Stimmen ergab. Hierauf erhob sich Landesschulrat Dr. Bendiener und erklärte, daß er seinen Antrag zurückziehe, da er volles Vertrauen in die Zusicherungen des Vorstandes, speziell in die Erklärungen des Obmannes setze, und bittet, diese genau zu protokollieren. Bei der anschließenden Neuwahl wurden sämtliche Funktionäre wieder-, an Stelle des seligen Hermann I n w a l d der bisherige Ersatzmann Herr Adolf Schifferes wiedergewählt. Eine Versammlung jüdischer Schankwirte. Am 10. Juni d. I. fandin Lemberg eine Versammlung jüdischer Schankwirte aus Galizien statt. 120 Delegierte aus 80 verschiedenen galizischen Städten waren erschienen, um über die Abwendung der Gefahren zu beraten, welche ihren Erwerb von vielen Seiten bedrohen. Es waren zumeist kleine Wirte in einfacher jüdischer Tracht erschienen. Die Versammlung, zu welcher auch ein Regierungsvertreter gekommen war, wurde um 10 Uhr vormittags von Herrn Fett aus Dembitz eröffnet. Der Vorsitzende erörtert die aktuellen Fragen des Schankgewerbes und legt einen Stätutenentwurf für eine jüdische Schänkerkorporation vor. Der nächste Redner Herr Frostig führt dann folgendes aus: Zunächst steht vor uns die Frage der Konzessionen nach dem Jahre 1910. Bekanntlich werden im Jahre 1910 die Propinationen aufgelöst und die vielen tausende von Schänken, welche jetzt der Propination angehören, werden ihres Schankrechtes verlustig werden. Laut dem Plane des Landesausschusses sollen dann Schankkonzessionen nur in begrenzter Zahl ausgegeben werden. So soll in der Stadt auf je 500 und auf dem Lande auf je 800 Einwohner eine Schänke entfallen. Auf dieser Grundlage schon muß eine große Zahl der heutigen Schankwirte ohne Erwerb bleiben. Nimmt man noch in Betracht, daß selbst die wenigen Schanklizenzen vielleicht nicht den wirklichen Schänkern, die sich von Kindheit an dem Fache gewidmet hatten, sondern irgend einem Protektionskinde werden verliehen werden, so begreift man die Gefahr, welche den heutigen Schänkern droht? Eine weitere Gefahr besteht in der projektierten Verschärfung der Sonntagsruhe, wonach das Schankgewerbe von Samstag Abend 6 Uhr bis Montag früh 6 Uhr zu ruhen habe. Eine solche Verfügung wäre mit dem Ruine der jüdischen Schankwirte gleichbedeutend. Gegen diese Gefahren könnte sich nur eine jüdische Fachorganisatiou schützen. Nach längerer Debatte wurde eine aus mehreren Punkten bestehende Resolution angenommen, in welcher verlangt wird, daß in dem Gesetze über die Konzeffionierung ausgesprochen werde, daß bei Erteilung von Konzessionen vor allem diejenigen zu berücksichtigen find, die schon im Schankgewerbe stehen und sich jetzt keinem anderen Gewerbe zuwenden könnten. Die Versammlung protestiert ferner gegen die geplante Verschärfung der Sonntagsruhe und spricht den Wunsch aus, daß überall im Lande Fachorganisatione» konzessionierter Schänker, die jedoch auch die Jntereffen der nichtkonzesfionierten — die nicht Mitglieder einer Fachorganisation sein können, jedoch die Majorität aller Schänker bilden, zu vertreten hätten. Uebrigens mögen die nichtkonzesfionierten Schänker gleichfalls Vereine unter sich gründen, die sich zu einem Landesverband zu vereinigen hätten. Schließlich protestiert die Versammlung gegen die Erhöhung der Branntweinsteuer. Nach Annahme der Resolution wurde ein vorbereitendes Komitee gewählt, dem die Ausarbeitung der Statuten übertragen wucke. Da am darauffolgenden Tage auch in Krakau eine ähnliche Versammlung stattfand, erklärte sich die Lemberger Versammlung solidarisch mit den in Krakau versammelten Berufsgeuoffen, die gleichlautende Resolution anzunehmen. Karlsbad. Es dürste für manchen jüdischen Kurgast von Jutereffe sein, die Namen derjenigen hiesigen Aerzte zu erfahren, welche die Last des Judentums von sich abgeschüttelt haben, um sich der herrschenden Religion