Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 15 (10.4.1908)
- Date
- 1908-04-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 276 Wr. Llocv s Mocdenscvrttt. Nr. 15 Er kann den Blick nicht rückwärts wenden, sonst sieht erMner Mutter weinend Bild und an des Vaters Grabe schleicht scheu verzweifelt er vorüber und kann sein volles Herz dort nicht erleichtern ... ob er auch sein Gesicht in heitere Maske zwängt, mit Trugschlüffen sich zu betäuben trachtet, es liegt in ihm ein unbezwinglich Sinnen nach jenem Brunnen, der ihn einstens netzte, nach jener Quelle, die für ihn versiegte. Der Mann erlaa, wir konnten ihn nicht halten, Ihr, Brüder von der Chewra-Kadlscha, ein Grab dem toten Manne, bestatten wir ihn, im Schatten tiefer Wehmut, kein Zorn, kein Groll, kein hartes Wort darf fallen, ein Bruder war's. Denkt an den milden Richter, daß keine Seele Schaden leide, die seine nicht und nicht die Deine... Wenn ich mit meinen Worten gerechten Stolz und Selbstbewußtsein wecken will, um Fahnenflucht und Treubruäi einzudämmen, gilt dies keineswegs den braven Streitern, die laut und offen sich zu uns bekennen, erhobenen Hauptes an unserer Seite gehen, die Halben meine ich, die Angekrankten, die heimlich in ein fremdes Lager schielen und uns.im Zwielicht gern verleugnen, die Brüder mit dem neuen Kainszeichen, die gottvergessen ihre Vater schmähen. Wir sind so wenige, der Gegner Viele, daß jeder Stein uns fehlt, den wir verlieren, ob ihn der Tod uns raubt, ob ibn ein widriges Geschick herausreißt aus dem bindenden Gefüge, was Wunder, daß Verlust uns doppelt trifft und kränkt. Geehrte Freunde! Nur zaghaft ging ich daran, dort anzupochen, wo wir gemeinsam Schmerz empfinden, denn wahrlich, schmerzlich muß es uns berühren, wenn wir gewahren, wie leichter Sinn und leichte Sitte mit frevler Hand das anzutasten wagt, was' uns seit jeher hoch und heilig und unsere bescheidene stille Art in aufreizenden Uebermut verwandelt! Grundpfeiler unseres Hauses ist der Satz: Der Vater lehrt, die Mutter schützt die Seele! So lang dies währt, so lange währen wird, so lang steht unser Volk in Gottes Hand, wirds Ehrfurcht hegen, Demut pflegen, wirds mutig stehen in Not und in Gefahr und Alles überdauern. Jetzt aber wollen wir getrost nach vorwärts schauen. Der Hüter droben schützt seine Getreuen und ihm empfehle ich Sie, daß über Jahr und Tag bei gleichem Anlaß ich alle Sie gesund und froh an dieser Stelle empfange und begrüße. Ich schließe die Generalversammlung." Abschiedsfeft für einen Rabbiner. Der Oberrabbiner von Alsö-Kubin (Ungarn) N. Horow i tz wurde von der holländischen Gemeinde in Jerusalem zum Rabbiner gewählt. Der in seiner Gemeinde sehr beliebte Rabbiner trat diese Woche seine Reise nach der heiligen Stadt an. Vorigen Samstag hielt Herr Rabbiner Horowitz seine Abschiedsrede. Zu diesem Festgottesdienste waren die Spitzen der Regierungs- und kommunalen Behörden erschienen. Der Obergespau, der Vizegespan, der Bürgermeister, sowie Vertreter aller nichtjüdischen Konfessionen und jüdischer wie christlicher Vereine. In der Abschiedsrede versprach der Rabbiner, daß .er auch in der Ferne seiner ungarischen Heimat und der Liebe, die ihm hier aus allen Kreisen entgegengebracht wurde, nicht vergessen werde. Oberrabbiner Horowitz schloß seine Abschiedsrede mit einem Gebet für das Herrscherhaus, für Ungarn, für die Stadt Alsö- Kubin und deren Bewohner. Nach dem Gottesdienst war großer Abschiedsempfang. Als Oberrabbiner Horowitz am anderen Tage zur