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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-04-10 · 15 (10.4.1908) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
15 (10.4.1908)
Date
1908-04-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 15 Dr. Bloch’s -- UV Jahrgang S Lentralorgan 0(5== =0 o? Ä. ft. Postsparftasfrnarnt Sleartng-Verkebr «r. 810.976. Webaltton unb Administration: »Irn IX/i, Dsbngasse flr. 15. l, Telefon Nr. 14.847. «J o O — O o für die gesamten Interessen des Judentums. Wien^Ü). AM 1968. - Lrscbetnl jeden Freitag. - Brief-Adresie: Mien» IX/i, Dsdngasse 15. Telegramm-Adreffe: Llocb's MocLenscbrttt, MUen. oo - =00 p Brprg»xrri» für Vrstrrrri^: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Krone». Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene PetitzeUe 24 Heller. Inhalt: Leitartikel: Das Fest der Befreiung. — „Freche" und dumme Juden. — Jahrmarkt des Lebens: Folgen des Antisemitismus in der Armee. Geschichte der Juden in Deutschösterreich. Pogrom in Jaffa. „Box, gib dein Ehrenwort!" Gegen die jüdischen Mittelschüler. „Moritz Lazarus' Lebenserinnerungen." Eine neue jüdische Kunstausstellung. — Juden und Arier. — Korrespondenzen: Oeffentliche Sitzung des Kultusvorstandes. Der „Ungar aus Amerika" und der Wiener Gemeinderat. Wien. Generalversammlung der Pester Chewra-Kadischa. Abschiedsfest für einen Rabbiner. Moriz Bernfeld. Meran. Berlin. Der neue Rabbiner von Frankreich. Philadelphia. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden rc. Vorstand des israelitischen Tempelvereines für den X. Gemeindebezirk Wiens. Kaiser Jubiläums-Wohltätigkeits-Vorstellung des Vereines zur Hebung der Gewerbe. Dritte ordentliche Generalversammlung des Vereines für unentgeltliche Arbeitsvermittlung an jüdische Hochschüler in Wien. Versammlung des jüdischen Bürgervereines „Jto" in Wien XV. am 31. März 1908. Wien-Mariahilf. Jüdische Toynbee- Halle, XX., Othmargasse 46. Jüdische Toynbee-Halle, XV., Herklotzgasse 21. Akademischer Verein „Jüdische Kultur". Wien. Hebräischer Konversationsklub. Brigittenauer israelitischer Unterstützungsverein. Beth-Hamidrasch „Montefiore". Hietzinger Frauen- Wohltätigkeitsverein. Austritte aus dem Judentume. Zablocie. Nachruf. Neuhaus. Amstetten. Pisek. Kattowitz. Budapest. Sofia. — Feuilleton: Gras. Die Memoiren einer Großmutter. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Das Fest der Krfremag. Ein fröhliches Fest, das jeder mit seiner Familie und jede Familie mit ihrem Volke feiert. Welchen Juden immer die Pflicht oder das Schicksal aus dem Kreise seiner Li.ben riß, bewegt in diesen Tagen die Erinnerung an das Vaterhaus, wo an der Sederschüssel zwischen den treuherzigen liebenswürdigen Frauen und Mädchen, zwischen den tüchtigen, liebevollen Männern die Hoffnung und die Freude zu Gaste saß und man im strahlenden Zimmer und im festlich gestimmten Herzen eine Türe aufmacht für den Propheten Eli, der da kommt, seine Juden zu trösten. Durch den Mund des Vaters spricht der Prophet. Aus seinem unscheinbaren Büchlein liest der Hausherr die ergreifende Geschichte des Volkes vor, das an einen Schöpfer mit Allmacht glauben muß, da es ja nur durch Wunder heute noch lebt. Nicht aus einem Mizraim ist es ja herausgeführt worden, sondern aus vielen; der Pharao, der es bedrückte und quälte, hatte Hunderte von Söhnen in allen Ländern, aber über den Gräbern der Gewaltigen, liegt der Sand der Wüste und die Juden, die Schwächsten der