Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 19 (8.5.1908)
- Date
- 1908-05-08
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Rr. 19 Dr. Llocb's Mocbenscdrm. Seite 359 Neue Bücher. Emil Kläger. Durch dieWienerQuartiere des Elends und Verbrechens. Ein Wanderbuch aus dem Jenseits. Mit einem Vorwort von Regierungsrat Professor Dr. Friedrich Umlauft. Illustrationen nach Original-Photographien von Gerichtssekretär Hermann D r a w e. Verlag von Karl Mit schke. Wien 1908. Sechsundzwanzigster Bericht der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Inhalt: I. Jahresbericht des Kuratoriums für 1907. II. Stenographischer Bericht über die Einweihung des eigenen Heims der Lehranstalt am 32. Oktober 1907. III. Trauerrede auf Prof. Dr. Gustav Salomon Oppert, gehalten im Trauerhause am 19. März 1908 von Rabbiner Dr. M. Warschauer. Berlin, 1908. Dr. Max Joseph, Rabbiner in Stolp i. P. Das Judentum am Scheidewege. Ein Wort zur Schicksalsfrage an die Starken und Edlen des jüdischen Volkes. Verlag von M. Poppelauer, Berlin 1908. E. Ben Johouda. Thesaurus der hebräischen Sprache. Gesamtwörterbuch der alt- und neuhebräischen Sprache von Elieser Ben Johouda in Jerusalem. II. Heft. Langenscheidtsche Verlagsbuchhandlung, Berlin-Schöneberg. M. Brann. David Kaufmann. Gesammelte Schriften, Erster Band. Komm.-Verlag von I. Kausfmann, Frankfurt a. M. Briefkasten. N. B. In der ungarischen Stadt Stuhlweißeuburg, deren Führer wegen ihres allzu auffälligen Antisemitismus in jüngster Zeit viel von sich reden machten, amüsiert man sich jetzt über einen Aufsitzer, dem gerade die hervorragendsten Antisennten der Stadt zum Opfer fielen. Vor einiger Zeit etablierte sich in der Stadt ein ..Wunderrabbi" der sich Eisik Oritsch nannte. Die Juden der Stadt sind zum größten Teile nichts weniger als orthodox, geschweige denn chassidisch, und der wandernde Wunderrabbi hätte hier sicherlich nicht sein Geschäft gemacht, wenn nicht gerade fanatische christliche Klerikale den „Wundertäter" nicht aufgesucht und die „Visiten" teuer bezahlt hätten. Hiedurch hatte aber Eisik Oritsch den Neid der Konkurrenz wachgerufen und das Budapester klerikal-antisemitische Organ »Alkotmänyc schrie Zeter und Mordio, alarmierte die Polizei gegen den „jüdischen Betrüger und Schwindler". Die Polizei intervenierte und fahndete nach dem „Wunderrabbi", der inzwischen mit gefüllten Taschen das Weite gesucht hatte Schließlich wurde der Mann erwischt und verhaftet. Da stellte es sich nun heraus, daß Eisik Oritsch nicht nur kein Wunderrabbi, sondern überhaupt nicht Jude ist und laut seiner Papiere Ivan Esikooitsch heißt und ein von mehreren Gerichten gesuchter internationaler Schwindler ist. Ivan Esikovitsch rächte sich für seine Gefangennahme damit, daß er alle seine Besucher, unter denen sich auch leitende Persönlichkeiten der Stadt, fast durchwegs Christen, befanden, spöttelnd preisgab. Nun wäre die Reihe an den antiklerikalen Blättern, den »Alkotrnäny« wegen seiner „unüberlegten Denunziation" zu verhöhnen. S. T. Die Urheber der Kirchenstörungen in Wien waren durchwegs Arier, einer derselben ein guter Freund der „Reichspost". Zur Verhütung solcher Ruhestörungen empfiehlt jedoch dieses edle Organ des Piusvereines einen kräftigen Antisemitismus. A. F. Die „Reichspost" druckt die bekannte Klage einer Amerikanerin ab, die inzwischen längst die Runde durch alle deutschen Journale gemacht hat, worin sich die Schreiberin über das Fixieren und Anstarren beschwert, dem Damen in Deutschland ausgesetzt sind. Die „Relchspost" stellt sich vollständig auf die Seite der Amerikanerin; nur fügt sie hinzu, daß die Dame in Wien entschiedenen Grund zu oberwähnter Klage hätte, da es unerhört sei, was Damen auf der Wiener Ringstraße von „jüdischen Jünglingen" an „ekelhaften Aufmerksamkeiten" erwiesen werde. Anschließend daran wird verlangt, daß das Ministerium, die Straßenpolizei und weiß Gott welche Behörde noch einschreiteu mögen, um Fremde in Wien vor dem Benehmen „gewisser Jünglinge" zu schützen. Wer die entrüsteten Zeilen jener Amerikanerin seinerzeit gelesen, der erinnert sich, daß der Oberkellner, bei dem sich die Dame über den sie unverschämt fixierenden Herren