Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 1 (3.1.1908)
- Date
- 1908-01-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 1 Jahrgang XXV X v £ ■ V« V Zentralorgan tut die gesamten Interessen des Judentums. s——--© II. h pajU'p-rrkaii'on-Vint i cnearlng-üerftebtj Rr. S1G.976. | RoüskUon und ZUdininistrnUor!: Wien IX/i, JSerggasse Nr. 39. 'Telefon Nr, 14.847- O-- N Wien, 3. Immer i 908. JE r & cfe e t n t jede n ff r e u a g. z=.rr Brief-Adresse - MlLN. IX Verggasse 39. Telearamm-Adresse: Siocd e MocvenscbrM. 3XItcn, j Bc?Uii«}»vtie Tuv Bc'.'rv’.t :t>r: i z Halb>nnrig ' Strcr.e«. : Einze!c?emr>!are r»C* HcUer Für'L a«al.:it£>: 10 streuen. O-auzjLhc'.g 20 Anze 1 g;n: Die 4mat gespaltene PetUzeUe 24 Heller. 5-nhalL: Leitartikel: 1808. — Mesopotamien und wieoer Aüsoporamien. - Por-s.r Lt'rzcu. — 'Das Budget der Kultusgemeinde Wien. Das „Haus der Barmberzigteit''. — Zar Wiener Kop^ i.-t-Affaire. — in: o a r r u: a r i r d e c- L e le u » : Ausstellung eines jüdischen Künstlers in Wien. Der König von ."ua-icn für eine jüorsche schale. C-.ne;uu-.iu:.i;c:k W..rnung in d^r Londoner Lynagoge. Der Begrünoer des Slöjd-llnterrichl^s. Die jildi.swtn B.utU^r« rn der aurcrttm.uche:: Tie Gei Laue uv er Trx,»s. Eine Dar» lehenshiifskasse in Jerusalem. Die Goldene Medaille für ein jüdisches Buo. Inouche Reüg'.L.^.^neerüU'.cn in Rnr;>.nnd. Tie Labbat» ruhe in Bosnien. — Korrespondenten: Israciuncher Telnpeloerern für Muriaw.ts nnö N-nbau. T.e chnstlichsozrale Rassenpolitik. Budapest Ein jüdisäier Ge:ick-1?t>of. Bon den Juden in Kroatr-m. Zum Fud.uwg u- Rußland.. Eene Tebane über die Glaubensfreiheit. Konfession: Russrsch-outzode-x, Nalioua^.rat: Jüdische. — B e i .n i s ch l e « : Krn.riab.öilu^sipei.dcri. Ocsserttliche Plenarsitzung. Vortragszyklus aus jüdischer G3<tzÄr.>^ foctur n::d Kulinr. Lö...n. Bcrhüusvmem „Macksike Hadaß" in Wien. Brigittcnauer israeliiischer Frai!ett-Wei)ltültgftilhö^LinNBo4<L.yeir:n Testarn.nl der Baronin Adolphe Nottiichttd. Tyruau. Kopenhagen. Budapest. Wieselburg. Katiowitz. Berlin. — Fe./>!i-.lle tön°t Jüöische Melodien. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. 1908. V:: Wir Juden haben längst schon dem drängenden'-Leben-" das Zugeständnis gemacht, den ersten Tag des Trschri als ein religiöses Fest zu feiern, den ersten Tag des Jänner aber als den Beginn eines neuen Zeitabschnittes. Auch für uns har jetzt ein neues Jahr die Schwelle im Tore der Zeilen überschritten, auch in uns weckte der mystische zwölfte Glockenschlag in der Nacht des 31. Dezember alle Hoffnungen. Nicht so viele uno nicht so frohe wie vor zwölf Monaten. Damals wetzte der Atem, großer Zeiten durch unsere Länder, damals erwarteter: wir in frohem Bangen mit dem Erstehen des allgemeinen Voltshauses die Geburt des schönsten Kindes unserer herrlichsten Träume: der jüdischen Einigkeit. Wohl wußten wir und sagten wir voraus, daß der politische Fortschritt Oesterreichs der politische Rückschritt für die Juden sein werde; daß die Partei des Schmutzes und der Lüge zur Negierung gelangen werde. Wie aber jo oft das Unglück einen Länternugsprozeß im Leben Der Senaten hervorruft, so hofften wir, daß auch bei uns die Feinde aus eine fugenlose Schutzmauer treffen werden, die, von unseren Besten und Stärksten verteidigt, ein einig Volk von Brüdern umschließen werde. Das Wahlrecht kam und die Summe des christlichen Volkes stieß Drohungen aus. Aus den Drohungen können Taten werden — wir