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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-01-24 · 4 (24.1.1908) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
4 (24.1.1908)
Date
1908-01-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4 L)r. Biocb’s MocbenscbrM. Sette 61 Oberrabbiner Dr. Güd emann: Zur Schaffung solcher Wohlfahrtseinrichtungen, wie die in Rede stehende, gehört vor allem Begeisterung. Die Begeisterung eines einzigen Menschen hat oft schon Wunder gewirkt. Die Versorgung der Gemeindebeamten und ihrer Witwen und Waisen ist ein so humaner Zweck, daß er wohl mit dem Jubiläumsjahr in Verbindung gebracht werden könne. Dr. S ch a n z e r : In Böhmen existieren 192 Gemeinden, von denen bloß ungefähr 20 lebensfähig sind. Der Religionsunterricht liegt in Böhmen im Argen. Der israelitische Gemeindebund für Böhmen erwägt nun die Frage, ob während des Jubiläumsjahres Sammlungen für den Penfionsfond oder zur Errichtung einer Lehrerbildungsanstalt und eines Proseminars in Böhmen veranstaltet werden sollen. Landesschulrat Dr. Gustav Kohn: Die Errichtung eines Proseminars ist sicherlich sehr erwünscht, aber dringender erscheint gegenwärtig die Regelung der Pensionsfrage. Biller—Graz meint, die Frage der Versorgung der Gemeindeangestellten durch Schaffung eines Penfionsinstitutes sei schon deshalb so rasch als möglich zu lösen, weil, wie bekannt, in absehbarer Zeit das Gesetz über die Privatbeamten- Bersicherung ins Leben treten wird und daher den Gemeinden nahegelegt werden müßte, daß es auch für sie zweckdienlicher sein werde, dieser Versicherungspflicht im Wege eines eigenen Penfionsinstitutes nachzukommen. G l e s i n g e r — Teschen fürchtet, daß bei dem Mangel an Begeisterung eine Aktion in der angestrebten Richtung nicht den erwünschten Erfolg zeitigen würde. Außerdem will jede Gemeinde aus Anlaß des Kaiserjubiläums selbst etwas schaffen, wodurch sie hinlänglich belastet würde. Dr. Sonnenschein — Troppau ist der Anficht, daß das Gesetz über die Versicherung der Privatbeamten abgewartet werden müsse. Die Sammlung eines Penfionsfondes für jüdische Gemeindeangestellte würde nicht von dem erwünschten Erfolge begleitet werden, da hiezu Millionen erforderlich wären. Der Präsident faßt hierauf die geäußerten Meinungen in Folgendem zusammen: Das Bureau wird beauftragt, ein allgemeines Pensionsstatut auszuarbeiten und der nächsten Vorstandsfitzung vorzulegen. Hernach wären die Gemeinden unter Hinweis auf das bevorstehende Gesetz über die Beamtenversicherung zum Beitritte aufzufordern. Auch die böhmischen Gemeinden sind einzuladen, das allgemeine Penfionsstatut suppletorisch in Anspruch zu nehmen. Von einer Verbindung dieser Aktion mit dem Jubiläumsjah' wird mit Rücksicht auf die Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit Abstand genommen. Der Vorstand beschließt in diesem Sinne. 2. Einheitlicher Lehrplan für den Religionsunterricht. Der Referent schlägt vor, daß den Gemeinden ein Lehrplanentwurf vorgelegt werde, in welchem der Lehrstoff nach unten und nach oben abgegrenzt erscheint. Eine Einheitlichkeit des Lehrplanes dürfte bei der Verschiedenheit der religiösen Auffassung, dielin den einzelnen Gemeinden vorherrscht, kaum durchzuführen sein. Landesschulrat Dr. Gustav Kohn: Die Einheitlichkeit des Lehrplanes könnte mit Rücksicht auf die Autonomie der einzelnen Kultusgemeinden in der Bestimmung des Lehrplanes nur mit Zustimmung aller Gemeinden erreicht werden; ebenso auch die Einheitlichkeit der Lehrbücher. Was die Schaffung einer Lehrerbildungsanstalt für ganz Oesterreich betrifft, so übersehe Dr. Schanzer, daß die Wiener Kultusgemeinde, ehe sie an die Errichtung ihrer Lehrerbildungsanstalt schritt, sich an sämtliche Kultusgemeinden gewendet hat. Nur weil das Rundschreiben ohne nennenswertes Resultat blieb, entschloß sich die Wiener Kultusgemeinde, eine Lehrerbildungsanstalt ausschließlich für Wien ins Leben zu rufen. Er befürchte, daß auch eine neuere Aktion behufs Gründung einer Lehrerbildungsanstalt für Oesterreich an dem Widerstande der böhmischen Gemeinden scheitern werde. Dr. Sonnenschein: Ein einheitlicher Lehrplan