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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-05-01 · 18 (1.5.1908) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
18 (1.5.1908)
Date
1908-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Dr. 18 Dr. Bloch’s . XXV. Jahrgang Zentralorgan für die gesamten Unter essen des Judentums. Wim, lTäKoiTm Br scheint jeden Freitag. Brief-Adresie: Wien. IX/i, Dabngasse 15. Telegramm-Adreffe: Vlocd's MiocdenscdriN, Wien. L. k. Postsparkaffrnmur Slearing-Verkedr Nr. 810-976. Redaktion und Administration: ttfxn tl/i, Dabngasse Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. OO .- -=00 p ’3tfU8*px*im P* r*Jt*rr»fe$: Q Halbjährig 8 »tonen: «tnjelejemplate 50 Heller. Für'» Nualand: Halbjährig 10 »roneu. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal aefpal» tene Petitzetle 24 Heller. oP ■ - Qo Inhaltr Jüdischer Gemeindetag in Wien. — Generalversammlung der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union". — Korrespondenzen: Wien. Verein zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder in Wien. Generalversammlung der Chewra- Kadischa Fünfhaus. Der alte jüdische Friedhof in Preßburg. „Zur Naturgeschichte des Renegatentums." Die Bluthetze in Ungarn. Budapest. Charles L. Hallgarten. Berlin. Zwei Depeschen aus Rußland. Die Juden im russischen Militärdienste. Oberrabbiner Dr. Moriz Löwy. — Vermischtes: Wien. Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien. Hebräischer Konversationsklub. Hebräischer Sprachkurs. Austritte aus dem Judemtum. Israelitisches Schülerbeim, Graz. Kuttenberg. Pohrlitz. Die Ehrenbeleidigungsklage eines Getauften. Professor William Wolf. — Feuilleton: Wohltätigkeitssinn. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate Indischer Gemeindetag in Wien. Die zwei ersten Tage dieser Woche waren Frühlingstage der österreichischen Judenheit. Da zeigte sich, daß der Charakter des Judentums aus Eisen ist, das unter dem Hammer geschmiedet wird, nicht zertrümmert. Antisemitische Roheiten haben vor allem unsere Indolenz und Untätigkeit zerstört, auf Geßmanns Ministerium war die Antwort der österreichische Judentag. In den Amtsräumen des Wiener Kultusvorstandes versammelten sich auf den Ruf des jüdischen Gemeindebundes Vertreter der jüdischen Kultusgemeinden von ganz Oesterreich, um den Grundstein zu einem bedeutungsvollen Werke zu legen, zur Organisation der österreichischen Judenheit, deren Macht die Einigkeit sein soll, deren Zweck der Schutz des unter wuchtigen Angriffen wankenden Staatsbürgertums der Juden ist. Die Begründung dieses Zweckes wird jeden Tag im Parlamente gegeben. Wir wissen, daß wir von diesem Staate nichts mehr zu erwarten haben, als Liechtenstein als Ministerpräsidenten. So vereinigt denn die Not der Zeiten die widerstrebendsten Hände, die wir schon zur Zeit der Wahlen vergebens zusammenzubringen suchten, und die Teilnehmer am Gemeindetage waren nicht nur als Vertreter einer großen Zahl von Bürgern, als Vertreter unseres großen geistigen und wirtschaftlichen Besitzes eine imposante Repräsentanz nach Außen, sondern auch als Vertreter der verschiedensten Parteien eine wertvolle Bürgschaft der Eintracht nach innen. Diese Einigkeit soll und muß sich erhalten lassen. Zwar stießen bei der Tagung noch immer Gegensätze zusammen, aber das war nur das letzte Grollen früherer Gewitter und es wurde weitaus übertönt von dem allseitigen Verlangen, daß der gemeinsame Feind gemeinschaftliche Abwehr finden möge. Der Weg wird sich von selber finden, da der Wille da ist und sie alle, Parlamentarier und Gelehrte, Delegierte großer Gemeinden und kleiner Gemeinden, großer und kleiner Parteien werden mit aufrichtigem Herzen zusammenarbeiten, wenn sie wirkliche Hilfe für die Juden zum Hauptpunkt ihres allgemeinen Programmes machen. Man ist dazu entschlossen, wie alle sagten, und man hat damit die Politik der österreichischen Judenschaft auf eine neue Platform gehoben. Als Anhängsel verdrießlich freisinniger Parteien können die Juden immer nur eine Dienerrolle im Staatsleben spielen, aber mit Benützung ihrer millionenstarken Anzahl, ihrer Konzentration in einzelnen Gebieten können sie der Regierung imponieren und vor dieser ebenso große Herren spielen wie verschiedene südliche Natiönchm, deren Angelegenheiten oft die ganze Staatsmaschinerie ins Stocken bringen. Das Zeitalter der nutzlosen und übertriebenen Bescheidenheit ist vorbei und mit Offenheit und mit dem Mute der gerechten Sache werden wir aus eigener Kraft jeden von den vielen zu hindern wissen, der gerade uns Juden etwas wegnehmen will, während man sonst jede nationale Gruppe und jeden wirtschaftlichen Stand zu fördern trachtet. Wenn die Organisation einmal geschaffen sein wird, so braucht sie sich um ein Tätigkeitsprogramm nicht zu sorgen. Schon das Verwaltungsgebiet der Kultusgemeinden ist ein Acker für reiche Arbeit. Was sich in ihrer finanziellen Schwäche kleinere Gemeinden nicht leisten können, einen geregelten Schul- und Religionsunterricht, einen weihevollen Gottesdienst, werden sie durch Anschluß an den Bund leichter erreichen, der auch in den allzufreien Berufen 0er Kultusfunktionäre durch Zentralschulen Ordnung machen wird und im allgemeinen berufen ist, das sinkende jüdische Gefühl allerorten zu stärken. Es wäre aber weit gefehlt von der Organisation, die internen Kehillasorgen in den Vordergrund ihrer Bestrebungen zu stellen. Gerade in den letzten Tagen hat die Lebensgefahr, in welcher die ganze Judenheit durch den Blödsinn zweier neugieriger Weiber und ihres würdigen Begleiters schwebte, deutlich gezeigt, von welchem unendlichen Werte eine festgefügte jüdische Organisation mit einhelligen Beschlüssen und flinker Bereitschaft wäre. Und gewiß hat sich auch jeder vernünftige Jude schon eine solche gewünscht, damit man der Sache des unglücklichen Hilsner einen energischen Anstoß geben oder jeden tückischen Anschlag der antisemitischen Gesetzgeber zunichte machen oder den zahllosen judenfeindlichen Umtrieben mit aller gesammelten Macht des österreichischen Judentums ein radikales Ende machen kann. Die Gelegenheit dazu ist besser denn je, denn es war keine künstlich vorbereitete und lärmend zusammengetrommelte Versammlung, welche am 27. und 28. April in Wien getagt

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