Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 19 (8.5.1908)
- Date
- 1908-05-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 19 Sr. Mscd s Mocvenscdnn. Seite 353 Der Sabbath hat andere Bedeutung. Er reicht zurück ins Alte Testament. Es wird uns gesagt, weil Gott die Welt in sechs Tagen schuf und am siebenten ruhte, so sollte die Menschheit desgleichen tun. So verband sich dem Menschen in dieser Allegorie die Auffassung von dem göttlichen Ursprung des Sabbaths. Diese Auffassung verbleibt noch heute dem Gläubigen. Der Skeptiker, der Atheist wagt alles das zu bezweifeln, und wer will es ihm wehren? Die „Baptisten vom siebenten Tage", die „Sabbathdiener" und die Juden behaupten, daß alles, worauf die menschliche Gesellschaft ruht, alles, was uns veranlaßt. Vater und Mutter zu ehren, aus die 10 Gebote zurückzuführen ist, und daß, wenn daran gerüttelt werde, Anarchie, Unruhe und Unordnung die Folge sein müsse. Und weil das so sei, sei der siebente und nicht der erste Tag heilig zu halten. Als Napoleon 1806 die Woche wieder einführte, war der Sonntag nicht gerade ein Tag der Ruhe! Die Hypokriten der heutigen Zeit sind nur Nachkommen von Perenne, Mullois und Gaume. Wenn wir nach Gottes Ebenbild geschaffen sind und er am siebenten ruhte, so sollten wir auch am siebenten Tage ruhen, nicht am ersten. Aber dies ist ein freies Land. Jeder hat das Recht, zu glauben, was er will, was Gewiffen und Herz diktiert. Dank der Verfassung haben wir religiöse und irreligiöse Freiheit. Freitag, Sonnabend, Sonntag, Mittwoch, welchen Tag Jeder will, kann er ruhen. Aber wenn wir die Heiligung des Sonntags befehlen und die, die anders glauben, zwingen, ihn zu heiligen, so handeln wir verfassungswidrig, unchristlich und unamerikanisch. Das ist die persönliche Freiheit. Ihr sehr ergebener Dr. Adolph Spiegel Rabbi Shaari Zedek, Hartem." Ans der territorialistischen Bewegung. Schließung der Russischen „Jto". Ueber die Verfügung des Ministers des Innern wurde die „Jüdische Territorialistische Organisation" („Jto") in Rußland gesperrt, wodurch die Tätigkeit der vielen hunderte Zweigvereine sowohl in Europäischwie auch in Asiatisch-Rußland lahmgelegt ist. Diese willkürliche und grundlose Maßregel wurde getroffen trotz der erfolgten Legalisierung der „Jto" und trotz der beruhigenden Versicherungen der Lokalbehörden, welche erklärten, mit dem Wirken der Organisation vollkommen einverstanden zu sein und daß sie gar keine Veranlassung hätten, gegen die „Jto" einzuschreiten. Tatsächlich war von allen russisch-jüdischen Parteien die territorialistische die einzige, welche sich von der „inneren Politik" absolut fernhielt, um keinen Grund zu bieten, daß ihre dem Interesse des jüdischen Volkes geweihte Arbeit gestört werde. Es bleibt also nur die Annahme übrig, daß die „Jto" durch Verleumdung und böswillige Deutung ihrer Bestrebungen seitens Anhänger anderer jüdischer Organisationen, vielleicht auch seitens der Auswanderungsagenten, denen die „Jto" endlich das Handwerk legte, an offizieller Stelle angeschwärzt wurde. In einem Briefe an die „Jto" schreibt Mr. Billik o p f, der Superintendent der Jüdischen Wohlfahrts-Federation von Kansas-City in Missouri, daß angesichts der gegenwärtigen noch nicht dagewesenen industriellen Krise in Amerika, die Emigrationspolitik der „Jto" vollste Berechtigung hat. Der Brief besagt dann: Kansas-City ist — wie Ihnen wohl bekannt sein wird — das größte Zentrum im Landesinnern, welches in seiner Arbeit mit Galveston kooperiert. Seit dem 1. Juli kamen hier über hundet Emigranten an, also dreimal so viel, als nach anderen Filialen des sogenannten Galveston- Gebietes geschickt wurden. Es wird Sie gewiß freuen, die Tatsache zu vernehmen, daß sämtliche Emigranten augenblicklich ihren entsprechenden Beschäftigungen nachgehen und durchschnittlich 9 Dollars per Woche verdienen. Dieses Faktum ist umso bedeutsamer, wenn man erwägt, daß dies noch lange nicht die wünschenswerten Konditionen find. Berücksichtigen