Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 39 (27.9.1907)
- Date
- 1907-09-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021710-3021750--16712-3041548- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 39 M?. Llocb's Mocdensevnn. Sette 641 weitere Ausgrabung in diesen jüdischen Katakomben wurde im verflossenen Winter fortgesetzt, und Marncchr hat in der letzten Sitzung der ^.ccadsmia Romana di archeologia einen Bericht darüber erstattet, der in erweiterter Form im Nuovo Bulletino di archeologia cristiana erscheinen wird und vorerst in Monsignore de Waals Auszug in der neuesten Nummer der „Römischen Quartalschrift für christliche Altertumskunde" (1907 S. 39 ff.) vorliegt. Die Katakombe befindet sich, soweit die Ausgrabungen bis jetzt feststellen lassen, im Zustande heillosen Verfalls, so daß nichts anderes übrig blieb, als wenigstens die Grabplatten mit Inschriften zu sammeln, die demnächst dem Museum des Lateran einverleibt und in einer besonderen Abteilung eingemauert werden sollen. Die weitaus meisten Inschriften sind (wie dies auch in den beiden anderen bisher aufgedeckten jüdischen Katakomben der Fall ist) in griechischer Sprache abgefaßt; ihren jüdischen Charakter offenbaren nur Symbole wie der siebenarmige Leuchter, Schofar, Lulab, und Ethrog rc.; auf einigen werden auch die geistigen und weltlichen Aemter erwähnt, die der Verstorbene in der Gemeinde bekleidet batte; beachtenswert ist eine lateinische, metrische Inschrift. Früher als auf das 4. Jahrhundert nach Chr. ist keiner der Funde zurückzudatieren. Es ist jedoch anzunehmen, daß die noch unerforschten Teile der Katakombe in weit frühere Zeit zurückreichen, da eine jüdische Kolonie in Trastevere schon vor, jedenfalls seit der Zerstörung Jerusalems durch Pompejus (63 v. Ehr.) bestanden hat. Dieser ältere Teil der Katakombe muß noch aufgesucht und erforscht werden. In ihrer Nähe liegen die christlichen Katakomben des Pontianus, deren Aufdeckung in die Zeiten des frühesten Christentums hinaufführen würde. Sollte man aber auch die Gräber von Frühchristen im ältesten Teil der jüdischen Katakombe bei weiteren Nachgrabungen finden, so ist doch nicht daran zu denken, daß solche Gräber sich durch irgend ein Symbol oder Zeichen speziell christlicher Art vor den eigentlich jüdischen auszeichnen. In dem oben zitierten Bericht hatte Monsignore de Waal geklagt, daß die reichen römischen Juden zu den Kosten dieser sie speziell interessierenden Ausgrabungen nichts beitragen wollen; wenn sie jetzt fortgesetzt werden, so ist dies in erster Reihe der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" zu danken, welche durch Bewilligung eines ansehnlichen Betrages den Berliner christlichen Archäologen Professor A. Müller in den Stand gesetzt hat, weitere Ausgrabungen vorzunehmen. Sabbathruhe in — Italien. Es wird gegenwärtig von der Regierung ein Reglement, betreffend die Einführung der Feiertagsruhe, ausgearbeitet. Oberrabbiner Tedeschi in Ancona wandte sich angesichts dessen an seinen Florentiner Kollegen Dr. Margulies und regte eine Aktion zur Erlangung einer Bestimmung an, durch welche den den Sabbath beobachtenden Juden die Möglichkeit, am Sonntag zu arbeiten, gewährleistet würde. Herr Dr. M argul i e s stellte, von einer Auslandsreise zurückgekehrt, an einen der Minister den Wunsch einer solchen Bestimmung schriftlich und bat ihn um seine Unterstützung. In seinem Antwortschreiben wies der Staatsmann zwar auf gewisse Schwierigkeiten hin, sagte jedoch zu, daß er den Minister für Handel und Industrie ersuchen werde, dem Verlangen, das im Prinzip ein vollkommen berechtigtes sei, Rechnung zu tragen. Zu dieser Mitteilung ist zu bemerken, daß der Perzentsatz der jüdischen Gewerbetreibenden in Italien, namentlich derjenigen, die auf Sabbathruhe Gewicht legen, abgesehen von Ancona, ein äußerst geringer ist. In Galizien, wo die Juden die Mehrheit der Gewerbetreibenden bilden und mit wenigen Ausnahmen den Sabbath halten, konnten sie dank ihren Versorgern keine Sabbathruhe bekommen. Jüdische Arbeiter in England. Der Fabriksinspektor Herbert Evans, der durch seine loyalen Aussagen vor der Aliens-Kommission rühmlichst bekannt ist, hat gegenüber einem Vertreter der Jewish Chronicle sich in bemerkenswerter Weise über die Verhältnisse der eingewanderten jüdischen Arbeiterbevölkerung in London ausgesprochen. Man erfährt