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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-11-01 · 44 (1.11.1907) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
44 (1.11.1907)
Date
1907-11-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Sslte 738 Wr. Llocb's MocvenscdrLN. Nr. 44 Prag. (Verein jüdischer Hochschüler „Bar K o ch b a".) In der am 19. v. Mstaittzefundenen Generalversammlung wurde folgender Ausschuß gewählt: Obmann: phil. Wiktor Kellner; Stellvertreter: .für. Friedrich Grüner; I. Schriftführer: zur. Friedrich Steiner; II. Schriftführer: tsedn. Wiktor Pollak; Kassier: chem. Erwin Schwarzkopf; Bibliothekar: zur. Leo Hermann; Zeitungsverweser: zur. Max Benisch. Prag'Smichov. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Herzog, Dozent an der Prager Universität, wurde vom israelitischen Kultusvorstand in Graz einstimmig zum Rabbiner berufen. Mit dem Rabbinat Graz ist das Landesrabbinat von Steiermark, Kärnten und Kram verbunden. Dr. Herzog wurde im Jahre 1869 in Tyrnau (Ungarn) geboren, wo er auch das fürsterzbischöfliche Gymnasium absolviert hat. Von da ging er nach Wien und dann behufs Vervollkommnung seiner Studien auf mehrere Jahre nach Berlin, Leipzig und Paris. Er schrieb u. a : Maimonides' Kommentar zum Traktat Peah, Berlin 1694; Die Abhandlung des Abu Bekr ibn al-'Süig „Vom Verhalten des Einsiedlers", Berlin 1896; Eine verderbte Pismonstrophe, Berlin 1699. Wie man uns aus Graz meldet, werden vom Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Smichov Versuche unternommen, Herrn Dr. Herzog zum Verbleiben in Smichov zu bewegen. St. Pölten. (Jüdischer Literatur-Verein.) Am 20. Oktober 1907 fand der Eröffnungsabend mit einem Vortrage des Herrn stuä. zur. Abraham Feit, Präsidenten der „Jvria" in Zürich über: „Einfluß der neuhebraischen Literatur auf das gegenwärtige Judentum" statt. Brünn. (U nterstützungs-Verein für-mittellose, jüdische Techniker.) Bei der am 23. v. M. stattgefundenen ordentlichen Generalversammlung gab der Ferialleiter zunächst einen Bericht über die Ferialtatigkeit, sodann wurden folgende Funktionäre gewählt: Präses: ing. Richard Berger; Vize-Präses: ing. Ernst Frischer; Schriftführer: ebem. Paul Dub; Kassier: iog. Fritz Waffertrilling; als Beisitzer: Alois Brecher, rnseb. Julius Weiß, in». O. S. Klein, ing. S. Weinberger. Außerdem wurde der Ausschuß beauftragt, informierende Schritte behufs Gründung einer Krankenunterstützung zu. unternehmen und gleichzeitig beschloffen, auch in diesem Jahre eine Unterhaltung, jedoch in größerem Style, zu veranstalten. Alsö-Kubin. Unser kleines Städtchen war am 20. v. M. der Schauplatz einer schönen erhebenden Feier. Der Ober-Rabbiner und Universitätsprofeffor in Berlin Dr. Sigmund Maybaum weilte hier drei Tage zu Gaste und war der Mittelpunkt vieler Ehrungen und herzlichster Ovationen. Vor 36 Jahren begann der illustre Gast als Rabbi der Gemeinde hier seine Laufbahn und stand schon seine damalige Wirksamkeit unter dem Zeichen seines hochaufstrebenden Geistes. Er war der Gründer des auch jetzt in schönster Blüte sich entfaltenden Frauenvereines und gründete und leitete eine jüdische Schule, die derzeit einen großen Ruf sich erwarb. Auch war er das erste jüdische Mitglied der Komitats-Kongregation. Seine Predigten hatten stets alle