anzuschließen. Die Namen dieser Edlen sind: Adolf Charmatz, Edgar Ganz, Emil Goldscheider, Adolf Grünberger, Hugo Guth, Stephan Kelen, Rudolf Kolisch, A. Komaromy, Arnold Lorand, Arthur Pick nnd Gustav Äpfer. Auch die Getaufteu sind ausgeschlossen. Der vor einigen Tagen in Wien verstorbene Graf Johann Palffy hat unter anderem auch ein großes Legat hinterlassen, dessen Zinsen zu Stipendien an Hochschüler bestimmt find. Der Verstorbene gilt als äußerst liberal, trotzdem enthalten die Bestimmungen betreffend das Legat einen Passus, daß die Stipendien nur an solche Studierende verliehen werden dürfen, die als Christen geboren wurden . . . Die Zahl der Juden in Budapest. Nach einer Zusammenstellung in dem soeben erschienenen statistischen Jahrbuch der ungarischen Hauptstadt über das Jahr 1906 ergaben sich betreffs der Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in dieser Stadt die folgenden Ziffern: Im Jahre Gesamtbevölkerung Jüdische Bevölkerung 1869 . 270.476 . . . 44.890 16'6% 1880 . 355.682 . . . 70.227 19’l°/0 1890.486.661 . . . 102.377 21'0°/0 1900 .. 703.448 . . . 176.198 -- 23'37„ 1906 . 791.748 . . . 186.047 23'570 Die Zahl der Juden im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung ist also bis zum Jahre 1900 andauernd gestiegen, um im Jahre 1906 etwas zu fallen. Ob es sich hier um einen Stillstand im Wachstum oder gar um einen beginnenden Rückgang der jüdischen Bevölkerung handelt, werden die künftigen Zählungen erweisen. In einem günstigen Verhältnis zur Zahl der Juden steht ihre Sterblichkeit. Die Kindersterblichkeit betrug bei der Gesamtbevölkerung 34'1°/g, bei den Juden nur 26'6°/0. Die Sterblichkeit infolge Tuberkulose bei der Gesamtbevölkerung 19'8°/o, bei den Juden 15'5°/0- An den Selbstmorden waren die Juden nur mit 13"/o beteiligt, während sie 23’5% der Gesamtbevölkerung ausmachen. ' ' u Triumphe zweier jüdischer Künstler. In London feiern jetzt zwei jüdische Künstler — Beide stammen aus Rußland — große Triumphe. Es sind dies der Violinspieler Zimbalist und der Sänger Mischa Elmann. Interessant ist, daß Beide, sowohl Zimbalist als auch Elmann bei demselben Meister, Professor Leopold Auer vom Petersburger Konservatorium, ihre Studien genossen haben. Zimbalist ist erst 18 Jahre alt, hat aber bereits Deutschland und England „im Sturme genommen". In London hat er die Aufmerksamkeit des Königs Eduard und der Königin Alexandra, sowie des Prinzen von Wales auf sich gelenkt. Als die Kaiserin-Witwe von Rußland im März dieses Jahres in London weilte, wurde ihr zur Ehren der russische Jude Zimbalist eingeladen, bei Hofe zu konzertieren und die Zarin-Witwe überströmte von Beifallsbezeugungen. Die englischen Tagesblätter verschwiegen natürlich, daß der. gefeierte Geiger Jude ist und wird stets als der „Lussian Violinist“ angeführt. Hingegen werden dieselben Blätter es niemals vergessen, zu betonen, daß irgend ein „Allen“, der zufällig irgendwie mit den englischen Gesetzen in Konflikt gerät, hinzuzufügen, daß er ein „3ew“, ein Jude, ist. Zimbalist selbst verhehlt durchaus nicht sein Judentum und erst jüngst verkündeten große Plakate in englischer und jüdischer Sprache, daß „der berühmte, russischjüdische Violinkünstler Zimbalist" in einem Konzert zugunsten irgend eines kleinen, jüdischen Vereines, der ein eigenes, jüdisches Spital errichten möchte, Mitwirken werde. Petersburg, 13. Juni. Vorgestern ist der Exarch von Grusien in Tiflis ermordet worden, ein vom Synod ernannter Vollblutrusse, der die grusinische Kirche zu russifizieren hatte; der mit der Untersuchung des Falles betraute Gendarmerie-Rittmeister wurde tagsdarauf schwer verletzt. Am selben Tage wurde das Zollamt in Tiflis überfallen, 24.000 Rubel geraubt und neun Personen getötet. In Petersburg aber fand die Fortsetzung des Bjelostoker Pogromprozesses