Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 52 (27.12.1907)
- Date
- 1907-12-27
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Sette 876 Dr. Lwco s Mocvenscbrirr. % 52 Humanitärer Frauenverein „Krankenpflege". Der humanitäre Frauenverein „Krankenpflege" veranstaltet am 5. Jänner 1908 im Festsaale des „Hotel Continental", II., Praterstraße 7, eine Wohltätigkeits-Akademie mit darauffolgendem Tanzkränzchen. Die Mitwirkung hervorragender Künstkräste ist bereits gesichert. Das Reinerträgnis fließt dem Fände für arme Wöchnerinnen zu. Karten find zu haben: Bei sämtlichen Komiteemitgliedern und im Vereinslokale II., Obere Donaustraße 47 (Cafe Augartenbrücke). Der Mädcheu-Uuterstützungsverein macht seine Mitglieder darauf aufmerksam, daß vom 29. d. M. ab in der Kanzlei, II., Kaiser Josefstraße 32 mit der Vereinsstampiglie versehene Anweisungen gratis erhältlich sind, die zum Eintritt in die vom 4. bis inklusive 10. Jänner stattfindende Kochkunst-Ausstellung des Wiener Hausfrauen-Vereines (gegen Erlag von 60 Heller statt 2 Kronen) berechtigen. Allgem. Kranken- und Unterftützungsverein „Moulefiore". Die von diesem Vereine zugunsten seiner Wohlfahrtseinrichtungen am 8. Dezember l I. nachmittags veranstaltete Wohltätigkeits-Vorstellung ist wert, besonders vermerkt zu werden. Die Aufführung des „Verschwender" durch die Kräfte des Deutschen Volkstheaters unter Kutscheras vortrefflicher Regie war eine musterhafte. In der Konzerteinlage waren die Vorträge des k. k. Kammervirtuosen Herrn Alfred Grünfeld selbstverständlich glänzend, die k. k. Hofopernsängerin Fräulein Elsa Bland verstand es, durch die vorgetragenen Lieder das Publikum zu fesseln. Das Haus war total ausverkauft und verdient die Vereinsleitung volles Lob, daß sie in der Wahl des Stückes und der Mitwirkenden das Richtige getroffen hat. Wiener Synagogeusäuger-Berein. Es war ein äußerst genußreicher und gemütlicher Abend, den der Wiener Synagogensänger-Verein in Form einer intimen Konzertakademie Sonntag den 15. d. M.im Theatersaale des „Bayrischen Hof" veranstaltete. Schon das vom Organisten M. Menzer auf dem Harmonium vorgetragene Präludium, Baches „Fuge und Toccata", versetzte das zahlreich erschienene, distinguierte Publikum in jene gehobene Stimmung, die dem, Sänger und Musiker schon von vorneherein den Erfolg leicht zu machen pflegt. Eine recht schöne Steigerung bildete die nächste Nummer, das von dem ausgezeichnet geschulten Chore zum Vortrage gebrachte, von Professor Joseph Sullzer für Männerchor meisterhaft bearbeitete „Halleluja" von S. Sulzer. Der minutenlange Applaus, der auf diese erste Gesangsnummer folgte, war der wohlverdiente Lohn für die ausgesprochenen Leistungen sowohl des gesamten Synagogensänger Vereines, wie auch des Solisten, Oberkantor S. Kwartin und nicht minder des umsichtigen, tüchtigen Dirigenten Josef Zellnik. Hierauf erfreute Oberkantor Kwartin mit seinem weichen einschmeichelnden Tenor das andächtig lauschende Auditorium mit einigen deutschen und russischen Liedern, die mit großem Beifalle belohnt wurden. Nun folgte ein neuer Genuß, der die nunmehr verwöhnten Zuhörer in Begeisterung versetzte. Es wurde Brahms „Wiegenlied" in jenem wunderbaren Pianissimo vorgetragen, das diese zarte Tondichtung verlangt. Chor und der Dirigent Herr Julius Hermann standen gleichmäßig auf künstlerischer Höhe. Das