Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-10-18 · 42 (18.10.1907) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
42 (18.10.1907)
Date
1907-10-18
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021710-3021753--16777-3041616
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 42 lasse, wie dem Abschlüsse eines Menschenlebens ihre Entstehung verdanken, muß man noch einen anderen Maßstab anlegen. Man muß vom Redner ein Erleben des gegebenen Momentes verlangen, eine richtige Einsicht in das Getriebe menschlicher Leidenschaften, eine künstlerische Gestaltungsfähigkeit, die Bilanz eines Lebens in einem Momentbilde ziehen zu können, ein liebevolles Verständnis für unser Ringen und Streben, ein wirkliches Erbarmen, echte warme Weisheit. Sollen die Worte des Trostes nicht das Gegenteil bewirken, so muß in den Beteiligten unbewußt die Empfindung einziehen, daß der Redner seinen Schmerz in seiner Größe und Gewichtigkeit kennt; er muß in dem Redner, den älteren vom Leid gleich betroffenen Bruder sehen, der dem jüngeren über die Furchtbarkeit der Gegenwart den Weg zum weiteren Leben zeigt. Die Täglich t'schen Reden scheinen mir diesen Maßstab vertragen zu können. In jeder feiner Reden glaube ich die Persönlichkeit des Redners sehen zu können, den Menschen von der feinsten Gesittung und den feinsten Lebensformen, den treuen Naturbeobachter. den Schätzer fremder Arbeit und fremder Verdienste. In eine Analyse dieser auf 27 Personen verschiedenen Alters, Berufs- und Lebensstellung gehaltenen Reden kann der Natur der Sache nach nicht eingegangen werden. Jede von ihnen scheint mir ein kleines Kunstwerk zu sein, dem eine durch unsere Lehre überlieferte und durch Erfahrung gewonnene höhere Moral zugrunde liegt. Auf Eines möchte ich jedoch aufmerksam machen. Wir lernen durch diese Reden ein Stück durch Juden in der zweiten Hälfte des verflossenen Jahrhunderts geleisteter sozialer Arbeit kennen, das uns in dieser Art Literatur nicht begegnet. Es sind nicht nur Menschen von Namen vertreten, sondern, dem Wirkungskreise des Verfassers gemäß, auch solche, die durch rastlose Arbeit, richtige Nützung des Augenblickes, Schaffensdrang sich erst die Grundlagen für ihre Stellung schaffen mußten. Natürlich sind die Anfänge und die Voraussetzungen dieser Seif made mans verschieden. Es find unter ihnen solche, die in ihrer Jugend weniger bedacht waren, sich für den Erwerb auszubilden, als vielmehr sich Kenntnisse in Bibel und Talmud anzueignen, um weiter „lernen zu können". Einem dieser Idealisten einer vergangenen Zeit aus einer ehrwürdigen Gemeinde stammenden, ..wo gewissermaßen die Luft vom Hauche der Thora und der Frömmigkeit erfüllt war", setzt Taglicht mit vollem Verständnis der Zeit ein rührendes Denkmal der Pietät. So können die vorliegenden Reden auch vom geschichtlichen Standpunkt aus, einen Wert beanspruchen. In der Entwicklung des alten Hesped zur modernen Gedenkrede bedeutet diese Sammlung einen Schritt nach vorwärts. Wie viele gibt es, deren Leben ein Kunstwerk bedeutet, ohne daß es von uns wahrgenommen wird, wo gerade ihre Lebensführung, ihre stolze Abgeschlossenheit dem interesselosen Beschauer das Hehre, das Schöne verhüllt? Daß T a g l i ch t angesichts eines bei Seite gelassenen, niedergerungenen Lebens von der ganzen tragischen Schönheit eines solchen Kunstwerkes ergriffen ist, daran erkenne ich den Lehrer unserer großen, noch lange nicht ins Bewußtsein übergegangenen Moral. „Er kannte die Freude nicht", erzählt er von einem im Leben nicht Orientierten und Weggeschobenen, „er sah nicht der Erde Pracht, nicht des Himmels Herrlichkeit. Kümmernis hatte ihre Fesseln um ihn geschlagen. Er war einer von denen, die, wie man sagt, nicht für diese Welt find. Er war für den Kampf des Lebens nicht geschult, er hat den Kampfplatz nicht als Sieger verlassen. Traurig, freudlos war sein Leben". Dies wohl der Tatbestand seines Lebens, aber „er hatte sich in eine eigene Welt voll wunderbaren Zaubers eingesponnen .... In seinen letzten Stunden haben sich seine Augen weit geöffnet und blickten in eine neue, herrliche Welt des Friedens und der Seligkeit". Die Religion hat diesem gequälten Leben Halt gegeben. Enthebt sie uns der Pflicht, ein solches Leben religiös anzuschauen? Dr. Bernhard Wach st ein. Seite 703 Nene Bücher. Prof. Dr. David Kaufmann s. A. und Dr. Max Frendenthal. Die Familie Gomperz. Verlag £ von I. