Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 19 (8.5.1908)
- Date
- 1908-05-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Dr. 19 OpB Bioch’s . XXV. Jahrgang Zentralorgan kür die gesamten Interessen des Judentums. Wien, 8. MaHo8. m Lrscbelnt jeden Freitag. : Brief-Adreffe: Mten. IX/i. Dabngssse IS. Telegramm-Adreffe: Llocb's Mocbenscbrttt. Mten. O G== —=DO? L. K. PoflsparKaffenam! ^5 Sieartng-VerKedr «r. 810.976. Aedattton und Administration: »Ir« H/i, Dadngssse Hr. IS. (^Telefon Nr. 14.847. <[ nO " -. Oo O O- =0 ° p Brprsoxrri» für Vr strrrrirtz: Halbjährig 8 Ikonen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» A»»l«»»r Halbjährig 10 »ronen. «anzjährig 20 * Anzeigen: Die 4mal gespal» 1) lene PetttzeU« 24 Heller. . £ Oft - --Oo Inhalt r Heine als Denker. — Jahrmarkt: Die Jour-Dame. Ein jüdischer GraWotocki. Charles L. Hallgarten. Die Nataler Juden an den Gouverneur Mathew Nathan. Die Statutenänderung der zionistischen Colonialbank znrückgewiesen. Ein Monumentalbrunneir zum Andenken an einen jüdischen Lebensretter. Jüdische Dichtungen. — Korrespondenzen: Allgemeiner österr.-israel. Bundestag. Wien. ..Lügenmaul". Großhändler Elias gestorben. Sarajewo. Frankfurt a. M. Berlin. Alexandrie:'. Nikolaus der Gütige. Das New- Iorker „Morgen-Journal. Aus der territorialistischen Bewegung. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden rc. Jüdischer Bürgerverein „Jto" in Wien XV. Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien. Talmud-Thora-Verein für die westlichen Bezirke Wiens. Direktor Hermann Steiner. Hebräischer Konversationsklub. Der Jvria-Ausflug. Sigmund Edler von Wertheimstein-Stiftung für Handwerksgehilfen israelitischer Konfession. Wiener Kredit- und Vorschubverein. Spenden zum Tempelbau Wieden-Margareten. Austritte aus dem Judemtum. Preßburg. Groß-Enzersdorf. Soborten. Neutitschein. Lemberg. Nachod. Statina. Kesmark. Berlin. München. Köln a. Rh. Posen. — Feuilleton: Basche-Lea — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Heine als Denker. Bortrag des Bibliothekars Dr. Bernhard Münz, gehalten im Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Der Präsident des Vereines, Herr Univ.-Profeffor und Militär- Superintendent Dr. I. Szeberinyi, begrüßte die Anwesenden mit folgenden Worten: Indem ich Sie, hochgeehrte Versammlung, im Namen des Vorstandes unseres Vereines zur Abwehr und Bekämpfung des Antisemitismus herzlichst willkommen heiße, eines Vereines, dessen Endziel nur darin besteht, daß die Lebenssonne der Liebe in allen ihren Ausstrahlungen als Liebe zur Familie, Volk, Vaterland, Menschheit, geordnete Freiheit und Fortschritt auch unter uns ungehindert und ungestört ihren Segensglanz ausbreiten könne, lade ich den Herrn Bibliothekar Dr. Münz, der noch im freundlichen Andenken durch seinen herrlichen Vortrag bei uns steht, den er über den Grafen Coudenhove, unseren ersten Vizepräsidenten, gehalten hat, höflichst ein, daß er uns Heine, diesen Lieblingsdichter unserer hochseligen Kaiserin Elisabeth, als Denker darstelle. Herr Dr. Münz begann hierauf: Sehr geehrte Versammlung! Mit Vergnügen erinnere ich mich an einen seinerzeit in diesem wahrhaft edlen Vereine von einem illustren Manne gehaltenen Vortrag über Heine, den Dichter. Eine Vervollständigung und Ergänzung des von Baron Dobelhof