christlichen Notabilitäten als Zuhörer. So war es selbstverständlich, daß sein Andenken in unserer Gemeinde stets lebendig blieb, und als er nun unsere Gemeinde mit seinen Besuche beehrte, boten seine begeisterten Anhänger alles auf, um ihm ihre Ehrerbietung zu beweisen. Eine Deputation fuhr ihm entgegen, und nach dem samstägigen Gottesdienste machte ihm der Vorstand der Gemeinde unter Führung des langjährigen Gemeindepräses Dr. Wilhelm Neider, sowie der Frauenverein ihre Aufwartung. Auch eine Deputation seiner einstigen Schüler, zu denen viele in hervorragendsten Stellungen befindlichen Christen gehörten, nahm an der Begrüßung teil. Abends war zu Ehren des Rabbi und seiner Gemahlin eine von seinen Verehrern veranstaltete Soiree, die einen erhebenden Verlauf nahm. Der Abend wurde mit einer schönen Rede des Gemeindevorstehers eröffnet, der dem Rabbi Dank für sein Erscheinen sagte. Den Glanzpunkt der Feier bildete aber die Rede des Rabbi, sowie des Sparkaffen-Buchhalters und einstigen Lehrers des Herrn Adolf Herzog, deren hoher Schwung und ideeller Gehalt einen unvergänglichen Eindruck auf die Zuhörer machten. Vor seiner Abreise, bei welcher ihn sowohl der Gemeindepräses als auch zahlreiche seiner Verehrer begleiteten, ließ sich der Rabbi, umgeben von seinen derzeitigen Gemeindemitgliedern, photographieren. Mit dem gegenseitigen Wunsch nach baldigem Wiedersehen verließ der hohe Gast unsere Gememde, in welcher die Wiederbelebung der Erinnerung an seine edle, im wahren Interesse des Judentums gestandenen und vom humanitärsten Geiste erfüllten Wirksamkeit die tiefsten Spuren hinterlasien hat. Radultz. Dem Rabbiner und Religionslehrer der israelitischen Kultusgemcinde Radnitz Herrn A. Stein wurde durch den k. k. Bezirkshauptmann W. Skakal aus Rokytzan die Ehrenmedaille für 40-jährige treue Dienste feierlichst an die Brust geheftet, wobei der Bezirkshauptmann an den Ausgezeichneten eine Ansprache richtete, in der er dessen Tätigkeit als Lehrer, Seelsorger und Schriftsteller in beiden Landessprachen und seine Loyalität besonders hervorhob. Der Ansgezeichnete dankte für diese Anerkennung, versprach, so wie bisher auch ferner wirken zu wollen. Er dankte allen Erschienenen, so dem Bürgermeister, dem Ortsschulrate, dem Direktor der Knabenvolks- und Bürgerschule, dem Oberlehrer der Mädchenvolksschule, dem Oberlehrer der deutschen Volksschule in Wranow, der Gendarmerie, Deputationen und ganz besonders dem vollzählig erschienenen Kultusvorstande mit Kultusvorsteher Herr» Wollner und dessen Stellvertreter Herrn Karl Katz. Mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät schloß die Feier. Oderberg-Bahuhof. In der am 17. v. M. stattgefundenen Konstituierung des neugewählten Ausschusses der Gemeinde Schönichel- Oderberg Bahnhof und Kopitau wurde Herr Wiktor Lustig, Bahnhofrestaurateur und Hotelbesitzer in Oderberg-Bahnhof auf eine zweite Periode von drei Jahren mit großer Stimmenmehrheit zum Bürgermeister gewählt. Während der verflossenen dreijährigen Amtierung des Herrn Lustig wurden viele gemeinnützige Institutionen geschaffen, als: die von der Bevölkerung schon lange ersehnte Wasserleitung, eine Knabenbürgerschule und mehrere andere Schulen, welchen Umstand der k. k. Regierungskommissär Herr Ritter von Bobovsky, in dessen Anwesenheit die Wahl