Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 39 (27.9.1907)
- Date
- 1907-09-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 39 Vr. ^loch s Ä-oürru;chrnr. Seite 643 Wien. (Mädchen-Unterstützungsverein.) An den Schulen dieses Humanitären Vereines (Fortbildungsschule, Handelslehrkurs, Kurs für Bureau-Arbeiterinnen, Näh- und Stickschulen, Fachschule für Kleidermachen, Maschinnähkurs) finden die Einschreibungen am 2. und 3. Oktober statt. Aufnahme finden arme israelitische Mädchen, die das 14. (für den Handelslehrkurs das 15.) Lebensjahr bereits vollendet haben; der Unterricht wird durchaus unentgeltlich erteilt. Beizubringen: Geburts- und Schulentlassungszeugnis wie der Nachweis der neuerlich erfolgten Impfung. Bewerberinnen aus der Provinz haben auch ein amtsärztliches Gesundheitszeugnis zu erbringen.' Schülerinnen aus dem X. Gemeindebezirke Wiens können derzeit zur Aufnahme noch nicht zugelassen werden. Wien. Wieder hat der Verein „Tefillath han’orim“ ferne Tore geöffnet und seine junge Gemeinde gesammelt. Gesammelt in fünf Andachtsstatten, trat eine Schar von beiläufig 600 jungen Leuten — Schüler, Studenten, Praktikanten und Lehrlinge — vor den Altar, um ihr Opfer darmbringen. Wohl dem Auge, dies zu sehen, zu sehen die unverdorbene Frömmigkeit, die innige Begeisterung, mit welcher da die beiden hohen Feste begangen wurden. „Da ward das Fest zur Lust, das Geweihte zum Ehrentag" und all die Jugend, die da mitfeierte, bekennt sich gerne zur Fahne des Judentums und wird sie auch in Zukunft Hochhalten. Die Veranstalter dieser festlichen Andachten bilden eine nur kleine Vereinigung, aus Lehrern und Laienk bestehend, welche jedoch, mit zäher Ausdauer ihr Ziel im Auge behaltend, von Jahr zu Jahr — nun schon das siebente — unermüdet ihre gottgefällige Tätigkeit ausübt. Vom Ehrenpräsidenten Herrn Joachim Gollerstepper an bis zum jüngsten Mitglieds lebt jeder mit reinem, schönem Eifer dem übernommenen Dienste: die Herren Max Deutsch, H. Löw-Vogel und Josef Pick als Exhortanten; Herr Wilhelm Toch als tüchtiger und umsichtiger Organisator des Ganzen an Stelle des diesjährig verhinderten Herrn Oehler und speziell als Leiter im II. Bezirk und als kantoraler Funktionär. Herr Zcckendorf leitete den Gottesdienst im XVIII. Bezirke, an dessen Führung auch die Herren Rabbiner Doktor Fruchtwang und Dr. B. Münz großes Interesse nahmen. Im VI. Bezirke stehen schon seit Jahren die Herren Leopold Gollerstepper, Max Weiß und Ignaz Kugel der Sektion in umsichtiger, würdiger und besonders anerkennenswerter Weise vor. Im XX. Bezirke erwarben sich obte Herren Löw-Vogel (zugleich Exhortant) und I. Muschl große Verdienste um die Führung dieses zahlreich besuchten Gottesdienstes in der Toynbeehalle. Einen würdigen kantoralen Vortrag hielt Herr Hermann Ascher im Gottesdienste des II. Bezirkes. Besonderen Dank um „Tefillath han’orim“ hat sich Herr Julius Philipp erworben, der nicht bloß mit gründlichem Ernste des Kassenamtes waltet, sondern, dem Obmanne zur Seite stehend, den bedeutendsten Teil dazu beiträgt, das Werk zu beleben und im richtigen Gange zu erhalten. Wien. (Spende.) Für den unglücklichen Leopold Hilsner sind uns von Herrn Albert Mandlbaum in Wien X 20.—, für die Mutter des Hilsner, Frau Marie Himmelreich in Gr.-Meseritsch, von Herrn Sigmund Glaser in Bisenz X 4.— zugekommen. Ein vermißter spaniolischer Großkaufmann. Die spaniolische Kolonie in Wien befindet sich in tiefer Bestürzung über ein Drama, dessen Held eines seiner besten Mitglieder ist. Seit Sonntag den 15. d. M. abends wird der hier wohlgekannte und allgemein hochgeschätze 68jährige Großkaufmann Semaja Dan Albachary vermißt. Gegen 728 Uhr des erwähnten Abends entfernte er sich aus seiner Wohnung, III., Obere Weißgärberstraße 13, ohne daß er bis zur Stunde zurückgekehrt wäre, und der Umstand, daß man ungefähr eine V22 Stunde später auf der „Rudolfsbrücke" im Prater dessen Schirm und Brieftasche gefunden hat, läßt vermuten, daß der Kaufmann, der seit Monaten an einer hochgradigen Arterienverkalkung sehr schwer litt, in den Wellen der Donau Erlösung suchte. Bestätigt sich diese Annahme, dann hätte ein inhaltreiches Leben, ein Leben voller Sorgen und Qualen geendet. Hohe Begabung, hervorragende Nächstenliebe und Gottesfurcht zeichneten den Mann aus, der, allen Widerwärtigkeiten des Lebens trotzend, sich bis zum Gipfel des Glückes und der Befriedigung