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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-01-10 · 2 (10.1.1908) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
2 (10.1.1908)
Date
1908-01-10
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 3 Br. LvloEs Wmhrr: 5$cx\ 9eüe SS lebigeS, liebenswürdiges Naturkind die Klippe der Frivolität, man könnte sagen, mit so viel Eleganz umschifft. Zu einem hartköpfiger. Streiten, Systemreiten, Theoretisieren, Verranntsein in Prinzipien und Doktrinen war Moriz Hartmann allerdings viel zu viel Poet nud Hellene und in der Wollust der Harmonie ging ihm jedes Entetmenr unter. Hätte man ihn und Börne politisieren gehört, — alle Welt hätte geglaubt, wie feuerspeiend Börne und wie mild, wie gelassen, wie wellenlinig Moriz Hartmann die Sachen nahm — sie stehen sich gegenüber, wie ein Held und ein Epikuräer. Es kam zur Aktion — und sie standen Seite an Seite. Wie heldenhaft litt dieser Epikuräer für seinen politischen Glauben! Welche Opfer brachte er ihn,! Wie trat er allen, auch den blutigsten Gefahren des politischen Märtyre: - tums dicht und ernsthaft unter die Augen! Derselbe Volksvertreter, der das ganze Pathos der Paulskirche scheinbar im Humor seiner „Reimchromk" verpuffte, geht mit Robert Blum in die Höhle des Löwen, der aber ein Tiger ist und nur die Blutgier, nicht die Großmut des Löwen hat. Derselbe Feuilletouist, der im „Tagebuch ans Languedoc und Provence" den Schaumwein des Franzosentulns aus seinen süßesten arabisch-griechischen Kelchen schlürft, ist im deutschfranzösischen Kriege ein felsenfester Deutscher, unverführt von französischen Freunden und Freundinnen, lachenden Reminiszenzen und lockenden Souvenirs! Derselbe schmerzgefolterte Kranke, der nur aus giftigem Morphin gefährliche Ruhe fangt, wird plötzlich gesund, als seine Gattin krank wird, und pflegt die übermenschlich-heroische Pflegerin in ihrem Typhus-Delirium selbst! Wahrlich, in unserem edlen Toten hat die Natur ein Meisterstück von jüdischer Energie und hellenischer Elastizität geschaffen! Ein Meisterstück, das ihr sobald nicht wieder gelingen möchte. Selten stand ein schönerer, jonischer Tempel auf einem stärkeren, makkabäischen Unterbau. Möge seine Biographie — und innen und außen bietet er das Material einer solchen ~ den Hellenen im Juden, den Juden im Hellenen, die ganze Eigentümlichkeit seines Genies, seiner Liebenswürdigkeit und seiner Tüchtigkeit der eingehendsten Charakteristik wert finden, zu welcher hier nur der Ton angegeben, nicht das Spiel der ganzen Tonart gefügt werden konnte. Nachschrift bei der Herausgabe. Seit ich Vorstehendes schril l', d. f). seit vier Jahren, ist eine Biographie Moriz Hartmanns meines Wissens nicht erschienen. Ja, ich höre, nicht einmal seine „Gesammelten Schriften" (Verlag von Cotta) verkaufen sich so gut, als es ihr gutes Recht wäre. Wahrlich traurig! Den ehrllebenden Verleger, der einem toten Dichter aus seinen eigenen Werken ern Denkmal setzt, läßt man im Stiche, pfropft aber Eczpuppen auf Erzpuppen, wenn der Denkmalpfennig erpreßt wird von reklamesüchtigen Aufsehenmachern, welchen man die Türe zu weisen zu schwach ist." An dies.- herrlichen Worte des durch und durch deutschnationalen Dichters Ferdinand Kürnberger in fernen „Literarischen Herzenssachen" (Wien 1877) wurden wir unwillkürlich erinnert, als uns der Zufall obige Bände aus der vom „Vereine der Deutschen in Böhmen" ebenso umsichtig als vornehm geleiteten „Bibliothek der deutschen Schriftsteller in Böhmen" auf den Tisch brachte. Mit emsigem Fleiße und glücklichem Spürsinn entwirft uns der jung-', durch seine „Oesterreichischen Porträts und Charaktere" (Wien 1903) bereits vorteilhaft bekannte Literarhistoriker Otto W'ltner aus bisher ungedruckten Briefen, Familienpapieren und ganz verschollenen Zeitschriften auf breitester, kulturhistorischer Grundlage ein Bild derKindkiest, Knaben-, Lehr- und Schaffensjahre des deutsch-böhmischen Poeten, dreviert dictu, wie sie Ferdinand Kürnberger vor 25 Jahren vergebens erhofft hatte. Zeit und Raum verbieten uns leider, näher auf den Inhalt einzugehen. Möge dieses trotz aller warmen Sympathie für seinen Helden streng objektive Werk umso mehr Leser und Käufer finden und dadurch Verfasser, sowie Herausgeber anspornen, die Fortsetzung, d. h. eine zeitgemäße Neuausgabe der Schriften Moriz Hartmanns nebst seinem bisher nicht veröffentlichten, hochinteressanten Briefwechsel uns baldigst zu schenken. M. B. Neue Bücher. Dr. Heinrich Leo Reich: Modernismus und Judentum. Eine Apologie. Preis K 2 40 2 Mk.; geb. K 3'— 2 Mk. 50 Pf. Verlag Wilhelm Braumüller, k. u. k. Hof- und Universitäts-Buchhändler, Wien und Leipzig, 1908. _ Krirfkastrrr. B. S. Anläßlich des zehnten Jahrestages der Veröffentlichung von Zolas Artikel „J’accuse“ zur Dreysus-Angelegenheit wird nach einer Pariser Depesche in Vorschlag gebracht, den Boulevard Batignolles in Boulevard Zola umzubenennen und die Ueberreste des Dichters am 13. Jänner in das Pantheon zu überführen. R. B. Sie fragen an: „Kann ein Faß, in welchem stets Oster-Borowiczka schel Pessach