entrollten Bildes sei mein heutiger Vortrag, der, so paradox es auch klingen mag, Heine, den ungezogenen Liebling der Grazien, als Denker ins Auge faßt. Heine ist als Dichter ein Denker und als Denker ein Dichter. Letzteres erhellt ganz besonders aus seinem Verhältnisse zu Spinoza. Kaum hat jemand sein Lob schöner und hinreißender gesungen, als Heine in dem ersten Teile des Buches „lieber Deutschland". Bei der Lektüre Spinozas ergreift ihn ein Gefühl wie beim Anblick der großen Natur in ihrer lebendigsten Ruhe. Er gemahnt ihn an einen Wald von himmelhohen Gedanken, deren blühende Wipfel in wogender Bewegung sind, während die unerschütterlichen Baumstämme in der ewigen Erde wurzeln: „Es ist ein gewisser Hauch in den Tiefen des Spinoza, der unerklärlich. Man wird angeweht, wie von den Lüften der Zukunft. Der Geist der hebräischen Propheten ruhte vielleicht noch auf ihrem späten Enkel. Dabei ist ein Ernst in ihm, ein selbstbewußter Stolz, eine Gedaukengrandezza, die ebenfalls ein Erbteil zu sein scheint; denn Spinoza gehörte zu jenen Märtyrerfamilien, die damals von den allerkatholischesten Königen aus Spanien vertrieben worden." Der Lebenswandel des Philosophen ohne Furcht und Tadel entlockt ihm den Hymnus: „Er war rein und makellos wie das Leben seines göttlichen Vetters, Jesu Christi. Auch wie dieser litt er für seine Lehre, wie dieser trug er die Dornenkrone. Ueberall, wo ein großer Geist seine Gedanken ausspricht, ist Golgatha." Er gibt im ganzen und großen eine treffende Skizze seiner Lehre und fügt hinzu: „Nur Unverstand und Böswilligkeit konnten ihr das Beiwort,atheistisch* beilegen. Keiner hat sich jemals erhabener über die Gottheit ausgesprochen, wie Spinoza. Statt zu sagen, er leugne Gott, könnte man sagen, er leugne den Menschen. Alle endlichen Dinge sind ihm nur Modi der unendlichen Substanz. Alle endlichen Dinge sind in Gott enthalten. Gott ist die unendliche Ursache der Geister und der Leiber." Der Dichter überwiegt jedoch den Denker, wenn Heine in Spinoza einen Kämpfer für die Emanzipation des von den Juden mit Geringschätzung betrachteten, von den Christen, die auf dieser Bahn noch weiter gingen, gar als etwas Verwerfliches, als das Uebel selbst gebrandmarkten Fleisches, für die Rehabilitation der Materie, die Gleichstellung des Körpers mit dem Geiste, begrüßt. Er dichtet auch, wenn er meint, daß Spinozas Gottheit ihr Selbstbewußtsein nicht in dem einzelnen Menschen und durch ihn, sondern in der tvesamtheit der Menschen und durch sie offenbart, so daß jeder Mensch nur einen Teil des Gott-Weltalls auffaßt und darstellt; alle Menschen zusammen aber das ganze All in der Idee und in der Realität auffassen und darstellen werden: „Jedes Volk vielleicht hat die Sendung, einen bestimmten Teil jenes Gott-Weltalls zu erkennen und kundzugeben, eine Reihe von Erscheinungen zu begreifen und eine Reihe von Ideen zur Erscheinung zu bringen und das Resultat den nachfolgenden Völkern, denen eine ähnliche Sendung obliegt, zu überliefern. Gott ist daher der eigentliche Held der Weltgeschichte, diese ist sein beständiges Denken, sein beständiges Handeln, sein Wort, seine Tat, und von der ganzen Menschheit kann man mit Recht sagen, sie ist eine Inkarnation Gottes!" Aus der Existenz der von Spinoza angenommenen einen und einzigen Substanz, die