Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 52 (27.12.1907)
- Date
- 1907-12-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 52 Dr■ ßloch’s Jahrgang XXIV Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Judentums. Wim, 27. Dezember 1907. Lrs «Leint jeden Freitag. Brief-Adresse: Mten, H/r, Verggasse 39. Telegramm-Adresse: Llock's MtocLenscdrttt. MUen. Inhalt: Leitartikel: Die Aktion für Hilsner im Parlamente. — Eine nene Publikation über den Prozeß Hilsner. — Vierzig Jahre Emanzipation. — Vom Iah r m arkt des Lebens: Erinnerung eines jüdischen Oberlandesgerichtsrates. Antisemitische Süßigkeiten. Eine jüdische Spitalsärztin. König Oskar von Schweden. Zar Lage der Juden in Tunis. Eine jüdische Familie von Marineoffizieren. Zur Frage der Leichenverbrennung. Christlich-soziale Praxis bei Heimatsrechtsverleihungen. Tod eines jüdischen Legionärs. — Korrespondenzen: Oeffentliche Plenarsitzung der Wiener israel. Kultusgemeinde. Israel. Allianz zu Wien. Vize-Präsident der Duma Baron A. von Meyrndorf. Israelitischer Humanitätsverein für die westlichen Bezirke Wiens. Zu den jüngsten Kommunalwahlen in England. Eine jüdische Universität in Amerika geplant. Das Marokko-Gelbbuch für die Juden. Einschränkung oder Regulierung der Einwanderung. Aus der territorialistischen Bewegung. — Vermischtes: Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Verband der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen. Wien. Brigittenauer israelitischer Frauen-Wohltätigkeitsverein. Humanitärer Frauenverein „Krankenpflege". Konzerte der Toynbeehalle. Beth-Hamidrasch „Montefiore". Sijumfeier im Beth-Hamidrasch „Talmud-Thora". Mävchen-Unterstützungsverein. Wiemr Synagogensänger-Verein. Schaffa. Auspitz. Mähr.-Ostrau. Györ. Vagujhely. Kiskunhalas. Grajewski verschwunden. — Feuilleton: Mor'oche. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. ---• Verugsprris für Orstrrrrirh: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petttzeile 24 Heller. »- — ’ A »-8 A. ft. Postsparftaflrn-Nrnl Llearing-Verkebr Nr. 610.976. Nrdakiion und Administration: wir» ix/l, LSerggasse Nr. 39. Telefon Nr. 14.847. »-8 Air Aktion für Hilsner im Parlamente. Von einzelnen Abgeordneten wird derzeit eine parlamentarische Aktion unternommen, um dem jüdischen Märtyrer Hilsner zu Hilfe zu kommen. Märtyrer. Von seinem früheren Halbvagabundentum liegt kein Schatten mehr auf Hilsner, der mit seiner bisher achtjährigen Kerkerstrafe auch dann genug gebüßt hätte, wenn er Straßenräuber gewesen wäre. Damit ist der letzte Vorwurf gegen den Unschuldigen geschwunden, der nach einem Hkxenprozeß durch die Henkerarbeit einiger Preßbanditen lebendig eingesargt wurde. Woher die Menschen nur die Grausamkeit nehmen, ein fühlendes Wesen in hoffnungsloser Verzweiflung auf immer zwischen erbarmungslosen Steinen einzumauern, gar wenn der Schnldspruch über diesen Mann eine verbrecherische Vergewaltigung der Gerechtigkeit ist? Man müßte den Glauben an die Ideale bis zum letzten Rest verlieren, wenn sich niemandes Rechtsgefühl und Humanität zornig dagegen empört hätte. Im neuen Volkshause, in der alle Stimmungen der Bevölkerung ihr Echo finden, ist diese Empörung auch laut geworden und will sich außer in formellen Protesten auch durch eine praktische Tat äußern. Der Herr Abgeordnete Breiter