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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-05-01 · 18 (1.5.1908) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
18 (1.5.1908)
Date
1908-05-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Vlmh's WochrnfchrifL Sitte 333 Modus jedoch bedeutet ebenso eine Umgehung des Gesetzes, wie keine Systemisierung überhaupt. Der Gemeindebund beschließt daher auf dem in Wien am 27. und 28. April 1908 abgebaltenen Taa, an die Regierung heranzutreten und zu bitten, daß dieselbe an allen jenen Mittelschulen, in welcher mindestens 100 Schüler mosaischen Glaubens sich befinden, eine systemisierte Stelle eines mosaischen Relegionslehrers geschaffen werde. Dr. Bernard Hausner. Die Resolution wird dem Ausschüsse zur Amtshandlung überwiesen. Ferner gelangt folgende Zuschrift zur Verlesung: Oesterreichisches See-Hospiz. »Fast gleichzeitig mit der Tagung unseres Bundes ist in Wien eine jüdisch-humanitäre Schöpfung erfolgt, welche das Interesse unserer Glaubensbrüder im ganzen Reiche gewiß in vollstem Maße verdient. Ueber Initiative des Wiener Vereines „Ferienheim" wurde ein Oesterr. See-Hospiz-Verein ins Leben gerufen, der sich die Aufgabe stellt, arme jüdische skrophulose und rhachitische Kinder aus ganz Oesterreich, also ohne Rücksicht auf ihre Heimat und ihren Wohnsitz in einem an der Adria zu errichtenden Hospi, der Gesundung zuzuführen. Bereits in diesem Jahre beginnt die Wirksamkeit der Institution mit der Unterbringung von 30 derartigen Kindern im Seebade Grado. Es ist allgemein bekannt, daß in den letzten Jahren die bestehenden. aus interkonfessionellem Gelde geschaffenen See-Hospize teils von der Kommune Wien, teils vom Lande Niederösterreich übernommen wurden und daß es bei der herrschenden volitischen Strömung fast unmöglich ist, ein armes jüdisches Kind, selbst wenn es den Voraussetzungen in bezug auf die Zuständigkeit entspricht, in einer derartigen Institution unterzubringen. Ganz ausgeschlossen erscheint es insbesondere, Kindern, die nicht in Wien oder Niederösterreich heimatsberechligt sind, die Aufnahme zu erwirken. Eine Abordnung dieses neugegründeten See-Hospiz-Vereines für jüdische Kinder hat heute an mich, als den Vorsitzenden des Bundestages, die Bitte gerichtet, den Herren Vertretern der auswärtigen Kultusgemeinden, die sich hier zusammensanden, von dem JnSlebentreten dieser wichtigen, die Judenschaft unseres ganzen Reiches gewiß mit Genugtuung erfüllenden Institution Kenntnis zu geben und an Sie die Einladung zu richten, in ihren Gemeinden auf die Förderung des Institutes hinzuwirken. Mit der Schaffung des österreichischen See-Hospizes für jüdische Kinder wird nicht allein einem dringenden Bedürfnisse entsprochen, sondern auch eine Huldigung anläßlich des 60 jährigen Regiervngsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers in dem von Allerhöchster Stelle gewünschten Sinne verbunden sein." Hiemit ist die Tagesordnung erschöpft. Delegierter H i ck l spricht im Namen aller Delegierten seine Freude darüber aus, daß endlich nach so langen Jahren die österreichische Judenschaft, ohne Unterschied der Parteistellung, sich zusammengefunden habe, um über die Mittel und Wege zur Hebung der Lage des jüdischen Volkes zu beraten, und erstattet der Leitung des Gemeindebundes den Dank dafür, daß sie auch so liebenswürdig war, nicht nur die Kultusgemeinden, sondern auch die anderen berufenen Repräsentanten des jüdischen Volkes heranzuziehen. (Lebhafter Beifall.) Dr. B l o ch, den Ausführungen des Vorredners sich ananschließend, stellt ven Antrag, die Versammlung möge den hochverehrten Herrn Präsidenten, der in diesem hohen Alter das seltene Glück hat, eine so illustre österreichisch-jüdische Versammlung zusammenzuberufen und würdig, zur Zufriedenheit aller Parteien, zu leiten, den Dank für seine Mühewaltung, für sein liebenswürdiges Entgegenkommen, für seine Unparteilichkeit auszusprechen nebst dem Wunsche, daß es ihm vergönnt sein möge, das heute so glücklich begonnene Werk zu einem gedeihlichen Ende zu bringen! (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Der