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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-05 · 23 (5.6.1908) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
23 (5.6.1908)
Date
1908-06-05
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seit« 430 Dr. Llocd's Mocvenscdrtrr. «r. 23 Hand strich nervös über den wie nach dem Richtscheit kurz abgeschnittenen Schnurrbart, und die seltsam grauen Lippen lächelten. Denn freilich, nun war alles so klar, gewiß mußte etwas geschehen, und „ich werde in meinem nächsten Bericht an die Regierung eine Notiz für die Kriegsverwaltung anhängen" — was aber wieder nicht konvenieren konnte, weil die Pläne ja vielleicht heute noch in fremde Hände gerieten. Sofort mußte etwas geschehen! Mit einem Worte, die Wiener' Urteile über den Botschafter täuschten; das war nicht Unabhängigkcitssinn noch Energie und Umsicht; nein, Bismarcksche Schule war das nicht mehr. Und so gab uns die kleine Gelegenheit einen Maßstab zur Beurteilung des ganzen Charakters und Talents, und auch die letzte Etappe, die noch zu nehmen war, trug zu dem Urteil bei. Denn was tun? Wir fanden das Mittel: ein telephonisches Ansuchen beim Auswärtigen Amt genügte ja; wenn der deutsche Botschafter um die Sicherstellung eines Dinges bittet, wer sagt da Nein? Und da war er denn sehr erfreut, erteilte den Auftrag, zu telephonieren, beehrte uns mit Händedrücken und geleitete uns artig bis ins Foyer. Und als wir wieder im Wagen saßen, sprachen wir, als Philosophen, die wir find, über Menschen und Menschen; über die Hohlheit, der man alles Genie andichtet, und über die Größe, die man oft elend und bettelarm untergehen läßt. Und was ist sonst noch zu berichten? Nichts, als daß Schwarz zwei Tage darauf auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben wurde, an entlegener Stelle, ohne großes Geleite und Pomp. Keine zehn Menschen folgten dem Sarge, und als er bereits auf den Stützbalken über der Gruft schwebte, mußten Diener und Funktionäre noch in die Friedhofsmagazine zurücklaufen, weil sie die Tragbänder vergessen hatten, an denen man die Särge in die Tiefe hinunterläßt. . . . Zwei Monate hernach wiederholte das Schiff in Berlin den Aufstieg; voni Ballonfahrer Jagels geführt, manövrierte es drei Viertelstunden lang nach allen Richtungen und überwand siegreich auch den widrigen Wind. Da — wieder ein Unglück: der Treibriemen glitt von einem der Räder, worauf der Führer, zu Tode erschrocken, alle Motoren auf einmal abstellte und gleichzeitig auch, den Kopf verlierend, an der Ventilleine zog. Und da war es nun freilich gut, daß Schwarz bereits im Grabe lag, denn den Schmerz dieses Augenblickes hätte er am wenigsten überwunden, da das mächtige Schiff nach Entweichung des Gases herunterstürzte und zertrümmert und zerschellt auf der Erde unten liegen blieb. Als die Kunde hievon durch die Welt ging, kam zu mir einer unserer Wiener, der dem armen Erfinder zuletzt noch selbst ein geringes Darlehen verweigert hatte, und meinte superklug und mit den lustigen Augen blinzelnd: Nun, was habe ich damals gesagt? — Allein bald darauf kam Graf Z-ppelin, assoziierte sich mit der Witwe und adoptierte die Schwarz'sche Erfindung. Und nach jahrelanger Arbeit rührte sich endlich im letzten Sommer das Schiff des Mannes über den Bodensee durch die Lüfte, den man bei uns als Phantasten verlacht hatte und an gebrochenem Herzen sterben ließ. lifonrtnr. Jüdische Sprichwörter und Redensarten gesammelt und erklärt von Ignaz Bernstein, unter Mitwirkung von B. W. Segel, Warschau 1908. Es liegt vor mir ein dicker Band, fast 450 Seiten, enthaltend 3993 (!) Sprichwörter, versehen mit einem Gloffar, in dem der des slavischen Idioms unkundige Leser eine auf wissenschaftlicher Basis beruhende Aufklärung findet, für alle dem slavischen Stamme entnommenen umgcbildeten Worte; ebenso wird der des aramäischen und seltener vorkommenden hebräischen Worte Unkundige auch über den Begriff derselben belehrt. Und um auch dem