beklagt, sie dahin aufgeklärt habe, daß dies ein deutscher — Großherzog sei. Wohlgemerkt; ein Großherzog, der diese sonst nur „jüdischen Jünglingen" eigene Unsitte kultivierte. Oder meint die „Reichspost" am Ende, der Großherzog sei auch ein -'Jude" gewesen? Wir glauben, die sonst so Scharfsinnige täuscht sich diesmal; wenn auch in unserer ganz und gar „verjudeten" Zeit alles möglich geworden, jüdische Großherzoge gibt's denn doch noch ulcht. So weit haben's die Juden noch nicht gebracht. ... Ob Kirchenstörung, ob Damenbelästigung, das ist der „Reichspost" ganz egal: „der Jude wird verbrannt". Notiz. Tie nächste Staatswohltätigkeits-Lotterie. Der Spielplan der am 14. Mai dieses Jahres stattsindenden Ziehung der XXVI. Staatslotterie für gemeinsame Militär-Wohltätigkeitszwecke weist 18 390 Gewinste im Barbetrage von 513.580 Kronen auf. Unter diesen befinden sich Haupttreffer zu 200.000, 40.000 und 10.000 Kronen, außerdem eine große Anzahl anderer bedeutender Treffer in den verschiedensten Abstufungen. Lose ä K 4.— sind erhältlich in allen Lottokollekturen, Tabak-Trafiken. Wechselstuben, Post- und Steuerämtern und bei der Abteilung der Staatslotterie, Wien, III., Vordere Zollamtsstraße 7. Danksagung. Anlässlich meines 25jährigen Dienstjubilänms sind mir aus Nah und Fern zahlreiche Sympathiekundgebungen zugekommen, die einzeln zu beantworten mir derzeit unmöglich ist. Vorläufig gestatte ich mir auf diesem Wege meinen herzlichsten Dank für die mir erwiesenen Ehrungen ansznsprechen. Michael Rrösler Matrikenamtsleiter der Wr. isr. Kultusgemeinde Israelitische Kultusgemeinde Wien. Z. 4891 ex 1908. Kundmaehung. Der Kultusvorstand bringt hiermit zur Kenntnis, dass in Gemässheit des § 91 des Statutes der israelitischen Kultusgemeinde Wien die Rechnungsabschlüsse über die Einnahmen nnd Ausgaben der Kultusgemeinde und sämtlicher unter Gemeindeverwaltung stehender Fonde und Anstalten für das Jahr 1907 vom heutigen Tage ab durch 14 Tage im Sekretariate (I., Seitenstettengasse 4, II. Stock) während der Amtsstnnden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zur Einsicht der Gemeindemitglieder aufliegen. Die Gemeindemitglieder sind berechtigt, innerhalb dieser Frist ihre Erinnerungen schriftlich einzubringen. Wien, 5. Mai 1908. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien. Aufruf und Bitte! Als ich mich nach dem verheerenden Brande des Ringtheaters, bei dem hunderte Kinder des Vaters und der Mutter beraubt worden sind, durch die Zeitungen an die Mildtätigkeit wandte, liefen so zahlreiche Spenden ein, dass für die verwaisten Kinder in vollem nnd reichem Masse gesorgt werden konnte. Diese von mir angeregte glückliche Aktion gibt mir heute den Mut, mich wieder an teilnahmsvolle Herzen zu wenden, um Hilfe zu erbitten. Die Errichtung eines jüdischen Kinderspitals in Wien ist ein dringendes Bedürfnis, sie wäre eine der edelsten Schöpfungen in diesem Jubeljahr. Die vor Jahren begonnene Vorbereitung musste unterbrochen werden, da kaum der zehnte Teil der Mittel vorhanden ist, die zur Errichtung und Erhaltung dieser Kinderheilstätte erforderlich wären. Ich wende mich daher an edle Menschen und Kinderfreunde mit der Bitte: Helfet unseren lieben, armen, kranken Kindern, dass es ihnen leichter wie bisher möglich werde, ihre Gesundheit wieder zu erlangen. Wer diesen zarten Kindern hilft, erfüllt eine edle Menschenpflicht nnd ist mildtätig im Sinne unseres erhabenen gütigen Monarchen, dem die Sorge für das Kind eine Herzenssache ist. Gibt es eine grössere Freude, ein reineres Glück, als einem armen Kinde zur Gesundheit verhelfen oder dem Leben wiedergegeben zu haben? Gibt es eine edlere Befriedigung als die Segnungen einer beglückten Mutter, einen schöneren Lohn, als der dankbare Blick eines Kindes! Ihr glücklichen Eltern, die Ihr Euch der blühenden Gesundheit oder der Wiedergenesung Eurer Kinder erfreuet, erbarmt Euch jener zarten Wesen, die in Krankheit und Not schmachten * Julius Braun* Ylienft Sparnnd Xrdit-G'sctlscluft WIEN,!., Franz Josefs-Quai Nr. 43 Früher: Kredit-Institut für jüdische Gewerbetreibende u. Beamte.) Gewährt Darlehen, eskomptiert Wechsel, übernimmt Spareinlagen wmmmmm ,, (flaatlfta B«dU|aic«a> ■