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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-11-15 · 46 (15.11.1907) · page 15

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Nr. 46 Vr. Vloch's Wochenfttzrift. Sette 771 malten Initialbuchstaben geschmückt find, reichen bis in die Zeit des 13. und 14. Jahrhunderts. Als bestes Stück gilt der Pentateuch-Kommentar des Salomon Jizchaki aus dem Jahre 1270. Ein Theater-Jubiläum. „Das Judentum im Theater", dieser zum Aerger unserer Neider und Hasser so namhafte Faktor im modernen Theaterleben, namentlich im deutschen, fällt auch bei der in den Tagen vom 14. bis 16. d. M. stattfindenden Doppelfeier des Brünn er Stadttheaters — am 14. November 1882 wurde das neue Prachthaus eröffnet, und seitdem währt die städtische Eigenverwaltung, die erste in Oesterreich — so schwerwiegend in die Wagschale, tritt aber zugleich so wenig in den Vordergrund, daß ein stillschweigendes Uebergehen dieser Feier an dieser Stelle eine Unterlassungssünde wäre. „Ziert Bescheidenheit den Juden, nicht verkenn' er seinen Wert! doch" Mit Stolz und Genugtuung darf heute unser Theater auf eine 25jährige Tätigkeit zurückblicken. Zur erfolgreichen Führung eines Theaters gehören vor allem das nötige Publikum und eine gute Leitung, gute Stücke und gute Kräfte; in allen diesen vier Belangen nimmt das Judentum in Brünn einen geradezu hervorragende« Platz ein. Ist die Theaterfreudigkeit des deutschen Brünn eine in Theaterkreisen längst feststehende Tatsache, so haben die Brünner Juden gewiß nicht wenig hiezu beigetragen; heißt doch das Brünner Stadttheater bei den Tschechen unv Antisemiten „Judentempel". Dem ersten artistischen Leiter des neuen Hauses, dem in Dr. W. Kohuts „Berühmte jüdische Männer und Frauen" eingehend gewürdigten Theatermann und Aesthetiker Dr. Adolf Frankel, einem Brünner, rühmte die städtische Tyeaterkommission „tüchtige Regieführung, Uneigennützigkeit und literarische Bildung" nach; ebenso wurde dem seit dem Sommer 1898 in Brünn tätigen, definitiv angestellten städtischen Theatersekretär Gustav B o n d y, dem Sohne des weitbekannten und hochgeschätzten jüdischen Schulpatriarchen E. Bondy in Pohrlitz, für die vorzügliche Jnterimsleitung des Theaters (6. November 1v05 bis 22. Jänner 1906) eine gleichfalls höchst lobende Anerkennnng seitens dieser selben Kommission, deren Referent und Schriftführer seit bald 18 Jahren ebenfalls ein Jude ist, der feingebildete und auch publizistisch tätige Stadtrat Dr. M. F e i t h, der übrigens unter den übrigen höchsten Beamten der Stadt Brünn noch drei jüdische Kollegen zählt. Der jüdische Anteil am Spielplan der deutschen Bühne ist zur Genüge bekannt; nur beigefügt sei, daß Filipp Langmann, der Verfasser des „Bartl Turaser", ein Brünner Jude ist und daß Oskar Straus, der Komponist des „Walzertraum", vor 12 Jahren als Operetten-Kapellmeister am Brünner Stadttheater wirkte. Daß auch sowohl die Künstlerschar, dieser Bühne, wie nicht minder das stattliche Heer der Gastkünstler einen großen Perzentsatz Juden aufweist, versteht sich bei den bekannten Theaterverhältnissen von selbst; noch im vorigen Dezember, unmittelbar vor Weihnachten erzielte ein zweimaliges Gastspiel des 72jährigen Sonnenthal ganz ausverkaufte Vorstellungen. Ja, Sonnenthal! Wann werden wir endlich einmal für solche Bühnengrößen und für ein so theaterbegeistertes Publikum, wie das jüdische, auch eine — jüdische Bühne haben? Das Brünner Judentum, insbesonders ist gar lan und macht hauptsächlich nur in Almosen, so daß natürlich das deutsche Stadttheater Brünns trotz des so starken jüdischen Einschlages und Einflusses — noch ein Jud, der verstorbene Gemeinderat Heinrich G o m p e r z, soll als Gründer des Ehor- und Orchester-Theateipensionsfondes genannt werden — keinen besonders starken Hauch des wahren jüdischen Geistes verspürt und deshalb ebenso wenig Tschirnikows „Juden" als Otto Ludwigs klassische „Makkabäer" kennt nnd besten Falles „Nathan der Weise" bringt. Die Schuld liegt aber keineswegs an der Leitung der Bühne, sondern nur an den Brünner Juden selbst. So nur ist es zu erklären, daß die vom Theatersekretär B o n d y mit bewundernswertem Fleiße und Sachkenntnis verfaßte Festschrift „25 Jahre Eigenregie, Geschichte des Brünner Stadttheaters 1882—1907" nur ein Hymnus auf das Deutschtum ist. Ja wohl: möge das Brünner Stadttheater auch fernerhin eine Pflegestätte deutscher Kunst und ein Bollwerk des Deutschtums sein, möge es aber auch nicht allzusehr des Judentums vergessen! Daran müssen vor allem die Juden Brünns erinnert werden. Und die anderen Juden anderwärts wohl auch? 8. Die neue Synagoge in Frankfurt a. M. Entsprechend dem Vorgehen vieler jüdischer Gemeinden hatte