vollzogen wurde, in seiner Ansprache an den Herrn Bürgermeister herborhob. Herr Viktor Lustig ist zugleich Obmann des israeltischen Bethausvereines in Oderberg-Bahnhof, in welcher Eigenschaft er sich ebenfalls schon viele Verdienste erworben hat. Israelitische Kultusgemeinde Podersam. Am 19. v. M. verschied nach langem schweren Leiden der Rabbiner der Gemeinde Podersam, Herr Rudolf Rychnowsky. Ein Vierteljahrhundert wirkte er hier mit voller Hingebung seines Amtes und erfreute sich ob seiner trefflichen Eigenschaften der allgemeinen Verehrung, dies zeigte deutlich sein Leichenbegängnis, welches Mv'tag den 22. v. M. stattfand. Die katholische Geistlichkeit, die Herren k. k. Statthaltereiräte Rzednik und Edler v. Naht mit sämtlichen Beamten, der Herr Bürgermeister mit den Stadträten, der k. k. Bezirksschulinspektor, die Direktoren und Lehrkörper der hiesigen Schulen, das Kuratorium der evangelischen Gemeinde, sowie eine unabsehbare Menschenmenge gaben dem Verewigten das letzte Geleite. In trefflichen Worten würdigten^die Rabbinen Dr. Krakauer, Dr. Hoch, Freund den Dahingeschiedenen. Am Grabe nahm tiefbewegt in herzlichen Worten der Kultusvorsteher Moriz Löwy Abschied von dem Verstorbenen, mit dem er in ungetrübter Harmonie durch 19 Jahre amtlich verkehrte. Die ganze Stadt betrauert aufrichtig das Hinscheiden dieses verdienten Seelenhirten. Ehre seinem Andenken. Petersburg. Zar Nikolaus II. hat bei dem in Paris lebenden Bildhauer L. B e r n st a m m ein Denkmal bestellt, das seinen Platz auf der Newabrücke in Petersburg finden soll. Das Monument ist ein riesiges Marmorwerk, das den Zaren Peter den Großen darstellt, wie er Matrosen aus dem Schiffbruch rettet. Wenn das die schwarzen Hundert hören! Feuilleton. Der Kaalteschumol/. Von Dr. F. Richard H a i n t s ch e l. Das Abendessen war beendigt; die zwei Männer und die alternde Frau, die an dem Tische vor dem grünen Kachelofen gesessen hatten, erhoben sich, nachdem sie das Tischgebet verrichtet hatten, um an ihre Arbeit zu gehen. Der alte Herr, es war der Rabbiner Jakob Rosen, saß wie traumverloren an seinem Schreibtische, in einem großen Folianten eifrig lesend; seine Ehegattin nahm in der Sophaecke Platz und begann zu stricken, während sich Harry Rosen zum Ofen setzte und in eine Zeitung blickte. Die Leselust schien ihm bald vergangen zu sein. Er ließ die Rechte mit der Zeitung im Schoße ruhen, stützte den Kopf in die Linke, starrte vor sich hin und seufzte. Seine Mutter hatte ein paarmal von der Strickerei besorgt aufgeblickt und zum Sohne hinüber gesehen, und als die im Dienste der Rabbinerfamilie ergraute Magd den Tisch abgeräumt und das Zimmer verlassen hatte, fragte sie: „Harry, fehlt dir etwas?" Der junge Mann fuhr erschreckt zusammen. „Nichts, teure Mutter, ich bin nur so abgespannt," antwortete er, dabei blickte er wieder eifrig in die Zeitung. - Die Mutter schüttelte den Kopf. „Nein mein Kind, damit kann ich mich nicht zufrieden geben; ich sehe schon seit vielen Wochen, daß etwas mit dir vorgeht. Du beschränkst dich im Sprechen auf das Allernotwendigste, lachst nicht mehr, zeigst keine frohe Miene, sitzest da wie ein kranker Vogel. Auch dein Vater klagte erst heute über dich, du seiest ein ganz Anderer geworden. Früher so

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