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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-11-15 · 46 (15.11.1907) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
46 (15.11.1907)
Date
1907-11-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 761 1 Nt. 46 m. jbiocD'ö MocvenscvttN. Seit einiger Zeit greifen die „Liberalen" in ihrem verbohrten Antisemitismus mit der größten Heftigkeit all diejenigen an, die nicht geneigt find, die Juden in der Donau zu ertränken oder sie über die Grenze zu weisen. Und all dies, trotzdem sie 1848 in ihr Programm auch die Emanzipation der Juden ausgenommen, trotzdem sie gelegentlich der Abänderung des 7. Artikels der Verfassung durch Herrn D. A. Sturdza die Verleihung der Bürgerrechte an eine große Anzahl von Juden versprochen hatten, trotzdem erst in neuerer Zeit der verstorbene Alexander Lahovari erwähnte, wie die Liberalen beantragt haben, all diejenigen Juden als Vollbürger anzuerkennen, die akademische Studien gemacht oder ein literarisches oder wissenschaftliches Werk verfaßt, irgend eine Industrie eingeführt, zu einem gemeinnützigen Werke beigetragen haben usw. * -i- * Angesichts dieser heftigen Angriffe begreifen wir sehr wohl, welche Erschlaffung und welches Mißbehagen den Juden der Mangel der politischen Rechte im Lande verursacht; noch mehr, wir begreifen, daß das schändliche Ausweisungsgesetz, ursprünglich gegen die einer fremden Macht unterstehenden Fremden geschaffen, aber nun zu Ungunsten der im Lande geborenen und erzogenen Juden angewendet, wir begreifen, daß dieses Gesetz, welches sie der Sicherheit des morgigen Tages beraubt, sie höchst ungeduldig macht. Dessenungeachtet werden den Juden die politischen Rechte nicht lange mehr verweigert werden können, denn unsere Landwirtschaft, unsere Industrie erfordern riesige Kapitalien, die im Auslande allein aufgebracht werden können. Diese Finanzwelt konnte einmal nach dem Berliner Kongresse hinters Licht geführt werden, zum zweitenmale wird sich die Sache schwerer anlassen. Daraus könnte geschlossen werden, die Juden seien Landesverräter, weil sie von den ausländischen Finanziers, der „Alliance Jsraelite" in Paris Hilfe erwarten; doch könnte diesen' großen Patrioten/ bei denen das Blut der Wölfin von Alba longa in etwas mit griechischem, bulgarischem, serbischem usw. vermischt ist, geantwortet werden, daß cs sich nicht um die Pariser Alliance, sondern um ökonomische und finanzielle Interessen handle. * * * Was nun die Bestrebungen betrifft, die rumänischen Arbeiter mit den jüdischen zusammen zu organisieren, ist die Wut der „Vointa Nationala" leicht begreiflich. Wie könnt Ihr verlangen, daß die Herren von der „Vointa Nationala" Verständnis haben sollen dafür, wenn die rumänischen Arbeiter in Ausstand treten, die Meister zur Vernunft bringen wollen, ohne mit den jüdischen und fremden Hand in Hand zu gehen? Wie sollten sie zu begreifen vermögen, daß anders eine Organisation des gewerblichen Proletariats unmöglich sei? Sollten sie verstehen, daß ohne eine mächtige Agitation in den Städten die Bauernschaft unmöglich organisiert werden könne und daß sich darum die Lösung der Judenfrage aufdränge? Doch wir sind noch nicht zu Ende mit dieser Frage und wir bitten unsere Leser, uns geduldig zu folgen, denn wir können ihnen mit interessanten Einzelheiten dienen. So weit der in „Adeverul" erschienene Artikel. Man kann sich schwerlich vorstellen, mit welcher Wut und Schadenfreude die sogenannten „liberalen Blätter" der Regi rungspartei, allen voran „I/lnäßxsnäanee Uonmaine", „Vointa Nationala", aber auch die konservativen Blätter der Opposition über den armen Mille herfielen. Judenblatt, Organ der Alliance, Landesverräter, Verleumder waren die gelindesten Epitheta, die dem armen Mille und seinem Blatte vorgeworfen wurden, und all diejenigen, denen das aufrichtig liberale Blatt schon längst ein Dorn im Auge war, da es in der letzten Zeit alle