versucht eine parlamentarische Aktion. Eine schöne Unternehmung und ein schöner Titel dazu, dem allein schon alle jüdischen Hände applaudieren. Nicht als ob wir die Aktion im mindesten herabsetzen wollten. Gewiß soll jede Handhabe erfaßt werden, an der das Tor von Hilsners Kerker aufgerissen werden kann. Wir danken dem Herrn Abgeordneten Breiter, der auf gefährlichem Posten stets mit so prächtiger, nackensteifer Beharrlichkeit das Recht vertritt, wir danken allen seinen Kollegen, die mit einem Votum für den unschuldig verfolgten Juden aus Polna und für uns unschuldig verfolgten Juden überhaupt sich in unseren Herzen ein Denkmal gesetzt haben. Nichtsdestoweniger scheinen über Wesen und Ziele der geplanten, parlamentarischen Aktion in beteiligten Kreisen nicht eben große Hoffnung und Klarheit vorhanden zu sein. So viel wenigstens gehört wird, find die bisherigen Besprechungen über die Sache resultatlos verlaufen. Das ist auch ganz erklärlich. Es ist wohl klar, daß frav iHvaitai. wtrthof tm+ gEpitPV Ittth bei der Sache ist als der Herr Abgeordnete Masaryk. Der jüdische Klub wird die Sache aus aller Macht zu fördern bereit sein. (Man versichert uns auf das Bestimmteste, daß die Wiener jüdischen und freisinnigen Abgeordneten die Mitarbeit prinzipiell verweigern, aber wir können etwas so Unfaßbares gar nicht nicht glauben.) Bei den Ruthenen, bei den Italienern, diesmal vielleicht sogar bei den Sozialdemokraten, die jetzt nichts mehr zu verlieren haben, dürfte die Aktion einige Unterstützung finden. Bleibt nur mehr die Frage, wie man Vorgehen soll und was man erreichen kann. Interpellationen an den Justizminister hat es. Heuer in dieser Sache fast ebensoviel gegeben als Regentage. Mit allem Temperament haben Dr. Straucher und die übrigen Abgeordneten des jüdischen Klubs, mit aller Schürfe haben Breiter und Masaryk interpelliert. Der Herr Justizminister ist nun ein moderner, gebildeter Mann. Wir haben die feste Ueberzeugung, daß es ihm ein Vergnügen gewesen wäre, dem armen Hilsner. von dessen Unschuld er gewiß überzeugt ist, wenn er es auch nicht aussprechen darf, die Erlösung zu bringen. Aber das Herz des Juftizministers gleicht in dieser Sache einfach einer Wage. Wo die schweren politischen Gewichte liegen wird der stärkere Druck ausgeübt. Die Majorität des Parlamentes ist heute antisemitisch und ihrer Kraft und ihrem Willen nach wird Hilsner nicht befreit werden. Wo ist der Weg, der über dieses Hindernis hinwegführt? Angenommen selbst, daß die gewonnenen Mithelfer hinreichen und sich dazu herbeilasien, die H i l s n e r f r a g e aus rem Stadium der Interpellationen herauszubringen und der Regierung mit einem Dringlichkeitsantrag an den Leib rücken. Dann ist höchstens erzielt, daß die Christlich-Sozialen ihre größten Rohlinge ins Treffen schicken und die antisemitische Gehässigkeit anschwillt, ohne daß ein wirklicher Erfolg erzielt wird. Wäre die parlamentarische Lage derart günstig, daß man mit Hilfe einer parlamentarischen Aktion auf irgend einen Erfolg rechnen dürfte, mit anderen Worten, wenn die Volksvertreter in ihrer Majorität nicht von Motiven des Aberglaubens, des Haffes und des ordinären Parteiegoismus, sondern von den Geboten des Rechtes und der Gerechtigkeit nflant lieft fenh-n ftf6p-n hntiti hnfp pim> Infffie varlamentarislbe