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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-11-15 · 46 (15.11.1907) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
46 (15.11.1907)
Date
1907-11-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 46 Dr■ Bloch’s JahrgangXXIV emi Lentralorgan kür die gesamten Ilnteressen des Judentums. Wien, 15. November 1907. — Lrscbetnt jeden Freitag. -—- Brief-Adresse: Mien. IX/r» Lerggssse 3S. Telegramm-Adresse: Llocb's MecLenscbrikt. Mlien. ft-„-« Vrprgsxrrks für Oesterreich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 5V Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. SanzjLhrtg 20 . Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petttzetle 24 Heller. ft-* ft-G K. ft. Pofisparftaffen-Amr Lleartng-Verkebr fit. 810.976. Ledaftiion und Administration: wie« IX/1, Kerggasse Nr. 39. 'Telefon Nr. 14.847 U--ft Inhalt: Leitartikel: Die durch Lueger vertreteneu Königreiche und Länder. Der Herr Reichsratsabgeorducte Thomas Silinger. — Die Gewaltherrschaft der Smolen und Genossen — Der Hereinfall rumänischer Antisemiten. — Die „Alliance Jsraelite Universelle" und ihre Gegner. — Oesterreichs Juden 1813 bis 1615. — Zur Geschichte des Blutaberglaubens. — Korrespondenzen: Wien Tätigkeitsbericht der Abgeordneten des jüdischen Klubs. Wie antisemitische Interpellationen entstehen. Der Verband der israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen Böhmens. Rosch-Haschonah in Hongkong. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden rc. Schriftsteller und Historiker Dr. Markus Landau. Jüdische Toynbee-Halle Wien. Tod der Witwe Theodor Herzls. Beth-Hamidrasch „Montefiore". Allgemeiner Kranken- und Unterstützungsverein Witwen und Waisenfond „Montefiore". Verein zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer. Unterstützungsverein für jüdische Hochschüler aus Mähren und Schlesien in Wien. Marienbad. Kattowitz. Neubydzow. Preßburg. Ungarisch-Hradisch. Troppau. Triest. Dresden. Paris. New-Iork. — Feuilleton: Der Baalteschuwoh. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Die durch Kueger vertretenen Königreiche und Künder. Die Raben fliegen um den Berg, die schwarzgefiederten. Roma triumphans. Kein Vernünftiger, der die agitatorischen Versuche der christlichsozialen Presse ernst nimmt, dem klerikalen Bissen, an dem die Menschheit immer würgt und den sie nie verdauen kann, einen anderen Geschmack zu geben. Das klerikale Kapital macht nur pupillarsichere Geschäfte; und wenn die Klöster einen Teil ihrer Depots in der Länderbank behoben haben, um sie in der Ministerbank anzulegen, sind die hohen Zinsen sicher. Der Arbeitsminister Geßmann wird schon die nötigen Arbeiten dazu besorgen, und der Ackerbauminister Ebenhoch aus dem schwarzen Ländchen wird die Ernte einbringen. Nützlich werden auch die Vertreter der Agrarier sein, die dem heiligen Florian noch immer mehr vertrauen als der Feuerversicherung. Wir haben also unter den neuen Vertretern der Regierung zwei ganz klerikale Männer und zwei halbe, von denen abgesehen, die schon früher das Staatsschiff nach der römischen Karte lenken halfen. Sie bilden der Ziffer nach nicht die Mehrzahl, aber nach dem Einfluß. Luegers Politik, in des Juden Mandl Schule herangebildet, hat Wunder der Macht gewirkt. Nach seinem Diktat werden alle Erlässe der Regierung geschrieben, im Wiener Rathaus, auf dessen Turm der eiserne Feudale steht und durch dessen Fenster man die Votivkirche erblickt, sind alle Ministerien vereinigt. Wir nähern uns im Krebsgänge der Zeit, in welcher der Pfarrer im Dorfe und der Freiherr im Schlosse eine rücksichtslose Herrschaft über verdummte und verarmte Schollenfrohner führen und der päpstliche Nuntius die wichtigste Person an Kaiserhöfen ist. Wenn wir uns die Geschichte des Vormärz kaufen, so können wir Blicke in die Zukunft der diesseitigen Reichshälfte tun, wenn Frömmigkeit gelten wird statt der Fähigkeit, wenn der Geist der Forschung, des Fortschritts und der Regsamkeit erstickt sein wird, weil die ergebensten Diener der Klerikalen die höchsten Stellen im Staate erlangen, und wenn das Bürgertum unter Gesetzen leidet, die entworfen und gehandhabt werden von seinen historischen inneren Feinden. So wird denn die Pointe der tragischen Satyre gegeben, deren Titel lautet: Politik in Oesterreich. In vier Monaten sind es sechs Jahrzehnte, seit das Volk in Massen vor die Hofburg eilte, um die Freiheit mit Blut zu erkaufen. Und nun wandelte das wandelbare ohne Zwang in Massen zur Urne, um darin seine Freiheit zu versenken. Wußten denn die Wähler nicht, was durch die Wahl der Christlich- Sozialen ihrer warte, war ihnen Wien, war nicht Niederösterreich Warnung genug? In dieser Stadt und diesem Lande wurde doch das Wesen christlichsozialer Verwaltung hinreichend deutlich. Auf äußeres Blendwerk verstand man sich ausgezeichnet. Bogenlampen und Kleinbahnen, städtische Werke und Landesirrenanstalten wurden zu Beräucherungszwecken weidlich ausgenützt. Alle diese fragwürdigen Verbesserungen wurden nur durch die Skrupellosigkeit bei der empfindlichen Steuererhöhung und im Schuldenmachen ermöglicht. Im Kern aller Dinge aber steckt eine ungeheuere Fäulnis. Zehn Jahre der Macht haben genügt, um aus den verdienstvollen Greislern der Partei Verwaltungsräte zu machen, um von Steuergeldern ein opulentes Tischlein deF dich für Politiker zu bestellen, welche ihre Gegner unter dem Schlachtruf besiegten, daß die Liberalen aus ihrer Stellung angeblich Kapital schlagen. Noch weit darüber hinaus hat es eine Reihe krassester Wirtschaftsskandale gegeben, die von der Luegersippe zur Zeit ihrer Opposition gewiß zu Mord und Brand in der Agitation, zu politischen Sensationsprozeffen ausgenützt worden wären. Millionen hat es gekostet, daß das Rohrnetz der englischen Gasgesellschaft justament nicht übernommen wurde, schweres Geld wurde bei der Blamage mit dem dilettantenhasten Versuch der Großschlächterei verpufft, die mit dem Rückzug vor den Fleischhauern geendet hat, und gerade jetzt mußte dem Gemeinderat gebeichtet werden, daß man der Kommune Millionenlasten aufgebürdet habe, um das im Wiener Brauhaus angelegte Geld von sechshundert einflußreichen Parteigängern zu retten. Die Hälfte des Bürgermeistergehaltes, auf die Lueger verzichtet hat, sind ein armseliges Trinkgeld gegenüber den Unsummen, welche die christlichsoziale Herrschaft die Steuerträger kostet. Wenn es mit Geld schon abgetan wäre! Die Mißwirtschaft greift jedoch tiefer, sie hat die Wurzeln der Verwaltung verderbend ergriffen. Der Prozeß des „niederösterreichischen Eisenbahnministers" Pattai gegen einen ungeberdigen Beamten der Landeseisenbahn, der aus der Schule schwätzte, hat ein grelles

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