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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-09-06 · 36 (6.9.1907) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
36 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 36 Dp. Bloch’s IahrgangXXIV Zentralorgan für die gesamten Hnteressen des Judentums. Wim, 6. September 1907. n Lrscbeint jeden Freitag, Brief-Adresse: Mlen, H/i» Lerggasse 39. Telegramm-Adreffe: J5locbr0 THHocöensdbrtft, MUen. ' mm K. k. Postspsrksffen-Amr Slearlng-V erk evr Mr. 810.976. Redaktion und Rdminiflralion: Wien IX/1» Werggasse Mr. 39. 14.847. $-—-:-* »---- Vrrugsprris für Oesterreich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petttzeile 24 Heller. %-* Inhalt: Leitartikel: Offenes Schreiben an den Präsidenten des zionistischen Kongresses im Haag, Herrn Max Nordau. — Vom VIII. Zionistenkongreß. — Verband der Rabbiner Mährens und Schlesiens. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die ' Schutzpockenimpfung. „Sinai". Ein neues Schuljahr. Ein Zeitdokument. Jüdische Staatsmänner in den Vereinigten Staaten. Das Grab Mordechais und Esthers. Albert Ballin. — Korrespondenzen: Prof. D. August Wünsche in Dresden über „Beruria". Die Inden als politischer Machtfaktor in Oesterreich. — Marranen in Rußland. — Ein Flugblatt der „Schwarzen Hundert". Ein Pogrom bei Kischenew. Berlin. Aufruf. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien. Wien. Dr. Karl Kohn. Israelitischer Humanitätsverein zur Ausstattung heiratsfähiger Mädchen. Ung.-Brod. Baden. Proßnitz. Berlin. Paris. — Feuilleton: Chawa Rubin. — Owinu malkenu. — Neue Bücher. — Inserate. Den geehrten Lesern, Gönnern und Freunden wünschen wir aus Anlass des Jahreswechsels .nm& nown n^nn Die Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift“ Dr. JOS. S. BLOCH. Offenes Schreiben an den Präsidenten des zionistischen Kongresses im Haag, Herrn Max Nordau. Mir ist, ich gestehe es offen, die Bedeutung des Wortes „Zionismus" nicht klar; es kann verschieden erklärt werden. Für die Einen bedeutet es eine Standarte, um die sich die ihrer Religion treu gebliebenen Juden scharen; die Fahne, unter der sie gemeinsam gegen Verfolgung, Verhetzung, Verleumdung und Entrechtung kämpfen; das Wort, welches die Einigkeit und Gemeinsamkeit der sich ihrer großen Vergangenheit, ihrer kulturellen Mission und historischen Bedeutung in der Entwicklung des religiösen und sittlichen Sinnes bewußten und zu zähem Widerstande entschlossenen Juden bezeichnet. Es entspräche dann dem „Mohammedismus" der Türken, dem „Buddhismus" der Chinesen und Japanesen — Zionismus für Moseismus — und soll die Zusammengehörigkeit, die Solidarität des Volkes in prägnanter Weise zum Ausdruck bringen, welches am Sinai die Weihe empfing und trotz aller Ungunst der Zeiten bis jetzt bewahrte. In diesem Sinne bin ich ein eifriger Zionist, mit allen Kräften bestrebt, das von allen Seiten und mit allen Mitteln attakierte Judentum zu stützen, seine Traditionen zu wahren, den gottlos Verfolgten und Vervehmten berzuftehen, ihnen aus der Knechtschaft herauszuhelfen und ihnen zu ermöglichen, in vom Antisemitismus noch unverseuchten Erdteilen unangefochten ihr Brot zu erwerben, mag nun die Scholle oder die Werkstätte wo immer liegen — nur weit, recht weit vom Lande der Hooligans und der Kannibalen! Andere wiederum, und diese schreien am lautesten, verstehen und sehen im Zionismus die Aufgabe, Palästina auf friedlichem Wege für die Juden zu erobern, um dort die aus den slavischen Ländern verdrängten und heimatlos gewordenen Brüder zu kolonisieren, eigentlich zu repatriieren. Dies an und für sich sehr löbliche, von Theodor Herzl angefachte, zuletzt von ihm selbst als unrealisierbar erkannte Bestreben ist in seinen Konsequenzen eine schwere Schädigung der hilfsbedürftigen Judenheit der Gegenwart, der man statt des Brotes und des Obdaches Blumenduft bietet, statt wirklichen Landes eine Fata morgana. Herzl selbst, ein Optimist und Dichter, ist nach seinem Besuch und Versuch in Konstantinopel zur Erkenntnis gekommen, daß die ottomanische Pforte ihre Zustimmung zu einer massenhaften Einwanderung von Juden ins Heilige Land niemals geben werde. Und selbst wenn der Sultan dafür zu gewinnen wäre, so würden die katholischen Mächte unzweifelhaft diesem Vorhaben entgegentreten und die Ausführung verhindern. Stehen sie sich doch gegenseitig mißtrauisch und eifersüchtig entgegen und hüten und bewachen mit Argusaugen jede Fußbreite des Bodens, wo die Wiege der Christenheit stand. Rußland und Rumänien würden gerne sehen, wenn ein großer Teil ihrer Juden in ferne Weltteile hinausströmen würde, und selbst Oesterreich wäre nicht trostlos beim Anblick eines Exodus aus Ungarn und Galizien — aber unisono würden diese Mächte, sekundiert von den andern, ein energisches Veto erheben, wenn die türkische Regierung Palästina dem Strome jüdischer Einwanderer öffnen und diese in dem kleinen Lande einen großen Staat mit eigener Verwaltung, Finanzen, Gerichtsbarkeit, Polizei gründen würden! Es wäre allerdings schön, wenn es sein könnte, aber diese Möglichkeit ist ausgeschlossen. Es ist ein Traum, den nur die glückliche Jugend träumen kann, der jedoch derzeit nicht realisiert werden kann. Die Hand aufs Herz: glauben Sie es? Hoffen Sie es? - Dieser reizvolle Anblick auf das Land unserer Vorfahren zieht uns von der Arbeit ab, die eben so dringend

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