Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 21 (22.5.1908)
- Date
- 1908-05-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 390 Dr. Llocb s MocdenscbrlN. Nr. 21 Olmütz. Der Verband der Rabbiner Mährens und Schlesiens versendet die Einladung an die Rabbiner und Kultus- Vorstände Mährens und Schlesiens zu einer am 28. Mai l. I. in Olmütz stattfindenden außerordentlichen Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Begrüßung der Versammlung; 2. Vortrag des Präsidenten des böhmischen Rabbinerverbandes Sr. Ehrw. Herrn Dr. Kurrein, Rabbiners in Teplitz: »Modernismus und ftefiHwr-; 3. Referat Sr. Ehrw. des Herrn Dr. Levy, Rabbiners in Brünn: »Der Wiener Gemeindebundestag und seine Haltung den Rabbinern gegenüber. — Nachmittag: Kollegenberatung über interne Angelegenheiten wie Beamten- Berficherungsgesetz, Zusammenschluß der Rabbinerverbände rc. Orlau (Beerdigung.) Dienstag den 12. d. M. nachmittags faud hier unter massenhafter Beteiligung das Leichenbegängnis des in so tragisch jäher Weise aus dem Leben geschiedenen Herrn Markus Stern, Realitätenbesitzer, Hotelier und Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Orlau, statt. Lange, vor der für die Beerdigung augesetzten Zeit schon war das Haus des Verblichenen mit Trauergästen überfüllt. Der Klerus von Orlau. und Umgebung, die Gemeinden, Gewerbe- und gemeinnützigen Vereine waren durch zahlreiche und hervorragende Repräsentanten vertreten. Man sah unter den Anwesenden die Herren Pfarrer Pospischil und Beduarek, - die Bürgermeister Lustig, Twachik, Halfar und Kristek, Gemeindesekretär Fiala, Stationsvorstaud Mayer und viele Beamte und Oberbeamte der Guttmann'schen und Rothschild'schen Schächte Dom- ' brau,' der Gräfl. Larisch-Mönnich' und Salm'schen Gruben, der Kokes-Anstalt Lazy, sowie der Alpinen Montangesellschaft, unter denen die Herren Ober-Ingenieur Koreß, Vesely, Vaclavik, Halik, Ober-Offizial RameZ, sowie Betriebsleiter Presser und Dr? Schwarz, Ober-Buchhalter Havlin, Berginspektor Jestkabek, Buchhalter Funker und Hübner, Kanzleichef Kleinkauf, Buchhalter Kutschers u. a. besonders hervorgehoben seien. Von Orlauer Persönlichkeiten bemerkte man Baumeister Martinec, Verwalter Pasternek, Post-Administrator Ulrich u. a. Die irdische Hülle, des Verblichenen wurde auf den israelitischen Friedhof Orlau überführt, wobei Mitglieder der humanitären Vereinigung Chewra-Kadischa und Freiwillige Feuerwehr in würdigster Weise die Ordnung aufrecht erhielten. In der Friedhofhalle hielt Rabbiner Dr. Merer aus Freistadt eine ergreifende Gedenkrede, worin er der seltenen Tugenden des Verstorbenen als Mensch, Gatte, Familienvater und Glaubensgenosse gedachte. Am offenen Grabe teilte der Redner dann noch mit, daß die Kultusgemeinde Orlau beschlossen habe, dem Verewigten in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Sache des Judentums ein Ehrengrab zu widmen. Mähr.-Oftrau. Samstaq den 2. Mai beging hier das Ehepaar Samuel Schwarz und Frau Regina, geb. Drechsler, das Fest der goldenen Hochzeit. Herr Schwarz, der viele Jahre in Szobotist (Ungarn) als Thoraschreiber und später in Niederösterreich als Kaufmann lebte, wohnt seit zehn Jahren bei seinem hiesigen Schwiegersöhne Herrn Anstreichermeister Ignatz Karpel, welcher auch eifriges Mitglied des Ausschusses der Kültusgemeinde ist. Herr und Frau Schwarz sind, trotz ihres hohen Alters — beide stehen im 76. Lebensjahre — bei voller geistiger wie körperlicher Frische, und ist namentlich der Jubilar noch recht fleißig im Goldwarengeschäfte seines Neffen, unter der Firma Berthold Schwarz & Sohn, tätig. Er wurde im Tempel feierlich zur Thora gerufen und durch einen solennen Mischeberach des Herrn Kantor Kläger ausgezeichnet. Nach dem Gottesdienste begaben sich Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Spira und die Herren Dr. Max Böhm und Moritz Krasuy vom Präsidium der Kultusgemeinde in die Wohnung des Jubelpaares, um ihm zu gratulieren. Dies taten auch die Vorstandsdameu des isr. Frauenvereines. Aus Nah und Fern kamen dem geehrten Ehepaare schöne Geschenke