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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-11-01 · 44 (1.11.1907) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
44 (1.11.1907)
Date
1907-11-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 736 Dr. Llocb's Mocbenscbrlrt. Nr. 44 füllen bestimmt ist. Er präzisierte in treffenden Worten die eigenartige Stellung, welche die Sonderwiffenschaft vom Judentum innerhalb der Gesamtwiffenschaft und namentlich der theologischen einnähme, und betonte im Laufe seiner vielfach anregenden Auseinandersetzungen den innigen Zusammenhang, den die jüdische Wiffenschaft seit den Zeiten Moses Mendelssohns mit der deutschen Kultur bis auf den heutigen Tag erstrebt habe. Judentum und Vaterlandsliebe schließen einander nicht nur nicht aus, sondern bedingen einander sogar. Im Geiste voraussetzungsloser Forschungsfreiheit werde die neue Stätte lediglich der Erkenntnis der wissenschaftlichen Wahrheit dienen und somit die Ausgleichung der Gegensätze fördern. Es verdiene bemerkt zu werden, daß fast unmittelbar nach der völligen staatsbürgerlichen Gleichstellung der Juden durch das Gesetz vom 9. Juli 1869 der Gedanke an die Errichtung einer Lehranstalt für die Wiffenschaft des Judentums in Berlin erwacht sei. Aus kleinen Anfängen habe sich dann die neue Lehranstalt soweit entwickelt, daß ihr bereits Kaiser Wilhelm I. die Korporationsrechte zu erteilen sich entschloß. Er knüpfte daran die Hoffnung und die Zuversicht, daß auch unter dem jetzt regierenden Kaiser die Anstalt ihren hohen Zielen zum Segen für die israelitische Glaubensgenoffenschaft wie zum Heile des Vaterlandes entgegengeführt werden möge. Hierauf erhob sich der Herr Kultusminister zu folgender Ansprache, die wir ihrer Bedeutung wegen im Wortlaut geben: Meine Herren! Wenn ich heute an dieser Stelle da? Wort nehme, so erwarten Sie kein Eingehen auf schwierige religiöse Gebiete, wie sie der Herr Vorredner berührt hat. Ich bin hierher gekommen, um mich mit Ihnen Ihres neuen prächtigen Heims zu freuen und Ihnen durch mein Erscheinen wie die übrigen Gäste zu bekunden, daß jede ernste wissenschaftliche Arbeit und darum auch diese Anstalt, die zur tieferen Erforschung Ihrer Religion und zur Heranbildung tüchtiger Religion?- diener bestimmt ist, vollen Beifall und volle Anerkennung findet. L'ie Wissenschaft, ob sie gleich nach des Dichters Wort dem Leben ihre Kraft verdankt und aus dem Leben ihr eigenes Leben nimmt, schafft doch auch erst des Lebens wahren Wert. Und dazu rechne ich neben dem höchsten Ziele, uns an die Grenzen menschlicher Erkenntnis zu führen, vor allem auch, daß wissenschaftliches Forschen auf allen Gebieten, wenn es selbstlos und in sachlicher Hingabe getrieben wird, unseren Blick weitet, uns die Auffassungen anderer verstehen läßt und so echte Duldung fördert. Möchte sich dies auch an der Lehranstalt für die Wiffenschaft des Judentums fürder bewähren! Ich wünsche ihr zu ihrem Fortschretten im neuen Heim von Herzen Glück und Gottes Segen. Hierauf sprachen Justizrat Lachmann als Vertreter der Berliner jüdischen Gemeinde und Justizrat Fuchs im Namen des Zentralvereines. Aus dieser Rede wehte ein zum Teil scharfer politischer Hauch. Von der jüdischen Wiffenschaft gelte auch das Schillerfche stolze Wort, daß sie alles, was sie ist, sich selber zu verdanken hat. Mit der weiteren Erkenntnis von dem richtigen Wesen des Judentums werde der im philosophischethischen Gewände daherschreitende Antisemitismus ebenso verschwinden, wie der Antisemitismus der Straße. Rabbiner Doktor Rosenzweig dankte dem Kuratorium für die Mühewaltung und für die großen Opfer, die sie dem herrlichen Werke dargebracht. Die eigentliche Festrede hielt Rabbiner Professor Dr. Maybaum. Er skizzierte in großen intereffanten Zügen den eigenartigen Verlauf der jüdischen Geschichte, des jüdischen Schrifttums und seinen Einfluß auf die allgemeine Kultur. Anläßlich der Feier war seitens der hiesigen theologischen Fakultät ein herzliches Glückwunschschreiben eingetroffen. Das Kuratorium der Lehranstalt