auch die israelitische Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. ein Preisausschreiben erlassen, um einen geeigneten Entwurf für eine Synagoge auf dem an der Friedberger Anlage gelegenen Gelände zu erhalten, aus dem die Architekten Jürgensen und Bachmann, Charlottenburg, als Sieger hervorgingen und die Ausführung übertragen erhielten. Die Arbeit ist infolge des schmalen, zwischen Häusern eingebauten Bauplatzes sehr erschwert gewesen, denn außer dem eigentlichen, ca. 1000 Männer-, 60 Sänger- und 609 Frauenplätze umfassenden Synagogengebäude sollte der Neubau Vorhallen, Kleiderablagen, Toiletten, Versammlungsräume, Warteräume für Trauungen, Kanzleiräume. Wohnungen für Beamte usw. enthalten. Der Hauptzugäng zur Synagoge erfolgt für Männer über den malerischen Vorhof, während die Frauenzugänge in den seitlichen Flügelbauten an der Straße liegen. Alle anderen Nebenräume liegen in diesen Flügelbauten. Dem Bauplatz sich anpassend, ist der Hauptraum der Synagoge als ein langgestreckter, dreischiffiger Raum angelegt; über den Seitenschiffen und der Vorhalle liegen die Frauenemparien. Diese innere Entwicklung kommt im Aeußern klar zum Ausdruck; die geschickte Anordnung der Lichtquellen, die den dahinterliegenden Raum erkennen lassen, bestimmt wesentlich die architektonische Wirkung. Das soeben erschienene Novemberheft des „Baumeisters" (Verlag Georg D. W. Callwey in München, Einzelpreis 3 Mk.) führt diesen bedeutendsten Synagogenbau der letzten Jahrzehnte mit 33 Abbildungen und 8 Tafeln im Bilde vor und ermöglicht dem Interessenten so das Studium dieses Prachtbaues bis in die kleinsten Details. Ein interessanter Artikel behandelt den Synagogenbau auch vom historischen Standpunkte aus. Wir können die Anschaffung des Heftes als eine bedeutende Publikation auf dem Gebiete des Synagogenbaues besonders Architekten und israelitischen Kirchengemeinden angelegentlich empfehlen. Neue Bücher. Oft und Weft. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. Herausgegeben von Leo Winz, Verlag Ost und West. Berlin 8. 42. Organ der Deutschen Konferenz- Gemeinschaft der „Alliance Jsraälite Universelle". 7. Jahrg. Heft 11. 1907. Das vorliegende Heft ist hauptsächlich der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums" in Berlin gewidmet, deren Werdegang in einer Reihe vortrefflicher Artikel behandelt wird. Zahlreiche Photographien bieten überaus intereffante Reminiszenzen an ehemalige und gegenwärtige Leiter, Lehrer und Schüler der Anstalt. Nachstehend der Inhalt: „Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums." Das Kuratorium der Lehranstalt. Von Dr. Felix Goldmann. „Der Lehranstalt für Wiffenschaft des Judentums." Gedanken und Wünsche. Von Prof. Dr. Ludwig Geiger. „Abraham Geiger als Lehrer." Von Oberrabbiner Prof. Dr. G. Klein, Stockholm. „Die Dozenten der Lehranstalt um 1890." Von Rabbiner Dr. Max Joseph. „Erinnerungen an Hajim Steinthal." Von Dr. Simon Bernfeld. „Was mich zur Hochschule führte." Von Prof. Dr. K. Völlers. „Aus dem Leben der Lehranstalt." Bon Dr. Max Eschelbacher. „Aus den Kinderjahren der Lehranstalt für die Wiffenschaft des Judentums." Von Rabbiner Dr Ad. Rosenzweig. „Der Neubau der Lehranstalt für die Wiffenschaft des Judentums." „Mitteilungen aus dem Deutschen Bureau der Alliance Jsra6lite Universelle": I. An die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. II. Das Unterstützungswerk der Alliance in Marokko. (Spezialbericht für die AI. U. von Js. Pisa. III. Die Juden von Marokko. Von Ernst v. Heffe- Wartegg. IV.) Spendenverzeichnis. V. Notizen. — Mit 51 Illustrationen. Dr. David Neumark, Profeffor am Hebrew Union College in Cincinnati. Geschichte der jüdischen Philosophie des Mittelalters. Erster Band: Die Grundprinzipien. Erstes Buch: Einleitung. Zweites Buch: Materie und Form. Preis Mk: 15.—. Verlag von Georg Reimer, Berlin 1907. Leitfaden zur Vorbereitung für die Barmizwah, zugleich ein Wegweiser für Schule und Haus nebst 60jährigen Kalender (1890—1950). Unter Mitwirkung von Rabbiner L. Höxter, Direktor der Religionsschule Beth Zion, herausgegeben von Dr A. Garbatti und Jos. Feuerring. Zweite vermehrte und verbefferte Auflage. Preis broch. Mk. 1.30, karton. Mk. 1.50. Verlag von M. Poppe lauer, Berlin 1907. Gustav Karpeles. Diwan des Jehuda Halevi. Eine Auswahl in deutschen Uebertragungen von S. Heller, Abr. Geiger, Michael Sachs, S. Kristeller, B. L ö w e n st e i n, S. I. K ä m p f, M. S t e i n s ch n e i d e r, M. Rappaport, A. Sulzbach, M. Levin, E. Cohn u. a. Zweite Auflage. Verlag von M. W. Kaufmann, Leipzig 1907. I Herzberg. Moses Mendelssohn. Ein Lebensbild für die israelitische Jugend. (Mit Illustration.) Her-

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