aus seinen Mitteilungen, wie irrig es ist, daß die Einwanderung jüdischer Arbeiter die Lage der Bevölkerung des Ostens verschlechtert habe. Die Zustände sind auch in hygienischer Beziehung seit den Neunziger-Jahren, in denen die Einwanderung bedeutend zu wachsen begann, viel bester geworden. Während es bis dahin gang und gäbe war, daß derselbe Raum als Wohn-, Schlafzimmer und Küche und zugleich auch als Werkstatt diente, ist im Laufe der Jahre hier mehr und mehr die Einrichtung besonderer Arbeitsräume Gepflogenheit geworden. In Soho, dem Arbeiterviertel im Westen, liegt freilich die Wohnungsfrage noch sehr im Argen. Evans spricht ferner die Ueberzeugung aus, daß die eingewanderteu Arbeiterscharen an dem Aufschwung des englischen Handels einen bedeutenden Anteil haben. In den Gewerben, in denen diese Arbeiter vorzugsweise beschäftigt find, in der Kammgarn- und Wolle- Manufaktur, in der Konfektions- und Schuhwarenbranche ist seit den Neunziger-Jahren eine außerordentliche Verminderung der Einfuhr und ein nicht minder bedeutendes Anwachsen der Ausfuhr zu konstatieren. Daß die Immigranten ein sehr tüchtiges Arbeitermaterial darstellen, beweist die Tatsache, daß sie durchschnittlich doppelt so hohe Löhne wie die eingeborenen Arbeiter erzielen. Das gilt auch von den Arbeiterinnen, hinsichtlich deren Evans die intereffante Bemerkung macht, es sei ihm niemals ein Fall vorgekommen, daß eine jüdische Frau noch nach ihrer Verheiratung als Lohnarbeiterin beschäftigt gewesen sei. Er rühmt das als ein Zeichen des hohen moralischen Niveaus der jüdischen Bevölkerung und als ein Glück für die zukünftige Generation. Als sehr beklagenswert bezeichnet Evans die Tatsache, daß im Gegensätze zu der jüdischen Bevölkerung von Whitecheapel im Oftend die Arbeiter im Westen, in Soho, zum größten Teil am Sabbath werktätig find. Zum Schluß hebt Evans auch die Nüchternheit und Mäßigkeit des jüdischen Arbeiters rühmend hervor. Aus der territorialiftischen Bewegung. Warschau. Hier fand durch drei Tage eine Konferenz russischer Territorialisten statt, die zum Schluß an Mr. Zangwill ein Telegramm sandte, welches vom Präsidium der Konferenz: Mandelstamm, Paperin und Finket st ein, gezeichnet war und folgenden Wortlaut hatte: „Eine in dieser Stadt tagende Territorialisten-Konferenz übermittelt Ihnen nach dreitägiger eingehender Beratung aller reifen Probleme der Bewegung ihre Grüße und den Dank für Ihre unermüdliche erfolgreiche Tätigkeit im Jntereffe des Wohles unseres Volkes." Die Konferenz gab auch ihrer Befriedigung über die Tätigkeit Dr. Jochelmann's im Emigration s-D epartement der „I t o" Ausdruck. Es wurde der Beschluß gefaßt, den Sitz des Aktionskomitees der Russischen Territorialiftischen Organisation von Warschau nach Kiew zu verlegen (nicht umgekehrt, wie ein hiesiges Blatt berichtet hat. Anmerkung der Redaktion), wo Dr. Mandelstamm als Präsident, unterstützt von den Herren Dr. Jochelmann, L ip e tz, Lev und P a p e r i n, dasselbe leiten wird. Außer diesen fünf Mitgliedern des Zentralkomitees wurden in die Leitung gewählt: Advokat I a s s i n o w s k i, die Herren Finkelstein, Jatzkan, Jofseleff und Hillel Zeitlin aus Warschau, die Herren S ch w ir o und T r o p p aus Baku, Dr. Stein aus E l i s a b e t h g r a d, Dr. G o l d b e r g aus Yeletz. Dr. Dorfmann und die Advokaten Rabinovich und G e r st e i n aus Odessa. Manchester. Das ständige Komitee der Britisch I t o-F e d e r a t i o n hat die Einladung der Manchester Organisation — den nächsten Delegiertentag Sonntag den 8. Dezember 1907 abzuhalten — atzeptiert. Burma. Mr. R. D. D a n i e l l s aus Rangoon begründete hier eine Jto-Ortsgruppe. Die Lage und politische Stellung der Aerzte in Rußland. Aus einem in der „Münch. Med. Wochenschrift" (20. v. M.) aus Rußland publizierten Berichte läßt sich die Stellung der russischen Regierung zu den Aerzten im Allgemeinen und besonders zu den jüdischen Aerzten ersehen. Die ruffische Aerztewelt, heißt es, hat sich stets durch demokratische Weltanschauung vorteilhaft von den anderen Kreisen der ruffischen Intelligenz unterschieden. Nicht zum geringsten Teil ist das darauf zurückzuführen, daß die ruffische medizinische Welt viele fremdländische Elemente, besonders Hebräer beherbergt, die in der wenig organisierten Maste, dank ihrem geistigen Uebergewicht; die Polüische Stimmung der ganzen Aerztewelt