Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 19 (8.5.1908)
- Date
- 1908-05-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 19 Dr. Vlocb's MocbenscdrM. Seite 355 zeit durch eifrige und hingebungsvolle Tätigkeit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens der dortigen jüdischen Gemeinde, namentlich auf dem Gebiete der Wohltätigkeit und des Unterrichtswesens, Dank und Hochachtung seiner Mitbürger erworben. So war er Mitgründer der Thoras Chesed Chewra, welche sich die Aufgabe gesetzt hat, Talmudgelehrten die ausschließliche Widmung an ilren Gelehrtenberuf zu ermöglichen. Große Verdienste erwarb er sich als Mitglied der Schulkommission, wie ihm auch die altberühmte Preßburger Talmud-Hochschule (Jeschiba) viel zu danken hatte. Am Leichenbegängnis nahm die Preßburger Gemeinde fast vollzählig teil, ebenso die verschiedenen Vereine sowie die Schuljugend unter Führung des Lehrkörpers. Herr Oberrabbiner Schreiber hielt dem Verblichenen einen warmen und gehaltvollen Nachruf, der den Verdiensten und der Bedeutung des Dahingeschiedenen voll und ganz gerecht wurde. Groß-Enzersdorf. Auf das Huldigungstelegramm, welches, wie seinerzeit berichtet, der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Groß-Enzersdorf aus Anlaß des 60jährigen Regierungsjubiläums an Se. Majestät richtete, ist nunmehr auf amtlichem Wege folgende Beantwortung eingelangt: „An Herrn Heinrich R e i ch s f e l d, Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde in Groß-Enzersdorf. Im Allerhöchsten Aufträge gibt Seine Exzellenz der Herr Statthalter in Niederösterreich für die mittelst Telegrammes zum Ausdrucke gebrachte alleruntertänigste Loyalitätskundgebung aus Anlaß des 60. Jahres der Regierung Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät den Beteiligten den Allerhöchsten Dank bekannt. Hievon werden der Herr Vorsteher infolge Statthalterei-Erlasses vom 27. April 1908 Pr., Z. 1424/8 verständigt. Der k. k. Statthaltereirat: B a z a n t." Sobortett. Sonntag am 3. d. M. fand das Leichenbegängnis des Herrn Moses Bloch, Senior-Chef der Firma M. Blochs Söhne, unter außgewöhnlich zahlreicher Beteiligung von Nah und Fern statt. Um 3 Uhr nachmittags wurde der einfache Sarg zur Synagoge getragen, woselbst Herr Kantor N u ß b a u m den üblichen Trauerpsalm rezitierte und Herr Rabbiner Schwarz aus Kladno, als Anverwandter des Verblichenen, das Seelengebet sprach. Hierauf setzte sich der schier unabsehbare Zug in Bewegung. Voran schritt das Fabrikspersonal, dem die zahlreich erschienenen Vereine, Körperschaften und Deputationen folgten. Den Leichenwagen flankierten die Freiwillige Feuerwehr und Veteranen. Am Ortsfriedhofe angelangt, pries Herr Rabbiner Schwarz die Tugenden des Entschlafenen und entwarf ein wahrheitsgetreues Lebensbild, das auf sämtliche Anwesende eine tiefe Wirkung übte. Redner schilderte vor allem das verdienstvolle Wirken desselben als jubilierter Kultusvorsteher, der mit unermüdlichem Eifer und wahrer Unverdrossenheit seine Kräfte diesem oft schwierigen und undankbaren Vorsteherberufe widmete. Herr Dr. Hirsch dankte zum Schlüsse dem Verblichenen namens des Vorstandes für dessen uneigennütziges, dem Wohle der Gemeinde und Allgemeinheit gewidmetes Wirken, das vorbildlich den jüngeren Kollegen im Amte sein und bleiben wird und nahm bewegten Herzens Abschied von dem verehrten Verklärten. Neutitsch ein. Bei der am 12. v. M. stattgefundenen Einweihung des Kaiser Franz Joseph-Jubiläumstempels versah Herr Oberkantor Salo Urich unter großem allgemeinen Beifall die kantoralen Funktionen. Herr Oberkantor Urich war früher ein sehr beliebter und sehr renommierter Opernsänger, dessen prachtvolle Stimme allgemeine Bewunderung erregte. Lemberg. Herr M. Waschitz hat aus Anlaß des 60jährigen Jubiläums unseres Kaisers ein Bild allegorisch darstellend die Huldigung der höheren Macht und der Völker Oesterreichs entworfen, welches wirklich als Kunstwerk zu betrachten ist. Die Arbeiten des Herrn Waschitz find mit goldenen und silbernen Medaillen prämiiert. Die Bilder find zu haben beim Herausgeber M. Waschitz, Lemberg, Tribunalsgasse 6. Vom Reingewinn erhalten die unbemittelten Schüler zwanzig Perzent. Nachod. Am 17. Mai d. I. feiert unser sehr geehrter Vorsteher Herr Jakob Pick mit seiner Frau Charlotte, geborene Mautner, bei körperlicher Rüstigkeit und ungewöhnlicher geistiger Frische das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Unser geschätzter Herr Vorsteher kann mit Befriedigung auf seine langjährige Wirksamkeit zurückblicken. Er war viele Jahre Mitglied des Vorstandes der israel. Kultusgemeinde, zu wiederholtenmalen Vorsteher derselben. Mit Umsicht und