Sie hiebei, daß es Arbeiter gibt, die nur 6 bis 7 Dollars per Woche Verdienen; allerdings find dies Knaben im Alter von 18 bis 19 Jahren. Die Erwachsenen verdienen natürlich mehr, und bis Sie dieser Brief erreicht, werden insbesondere die in der Nadelindustrie Beschäftigten, deren Saison eben jetzt begonnen hat, sicherlich 20—30 Dollars per Woche verdienen. Es diene Ihnen weiters zur gefl. Kenntnis, daß manche Emigranten bereits ihre Familien Nachkommen ließen; andere find im Begriffe, das Gleiche zu tun — eine weitere höchst erfreuliche Tatsache." Aus den übrigen Mitteilungen Mr. Billikopfs geht hervor, daß eine ganze Anzahl Emigranten Ersparnisse zur Seite legen konnte oder Beträge von 50 bis 175 Dollars nach Rußland gesendet hat. Die Beschäftigungen der Emigranten sind mannigfachster Art und es ist nur bewundernswert, mit welcher Raschheit und Gründlichkeit sich dieselben in neue Berufe eingeführt haben. So zum Beispiel beschäftigt sich ein Drechsler in einer Papierfabrik, ein Melamed in einer Likörfabrik, während ein Buchbinde: gehilfe Hutkrämpen macht. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Lonis Bab: Von Salo und Camilla Cohn K 50.—, Martin und Mathilde Cohn L 30.— Zusammen K 80.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Kommerzial-Rates Otto P o l l a c z e k: Von Alexander Latzko K 50.—, Leopold Böhm 50.—, Ludwig Spiegler 50. - , Alois Lemberger 40.—, Moritz Robitschek 20.—, Dr. Oskar Stein 20.—, Dr. Alfred Tauber 20.—, Geza Bloch 20.-, Julius Bachrach 40.—, Leopold Herzog 20.—, Arthur Kary K 40.—. Zusammen K 370.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Rosa Eisen st ein: Von Irene Flandrak K 20.—, Rudolf Kahler K 20.—. Zusam. K 40.—. .Anläßlich des Ablebens der sel. Therese Eigner: Von Dr. W. Latzko K 10.—, L. Latzko 10.—, Alfred Latzko K 10.— Zusammen K 30.—. Anläßlich des Ablebens des sel. I. S. Z i l s e l: Von Adolf und Jenny Freund K 10.—, Alfred und Elsa Pollitzer 10.—, Simon und Flora Work L 10.-. Zusammen K 30.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Wilhelm Engel: Von Sandor und Auguste Kanitz K 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Franz Dukes: Von Alexander Fröhlich K 30.—, Ernst Fröhlich 30.—, Dr. Hermann und Immanuel Brück L 25.—. Zusammen K 85.—. Jüdischer Bürgerverein „Jto" in Wien XV. Am 29. April d. I. setzte der Verein seine Vorträge über die Lage der Juden fort, indem der rühmlichst bekannte Sekretär der Wiener „Israelitischen Allianz", Dr. Armand Kaminka, im Saale des „Cafe Mariahilf" vor einer aufmerksamen Hörerschar über „D i chtung und Wahrheit in der jüdischen Emigration" sprach. Auf Grund einer Statistik suchte der Vortragende eine Auffassung der jüdischen Emigration zu geben, die von der althergebrachten wesentlich abwich. Er sucht die Ursachen der Emigration weniger in den politischen als in den volkswirtschaftlichen Verhältnissen und hält speziell die jüdische nicht für so groß, wenn man sie mit anderen Nationen vergleicht. Sie bedeutet ferner den Erwerb neuen Wohlstandes durch unbemittelte Menschen. Auch moralisch stärke sie die ganze Judenheit, denn in den neuen Aufenthaltsorten werde der jüdische Sinn gepflegt. Es sei schwierig, die Emigration zu regeln, weil sich einem solchen Vorhaben das egoistische Interesse der Auswanderer entgegenstelle. Wien. (Verlobung.) Fräulein M i l a R o ub i t s ch e k hat sich mit Herrn Ingenieur Arthur Flach verlobt. Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien. Am Samstag den 9. Mai d. I., 8 Uhr abends, findet in Guth's Saallokalitäten, II., Stefaniestraße 14, die XVIII. ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung : 1. Bericht des Präsidenten über das abgelausene Vereinsjahr. 2. Kassabericht. 3. Bericht der Revisoren. 4. Vortrag unseres Mitgliedes, des Herrn Stadtbaumeisters Edmund Melcher: „Ueber die Unterfangung eines vier Stock hohen, bewohnten Hauses im IX. Bezirke". 5. Diskuffion anschließend an den Vortrag. 6. Anträge und Interpellationen.