Schwachen, leben! Unsichtbare Zeichen stehen zwischen den Zeichen der Hagadah, die gewaltige Schrift der Jahrtausende, welche am Sederabend leserlich wird für das geistige Auge, das auf einen unendlichen Dornenweg unserer Ahnen zurückschaut, aus deren Geschick und Ausdauer die Nachkommen den.Mut schöpfen, weiterzuleben und zu streiten für Ehre und Glauben. Becher im Kranze auf den Tisch, die Geister des Weines lachen aus munteren Augen — die Juden trinken auf Geheiß ihrer Religion! Das erschien mir immer so merkwürdig bei diesem Volke von sprichwörtlicher Nüchternheit, bei seiner strengen Religion, welche die Seele jeden Moment vor den Herrgott stellt, damit sie Einkehr halte und Umkehr mache. Das erschien mir so merkwürdig im Hinblicke auf die historischen Tatsachen. Denn am Befreiungstage gerade hängt das bitterste Gedenken. Gerade an diesem Feste spielten sich doch in mittelalterlicher Nacht so furchtbar häufig die Geschehnisse ab, von denen Heine in seinem Rabbifragment eines verwertet. Da schlich der Aberglaube des Blutes als Würger durch die kerkergleiche Judengasse, da erhob er Klage wegen vergossenen Christenblutes und machte gar häufig das Passahfest zu Tagen des Entsetzens. Und doch die vielen Becher auf dem Sedertische, und doch die vorgeschriebene Fröhlichkeit des Frommen? Mein Laiengehirn fand sich endlich eine Antwort : Man fand alle Tage der großen und schweren Leiden aller Zeiten belanglos und feiert mit Begeisterung das erste Passah, den Auszug aus Egypten, die einzige Zeit unserer Geschichte, in welcher alle Juden einig waren und einem Fübrer folgten! Aber ach! Im Zuge der egyptischen Emigranten befand sich schon der liebe Korah. Einige tausend Jahre ist es schon her seit diesem Auszug. Daß sich doch die Menschen in dieser riesigen Flucht von Jahren nicht geändert haben! Rekapitulieren wir: Aufnahme und Emanzipation der Juden in Egypten, Provinz Verschon. Einer ihrer Vornehmen steht in besonderer Gunst bei Hofe. Beginnender Antisemitismus unter späteren Regierungen, welche die von Juden geleisteten Dienste vergessen, ihnen alle Rechte nehmen und sie unter Ausnahmsgesetze stellen. Indolenz der Juden, welche sich widerspruchslos zum Bau von Pithon und Rhamses verwenden lassen und in ihrem Sklavensinn zufrieden sind damit, daß jeder seinen Fleischtopf gefüllt hat. Bis sie sich zu einer Politik männlichen Widerstandes aufraffen. Moses erschlägt einen Egypter. Dieser Wille zur Ehre und Freiheit fand dann auch den Weg, der zur Freiheit führte. Vierzig Jahre lang ließ er dann die Juden in der Wüste, bis die Alten starben, die das Ghetto noch in den Knochen stecken hatten, denen der volle Fleischtopf die höchste Sehnsucht war und die man nicht umändern konnte, nur absterben lassen vierzig Jahre in der Wüste, bis neue, kampfessrohe Geschlechter mit Herrengefühl im Herzen heranwuchsen. Vierzig Jahre — sind wir schon so lange aus unserem Ghetto draußen, haben wir schon Vertrauen zu uns selbst, befinden sich schon unsere Stämme in einem Lager, um Amalek vereinigt schlagen zu können? Ein wunderbares Zeitgemälde, die Geschichte der Wüstenwanderung. Wie sie beginnt, muß den zitternden, flüchtigen Sklaven das Rote Meer zu Hilfe kommen und die egyptische Streitmacht vernichten. Als es zur Schlacht mit den Amalekitern kommt, betet Moses bis zum sinkenden Abend um den Sieg. Aber einige Jahre später betet Josua während des Schlachtgewühles, nur der Mond möge stille

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