Bahn fuhr, gab ihm fast die ganze Stadt das Geleite. Der Obergespan verabschiedete sich nochmals in einem äußerst herzlich gehaltenen Schreiben und erbat sich als Andenken an den Freund die Abschrift seiner Abschiedsrede. Auch in den nächstgelegenen Stationen, die zum Sprengel des Alsö-Kubiner Rabbinate gehören, wurden dem scheidenden Rabbiner Ovationen bereitet. Schließlich sei bemerkt, daß merkwürdigerweise sämtliche ungarischen Zeitungen behaupten, Herr Rabbiner Horowitz sei zum Oberrabbiner, d. h. Chacham-Baschi von Jerusalem gewählt und seine Wahl vom Sultan bestätigt worden. Moriz Bernfeld. In Budapest ist vorige Woche der ehemalige Armeelieferant Moriz Berufew gestorben. Der Verblichene war ein Philanthrop im wahrsten Sinne des Wortes, wie dies aus seinem Testament hervorgeht. Von den einzelnen Verfügungen des Testamentes seien die folgenden hervorgehoben: Den Armen in Belgrad, Semlin, Neusatz, Temesvar und Lugos (ohne Unterschied der Nationalität und der Religion) je 3000 K. 15.000 K., den jüdischen Armen Wiens 4000 K., den jüdischen Armen in Neurausnitz 3000 K., als zweite Stiftung für das Budapester jüdische Spital 4000 K., dem Budapester israelitischen Frauenver.in 6000 K., der Budapester freiwilligen Rettungsgesellschaft 3000 K., der Budapester Chewra-Kadischa 4000 K., dem Budapests israelitischen Mädchen-Waisenhause 6000 K., dem Budapester Asyl für Obdachlose 4000 K., dem Budapester Asyl für verlassene Kinder 6000 K., dem Budapester israelitischen Handwerkerverein 3000 K., dem Budapester Journalisten-Pensionsverein 3000 K., dem Budapester israelitischen Volksküchenverein 3000 K., dem Budapester Ferien- Kolonienvereine 20.000 K., zur Unterstützung verarmter Budapester Kauflente 30.060 K., zur Unterstützung stellenloser Budapester Handlungsgehilfen 30.000 K., zur Unterstützung verarmter Budapester Industriellen 30.000 K. (ohne Unterschied der Nationalität und der Religion) für arbeitslose Budapester Gewerbegehilfen 40.000 K., zur Bekleidung armer jüdischer Kinder ohne Nationalitätsunterschied 10.000 K., für den kön. ung. Honved- und Gendarmeriefond 340.000 K., den Beamten der kön. ung. Finanzdirektion 60.000 K., für das Moriz Bernfeld-Knabenheim 60.000 K., das Grundstück, zum Baue und zur Erhaltung desselben 300.000 K. für die Erziehung von 10—12 jüdischen Waisenknaben, dem jüdischen Waisenhause 150.000 K., für den Bau eines Pavillons im jüdischen Knabenwaisenhause 40.000 K., dem jüdischen Landes-Taubstummen-Jnstitut für arme Taubstumme 30.000 K. Testamentsexekutor ist der Schwager des Verblichenen Moriz Quetsch. Meran. Am 1 März wurde das Asyl, in welchem bisher nur 15 Kranke gleichzeitig ausgenommen und verpflegt werden konnten, aus .dem Grunde geschlossen, weil das Haus vollständig renoviert und zur Aufnahme von Rekonvaleszenten hergerichtet wird. Vielen leidenden mittellosen Glaubensgenossen aus Oesterreich-Ungarn wurde Hilfe zuteil, viele der Kranken, die im Asyl Aufnahme fanden, wurden ihrem Erwerbe wieder zurückgegeben, leider mußten jährlich 400—500 Kranke wegen Raummangels abgewiesen werden. Wir haben weiters von der Königswarter-Stiftung und dem Asylvereine die tieftraurige Nachricht zu bringen, daß Herr Friedrich Stransky, Bankier in Meran, am 23. März nach langem schweren Leiden zu seinen Vätern versammelt und am 25. März a. c. in einem von dem Kuratorium der Königswarter- Stiftung gewidmeten Ehrengrabe zur ewigen Ruhe bestattet wurde. Herr Friedrich Stransky war in Meran eine hochgeachtete