nun folgende „Landsknechtsständchen" von Orlando di Laffo war wieder eine Glanzleistung des Chores, an der Herr Dirigent I. Löwit bedeutenden Anteil hatte. In den nächstfolgenden zwei Nummern: Grieg's „Landerkennung" und der großen Arie aus dem „Maskenball" hatten wir Gelegenheit, den herrlichen Baryton des Mitgliedes der Volksoper Herrn Josef Schwarz zu bewundern. Dec frenetische Beifall des Publikums war ein wohlverdienter und Herr Schwärs mußte die Maskenball-Arie auf stürmisches Verlangen des Publikums wiederholen. Besonderen Beifall fand noch der von Herrn Zellnik musterhaft dirigierte Chor Heubergers «Die Tiroler Nachtwache 1810", und „Nachtzauber" von A. M. Storch. Den Schluß des Konzertes bildere Goldsteins „Ohawti", Dirigent Herr I. Löwit. Nun lösten noch die gelungenen humoristischen Vorträge Richard Waldemars vom Carltheater die unausbleiblichen Lachsalven des Publikums aus und in dieser Stimmung ging die Jugend ans Tanzen (Arrangeur Herr Rudolf Hermann). Der Vorstand des Synagogensänger-Vereines, mit seinem Obmanne Herrn Salo Lemberger an der Spitze, dem für das glänzende Arrangement besonderer Dank gebührt, kann sowohl mit dem moralischen, wie mit dem materiellen Erfolg des Abends vollauf zufrieden sein, denn die Veranstaltungen dieses Vereines werden fortan zu den populärsten und beliebtesten in der Wiener jüdischen Gesellschaft gezählt werden. K Auspitz. (Verlobung.) Herr Kantor Sigmund Kreisky hat sich mit Fräulein Auguste Hönigsfeld, Tochter des Großkaufmannes Herrn Hönigsfeld, verlobt. Schaffa. Die Gemeindevertretung der Jsraeliten-Gemeinde hat in ihrer letzten Ausschußsitzung den gewesenen langjährigen Bürgermeister Herrn A. L. Much wegen seiner besonderen Verdienste einstimmig zum Ehrenbürger ernannt. Mähr.-Oftrau. Mitlwoch den 18. d. M. wurde hier Herr Hermann Frredländer, erster Vorsteher-Stellvertreter der hiesigen Knltusgemeinde zu Grabe getragen. Wie populär dieser Mann war. bewies die imposante Beteiligung aller Gesellschaftskreise von Mährisch- Ostrau und Umgebung. Unter den vielen Hunderten von Teilnehmern bemerkte man dw hervorragendsten Vertreter der Behörden und der Stadtgemeinve, wie Statthaltereirat Bezirkshauptmann Spengler mit dem Sekretär Dr. von Gschmeidler, Landesgerichtsrat Donor Nawratil, Steuern-spcktor Wirt, Polizeirat Vohnout, Polizeikommissär von Gynalski, Vezirksarzt Dr. Kaan, viele Gemeinderäte unter Führung des Bürgermeisters Du. Fiedler n. A. Der Vorstand der Kultusgemeinde erschien vollzählig. Ebenso zahlreich vertreten waren die Tempelvereine Oderberg, Odnfurt, Zabreh, Witkowitz und die Humanitären Vereinigungen. Ans dem Friedhofe würdigte Herr Rabbiner Dr. Spira den Verewigten als einen treuen Gemeindevertreter, der sich stets bereitwillig in den Dienst der allgemeinen Wohlfahrt stellte, und forderte die jüngere Generation zur Nacheiferung auf, wenn auch die Lücke, die er im Organismus b.r Kultusgemeinde zurückläßt, schwer auszufüllen sein wird. Nach Versenkung des Sarges feierte der Präses der Knltusgemeinde Herr Dr. Hilf den Freund als eifrigen, stets auf das Wohl der Allgemeinheit bedachten Gemeindevorsteher, als den Beschützer der israelitischen Volksschule und den Wohltäter der Armen. Seine Worte griffen den Leidtragenden ans Herz. Schließlich hielt Herr Rabbiner Dr. Färber aus Witkowitz dem Dahingeschiedenen einen