Konkurrenzblätter aus dem Felde geschlagen bat, hoffien, daß es unter der Verachtung und den Verwünschungen der öffentlichen Meinung unfehlbar werde eingehen müffen. Was unternahm Herr Mille, um diesen Sturm zu beschwören? Am folgenden Tage wies er unwiderleglich nach, daß der Artikel, um dessentwillen er so heftig angegriffen und gröblich beschimpft wurde, gar nicht von ihm, auch nicht von irgend einem Mitgliede der Redaktion seines Blattes herrühre, sondern eine treue Wiedergabe von Auslaffungen ist, die I o a n N a d e j d e, der gegenwärtige Chefredakteur der „Vointa Nationala" und Deputierte der Stadt Bukarest in der rumänischen Kammer, zur Zeit, als er noch eifriger Sozialdemokrat war, in der damals von ihm herausgegebenen „Immsa Nana („Die neue Welt") veröffentlicht hat. Da der fragliche Artikel von ihm selber unterschrieben war, so kann er die Autorschaft unmöglich ableugnen. Die konservativen Blätter erklärten, daß angesichts der Sachlage alle gegen Mille und sein Blatt geschleuderten Vorwürfe auf Joan Nadejde und die Regierungspartei, die ihn auf den Schild gehoben, zurückfallen. Die Regierungsblätter, obschon so arg bloßgestellt, führen den schmutzigen Kampf fort und drohen, alle jüdischen Mitarbeiter Mille's aus dem Lande zu jagen. Sie nehmen nämlich an, und dies vielleicht nicht mit Unrecht, daß sie durch jüdische Journalisten heimgeführt wurden. Trotzdem die Regierung anscheinendmit der Lösung der Bauernsrage beschäftigt ist, findet sie noch immer Zeit und Gelegenheit, ihren unauslöschlichen Haß gegen die einheimischen Juden zu betätigen. Die Erläffe an alle Banken, Versicherungsgesellschaften und alle Arten von privaten und öffentlichen industriellen Unternehmungen, die nur im Entferntesten eine Vergünstigung seitens des Staates genießen oder mit ihm zu tun haben, mit dem Inhalte alle jüdischen Angestellten zu entlasten, werden fort und fort wiederholt und verschärft. Da auch die jüdischen Gutspächter gezwungen werden, christlichrumänische Buchhalter, Aufseher usw. anzustellen, so wird diese Maßregel der Regierung die Vernichtung der Existenzen von vielen tausenden jüdischen Familien im Gefolge haben. Der herbste Schlag droht uns aber auf dem Schulgebiete. Die Schulvorstände in Podul-Jloaie, Moinesti, Tirgul- Ocna und Bacau haben von ihren betreffenden staatlichen Schulrevisoren den Auftrag erhalten, fortan für den Unterricht rumänischer Geschichte, rumänischer Sprache und Landes- Geegraphie nur christlich-orthodoxe Lehrer anzustellen und die jüdischen Lehrkräfte sofort zu entlassen, wenn sie sich keinem ministeriellen Verweis aussetzen wollen. Das bedeutet nichts mehr und nichts weniger, als daß unsere jüdischen Schulen, für welche unsere Gemeinden, „Alliance Jsraelite Universelle", „Jewish Colonization Affociation" in Paris, die Israel. Allianz in Wien und der Hilfsverein der deutschen Juden in Berlin, so große und namhafte Opfer bringen und welchen der rumänische Staat auch nicht die geringste Unterstützung oder Förderung angedeihen läßt, in Zukunft als Versorgungsanstalten jener antisemitischen rumänischer Lehrer, die der Staat nicht anstellen kann oder will, dienen sollen. Sollte die rumänische Regierung mit der Durchführung dieser Maßregel Ernst machen, so wird uns rumänischen Inden nichts anderes übrig bleiben, als alle unsere Schulen gleichzeitig und demonstrativ zu schließen. Bukarest, 8. November 1907. Anonymus. Die „Alliamre IsraeUle Universelle" und ihre Gegner. n. Erwiderung. Auf die Erklärung der „Alliance Jsraelite Universelle" muß ich in Kürze antworten. Zunächst schreibe ich mir als Historiker das Recht zu, über die geschichtlichen Borgänae und Einrichtungen, die das von mir behandelte Thema umfaßt, mein aus sorgfältiges Studium und re'flicher Erwägung begründetes Urteil abzugeben. Zu solchen Vorgängen und Einrichtungen gehört auch die Gründung und Leitung der Alliance.

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