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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-12-13 · 50 (13.12.1907) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
50 (13.12.1907)
Date
1907-12-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 50 Dr■ Bloch’s Iahr-a«, XX1T Zentralorgan kür die gesamten Interessen des Zudentums. Wien, 13. Dezember 1907. - Lrscbelnt jeden Freitag. :-- Brief-Adresse: Mten, IX/». JSerggasse 39. Telegramm-Adresse: LZlocL's HMocLenscbrttt. MUen. «-.---« Drrugsprris für Vesterrrirtz: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplars 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. «Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Dis 4mal gespaltene Petttzetle 24 Heller. » - « 9--g v. ü. xostsparkaffrn-Ami Cleartng-Verkebr Nr. 610.976. Srdaklion und Administration: wir» lX/1, Verggasse Nr. 39. Telefon Nr. 14.847 »-* Inhalt: Leitartikel: Zar Befreiung Hilsners. — Der Märtyrer von Saros. — Vom Jahrmärkte des Lebens: Die Lebensmittelteuerung und der jiidische Zwischenhandel. Zur Lage der Juden in Ungarn. Ein jüdischer Held der Wissenschaft. Von einer altegyptischen^Judengemeiude. Neuerliche jüdische Katakomdenfunde. Antisemitismus und Antiklerikalismus. Die Verdienste der Juden um Oxford. Juden in der Medizin. — Korrespondenzen: Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Dr. Martin Philippsobn in Wien. Aufruf. Börries v. Münchhausen, der Dichter des Buches „Juda" in Wien. Israelitischer Handwerkerverein. Berlin. London. Konstantinopel. — V e r m i s ch t e s: Kranzablösungsspenden rc. Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte. Frauen-Wohltätigkeitsvercin für Mariahilf und Neubau. Wien. Ein jüdischer „Feigling". Beth-Hamidrasch „Montcfiore". Chanuckafeier in der israelitischen Versorgungsanstatt. Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien. Wien. Baden. Strakonitz. Olmütz. Lomnitz. Prag. Nachod. Amstetten. — Feuilleton: Der Baalteschuwoh. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Zur Kefreirmg Hilsners. Von Dr. Herrmann Fialla, Wien. Mit Dank und Genugtuung ist die sachgemäße und warmherzige Initiative meines verehrten Kollegen Herrn Dr. Friedrich Elbogeu zu begrüßen, mit welcher dieser bewährte Anwalt des Rechtes die unselige, zu dem traurigen Ruhme internationaler Bedeutung, zugleich jedoch auf einen toten Punkt gelangte „Affäre H i l s n e r" auf gangbare Geleise geleitet und der Möglichkeit einer das tiefgekränkte Rechtsgefühl versöhnenden Lösung zugeführt hat. Das von diesem mutvollen Vertreter der Wahrheit und allgemeinen Rechtsüberzeugung verfaßte, den Werdegang dieses unheilvollen und, wie nicht anders möglich, mit dem krassesten Fehlurteile abschließenden Strafprozesses darstellende und namens der beklagenswerten greisen Mutter des vielgenannten Opfers antisemitischen Aberglaubens und Fanatismus zu überreichende Gesuch an die G n a d e Se in er Majestät unseres Kaisers sucht und findet seine Begründung nicht in einem rühreudm Appell an das väterlich empfindsame und bewegliche Gemüt unseres gütigen Monarchen, nicht in einer Schilderung der Herzens quälen und grenzenlosen Leiden, denen das von der Todesstrafe zu lebenslänglicher Kerkerhaft begnadigte Opfer christlichsozialer Pöbelherrschaft und schwerster Jnstizirrtümer nicht minder preisgegeben ist, wie dessen hilflose in Leid verkümmernde Mutter, die unter den Drangsalen und Verfolgungen des Mobs, der die damalige Untersuchung und Rechtsprechung vergiftend beeinflußte, ja beherrschte, ihre Heimat verlassen und sogar ihren — trotz alledem stets ehrlich gebliebenen — Namen ändern mußte, — nein, diese mannhafte Kundgebung an den Stufen des Thrones kündigt sich offen und wahr als das au, was allein sie sein soll und sein will, als das, was allein sie dem Interesse und der intensiven Mitwirkung der gesamten Oeffentlichkeit nahe zu bringen vermag: als der zunächst noch allein erübrigende Versuch, dort, wo das Gesetz sich als unzulänglich erwiesen, durch Anrufung des kaiserlichen Gnadenrechtes „die Not erkannten Unrechtes zu beseitigen" und durch Zuflucht zu den Stufen des allerhöchsten Thrones nach acht Jahren den ferneren Vollzug eines Doppelnrteiles einzust eilen, dessen erstes, wie das Gnadengesuch rückhaltlos darlegt, aus einer Schwurgerichtsverhandlung in Kuttenberg hervorging, „die nicht unter der Herrschaft des Prozeßgesetzes, sondern eines zügellosen Terrorismus stand, der das Prozeßverfahren zu einer sinnlosen Zeremonie entwürdigt hat" — und dessen zweites in Pisek einem Verfahren entspringt, „bei welchem die Prozeßordnung in den äußersten Konturen respektiert, in Wirklichkeit aber von der schamlo se st en Orgie verdrängt und illusorisch gemacht wurde". So erhebt und steigert sich die Bitte um Gnade, um ihre Berechtigung darzutun, zu einer flammenden Anklage all' der Greuel und Mißbräuche, die mit dem einzigen Ziele, ein gerichtliches Todesurteil gegen irgend einen Juden wegen Ritualmordes zu erzwingen, begangen wurden und deren suggestive Kraft auch zwei unter diesem Banne stehende Tribunale zu blenden und zu unterwerfen vermochte. Wenn unter solchen Umstünden und zu solchem Zwecke die kaiserliche Gnade angernfen wird, um begangenes Unrecht zu sühnen, der unfehlbar nachgewiesenen Nichtschuld zur Genugtuung zu verhelfen oder sie doch von den bittersten Konsequenzen verhängnisvoller Verkennung zu erlösen und auf diesem Wege das schwer verletzte Rechtsgefühl jedes Einzelnen einigermaßen zu befriedigen, so erscheint es mir als Pflicht eines jeden Einzelnen, dieses Bestreben durch seinen Anschluß an diese Bitte um Gnade zu unterstützen und durch seinen Beitritt die Ueberzeugung zu bekunden, daß die Majestät des Kaisers, in dessen Namen die Gerichtsurteile gesprochen werden, nicht zögern werde, die beleidigte Majestät des Rechtes wiederherzu stellen. Mögen die an vielen Stellen eifrig gepflegten Nachforschungen nach den wirklich schuldigen Tätern nur ungemindert fortgesetzt werden, um dadurch der großen und würdigen Aufgabe gerecht zu werden, die Ehre des Judentums von dem ihr durch die unsagbaren Mißgriffe der Justiz angehefteten Flecke zu reinigen, — diese Bemühungen dort und das Eingreifen hier schließen sich keineswegs aus; hoffen

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