war. durch einen Heber von Spiritus chamezig wurde, gekaschert werden? Antwort: Nein. Ad. Braunfeld, Holleschan. Wir nehmen dankend die Mitteilung zur Kenntnis, daß der verstorbene Rabbiner S o r nicht in Ungarn, sondern in Holleschau (Mähren) als Sohn eines Rabbinats- Affeffors geboren wurde. R. L. Unter den Angeklagten befanden sich auch elf jüdische Abgeordnete der ersten Duma. Der Zwölfte war durch einen Zufall verhindert, den inkriminierten Aufruf zu unterschreiben. Zu diesen verurteilten „Unterzeichnern" zählen auch der Direktor der jüdischen Kolonialbank Dr. Katzenelsohn. Der Präsident des zionistischen Zentralkomitees von Rußland, Rechtsanwalt Rosenbaum, Dr. Schemarjahu Lewin, der bekannte Advokat Max Winawer u. m. a. Ein Teil der Verurteilten weilt schon seit der Zeit, da gegen die Unterzeichner die Klage erhoben wurde, im Auslande. M. P. Vom russischen Neujahr angesangen soll, wie russische Blätter melden, in Odessa ein neues jüdisches Tagblatt in russischer Sprache zn erscheinen beginnen. Da« Blatt, dem bedeutende Fonds zur 'Verfügung stehen, wird den Namen „Jewreiskiy Wjestnik" („Jüdischer Anzeiger") führen, keiner jüdischen Partei anaehören und hauptsächlich den Zweck veriolgen. die nichtjüdische Gesellschaft Rußlands über das Elend der Juden in Rußland aufzuklären. Baurat Max Flelsshsr’sclis Wohltätlgkeitsstlftung. Vom Vorstände der israelitischen Knltusgemeinde Wien wird hier mit bekanntgegeben, dass am 29. März 1908 die Zinsen der ob^enannten Stiftung per 150 K an einen oder mehrere mittellose würdige israelitische handel- oder gewerbetreibende Bewohner der Wiener Gemeindebezirke Mariahilf und Neubau und in Ermanglung solcher an sonstige stiftbrieliich geeignete Mitglieder der israelitischen k ukusgemeinde Wien zur Verleihung gelangen. Unter den Bewerbern geniessen ehemalige Mitglieder des T e ui p e 1 v e reines für die beiden Gemeindebezirke Mariahilf und Neubau oder Angehörige von solchen, oder endlich Angehörige von Angestellten des bezeichneten Tempelvereines den Vorzug. Die mit deu legalen Nachweisen über deu Betrieb ein^s Handels- oder Gewerbeunternehmens in den Bezirken Mariahilf und Neubau, die Mittellosigkeit und die eventuelle Vorzugs berechtigung, sowie mit dem Geburtsscheine des Bewerbers belegte Gesuche sind bis längstens 31. Jänner 1908 im Eiureichnagsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seiteustettengasse 4, 3. Stock, woselbst auch Gesuehsblaukette unentgeltlich verabfolgt werden, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Auszüge aus den Matriken der israelitischen Kultusgemeiude Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich; es genügt vielmehr die genaue Angabe der betreffenden Daten. Nicht entsprechend belegte oder nach Ablauf der Konknrsfrist überreichte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Elise Herz’scöe Ausstattungsstiftung. Aus der Elise Herz’sclien Ausstattungsstiftung für Bräute ist ein Platz im Betrage von K 750 zu verleihen, welcher am 20. Dezember 190H zur Auszahlung gelangt. Die Bewerberinnen haben durch Zeugnisse nachzuweisen, dass sie moralisch untadeltiaftu. d-.irftige und verwaiste Töchter jüdischer Eltern und in Böhmen oder in Wien geboren sind und sich im Brautstände befinden. Die ungestempelten Gesuche sind bis längstens 18. Februar 1908 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Knltusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, 3. Stock, woselbst auch Gesuchs’olankette unentgeltlieh behoben werden können, während der .Amtsstanden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zr überreichen. Auszüge aus den Matriken der israelitischen Knltusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich; es genügt vielmehr die genaue Angabe der betreffenden Daten. Bewerberinnen, welche sich vor der Verleihung der Stiftung verehelichen, werden des Bezugsrechtes verlustig. Auf nicht gehörig belegte oder verspätet überreichte Gesuche kann keine Rücksicht genommen werden. Salomon Fränkische Helratsstiftung. Aus der obgenannten Stiftung gelangen die einjährigen Zinsen im Betrage von K 380 an ein armes israelitisches Mädchen, welches sich im Brautstande befindet, zur Verleihung. Die Bewerberinnen haben ihre mit dem Geburts-, Armuts- und Moraiitätszeugnisse und dem Veriobuugsnachweise belegten Gesuche bis längstens 15. März 1908 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Knltusgemeinde, I. Seitenstettengasse 4, 3. Stock, woselbst auch Gesuehsblaukette während der Amtsstunden zwischen 9 und 1 a Uhr vormittags unentgeltlich zu beheben sind, zu überreichen Auszüge aus den Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken der israelitischen Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich; es genügt vielmehr die genaue Angabe der betreffenden Daten. Bewerberinnen, welche sich vor der Verleihung verehelichen, werden des Bezugsrechtes verlustig. Nicht gehörig belegte oder verspätet überreichte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Der Vorstand der Israel. Kultusgemeinde Wien.

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