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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-03-27 · 13 (27.3.1908) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr y % yvN Dr. Bloch’s XXV Jahrgang Zentraloraan kür die gesamten Interessen des Zudentums. 0(p== ==DO? L. K. PostsxarKaffrnsmt Sleartng-VerKebr «r. 810.976. fltebattton und Administration: »i-n 1X/1. Dabngasse «r. 15. I, Telefon Nr. 14.847. <[ oO .- On Wien, 27. Mürz 1908. Lrscbelnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, IX/i, Dabngasse 15. Telegramm-Adreffe: Llocb's MocLenscbrttt, MUen. O (J - =0O p Vrrugsprri» für Vrstrrreirh: ^7 Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespalten« PetitzeUe 24 Heller. OG: £>o 'n Inhalt r^L eitartikel: „Das Kind." — Gerechtigkeit zweiter Klasse. — Josef Popper (Lynkeus). — K o r r e s p o n d e n z esn: Plenar' sitzung deS Kultusvorstandes. Neuerliche Massenausweisnng voHFremden aus Rumänien. Das jüdische Quartier in Konstantinopel eingeäschert. Krise in einem Heiratsausstattungsverein. Ein Bischof als Protektor einer Judengemeinde. Die Juden im Sudan. Der bekannte Philanthrop H. L. Bischoffsheim gestorben. Ein neue Rede Zangwills. Eine Resolution des amerikanischen Senats gegen die russischen Greuel. Untersagte Judenmission auf Ellis Island. Petersburg. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden 2c. Baron ' Fould-Springer. Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien. Akad. Verein „Jüdische Kultur." Wien. Beth-Hamidrasch „Montefiore". Jüdische Toynbee-Halle, XV., Herklotzgasse 21. Für das Kind Neues aus der Textilbranche. Austritte aus dev' Judentum. Mißlitz. Prag. Karlsruhe. Karlstadt. Judenexzesse in Jaffa. — Feuilleton: Das fünfzigjährige Jubiläum der Zulassung des ersten Juden, Barons Lyonel Rothschild, in das englische Parlament, Montag, 26. Juli 1858. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. „Das Kind." Das seltene Regierungsjubiläum unseres Monarchen soll durch Wohltätigkeitsaktiouen für das Kind begangen und gefeiert werden. So wünscht es der Kaiser und verkündet es die Regierung. Der Ruf wird nirgends in Oesterreich ungehört verhallen. Die allseits große Verehrung, deren sich der Herrscher erfreut, im Vereine mit der besonderen Neigung, für das Kind, die Zukunft des Staates, zu sorgen, werden sicher hervorragende, bedeutende und dauernde Einrichtungen schaffen. Die jüdische Bevölkerung Oesterreichs wird sich gewiß mit großem Eifer beteiligen. Sie liebt und verehrt den Kaiser und ist ihm in tiefster Dankbarkeit ergeben. Sie sieht in ihm ihren einzigen Hort und Beschützer gegenüber den wechselnden Stimmungen der Volksvertretungen. Sie weiß, daß der politische, wirtschaftliche und kulturelle Fortschritt in den habsburgischen Ländern zum großen Teile unserem Kaiser zu verdanken ist, und daß sie auch davon eine Erhöhung, ihres Lebensunterhaltes und eine Sicherung ihrer Existenz erwarten könne. Die Juden sind daher vor allen andern Oesterreichern dynastisch gesinnt und daher mehr als andere Volksstämme des Donaureiches, dessen Mittel- und Einigungspunkt die Dynastie ift', Oesterreicher in Gesinnung und Betätigung. Ihnen wird daher die Feier des Regierungsjubiläums besonders am Herzen liegen und aus dem Herzen kommen. Sie haben begründete Ursache, sich dankbar der sechzigjährigen Regierungstätigkeit des Kaisers zu freuen. Ein historischer Rückblick auf das, was seit diesen zwölf Lustren für die Juden geschehen, wird unsere Behauptung stützen. Am 1. April 1848 wurden die Juden als Staatsbürger anerkannt und der konstituierende Reichstag in Wien zählte auch einige jüdische Mitglieder. Die Verfassung vom 4. März 1849 sprach das Prinzip aus: „Der Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte ist von dem Religionsbekenntnisse unabhängig." Im Jahre 1852 trat in Oesterreich mit der allgemeinen Reaktion auch die gegen die Juden ein, am 2.. Oktober 1653 wurde sie sogar auf dem Verordnungswege sanktioniert. Diese feindselige Strömung hielt bis zum Jahre 1859 an, bis endlich das Staatsgrundgesetz vom 21. Dezember 1867 die vollste und uneingeschränkte gesetzliche Gleichheit der Juden in Oesterreich aussprach. Der politische Kampf der österreichischen Juden gilt nun heute der praktischen Durchsetzung dieser Versprechen, ähnlich wie die Slaven für die des § 19 desselben Gesetzes unaufhörlich ringen. Und wenn die Juden auch noch nicht die tatsächliche Gleichstellung erreicht haben, so ist zu bedenken, daß der Erfolg der Ideen und speziell politischer Ideen eine sehr lange, lange Zeit erfordert. Die Erklärung der allgemeinen Menschenrechte in Nordamerika und Paris hatte in Ideen Lockes ihre theoretische Begründung. Ihre politische Durchsetzung ist noch jetzt nicht allgemein. Das Verhältnis von Staat und Kirche bildet gerade jetzt noch den heftigsten Streitfall, trotzdem die Aufklärungsliteratur die theoretische Grundlage schon vor eineinhalb Jahrhunderten geboten. Die Idee wird siegreich werden, sobald der Bureaukratismus durch den Sozialismus überwunden ist. Der Bureaukratismus ist die Vertretung des Machtstaates, bei dem das Ziel der Staatstätigkeit vornehmlich darin besteht, die überlieferten Machtverhältnisse gegen äußere und innere Feinde zu schützen, der Sozialismus dagegen will einen Arbeitsstaat, bei dem die Kulturaufgabeu eine Haupt-, die Machtfragen dagegen eine untergeordnete Nebenrolle spielen. In ihm wird die richtige Beurteilung des Wertes menschlicher Leistungen für das Gemeinwesen am maßgebendsten sein. Im frischen Anfangskampf beider Anschauungen stehen wir jetzt. Aber eben diese Betrachtung lehrt uns, daß der Weg vom Ghetto zur Teilnahme an den ideellen und realen Kämpfen des Staates innerhalb sechzig Jahren ein großer und bedeutender gewesen ist. Was unser Kaiser milgewirkt, mag man an der Macht ermessen, welche trotz der Konstitution die Dynastie in unseren Landen hat, da sie der Staatsschöpfer und Staatserhalter ist. Wir Juden haben uns also energisch und reich an der Jubelfeier des Kaisers zu beteiligen. In Fürsorgeaktiouen für das Kind soll die Offenbarung der dankbaren Ergebenheit bestehen. Wie hoch die Schätzung der Kinder bei den Juden war und ist, weiß jeder. Die Liebe für das Kind ist bei den Juden so groß, daß der Prophet Jesaias (49, 15), um die vollkommene Gewißheit und das unendliche Maß göttlicher Liebe anschaulich zu machen, die höchste Erscheinung der

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