und Beweise der Sympathie zu. Möge es Herrn und Frau Schwarz vergönnt sein, noch recht lange die Freuden, die ihnen in der Umgebung von lieben Kindern, Enkeln und Urenkeln beschieden sind, ungetrübt zu genießen. . . . r. Podiebrad. Vor einigen Wochen ist hier Frau Rosalie Grüufeld geb. Pollak in gottgesegnetem Alter von 86 Jahren verschieden, sie entstammte einer angesehenen Koliner Familie und es sind . ihr ihre beiden Brüder Ezechiel und Markus Pollak (letzterer hat als Rabbiner in. Holleschau und spater in Wien segensvoll gewirkt) vor einigen Jahren im Tode vorangegangen. Das hier am 8. April a. c. stattgehabte Leichenbegängnis der Verblichenen gestaltete sich zu einer erhebenden Trauerkundgebung, die deutlich von der Hochachtung Zeugnis ablegte, deren.sich die würdige und herzensgute Dahingeschiedene im Kreise ibrer Mitbürger zu erfreuen hatte. Alle Kreise der Bevölkerung waren vertreten und von Nah und Fern waren Trauergäste erschienen. Im Trauerhause rezitierte der hiesige Rabbiner Herr Gottfried Polesie ein ergreifendes Gebet, das alle Anwesenden zu Tränen rührte; und auf dem Friedhofe feierte er in einem tiefempfundenen Nachrufe die trefflichen Eigenschaften und Tugenden der Verklärten, die durch unermüdlichen Fleiß und weise Sparsamkeit sich zu geachteter Stellung emporgerungen, ein schönes sorgenfreies Alter erreicht und einen stets gottgefälligen Wandel geführt hatte. Luhatschowitz. Der bestbekannte Arzt Med. Univ. Dr. Siegfried Frankl hat am 1. Mai 1908 seine Praxis wieder in Luhatschowitz (Mähren), Altdeutsches Haus, ausgenommen. Er ist der einzige jüdische Arzt im Kurort und genießt allgemeines Vertrauen. Nagy-Kanizsa. Der Vorstand der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde wird, im Sinne des in der letzten Plenarsitzung gefaßten Beschlusses, das 25jährige Amts-Jubiläum des um Tempel, Gemeinde und Schule sehr verdienstvollen Oberrabbiners Herrn Dr. Eduard Neumann am 31. Mai höchst festlich begehen. Gran. Im Rahmen einer erhebenden Feier hat vorige Woche Obergespan Paul Gyapay dem Rabbiner Jsak Weiß das ihm verliehene goldene Verdienstkreuz mit der Krone überreicht. An der Feier, die im großen Saale des Stadthauses vor sich ging, nahm die Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession teil. Die Kultusgemeinde hat aus diesem Anlasse das Gemälde des seit 32 Jahren hier amtierenden Rabbiners anfertigen lassen. An dem Bankett nahm die Bürgerschaft des Komitats und der Stadt teil. Der Obergespan, der Vizegespan und der Bürgermeister brachten Trinksprüche auf den Rabbiner aus. Die Kultusgemeinde richtete von der Feierlichkeit aus ein Begrüßungstelegramm an den Kultusminister Grafen Albert Apponyi. Petersburg. (General Neidhardt Ehrenbürger von Odessa.) Der durch die Veranstaltung der großen Judenhetze von Odeffa bekannte ehemalige Odessaer Stadthauptmann General Neidhardt wurde von der Odessaer Stadtvertretung zum Ehrenbürger gewählt. Emgesendet. Wir erhalten folgende beachtenswerte Anregung, betreffend die Vermeidung von Doppelbeteilungen bei der Bekleidung armer Kinder durch Wohltätigkeitsvereine: Eine Doppelbeteilung eines Kindes wäre nur in der Weise zu vermeiden, wenn das Kind, das einen Schul- Bekleidungsbogen erhalten hat, verpflichtet wäre, den Bogen mit der Erledigungsklausel des Vereines dem Direktor zu retournieren. Allenfalls müßte der Direktor ein alphabetisch geordnetes Vormerkbuch haben, um bei Nachfragen Auskunft geben zu können: 1. Wann das, Kind den Bogen erhalten; 2. für welchen Verein es diesen benötigt; 3. welche Erledigung vorgemerkt ist. Diese Anregung sollte den Direktoren der Schulen auch seitens der Kultusgemeinde übermittelt werden. Eine Beteilung ohne Schulbogen sollte in keinem Falle, auch wenn die beachtenswerteste Protektion vorliegt, erfolgen. W i e n, 21. Mai 1908. Feuilleton. Das Ghetto von Denedig. Unter dem Titel „Italienische Reiseskizzen" veröffentlicht Israel Cohen im „Jewish World" eine Artikelserie über seine Reiseerlebnisse in Italien. Der erste Artikel ist dem „Ghetto von Venedig" gewidmet.