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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-14 · 7 (14.2.1908) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 7 DPa BlOCH’S Iahr-ang IXY Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Judentums. OG~^ ■- =00 p K. k. Pofisparksssenarni Sleartng-Verkebr Nr. Sio.976. Redaktion und Administration: W ir'n IX/i, Dabngasse Nr. 15. jj Telefon Nr. 14 84V n 0...0 o -□ " □- Wien, 14. Februar 1908. — Lrscbetnl jeden Freitag. Brief-Adresse: Mllen, IX/i, Dabngasse 15. Telegramm-Adresse: Wlocb's MocbenscLritt, Mien. O (j- ■—o p Vrxugspreis für Vrfirrrrirtz: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ O Anzeigen: Tie 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. Cl C G Do Inhalt: Leitartikel: Vertreter des Christentums. — Der voreilige Nekrolog. — Die Lage der Rabbiner aus dem Lande. — Salomon Löwin. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Der englische Minister Churchill über die Lösung der Judenfrage. Die Familie Nathan und der italienische Hof. Erzherzogin Maria Dorothea. Frauenstimmrecht in der Kultusgemeinde. — Korrespondenzen: Tempelbau Wieden-Margarethen in Wien. Wien Budapest. David Wo.ffsohn in Osijek. Jsi aelitische Beerdigungsbrüderichaft in Kolin. Turnende Chassidim. Prag-Smtchow. Berlin. Eine jüdische Gemeinde in Chartum. Wiedereinsetzung der Rabbinerkommifsion durch die russische Regnrung. Ein Professorenjubiläum an der Khedivrschen U»iv isitäl in Kairo. Neue jüdische Kolonien in Kalifornien. Er will seine Synagoge zurück haben. - VermiscbteS: Wien. Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Jüdische Toynbee-Halle XV., Herklotzgasse 21. Zur Reform der jüdischen Armenpfl ge. Humanitätsvereni für die westlichen Bezirke Wiens, „Nachlat Jeschürun". Beth-Hamidrasch „Talmud-Thora". Hebräischer Konversatiousklub. Beth-Hamidra'ch „Monttfiore". Religionslehrerverein „Eira". Dank an die „Israelitische Allianz" ans Amerika. Gablonz a. N. Linz. Holleschau. Graz. Prag. Nürnberg. Nobel-Feier in Malmö. — Feuilleton: Zwischen Hammer und Ambos. — Literatur. — Neue Bücher — Briefkasten. — Inserate. Vertreter des Christentums. Den Christlich-Sozialen ist bekanntlich die ganze Welt eine Krippe. Kaum hatten sie die Gemeinde in der Gewalt, so begannen sie schon, sich zu mästen. Bald halten ihre Anhänger die Tasche so voll als früher den Mund gegen die angebliche Korruption und Stellenjägerei der Liberalen. Dann kam das Land mit allen seinen Unternehmungen und jetzt ist der Staat daran. Bei Licht betrachtet, ist das Arbeitsministecium mit seinem absoluten Einfluß auf alle Lieferungen für den Staat nichts anderes als die Unterjochung des wirtschaftlichen Lebens in der diesseitigen Reichshälfte. Selbst der Regierung, welche sich doch niemals der Feindseligkeit gegen die u.n Lueger schuldig zu machen wagte, war diese im Arbeitsminister Geßmann verkörperte Machtfülle denn doch etwas zu bedenklich und sie machte Schwierigkeiten, bis ihr das „Deutsche Volksblatt" das Schächtmesser an die Kehle setzte. Unbegreiflich, daß Beck bei seinem Kampfe von der liberalen Presse nicht energischer unterstützt wurde. Das eine Portefeuille des Geßn.ann ist gefährlicher als alle neunzig schwarzen Mandate. In den Kreisen der Industriellen war bis jetzt noch Neuzeit und Fortschritt zu finden. Man wird