Präsident dankt gerührt für die ihm dargebrachte Ovation und bemerkt, daß er den Delegierten danken müsse für die ihm gewährte Unterstützung, die es ihm ermöglichte, alle zu Tage getretenen Differenzen auszugleichen. Es wird wohl nicht viele Versammlungen heutzutage auswärts geben, die in gleich würdiger Weise ihren Verlauf finden. Aber auch als Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, im Namen des Vorstandes dankt er den Herren Delegierten und gibt der Freude darüber Ausdruck, daß es geglückt sei, die Vertreter von über 150 Kultusgemeinden, die Vertreter der Rabbinerverbände, die jüdischen Abgeordneten, kurz die Elite des Judentums hier zu vereinigen und durch einhellige Kundgebungen und Beschlüsse, denen 80 nicht vertretene Gemeinden telegraphisch die Zustimmung erteilten, die Einmütigkeit der gesammten Judenschaft vor aller Welt zu dokumentieren. Die Erinnerung an diese heutige Versammlung werde eine kostbare Verschönerung seines Lebensabends bilden. Somit erkläre er die Versammlung für geschloffen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Schluß der Sitzung 3/ß Uhr abends. Anläßlich des Bundestages gab der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde zu Ehren der erschienenen Delegierten im Prachtsaale des Restaurants Tonello ein Festbankett. Ueber 100 Delegierte hatten der Einladung Folge geleistet; ein Teil der Delegierten mußte einem von der „B'nai B'rith" veranstalteten Vortragsabende anwohnen. Den ersten Toast auf den Kaiser brachte Präsident Doktor Alfred Stern aus. Abg. Dr. Straucher hielt unter großem Beifalle einen Trinkspruch auf den Präsidenten Dr. Alfred Stern. Abg. Dr. Mahler toastierte auf die jüdische Jugend; Dr. Löhner forderte in seinem Trinkspruche die Gründung eines jüdischen Studentenheimes. Es sprachen ferner Abg. Stand, Prof. Kisch, Doktor Markus Spitzer, Dr. Thon, Prof. E h r m a n n und Rabbiner Reich. Zwischen den einzelnen Trinksprüchen entzückte Oberkantor Guttmann die Festteilnehmer mit seinen herrlich vorgetragenen lithurgischen Gesängen. Die Stimmung war eine äußerst animierte und erst lange nach Mitternacht gingen die Teilnehmer an dem Bankette in gehobener Stimmung auseinander. Generalversammlung der „Grstrrreichisch- Israelitische« Union". Im großen Saale des »Hotel Guth" fand am 27. d. M. die diesjährige Generalversammlung der »Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" statt. Unter den zahlreichen Versammlungsteilnehmern bemerkte man auch viele Mitglieder aus der Provinz, darunter die Delegierten Max Steiner aus Kolin, Ludwig Moser aus Karlsbad, L a p p e l t aus Falkenau, Singer aus Waidhofen a. Th., Dr. P o r g e s aus Karolinenthal, Geist aus Wiener-Neustadt, kaiserl. Rat P o l l a k und Doktor Landau aus Bielitz, ferner die Wiener Kultusvorsteher S ch r a m e k und Steiner, Gemeinderat Dr. Hein rc. Nach Eröffnung der Versammlung durch Vizepräsidenten Dr. O r n st e i n erstattete Sekretär Fleischer den Rechenschaftsbericht: Geehrte Generalversammlung! Das abgelaufene Vereinsjahr erhält seine Signatur durch die Erneuerung des Parlaments auf Grund der allgemeinen Wahlen. Für unsere Beteiligung an diesen Wahlen hat uns die vorjährige Generalversammlung eine feste Marschroute vorgeschrieben. Wie wichtig der Gedanke war, überall dort, wo die Juden die Mehrheit oder doch einen bedeutenden Bruchteil der Wählerschaft bildeten, nur noch unsere eigenen Interessen zu wahren und nicht mehr die Geschäfte von Parteien zu besorgen, die nur dem Namen nach freisinnig, in ihrem innersten Wesen aber national-chauvinistisch find, haben die nachfolgenden Ereignisse erwiesen. Noch ehe das neue Haus zusammentrat, hatten die sogenannten Deutsch- Freiheitlichen unter Führung des Jglauer Abgeordneten Dr. Gustav Groß Freisinn und Gleichberechtigung preisgegeben, indem sie den Abgeordneten Kuranda wegen seines Glaubensbekenntnisses, den Abgeordneten Baron Hock wegen seiner antiklerikalen Haltung von der Klubbildung ausschlossen. Das war der Dank, den die Deutschliberalen den jüdischen

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