Persönlichkeit, er war überall beliebt, er war edel und hilfreich gegen jedermann, insbesondere aber gegen die aus allen Weltgegenden in Meran zusammenströmenden kranken Juden. Das größte Verdienst jedoch, das ihm die volle Anerkennung sämtlicher Glaubensgenossen in berechtigter Weise sicherte, war seine Tätigkeit als Obmann der Königswarter- Stiftung. Er war derjenige, der den jüdischen Friedhof in Meran vergrößerte und er erwarb auch den Grund zu dem neuen Friedhofe; er hat vor 15 Jahren das Asyl für arme kranke Juden aus dem Fonde der Königswarter-Stiftung erworben, und unter seiner Leitung wurde der Grundstock gelegt, wurden sämtliche Vorbereitungen getroffen, um das neue Haus erstehen zu lassen. Er stand im Leben da als eine Leuchte jüdischen Gemeinsinnes, er wird als Beispiel aufgeführt werden dafür, daß durch rastlose Tätigkeit ein großes Ziel auch mit wenigen Mitteln erreicht wird. Wir (der Verein für mittellose kranke Israeliten in Gemeinschaft mit dem Kuratorium der Königswarter - Stiftung) führen nun den großen Gedanken des Verstorbenen aus. Wir arbeiten daran, ein neues Haus zu bauen, in welchem 100 K anke ausgenommen werden können, wir wollen den obberührten wunden Punkt, daß jährlich 400—500 Gesuche abgewiesen werden mußten, zum großen Teile beheben, jedoch fehlen uns noch die Mittel. Wir brauchen zur Bezahlung der Installationen und zur inneren Einrichtung noch 160.000 X, der Betrieb des Asyles erfordert jährlich 80.000 X, wovon erst 20.0(0 X durch Jahresbeiträge gedeckt sind. Alle Juden in Oesterreich und Deutschland haben ein Interesse daran, daß dieses humanitäre Werk ins Leben tritt, daß unseren armen leidenden und hilfsbedürftigen Glaubensgenossen in dieser Anstalt auch Hilfe gebracht wird. Wir bitten alle unsere Glaubensgenossen, ihre Herzen zu öffnen unserer Bitte, uns Beiträge zur Installation und zur Einrichtung zu gewähren, unserem Vereine als Mitglieder beizutreten, damit das neue Haus im Herbste 1908 seiner Bestimmung übergeben werden kann und wir segensreich wirken können für unsere armen Glaubensaenossen. Wir berichten weiters, daß am Tage des Begräbnisses des Herrn Friedrich Stransky eine große Anzahl von Armen und früheren Pfleglingen der Asyls mit namhaften Geldbeträgen beteilt wurden. Ferner wurden zu Händen des Vereines „Asyl für mittellose kranke Israeliten in Meran" von nachstehenden Personen Kranzablösungsspenden gewidmet: Dr. Wilh. Hersch und Frau in Meran X 50.—; Dr. Maxm. Koref und Frau, Meran X 40.—; Gustav Katzenstein. Kassel X 20.—; Gustav Rie und Frau, Meran X 10.—; Dr. Pick und Frau, Meran X 20.—; Heinrich Guttmann und Frau, Meran X 10.—; Komm.-Rat M. Joß und Frau, Prag X 20.—; Hermann Pach, Wien X 10.—; Sigm. Knina und Frau, Prag X 20.—; Josef Fuchs und Frau, Charlottenburg X 10.—; S. Löwenstein und Frau, Prag X 10.—; Albert Winterberg und Frau, Wien X 20.—; Elise Donnebauer, Prag X 20.—; Moritz Schick und Frau, Prag X 20.—; Alex. Ellmenreich und Frau, Meran X 20. -; Klara Neuburger, Darmstadt X 20.—; Rudolf Jserstein, Prag K 10.—; Karl Zinncr und Frau, Meran X 20.—; Wenzel Herzum und Frau, Meran . X 50.—; Markus Mändl und Frau, Meran X 10. -; Karoline Altschul, Prag X 20.—; Karola Kühns, Meran X 10.—; Sanitätsrat Dr. R. Hausmann, Meran X 30.—; Wilh. Freyberg- und Frau, Wien X 20.—; Gabriele Meyski, Meran X 15.—; Karl Bauer, Wien X 20.—; Rosa Mändl, Meran X 20.—; Klara Weil, Meran X 5.—; Josef Trictsch, Meran X 50.—; M. Leimstädtner, Meran X 100.—; Eduard Schütt, dzt. Meran X 50.—.