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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-11-15 · 46 (15.11.1907) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
46 (15.11.1907)
Date
1907-11-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Nr. 46 Seite 766 Dr. Dlocb s Mocbenscbrttt. mißbrLuche zugunsten der Herren Dr. Eibuschitz und Czuczka. Der Herr Abgeordnete der Stadt Troppau scheint seither gelernt zu haben, der Quelle, die ihn damals informierte, zu mißtrauen, da es seinem Ansehen sicher nicht förderlich wäre, wenn er sich .öfter so plump mißbrauchen ließe. In einer der jüngsten Sitzungen des Abgeordnetenhauses wurde nun wieder von freialldeutscher Seite — diesmal ging Abg. v. Stransky auf die Leimspindel der Judenhatz — eine Interpellation eingebracht, die sich mit dem Freispruche des Herrn Dr. Berl beschäftigt und von einer „Erbitterung der gesamten nichtjüdischen Bevölkerung" über dieses Urteil spricht. Herr Dr. Sommer hat " sich, zu seiner Ehre sei es konstatiert, diesmal geweigert, diese Interpellation selbst einzubringen, allerdings war er nicht stark genug, um dem Andrängen seiner „Freunde" zu widerstehen und auch die Unterschrift zu verweigern. Aber jedenfalls ist es für die Sache selbst bezeichnend genug, daß eine Interpellation über Troppauer Vorgänge der Troppauer Abgeordnete zwar verschämt mitunterfertigt, deren Einbringung aber dem Vertreter der Stadt A s ch in Böhmen überläßt. Wo die besagte Interpellation übrigens ihren Ursprung hat, erhellt so ziemlich aus dem Umstande, daß sie das Blatt („Deutsche Wehr") des „Exhauptschriftleiters" Ferd. Seidl schon vorige Woche im Wortlaute veröffentlichte mit der Bemerkung, daß diese Interpellation - bereits in der letzten Dienstag-Sitzung eingebracht wurde, während sie tatsächlich erst vorigen Freitag im Parlament zur Vorlage gelaugte. Außerdem bewies Herr Seidl sein Interesse gerade für diese Sache, indem er während der ganzen Dauer der geheimen Verhandlung gegen Dr. Berl im Vorzimmer des Gerichtssaales antichambrierte. Abg. Stransky aber, der Interpellant, loar in Troppau gar nicht anwesend und auch sonst kein Unbeteiligter und doch kommt in der Interpellation die Ansicht zum Ausdrucke, daß „jüdische. Einflüsse" sich zugunsten Dr. Berls geltend machten und seine Freisprechung erwirkten. Das scheint sich also auf den Gerichtshof zu beziehen, der den Freispruch fällte, und es dürfte deshalb seine Zusammensetzung gewiß iutereffiereu. Da waren als Vorsitzender des Erkenntnissenates Oberlandesgerichtsrat Wenzel Hruby und als Senatsmitglieder die Herren Landesgerichtsräte Halla, Schostal und Walter Kudlich. (Letzterer ein Deutschnationaler. Anm. d. Red.) 'Die Anklage vertrat Staatsanwalt Baumann selbst. Diesen Männern also, deren Urteil nach dem Ergebnisse des Beweisverfahrens, wie wir wiffen, einstimmig auf Freispruch des Angeklagten lautete, wird von den Hintermännern des Abg. v. Stransky der Vorwurf gemacht, daß sie unter jüdischem Ein- ' fiufse einen Juden rechtswidrig begünstigten. Damit ist der Wert dieser Interpellation am drastischesten gekennzeichnet. Wir müßten fürchten, die vier Richter in ihrem Ansehen herabzusetzen, wenn wir sie gegen derart gewissen- und haltlose Verdächtigungen auch nur mit einem Worte in Schutz nehmen wollten. Das eine jedoch darf wohl festgestellt werden: Erbitterung rief in der nichtjüdischen Bevölkerung nicht der Freispruch Dr. Berls hervor, wohl aber könnte sie hervorgerufen werden durch einen derartigen Mißbrauch der Immunität zu dem Zwecke, um einem berufsmäßigen Verleumder und Ehrabschneider durch parlamentarische Immunisierung seiner Angriffe Deckung zu bieten gegen gerichtliche Verfolgung; — denn nur darauf läuft die ganze Interpellation hinaus. Der Verband der israelitischen Religionslehrer an de« Mittelschulen Böhmens hat beschlossen, die von ihm geplanten Ferialkurse in den heurigen Wechnachtsferien einzuführen. Diese Kurse verfolgen den Zweck, den auf dem Lande wirkenden Rabbinern und Religionslehrern Gelegenheit zu einer fachgemäßen Weiterbildung zu bieten. Die Themen für die in Aussicht genommenen Vorträge sind: 1. Ausgewählte Kapitel aus der Bibel an der Hand alter Kommentatoren: Rabbiner Sal. Knöpfelmacher, 2. Aus der Geschichte der Juden Böhmens: Prof. Dr. Grün. 3. lieber jüdisches und staatliches Eherecht: Prof. Dr. K i s ch.