Leser jeglichen Zeitverlust zu ersparen, findet er ein Verzeichnis aller im Buche nach Seite vorkommenden Sprichwörter. Dieses Werk ist einzig in seiner Art. So viel Fleiß, Eifer, tiefes Verständnis und streng wissenschaftliche gediegene Sachkenntnis in einem Werke von einem Verfasser hat man selten angetroffen. Schon das den Sprichwörtern angehängte Glossar verdient die voll st e Anerkennung, das wohlverdiente Lob einer streng wissenschaftlichen Arbeit. Der gelehrte Verfasser ist wie prädestiniert, eine solche Arbeit zu schaffen, der nur gewachsen sein kann ein aus Rußland stammender gelehrter und gebildeter Jude. Die „jiddischen" Sprichwörter sind nämlich mit vielen slavischen Wörtern vermischt und durchsetzt — die also nur ein „Slave vom Fach" zu würdigen versteht. Dem Juden macht man ja bekanntermaßen in allem und über alles Vorwürfe und ich gehöre zu denjenigen, die, sobald ein gerechtfertigter Vorwurf mir gemacht wird, so schmerzlich er mich auch trifft, ihn anerkennen würden. Die Deutschen sind im Allgemeinen leider in allen von ihnen bewohnten Ländern mehr oder weniger Antisemiten mit der Begründung, die Juden wollen die deutsche Kultur nicht anerkennen, sie sich nicht zu eigen machen. Es ist nicht hier der Raum, das zu widerlegen, nur eines möchte ich hervorheben, wenn die Slaoen den Juden den Vorwurf machen — sie seien „Deutsche", muß ich diesen Vorwurf als nicht ungerechtfertigt anerkennen. Dieses Bernsteinische Werk ist ein schlagender Beweis dafür. Da sind schon in dieser Beziehung die Spanier gerechter. Als der Senator Pullido die Nachkommen der vor vier Jahrhunderten aus Spanien vertriebenen Juden in Bosnien spanisch sprechen hörte, war er über diese dem spanischen Boden erhaltene Anhänglichkeit so gerührt, daß er alle Hebel in Bewegung setzte, um die Sünden seiner Väter zum Teil jetzt gut machen zu wollen. Von einem deutschen Gelehrten vom Range Pullidos habe ich noch nicht gehört, der das „Deutschtum" der Juden in so beredten Worten anerkannt hätte. Ich möchte an dieser Stelle nur noch aus eine Tatsache Hinweisen, die die Gesinnung der Juden am besten charakterisieren wird. In meiner Heimatsstadt hätte einmal Dr. Zins s. A. — ich kann mich nicht erinnern bei welcher Gelegenheit — eine Rede halten sollen iy „Schil" und die wollte er polnisch hallen, da ja auch die Spitzen der Behörden dabei sein sollten. Eine Spaltung der Gemeinde wäre darob entstanden, „Daitsch ist was anderes." Es ist selbstverständlich, daß, wie es übrigens der bescheidene Verfasser selbst zugibt, noch sehr viele Sprichwörter des Sammlers harren, allein schon das Geleistete ist ein ungeheures Verdienst. Mit der Orthographie bin ich nicht überall einverstanden — die Erklärung des Wortes „Parch" ließ mich auch nicht befriedigt; es ist Herrn Bernstein die in der „Oesterreichischen Wochenschrift" erstandene Polemik über dieses Wort entgangen, das Grund zu einer Klage in einem Wiener Gerichtssaal gab. Das „Loj Lonn“ ist dem.Verfasser nicht bekannt, „A Lojlonik", „ein Narr", es sind noch mehrere Sprichwörter, die in Galizien auch im anderen Sinne gebraucht werden, wie ich übrigens privatim Herrn Bernstein mitzuteilen mir erlauben werde. Aber was sollen die kleinen Mängel zu den großen Vorzügen dieses Werkes! Dem hebräischen Texte find gegenübergestellt deutsche Transkriptionen, infolgedessen ist auch das Riesenwerk um fast 300 Seiten noch angewachsen. Dieses auch schon äußerlich so prachtvoll ausgestattete Werk wird sicherlich von Allen, die sich mit Prämiologie befassen, von großem Werte sein. Auch all diejenigen, die sich mit Kulturgeschichte beschäftigen, werden dieses Werk gerne zu Rate ziehen, sind doch die Sprichwörter der Spiegel, die Seele eines Volkes, zumal des jüdischen Volkes, das in einer Geste, einem Ausruf und gar in einem Sprichworte ganze Sätze ausspricht. Mit diesem Werke, das Herr Bernstein dem jüdischen Volke gewidmet, hat er sich ein Monu-

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