wird insolange undurchführbar bleiben, als wir nicht in einhettlicher Richtung herangebildete Religionslehrer haben werden. Daher sei vor allem die Errichtung einer Lehrerbildungsanstalt für Westösterreich notwendig. Die böhmischen Gemeinden würden seiner Ansicht nach keine besonderen Schwierigkeiten machen, wenn auch auf große Beträge seitens der Gemeinden nicht gerechnet werden darf. Dr. S ch a n z e r ist für die Schaffung eines einheitlichen Lehrplanes, wenigstens in fakultativer Form. Das Unterrichtsministerium würde eine solche Aktion sicherlich gerne sehen und auch unterstützen. Da die Wiener Kultusgemeinde jetzt an einem einheitlichen Lehrplan für Wien arbette, so wäre die Fertigstellung dieses Lehrplanes abzuwarten. Der „Bund" sollte dann diesen Lehrplan sämtlichen Gemeinden zusenden. Bezüglich der Lehrerbildungsanstalt meint Redner, daß Prag durchaus keine partikularistischen Ziele verfolge und die Idee einer separaten Anstalt sofort aufgeben würde, wenn in Wien eine solche Anstalt für Westösterreich entstünde, in welcher auch den sprachlichen Anforderungen der böhmischen Gemeinden durch Anstellung eines tschechischen Lehrers Rechnung getragen würde. Der „Bund" möge die Aktion in die Hand nehmen, und Redner will seinen ganzen Einfluß einsetzen, um die böhmischen Gemeinden für die Sache zu gewinnen. Er ist schließlich der Ansicht, daß die Gemeinden die auf sie entfallenden Beiträge für eine solche Anstalt in ihren Budgets aufnehmen können. G l e s i n g e r vertritt den Standpunkt, daß die Schaffung einer solchen Anstalt die würdigste Form wäre, das Kaiserjubiläum zu feiern. Er ist dafür, daß aus diesem Anlaffe ein Fond zur Errichtung von Stipendien für Zöglinge dieser Anstalt gesammelt werde. Landesschulrat Dr. Gustav Kohn schließt sich ganz den Ausführungen des Herrn Dr. Schanzer an, ist jedoch nicht der Ansicht des Herrn G l e s i n g e r, da man nicht gut für Stipendien an einer Anstalt sammeln könne, die noch gar nicht vorhanden ist. Er bemerkt schließlich, daß die Anstalt nicht gerade in Wien errichtet werden müffe. Sollten die Gemeinden sich jedoch für Wien entscheiden, so könnten sie der weitestgehenden Förderung seitens der Wiener Gemeinde sicher sein. Oberrabbiner Dr. Güdemann: Das Pochen auf die Autonomie der Gemeinden erweist sich oft als Hindernis für die weitere Entwicklung der Gemeinden selbst. Das hat sich auch bei dem Versuche, in der Schechitafrage einheitlich vorzugehen, deutlich gezeigt. Den Worten nach schließt sich Redner den Ausführungen des Herrn Dr. S ch a n z e r an. Ein einheitlicher Lchrplan wäre gewissermaßen das Protoplasma, aus dem eine Lehrerbildungsanstalt entstehen und eine Einigung zwischen den Gemeinden herbeigeführt werden könnte. Das wichtigste Prinzip bei der Ausarbeitung des Lehrplanes wäre jedoch die unbedingte Beibehaltung des Hebräischen im Religionsunterrichte. Wilhelm P a p p e n h e i m ist für die Ausarbettung eines Lehrplanes im Sinne des Referates. Er ist auch dafür, daß die Oberrabbiner der größeren Gemeinden ersucht werden, sich über die Art und den Inhalt eines Lehrplanes zu äußern. Landesschulrat Dr. Gustav Kohn hält die besondere Heranziehung der Rabbiner deshalb für überflüssig, weil die einzelnen Gemeinden ihre Entscheidungen betreffend den Religionsunterricht stets nur nach einer Beratung mit ihrem Rabbiner zu treffen Pflegen. Aufklärend bemerkt Redner, daß, wenn in allen den vorliegenden Aktionen von der Beschaffung der nötigen Geldmittel die Rede ist, hierbei nicht so sehr an die Belastung der Gemeinden, als an die Heranziehung der einzelnen Gemeindemitglieder durch Spenden gedacht sei. Bei dieser Gelegenheit spricht Herr Landesschulrat Kohn die Ansicht aus, daß der gegenwärtige Zeitpunkt besonders günstig wäre, die staatliche Organisierung der Juden in Form einer gesetzlich anerkannten Judenverfaffung durchzuführen. Der „Bund" solle die Aktion in die Hand nehmen. Präsident resümiert: Der Vorstand ist einmütig der Ansicht, daß ein Normal-Lehrplan für den Religionsunterricht mit besonderer Betonung des Hebräischen geschaffen und den

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