tiefempfundenen Nachruf, der ihn als allezeit gerechten und von Nächstenliebe erfüllten Mann schilderte und in dem Satze gipfelte: Der über seinem Grabe sich wölbende Erdhügel und die Standsäule, die er sich im Herzen der Zeitgenossen errichtete, sind Zeugen dafür, daß wir seiner nie vergessen und ihm ein treues Andenken bewahren werden. Den gesanglichen Teil besorgten in würdiger Weise die Herren Oberkantor Löwy und Kantor Kläger, denen die Herren Kantoren Goldberger» Goldman«, Groß und Jlmer assistierten. Die ergreifende Totenfeier übte aus alle Anwesenden den nachhaltigsten Eindruck. — n. Kiskunhalas. Nach langem schweren Leiden ist am 16. Dezember der Schriftsteller Hermann Löwinger gestorben und am 18. d. M. zur letzten Ruhestätte gebracht worden. Hermann Löwinger besaß ein umfassendes hebräisches und profanes Wissen, hat in der Jugend viele rabbinische Studien gemacht und bis an fein Lebensende einen frommen religiösen Lebenswandel beobachtet. Zahlreiche Beiträge aus seiner Feder erschienen in der „Oefterreichischen Wochenschrift" und in anderen jüdischen Fachblättern des Auslandes. Seine Schilderungen aus dem Preßburger Ghetto haben ihm einen guten Ruf gebracht. Auch wegen seines Charakters und seiner frommen Gesinnung wurde er besonders geschätzt. Am Grabe widmete Herr Rabbiner Doktor Salomon Spitzer dem Verstorbenen einen warmen Nachruf. Györ (Raab). Seiner Tradition getreu stellte sich der hiesige israelitische Frauenverein wieder einmal mit einem gelungenen Künstlerabend in den Dienst lokaler Wohltätigkeit. Die glänzend dekorierten Räumlichkeiten des Lloyd füllten sich abermals mit einem vornehmen Publikum der Stadt Naab und der Umgebung und wo Poesie, Musik und Gesangskunst zum Herzen sprachen, trug auch das Panorama weiblicher Schönheit den Sieg davon. Für das Gelingen des Abends gebührt Anerkennung dem unermüdlichen Vereinsausschuß, mit der Vereinspräsidentin Frau Johanna Herzl- Keppich -in der Spitze, welcher Talent, Eifer und Herz in den Dienst der Humanität stellte. Das Programm leitete Advokat Herr Dr. Oskar Friedmann als Konferenzier mit einem aktuellen Plaudern über die Frage ein, ob er denn in der Tat eine Vorlesung halten solle oder nicht. Hierauf betrat der Wiener Klaviervirtuose Herr Roderich Baß das Podium und spielte den Hochzeitsmarsch und den Elfenreigen aus dem Sommernachtstraum von Liszt. Mit bewunderungswürdiger Technik und prachtvoller Auffassung riß er das kunstverständige Publikum hin und exekutierte nach brausendem Applaus eine liebevolle Draufgabe. In einer nächsten Nummer spielte er eine Piece von Liszt und Strauß-Baß, womit er seine hervorragende Künstlerschaft bewies. Mit auszeichnendem Applaus begrüßte nun das Publikum seinen alten Bekannten und Kompatrioten, den Wiener Oberkantor Herrn Bola Gntmann, welcher im vollen Besitze des Metalls seiner prachtvollen Stimme wieder und wieder die Anwesenden begeisterte. Er sang vier Lieder von Schubert mit brillanter Kunst. Die Ausdrücke des Entzückens honorierte er mit einer Frater-Arie. Die höchste Begeisterung erzielte er jedoch mit der mächtigen Arie aus dem „Maskenball" von Verdi. Hiebei erregte er allgemeines Erstaunen, wofür ihm vermittelst eines wahren Applausorkans Anerkennung wurde. Ihn begleitete auf dem Klavier Herr Jakob Halschek mit gewohnter Präzision. Anbei geben wir Kunde von dem humanitären