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1907. Oft und West. Illustrierte Monatsschrift für modernes Judentum. Herausgegeben von Leo Win z, Verlag Ost und W e st. Berlin W. 8. Organ der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der „Alliance Jsraelite Universelle". 7. Jahrgang. Heft 10. Oktober. 1907. Inhalt: Dr. Simon B e r n f eld: Jüdische Organisation in der Diaspora. Adolph Donath, Berlin: Hugo Reinhold (mit 13 Jllustr.) A. S. Rabbinowicz: Verblaßte Gestalten. Dr. Bogumil Zepler: Ignaz Brüll (mit Portrait). M. A. Klausner: „Die Lösung der Judenfrage". Dr. E l i a s ch es f: S. I. Abramowitz (Mendele Mocher Sfforim. Literarische Studie (mit Portrait). — Der Fuhrmann und die Eisenbahn. (Jüdische Volksmelodie.) Noten. Mitteilungen aus dem Deutschen Bureau der „Alliance Jsraelite Universelle": I. Die Jahreswende. II. Sabbathnachmittag in einer Judengasse in Marokko (nach einem Oelgemälde von Lecomte du Nouy. III. Das Unterstützungswerk der Alliance in Marokko. (Spezialbericht für die „A. I. U." von Js. Pisa und Elmaiah.) IV. „Jüdische Schule in Tanger" nach einem Oelgemälde von H. Browne. V. Jüdische Hochzeit in Marokko" nach einem Oelgemälde von E. Delacroix. VI. „Jüdische Mädchen aus Tanger und T e l u a n" nach Gemälden von I. Portraits. VII. Aufruf für die marokkanischen Glaubensgenossen. VIII. Spenden-Verzeichnis. IX. Brief aus Arabien (Spezialbericht für die „A. I. U." von Somekh). X. Schulbericht aus Bagdad. (Spezialbericht für die „A.I. U." vom Direktor A. Albala.) XI. Die Israeliten in'Pers i e n. (Spezialbericht für die „A. I. U." von Lahana.) XII. Notizen. Dr. W. Feilchenfeld, Rabbiner der Synagogen- Gemeinde Posen. Systematisches Lehrbuch der israelitischen Religion für die reisere Schuljugend, Religionsschulen und höheren Lehranstalten. Vierte verbesserte Auflage. Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1907. Kriefkasterr. L. Der 23. November 1894. Jerd. Maudl. Die Maaserpflicht muß jedes Jahr erfüllt werden. S. F. Der 16. Oktober ist der Erinnerungstag der Einnahme von ^Berlin durch den österreichischen General Andreas von Hadik. Der Leibspion des Grafen Hadik war ein Proßnitzer Jude, namens Gerson Schajer Back, dessen Ururenkel derzeit noch Mitglieder der Wiener israelitischen Kultusgemeinde find. Nach der Einnahme Berlins wurde Graf Hadik zu Ihrer Maiestät der Kaiserin Maria Theresia in Audienz befohlen und er nahm seinen Leibjuden mit. Als er von der Audienz kam. sagte der Gras wörtlich zu Back: „Gerson. Er ist gemeldet und kann sich bei Ihrer Majestät eine Gnade ausbitten, worum Er bittet, ist seine Sache, es wird bewilligt werden." Er erbat und erhielt die alten Kleider des Staatsgefängnisses Spiegelberg in Brünn. Ein bescheidener Wunsch. Er starb am 23. Juli 1819 im Alter von 111 Jahren, rüstig bis zu seinem Tode. Er war zweimal verheiratet. Seine zweite Eheschließung erfolgte in seinem 73. Lebensjahr und er lebte mit dieser Gattin noch 37 Jahre. Im Alter von 107 Jahren war er noch ein flinker Reiter. Zu seinen Nachkommen zählen Frau Anna Sieger, die Mutter des Regierungsrates Dr. Sieger, und der Kaufmann Herr Sigmund Fleischer. A. W. und Frau iu Galantha. Der Bericht war dem „Illustrierten Wiener Extrablatt" entnommen, an dessen Redattion Sie sich wenden wollen. Lc. ^loch'S

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.