Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 41 (11.10.1907)
- Date
- 1907-10-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 41 Dl*■ BIOCH’S JahrgangXXIV Zentralorgan kür die gesamten linteressen des Judentums. Wie«, 11. Oktober 1907. Lrs<Letnt jeden Freitag. Brief-Adreffe: Wien, IX/S, Lerggasse 39. Telegramm-Adreffe: Llo<w's WocbenscbrM» Wien. O---- Verugsprris für Vrstrrrrich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Fur'N Mualanb: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzetle 24 Heller. «--:-* K. kr. Postsparkassen-Arni Lleartng-Verkebr Nr. S10.97S. Lrdaklion nnd Administration: Wien IX/1. Kerggasse Nr. 39. 14.847. V-:-* Inhalt: Leitartikel: Jüdische Aerzte. — Die antisemitischen Ballexzesse während der Salzburger Ferialkurse. — Die Propheten als ethische Erzieher. — Erinnerungen an L. Traube. — Die Juden von Tanger. — Korrespondenzen: Wien. Ein eingesperrter Verteidiger. Lemberg. Die Zionisten und das Landtagswahlrecht in Galizien. Das verkaufte Seelenheil. Kaiserl. Rat Moritz Hahn. Berlin. Aus der territorialistischen Bewegung. Dr. P. Nathans Aufenthalt in Konstantinopel. In Kischenew als Gouverneur. St. Louis. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden rc. Wien. Israelitischer Bethaus-Verein „Volkert". Unterrichrskurse der Toynbee-Halle. Jüdischer Schulverein für den IX. Bezirk. Oels i. Schl. Köln. Banjaluka. — Feuilleton: Zu Ehren Gottes. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Jüdische Aerzte. Anläßlich der Hochschulkurse in Salzburg, in deren Verlaufe sich Teutobalds Bildung und Manierlichkeit auf einem Ballfest durch die Verdrängung jüdischer, geladener Gäste glorreich betätigten, fand in dem alten Hauptort der österreichischen Inquisition auch eine große Wanderversammlung des „Vereines deutscher Aerzte in Oesterreich" statt, bei welcher natürlich der Jude wieder einmal verbrannt wurde. Irgend ein Referent erzählte die Schauertaten, deren sich die Juden auf dem Gebiete der Medizin schuldig gemacht hätten, und seine germanischen Reckenfäuste ballten sich aus folgenden Gründen: Erstens studieren zu viele Juden auf der Hochschule, besonders auf der medizinischen Fakultät. Zweitens hätten die jüdischen Mediziner in erblicher Belastung von ihren Vätern her das Börsenmanöver ausgeführt. daß sie die Aussichten des Arztes als äußerst ungünstig ausgeschrieen hätten, wodurch sie die blöden Gojims verscheuchten, worauf sie sich dann hohnlachend auf der verlassenen Fakultät in Ueberzahl niedergelassen hätten. Darum auf. Ihr jungen Söhne des Thor! Auf und nehmet auch hier den Juden das Heft aus der begehrlichen Hand, indem Ihr Euch massenhaft als Mediziner inskribiert. Folgen wir ein bischen dem Luftschiff, auf welchem die Logik und Wahrhaftigkeit des Referenten spazieren fuhren! Ihm studieren vor allem zu viele Juden auf den deutschen Hochschulen. Würden jedoch zu viele Deutsche auf den jüdischen Hochschulen studieren, so würde er begeistert ausrufen: „Seht den edlen Wissensdrang unseres Volkes, das sich selbst unter den widerwärtigsten Umständen nicht abschrecken läßt, sich die bestmögliche Bildung anzueignen!" Würden Deutsche etwa von den Tschechen so behandelt wie die Juden von den Deutschen, so würde er wohl zornig klagen: „Was sollen denn unsere armen Söhne anderes machen, als die Universität beziehen? Es bleibt ihnen ja nichts anderes übrig, wenn sie einmal das Gymnasium betreten haben. Denn der Besitz des Maturitätszeugnisses gibt ihnen keine Möglichkeit des Erwerbes, weil sie der Staat unter seine Beamtenschaft absolut nicht aufnimmt. Wenn sie leben wollen, so müssen sie weiter studieren, um endlich, in einem freien Berufe ihr Brot verdienen zu können. Man sagt, sie sollen andere Berufe ergreifen. Aber ist der wirtschaftliche Boykott durch unsere nationalen Gegner, den der pflichtvergessene Staatsanwalt schweigend duldet, ist er nicht so stark, daß für unsere Söhne ganze Berufe vollkommen abgesperrt sind, es sei denn in den Städten, wo sie sich auf ihre eigenen Volksgenossen als Arbeitgeber verlassen können? Irgend ein Dummkopf brachte neulich in einer Versammlung vor, unsere Studenten hätten einen moralischen Betrug versucht, hätten die Verhältnisse auf der medizinischen Fakultät als äußerst traurig verschrieen, um dann das Fach der Heilkunde für sich allein in Besitz zu nehmen. Dieser Mann sollte doch zur allgemeinen Heiterkeit Herkommen und uns ausführen, ob dieser Verruf von unseren Volksgenossen allein ausgegangen ist, oder nicht vielmehr von allen Kollegen im Wege der Zeitungen jeder Partei, ob in diesem Verruf mehr behauptet wurde, als statistisch zu beweisen war, da ja sonst das Unterrichtsministerium und unsere vielen Neider sicher dementiert hätten, und wie er sich schließlich die geheime Verständigung unter unseren jungen Volksgenossen vorstellt, denen man sozusagen mit den Augen blinzelnd auf einem unerforschlichen Wege die Nachricht mitteilt, sie mögen nur ruhig und in Massen die medizinische Fakultät beziehen, der Verruf hätte nur die Verscheuchung der Konkurrenten bezweckt. Ich möchte gerne im Kopfe dieses Mannes wenigstens einen Fünfminutenbrenner entzünden, damit er einsieht, daß unsere jungen Söhne, gerade von unseren Feinden dazu gepreßt, die Hochschule so zahlreich aufsuchen müssen und daß sie sich hier gerade jenen Beruf aussuchen, der ihnen bei der Anfeindung von allen Seiten, der sie entgehen wollen, die möglichste Bewegungsfreiheit läßt. Im allgemeinen aber möchte ich sagen, daß für die Blutsteuer und die außerordentlich großen materiellen Steuern, welche meine Volksgenossen leisten, der Staat ihnen gar nichts anderes leistet, als den allerknappesten gesetzlichen Schutz von Leben und Eigentum und die Möglichkeit der Bildung. Der letzte Rest von Anstand und Gerechtigkeit verlangt es, daß wenigstens diese karge Gegenleistung nns erstattet wird, und wenn schon ein Wortverdreher und Rabulist seine Dummheit in einem Angriff dagegen versucht, der Staatsanwalt die Verbreitung seiner vergiftenden Hetzereien hindert."