hat die Herren Sanitätsrat Doktor Neumann, Dr. Maybaum, Frau Nanny Meyer zu Ehrenmitgliedern, ferner Rittergutsbesitzer Bernstein und Frau Geheimrat Jda Simon zu immerwährenden Ehrenmitgliedern ernannt. Wahl des Großrabbiners von Frankreich. Paris. Das Amt des Großrabbiners der französischen Judenhett ist fett dem vor zwei Jahren erfolgten Tode Zadoc Kahn's unbesetzt geblieben. Da nach dem Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat die gesetzliche Zentralisation der jüdischen Konfession in Frankreich nicht mehr besteht, so ist es die private Angelegenheit der Juden, ob sie sich wiederum ein geistliches Oberhaupt geben wollen. Man hat sich jedoch in bejahendem Sinne entschlossen, und zwar wird die Ernennung des Großrabbiners durch das demnächst zu wählende Zentralkonsistorium im Verein mit Delegierten der einzelnen Gemeinden vollzogen werden. Das Zentralkonsistorium wird aus etwa 30 Mitgliedern bestehen, da nach dem Wahlstatut je 200 Wähler ein Mitglied, die Pariser Juden jedoch nicht mehr als 10 Mitglieder werden ernennen können. Dazu werden noch ungefähr 30 Delegierte. kommen, so daß die Konferenz, die die Wahl des Großrabbiners zu beschließen hat, etwa 60 Personen umfassen wird. Die Wahlen zum Zentralkonsistorium sind auf den 11. November bestimmt. Deutsch - Oesterreichische israelitische Kultusgemeinde Konstantiuopel. Konstantinopel, den 25. Oktober 1907. An die löbliche Redaktion der „Oester. Wochenschrift", Wien. Sehr geehrter Herr Redakteur! Bezugnehmend auf die in Nr. 41 Ihres geschätzten Blattes vom 11. Oktober d. I. erschienenen Artikel aus Konstantinopel ersuchen wir Sie um folgende Berichtigung: Die offizielle Gemeinde ist die unter dem Schutze der österreichischen Regierung stehende Deutsch-Oesterreichische israelitische Kultusgemeinde, welcher fast 80 Perzent der hiesigen Aschkenafim als Mitglieder oder Tempelbesucher angehören. Innerhalb dieser Gemeinde haben sich im Lause ihres fünfzigjährigen Bestandes Vereine gebildet, welche den Zweck verfolgen, den zum größten Teile im Elende lebenden Aschkenafim Armen- und Krankenpflege und Unterbricht angedeihen zu lassen. Solche Vereine sind die Chewra-Kadischa, der Oesterr. Israel. Schulverein, Israel. Bruder-Verein, Israel. Turnverein, Frauenverein, Kranken- und Siechenhaus. Dem Schulverein untersteht die Leitung und Erhaltung der sechsklassigen Knabenschule (5. und 6. Klasse kombiniert, welche ungefähr dreihundert Schüler zählt, die von vier in einem deutschen Seminar herangebildeten deutschen Lehrern und einem französischen Lehrer einen den hiesigen Verhältnissen und Anforderungen angemessenen rationellen Unterricht erhalten. Der Or-Thora-Verein, von welchem in eingangs erwähntem Artikel die Rede ist, steht außerhalb unserer Gemeinde und bezweckt, armen Kindern hauptsächlich im Hebräischen Unterricht erteilen zu lassen. Die Schule dieses Vereines, welche nur von einer geringen Anzahl von Knaben besucht wird, steht unter der Leitung des Herrn Dr. D. P. Markus, der nur von diesem Vereine als Rabbiner anerkannt wird. Anläßlich seines Verweilens in unserer Stadt haben Delegierte unserer Gemeinde bei Herrn Dr. P. Nathan vorgesprochen und ihn ersucht, unsere Gemeinde-Institutionen zu besichtigen. Unsere Delegierten fanden die freundlichste Aufnahme und hat Herr Dr. P. Nathan auch unsere Schule besucht. Leider konnte er dem Unterrichte nicht beiwohnen, weil sein Besuch an einem schulfreien Tage — Erew-Sukkoth — erfolgte und er bald darauf abreisen mußte. Herr Dr. P. Nathan versprach jedoch, bei seiner Rückreise nach Deutschland unsere Institutionen, für welche er großes Interesse zeigte, mit seinem Besuche zu beehren. In der Erwartung, daß Sie, sehr gehrter Herr Redakteur, diesen Zielen in Ihrem geschätzten Blatte Aufnahme gewähren werden, danken wir Ihnen im Vorhinein und zeichnen mit vorzüglicher Hochachtung Für die Deutsch-Oesterr. Israel. Kultusgemeinde: Der Präsident: Dr. Fried. Für den Oesterr. Israel. Schulverein: Der Präsident: A. Hefter.

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