peinlicher Gewissenhaftigkeit führte er die Agenden der Gemeinde und brachte Ordnung in sämtliche Zweige der Verwaltung. Er scheute weder Opfer noch Anstrengung. Aber nicht nur in der israel. Kultusgemeinde wirkte er segensreich, auch um die Stadtgemeinde hat er sich große Verdienste erworben. Seit 38 Jahren wirkt er als Mitglied der Stadtvertretung, seit der Gründung der städtischen Sparkaffe ist er Mitglied der Direktion derselben und durch mehrere Perioden ist er auch Mitglied der Bezirksvertretung. In all diesen Vertretungskörpern zeichnet er sich als eifriger und unermüdlicher Förderer dieser Institutionen aus. Slalina. (Goldene Hochzeit und Thoraeinweihung.) Am 3. Mai wurde im hiesigen Kultustempel ein seltenes Fest gefeiert. Der geachtete und beliebte Präsident der hiesigen Kultusgemeinde Herr Salomon Deutsch und seine durch ihre Herzensgute allbekannte Gemalin Frau Maria geb. Grünhut feierten das Fest ihrer goldenen Hochzeit und spendeten der Kultusgemeinde aus diesem Anlasse ein wertvolles Sefer-Thora samt wunderschönem Manterl und noch schönerem Thoraschmuck. Aus diesem Anlässe versammelte sich in unserem festlich beleuchteten Kultustempel ein bis auf das letzte Plätzchen füllendes distinguiertes Publikum. Man sah unter den Festgästen den Herrn Baron Gutmann de Gelse et Belisce, den Vizegespan des Komitates, den Bezirksvorstand, viele Korporationen in Zivil und Uniform. Beim Eingänge des Tempels erwarteten die Herren vom Präsidium mit den alten Siphre-Thora das Aulangen der gespendeten Gesetzesrolle und das Jubelpaar. Sobald der Festzug die Vorhalle des Kultustempels passierte, ertönte der Gesang des Kantors mit Chor und Orgelbegleitung. Der ganze Gottesdienst, welchen Herr Oberrabbiner Dr. Simon Ungar aus Effegg, der Rabbiner der hiesigen Kultusgemeinde Herr Hiuko Grünwald und der Oberkantor Herr Josef Weißmaun verrichteten, übte auf die Zuhörer tiefen Eindruck. Nach dem Gottesdienste gratulierten dem Jubelpaare zahlreiche Korporationen und Einzelne. Den Gratulationen folgte ein lukullisches Mahl, während welchem zahlreiche schöne Toasie gesprochen wurden. So toastierte Herr Oberrabbiner Dr. Ungar auf die goldene Hochzeit feiernden goldenen Menschen. Herr Baron Gutmann erhob sein Glas auf die goldenen Kinder der goldenen Jubilanten. Es wurden überhaupt alle Anwesenden mit schönen Sprüchen bedacht. Kesmark. (Todesfall.) Der hiesige angesehene Kaufman" und Vizepräsident der isr. Gemeinde Herr Isidor Harttnann hat einen herben Verlust erlitten — Seine allgemein geehrte Gattin. Frau Hartmann geborne Roth, ist am 22. April l. I. nach kurzem Leiden in ihrem 44. Lebensjahre und nach 24 jähriger überaus glücklicher Ehe in Wien verschieden. — Ihre Leiche wurde nach Kesmark überführt und am 24. April, 11 Uhr vormittags, unter großer Teilnahme am dortigen isr. Gottesacker beerdigt. — Von der allgemeinen Beliebtheit und Wertschätzung, deren sich die Verstorbene erfreute, zeigte die ungewöhnlich zahlreiche Beteiligung bei dem Leichenbegängnisse, bei welchem Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Grünberg der dahingeschiedenen edlen Frau einen tiefergreifenden Nachruf hielt, in welchem er in äußerst trefflichen Worten die Charaklerzüge und insbesondere die grenzenlose Wohltätigkeit der Verblichenen schilderte. — An der Bahre der Verstorbenen trauern der tiefbetrübte Gatte, ihre heißgeliebten 12 Kinder, ihre alten qramgebeugten Eltern und ihre innigstgeliebten 9 Geschwister. Herr Jakob Roth, Präsident der Rüzsahegyer Chewra-Kadischa, und seine Frau betrauern in der Dahingeschiedenen ihre unvergeßliche Tochter. Herr Julius Rozsa, Oberbeamter der Silleiner Tuchfabrik, Herr Adolf Roth. Kaufmann in Rozsahegy, der Liptoujvürer Advokat Herr Dr. Artur Roth, der Budapester Großhändler Herr Wilhelm Roth und der Advokat Herr Dr. Moriz Roth ihre geliebte Schwester. Berlin. Dr. Max Schlösfinger, bisher Professor an dem „Hebrew Union College" in Cincinnati, ist in das Dozentenkollegium der „Lehranstalt für die Wiffenschast des Judentums" eingetreten. München. Professor Dr. Leo Grätz, ein Sohn des jüdischen Geschichtsforschers Prof. Dr. H. Grätz, wurde zum Ordinarius für Physik und Elektrizität an der hiesigen Universität befördert. — Hugo Hirsch auf Gereuth wurde der Orden vom heiligen Michael verliehen. Köln a. Rh. Landgerichtsrat Alfred Salomon wurde zum Oberlandesgerichtsrat bei dem hiesigen Oberlandesgericht befördert. Posen. Die Stadtverordneten gewähtten dem jüdischen Krankenhause eine Subvention von 10.000 Mk., und zwar mit den Stimmen der Konservativen, Polen und drei jüdischen Freisinnigen und gegen die Stimmen der übrigen Freisinnigen, darunter einer Anzahl Juden.