schon sehen, wie diese Leute und noch viele andere in die Wiener Rathauslaube gehen, wenn einmal Geßmann der Aufseher vom staatlichen Brotkorbe sein wird. Denn die Christlich-Sozialen verstehen es ausgezeichnet, wirtschaftliche Vorteile für politische Zwecke auszubeuten. Wie der Herr, so der Knecht denken sie und suchen deßhalb so viele Anhänger als möglich bar zu bezahlen. Hier Gesinnung — hier Stelle. Dieser Grundsatz hat den Christlich-Sozialen ihren großen Zulauf gebracht, einen Zulauf, der ihr Verhängnis und ihr Vorteil ist. Verhängnis deßwegen, weil in den meisten ihrer Aemter eine unerhörte, korrupte Protektionswirtschaft herrscht, deren Schlammmellen sich oft auf die Gasse und an die Oeffentlichkeit ergießt n und die noch zu Skinlalkn führen wird, welche selbst die Partei des Skandals aufreiben müssen. Ihr Vorteil, weil die nachschiebende Masse der Aemterhungerigen immer zu neuen politischen und wirtschaftlichen Unternehmungen treibt, von denen letztere die festgefügten Säulen der christlichsozialen Herrschaft sind. Bräuhaus. Lebensversicherung, Gasanstalten, Leichenbestattung, Großschlachlerer und Landesbahnen — all d^s und noch viel mehr sind eigentlich die Kasernen für die Hundertschaften christlichsozialer Agitatoren, sind die Zwingburgen, in denen auf lange hinaus jeder freiheitliche Gedanke niedergehalten wird. Jetzt kommt eine neue hinzu, das ist die Internationale Elektrizitätsgesellschaft, mit welcher lange eine grimmige Fehde bestand, bis der Kaufvertrag zum Friedensvertrag wurde. Wo immer eine neue Direktion ein altes Unternehmen übernimmt, trachtet sie, die früheren Angestellten zu behalten, wenn weiter nichts gegen deren Person vorliegt oder ein grundstürzendes, anderes System notwendig wurde. Man hat es ja doch nicht gerne auf dem Gewissen, einen Menschen auf das Pflaster zu setzen, der dann vielleicht nie mehr die Straße verläßt, auf der er ohne seine Schuld zum Vagabundentum hinuntersinkt. Den Wiener Stiefvätern der Gemeinde war diese Menschlichkeit schlechterdings nicht möglich. Denn kaum hörte man, daß die Elektrizitätswerke von der Kommune übernommen werden sollten, als sich aus der Masse der nachdrängenden Stellenjäger ein Rudel Wölfe loslöste und sich auf die Beute stürzte. 75 Prozent der bisherigen Beamten nur beschlossen die Vertreter der christlichsozialen Nächstenliebe zu übernehmen, und zwar nur soweit, als die Uebernommenen österreichische Staatsbürger sind. Zwei Jahre lang mußten die Beamten warten, bis der Stadtrat die große Gnade hatte, bekanntzugeben, welche Beamten im Dienste bleiben könnten. Diese müssen erst noch warten, bis man ihren zukünftigen Gehalt ftstsetzt, und bleiben ohne Rücksicht auf ihre bisherige Stellung provisorisch. Im Rahmen dieser Gemeinheit nun gab es eine Infamie. In den zwei Wartejahren nämlich versuchten eS viele der Beamten, welche Ausländer waren, die Zuständigkeit in Wien zu erwerben. Selbst wenn sie minderjährig waren und wenn sie sich erst ganz kurze Zeit in Wien aufhielten, wurden ihre diesbezüglichen Gesuche zustimmend erledigt, aber nur unter der Bedingung, daß eine der Gesuchsbeilagen ein Taufschein war. Die Juden wurden ausnahmslos und ohne Pardon zurückgewiesen. Nun hofften die anderen jüdischen Beamten, welche ö st erreicht s che Staats-

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