Juden können es nicht h-nseru. Denn mehr als je zuvor verzetteln wtr Kraft und Arbeit.im erbitterten Kampfe der Parteierl. Die Marodeure der jüdischen Politik haben den Vorteil davon, das Bettelpack, bas vor fremde Türen um Mitleidsbrocken kommt und Fußtritte zur Antwort erhält. Man hatte sich ihrer bis zum Wonnemond des verflossenen Jahres entledigt gehabt, hatte sie in ihren Sumpf zurückgeworfen. Wie aber im Mai die Schlacht, die Wahlschlacht zwischen den jüdischen Parteien geschlagen wurde, machten sie die Beute und ihre Impotenz blieb uns für sechs weitere Jahre erhalten, für sechs Jahre lang wurde das Leben des schnorrenden Ghettojuden in der Politik verlängert. Es ist geschehen. Machen wir es den Japanern nach, deren Religion die Rene für eine Todsünde erklärt. Unsere Politik soll ja nicht nach dem Klang der Harfen marschieren, die an den Trauerweiden Babels hingen, sondern nach den Trompeten Gideons. So kämpfen wir denn den Verdruß nieder, der * uns in den neuen Zeitabschnitt yinüberöegleiten will, und benützen den vom Gebrauche gevotenen Moment der Rückschau, -um ans dem Gewesenen zu lernen, um durch neue Taten Grillparzers Wort zu widerlegen, daß die Zukunft das Tor sei, durch bas oll Vergangenheit wieder einziehl. Hinaus mir dieser Vergangenheit, in weicher Moschko durchaus Michel sein wollte und Kosziusko ur.o Arpad! Vom Stolze aus ihr Judentum geadelte, vom Willen zu. Freiheit gestärkte, vom Zorn des guten Rechtes gestählte Inden sollen ihren Feinden leidenschaftlich gegenüberwe!'.«'. Leidenschaftlich woraus? Im Kampfe der jüdchchan Para...er: gibt es einen Toren: das Judentum, das in den Herzen se.mr Bekenner gelebt hat. Wer das leugnet und uiaji zu vmmewen sucht, har seinen politischen Unsähigkeitsuuchweis erbrach-. Dte-e größte Gefahr ist aber leicht zu bannen, menu man den kindischen Jnstameurstandpunkt verläßt und sich die einfachsten Beftpi-Ae vor die drillerüvien Äugen hält. Auch d:e Deuij.mn verfolge:', eh.e gr-meinn-me Jnleresseupoütik, genannt nationale Politik, aoer u:o.jt alle aus Diijabe Weise. Uniformen haben schon einmal die Eigenschaft, daß sie sich den Gehirnen nicht cn.zieheu lassen. Ein ganzes Tp.ttrum nationaler Färbung ist bei den benl-chen Patteiea vorhanden. Unter ihnen hat die uuüvji: uUiii Führung die raöuaijte. Man läßt ihr sie, weil sie die -'.arionalen Ideale an: reinsten erhält, weil man scharfe Boriän-pser, Ausieyer, BocwäerLdränger braucht. Man kämpft uut tyuen in e.r Lvahlzeit, wenn sich nicht ein Dritter darüber iceucu kann. Wo das aber der Fall rst, weiß man sich immer ui-t ryneu gütlich zu verständigen, zu vcrbiuden auf einer mutieren Linre, dem Teurschmm. Werrn Ihr wollt, ist es auch für uns kein Märchen. Aber o:ele mnplen Vieles wollen. Vorerst müßten einige unserer großen Korpocarionen und Organisationen ansangen, ein aktives Inden,um zu bclre-.ben, was sie bisher mit großer Entschiedenheit abgelehnr haben. Nach oern nunmehr erjotglen letalen Ausgang oes FteisinnS, drssr-n glühendste Anhänger von ehemals berrüdt hinrer dem Ofen hocken, wird es den führender. Persöulrchieiten aus dieser Sette wohl leichrer fallen, jüdische Politiker zu sein jlart jüo:iche Friedhossverwalter. Viele von ihnen waren bis heute eher gewillt, das Judentum zu Hintertreiben, als es zu betreiben. Wir wollen den Stier einmal bei den gedrehten Hörnern packen und den vermutlichen Grund davon angeben. Man wollte mit dem jüdischen Proietariate keine persönliche