- 4. Aus der jüdischen Apologetik: Prof. Dr. Hirsch. 5. Einleitung in die Mischna und den Talmud: Rabb. Dr. Klo tz. 6. Aus der Geschichte der jüdischen Homiletik (in tschechischer Sprache): Rabb. Fried. Knöpfelm a che r. 7. Ausgewählte Kapitel aus der hebräischen Grammatik: Rabb. Dr. Deutsch. 8. Das Zeitalter des Königs David (in tschechischer Sprache): Rabb. Dr. Weiner. Anfragen und Anmeldungen find bis längstens 1. Dezember an den Obmann Herrn Oberlehrer Springer zu richten. Rosch-Haschonoh in Hongkong. „Jewish-Exponent" in Philadelphia veröffentlicht einen interessanten Brief, den die dortige Mrs. E. Cohn von ihrem Sohne Dr. I. F. Cohn, Schiffsarzt der Vereinigten Staaten, soeben aus Hongkong, wo sich Dr. Cohn auf einer amtlichen Seereise befindet, erhalten hat. Der Brief lautet in deutscher Uebersetzung, wie folgt: „An Bord des „Elgano", Hongkong, China, 12. September 1907. Liebe Mutter! Noch immer in Hongkong. Hier geht es mir wie gewöhnlich recht gut. Ich habe in der hiesigen Synagoge in ehrlich orthodoxer Umgebung an dem Rosch-Roschanoh- Gottesdienste teilgenommen. Der Tempel ist schön und herrlich gelegen. Von dem Platze, wo der Tempel errichtet ist, genießt man den wunderbaren Ausblick auf den tiefer unten gelegenen Hafen. Wie in allen orthodoxen Synagogen fitzen die Männer separiert von den Frauen, die eine eigene Galerie haben. Das Gebäude ist solid und mit gewissem Aufwand gebaut. Die Diele der Synagoge ist mit Steinplatten ausgelegt, während der Altar aus gehauenem Granit besteht. Der Altar für den Vorbeter befindet sich in der Mitte des Gebäudes. Es war für mich ganz neu, zu sehen, wie dem Vorbeter während des ganzen Gottesdienstes mit Hilfe der „Punka" durch einen chinesischen Kuli Luft zugefächelt wurde. Die „Punka" ist eine Art großen Federfächers, der über dem Altar hängt und durch eine Schnur, die von der „Punka" ausgeht und durch die Mauer bis zum Synagogeneingang geleitet ist, von draußen durch einen Kuli in fortwährender Schwingung erhalten wird. Ebenso interessant war es, zu sehen, wie bei Eintritt der Dunkelheit ein Chinamann die Synagoge betrat, um die Kerzen zu entzünden. Die Chinesen nennen die Synagoge ehrfurchtsvoll „Joß-House", eine Benennung, die sie auch ihren eigenen Bethäusern beilegen. In der Synagoge wurde mir einer der Ehrensitze angewiesen, die für etwaige fremde Besucher stets reserviert bleiben, und ich war Gegenstand der höflichsten Aufmerksamkeiten. Am Morgen des Rosch-Haschonoh trugen alle Männer in der Synagoge den Talith und auch mir wurde gleich beim Eintritte in die Synagoge ein solcher überreicht. Auch wurde ich gefragt, ob ich während der Verlesung der Thora eine „Alijah" zu haben wünschen. Als die Thorarollen zur Bundeslade zurückgetragen wurden, standen die Männer vor den Bankreihen, an denen vorbei die Rollen getragen wurden, und küßten diese inbrünstig. Anschließend an die Synagogenräume befinden sich die Säle des „Rencation Club", ausgestattet mit einer Bibliothek, Billardsälen, Tennisplätzen und es gehört zu den gewöhnlichen Dingen, nach dem Gottesdienste wenigstens einige Minuten in den Klub zu gehen, ehe man sich nach Hause begibt. Die Versammlung an diesem Tage — ungefähr 75 — war kosmopolitisch, wie ich sie in so kleiner Versammlung bisher nie gesehen habe. Es waren unter ihnen Engländer, Portugiesen, Spanier, Egypter, Franzosen, Deutsche, einige aus Indien, und ich glaube, ich war der Einzige aus Amerika. Sage Mr. M., daß ich der in seinem Briefe berührten Frage nachforsche, und ich hoffe, in ungefähr einem Monate ihm einige Informationen über den verlorenen, jüdischen Stamm in Shanghai liefern zu können. Dr. I. F. Cohn, U. S. N.

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