durchgerungen hat. Doch gerade der Lebensabend sollte dem Schwergeprüften nicht in verdienter Ruhe und in Frieden beschieden sein. Enttäuschungen aller Art dämpften seine Lebensfreude und lähmten seine eiserne Energie, die ihm über so manche gefährliche Klippe hinweggeholfen, bis diese tückische Krankheit ihm auch den letzten Hoffnungsschimmer raubte. Vergebens suchte er Zuflucht zu inbrünstigem Gebet suchte er Rettung im heiligen Worte der Schrift. Weder Kurort noch Heilanstalten brachten ihm die ersehnte Linderung seines furchtbaren Leidens, das ihn in manchen Augenblicken so heftig ergriff, daß er wie besinnungslos forttaumelte. Es ist umso wahrscheinlicher, daß Herr Albachary auf der Straße plötzlich in einen solchen Zustand geriet, da er sich noch eine 7* Stunde vor Verübung der schrecklichen Tat in fröhlicher Gesellschaft befand und gar nicht ahnen ließ, daß er einen solch verzweifelten Entschluß gefaßt. Für den bevorstehenden Jom- Kippur traf er sogar noch Anordnungen und schmiedete Pläne für die Zukunft. Von dem Vermißten fehlt bis jetzt jede Spur. Obwohl sich bei den Hinterbliebenen bereits zweimal ein Mann meldete, der Herrn Albachary in den Praterauen s eschen haben will, blieben die dortselbst sofort unternommenen, wiederholten Streifungen erfolglos. Die Angehörigen des auf so tragische Weise Dahingegangenen haben bereits alle Hoffnung aufgegeben, ihr Familienhaupt noch lebend zu finden. Böslau. An den hohen Feiertagen wurde hier außer im israelitischen Tempel auch noch der Gottesdienst abgehalten beim Kassier des Tempelvereines, Herrn Hotelier Max Schwarz, welcher seinen großen Saal dem Tempelvereine in uneigennütziger Weise zur Verfügung stellte, wo selber auch im Vereine mit dem Tempelvorsteher Herrn Witrofsky für die Ausrechthaltung der Ordnung sorgte. Beide Bethäuser waren total überfüllt und war die Andacht eine sehr feierliche. Unter den vielen anderen Spendern zeichnete sich besonders Herr Salamon Herzl aus Wien aus. Der Vöslauer Bethausverein unter der bewährten Leitung des Herrn Dr. Sigmund Brößler geht jetzt ernstlich daran, ein neues, schönes Bethaus zu erbauen, und wäre es sehr wünschenswert, wenn besonders die Wiener den Verein in einer jeden Weise unterstützen würden, nachdem doch Tausende Wiener Familien den reizenden Kurort Vöslau jährlich besuchen. Friedek. Unsere Kultusgemeinde hatte am 15. d. M. einen schönen Ehrentag zu verzeichnen. 25 Jahre find es, seitdem der Lehrer Herr Jakob Pollak und der Oberkantor Herr Salamon Weiß in unserer Gemeinde mit rühmlichen Erfolgen wirken. Der Vorstand kam also einer angenehmen Ehrenpflicht nach, indem er einen Tag zur Feier festsetzte und bei dieser Gelegenheit beiden Jubilaren je ein prachtvoll schönes und künstlerisch ausgestattetes Ehrendiplom überreichte. Die Feier selbst spielte sich in schöner und erhebender Form ab. Dem Herrn Oberkantor Salamon Weiß wurde das Diplom im Tempel überreicht, wobei zuerst der Vorsteher der Kultusgemeinde Herr Alois Reik und dann der Rabb. Dr. I. Drobinsky schöne, die Bedeutung des Tages hervorhebende, sowie anerkennende Worte über die hervorragenden Leistungen des Herrn Oberkantors Weiß sprachen. Die Festversammlung verfügte sich sodann in den Sitzungssaal der Kultusgemeinde, welcher bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war. Auch hier überreichte der Vorsteher Herr Alois Reik dem Jubilar, dem Lehrer Herrn Jakob Pollak, das Ehrendiplom, und sprach derselbe Worte des Dankes und der Anerkennung für den Jubilar aus. Es hielten noch schöne Und geistvolle Reden Herr Dr. Drobinsky und Oberlehrer Kraus. Auch der Obmann der Chewra-Kadischa sprach einige herzliche Worte. Beide Jubilare dankten einzeln, gerührt, jedem Redner in schönen und gedankenvollen Worten. Die Jubilare haben sich um unsere Kultusgemeinde verdient gemacht. Herr Oberkantor Salamon Weiß hat unseren Gottesdienst auf ein schönes Niveau gebracht, das wahrlich den Gottesdiensten in großen Kultusgemeinden nicht nur nicht nachsteht, sie vielmehr vielleicht noch überragt. Kaiser Franz Joseph-Jnbiläums-Hospiz für arme Israeliten in Karlsbad. Am 30. Mai l. I. kam Frau Flora Michelup aus Prag, nachdem ihr von der Karlsbader Kultusgemeinde ein vierwöchentlicher Aufenthalt in dem israelitischen Hospiz bewilligt wurde, daselbst an und mußte sich, nach dem sie von ihrer Krankheit (Magengeschwüre) überfallen wurde, zu Bette legen.