Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 33 (16.8.1907)
- Date
- 1907-08-16
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 83 Dr. Llocv's mocDenscbrttt Seite 547 ließ er zurück, Dowid, den besten Freund, den treuesten Berater. Aber auch der wird nicht um ihn trauern. Er hatte schon zu Großes verloren, zu Schweres schon durchlebt, kein Leid vermochte mehr ihn niederzudrücken. Er sah in dem Tode des Genossen nichts als das Ende einer Episode und ein Zeichen des unversöhnten Meisters. Was für den Freund noch in dieser Stunde zu tun war, hatte er getan, und so beugte er sich ruhig über das fahle Antlitz, um auf den immer kürzer werdenden Atem zu lauschen; dann erhob er sich langsam und tief ausatmend sagte er, wie Abschied nehmend: „Nun, Jude, stirb gesundterheit." Am nächsten Morgen war die Ofenbank leer. Als die frommen Beter, geweckt durch den Hammer des Schulklopfers, der in zwei dumpfen Schlägen an die Türen der Häuser zugleich den Tod Jude Kratzers kündete, ins Beshamidrasch kamen, fanden sie nur den alten, fast tauben Schammes, der ihnen still und verängstigt zuflüsterte: er ist fort, Dowid ist nicht mehr da. Und als die Lomdim nach beendetem Gottesdienst sich versammelten, um an dem langen Tisch neben den Szeforimschränken für eine „Jahrzeit" zu „lernen," horchten sie vergebens nach der Bank am Ofen; kein Witzwort erklang mehr von dort her, kein leises, verträumtes Singen, Dowid war nicht mehr da. Er hatte den Ruf des Meisters verstanden. Zu lange schon hatte er gerastet, „unstät und flüchtig". sollte er umherziehen, rechtlos und heimatlos, so wollte es der Fluch des grollenden Rabbi. Und einsam, von aller Welt verlassen mußte er wandern, fort und fort und unaufhörlich, bis er vielleicht eine andere Ofenbank gesunden, in einem anderen Beshamidrasch, wo er, verkannt und oft wohl auch verhöhnt, bald dasselbe war, was er durch viele Jahre in der kleinen Stadt gewesen — der meschuggene Dowid. _ J. T. Neue Bücher. S. Rosenfelder, Lehrer in Buchen (Baden). Merkheft für den Unterricht in der hebräischen Sprache. Kommissionsverlag von I. K a u f m a n n, F r a n kfurt a. M.. 1907. _ Kriefkasterr. S. Pollitzer. Wo einer den ständigen Wohnsitz hat, ist er zur Leistuna einer Knltnssteuer verpflichtet. Frau Geheimrat St. R. L. Wir bitten um Einsendung des versprochenen Manuskriptes. I. E. in P. Die Entscheidung ist unter den jüdischen Theologen strittig; nach unserer Ansicht ist es entschieden gestattet. Dr. S., Üng.-Brod. Angezeigten Bericht nicht erhalten. K. L. In Bezug auf den in der letzten Nummer unseres Blattes erschienenen Artikel des Herrn Dr. Bi ach gegen den Schriftsteller Herrn „I v r i" wird uns von befreundeter Seite mitgeteilt: Der Vorwurf des Herrn Dr. B i a ch ist nicht gerecht und trifft in keinem Punkte zu. Jvri hätte den Hofrat Gomperz „in dithyrambischer Weise gefeiert". Jvri schrieb wörtlich: „Zwei Brüder wohnen hier (im Herrenhause) vertraulich nebeneinander, sie sind beide alt geworden im Judentum; der eine (gemeint ist Prof. Gomperz) i st eine Koryphäe auf dem Gebiete der hellenischen Philosophie." Das ist der „Dithyrambus" auf Hofrat Gomperz. Herr Biach wiederholt in seinem „Artikel": „Nun soll gewiß nicht geleugnet werden, daß Theoder Gomperz eine Koryphäe auf dem Gebiete der griechischen Philosophie ist." Er wiederholt also „Jvris" Dithyrambus, der nun gewiß Gomperz besonders freuen wird, stammt er doch auch aus Biach's Munde, oder wird vielmehr von ihm bestätigt. Gomperz' „Treue zum Judentum" wird von „Jvri" gar nicht chervorgehoben, sondern nur gesagt (im Gegensätze zu den sogen. Hofratstaufen) „es schade ihm (Gomperz) gar nicht, im Judentume geblieben zu sein". Das Wort „Schacherjude" aus der Schrift Dr. Biach's, die er so oft mit Vorliebe zitiert, paßt doch auf einen Mann von der Bedeutung Gomperz nicht. „E. S." Einer der hervorragendsten französischen Historiker und Philosophen, Professor Gabriel Monod, ein hochangesehenes Mitglied des Institut äs Trance, hat in seiner »Revue llistorigue«, dem vornehmsten Fachorgan dieser Wissenschaft in Frankreich, jetzt eine gediegene und warmherzige Würdigung der Lebensarbeit des sei. Professors Moritz Lazarus veröffentlicht. Monod, der Sohn eines protestantischen Theologen, zeichnet das Lebensbild des jüdischen Philosophen so anziehend und aufrichtig, wie dies bisher in Deutschland noch nicht geschehen ist. Zur gefälligen Beachtung! Wirersuelieu diejenigen unserer Abonnenten, welche noch mit der Abonnementsgebnhr im Rückstände sind, die zur Einhebung derselben von uns versendeten Post aufträge gefälligst honorieren zu wollen. Die Administration. Informationsbureau für Auswanderer. _ Der Verein „Machsike hadath“ veröffentlicht nachstehenden AUFRUF! Am 21. d. M. hat die offizielle Eröffnung eines Ernigrationsbnreans unter dem Namen: „Hilfskomitee für jüdische Auswanderer“, Informationsburau des Vereines „Machsike hadath“ stattgefuuden. Die Notwendigkeit und Wichtigkeit der Gründung eines solchen Bureaus ist evident. In Wien allein war bisher keine solche Institution vorhanden, wiewohl der grössere Teil der jüdischen Auswanderer, infolge der iu Deutschland jetzt herrschenden, strengen Gesetze gegen Emigranten. ihre Reiseroute über Wien nimmt. Hunderte dieser heimatlosen und halbverhungerten Armen sehen wir in den Strassen Wiens rat- und hilflos umherirren; ein erschütterndes Bild menschlichen Elends. Es ist statistisch bewiesen, dass der grösste Teil der Emigranten ausgebeutet wird. Unterwegs werden sie infolge ihrer Unerfahrenheit eine leichte Beute von gewissenlosen Betrügern und Schwindlern, die sie unbarmherzig ausbeuten, so dass sieoft im grössten Elend unterwegs Zurückbleiben müssen. — Ja! wir können viele Fälle anführen, wo sogar hier in Wien selbst Emigranten in die Hände von gewissen betrügerischen Agenten gerieten und von ihnen um ihr Letztes gebracht wurden. Diesen Zuständen soll durch die Tätigkeit des Bureaus, wie es jetzt vom Vereine „Machsike hadath“ gegründet worden ist, leicht abgeholfen werden. Das Bureau erleilt die verschiedensten Auskünfte und Ratschläge iu allen Fällen, die sich auf Emigrations-Angelegenheiten beziehen; die Emigranten stehen jetzt vom Tage ihrer Ankunft iu Wien bis zu ihrer Abreise unter dem Schutze des Bureaus, welches sie, wenngleich einstweilen nicht mit Geld, so doch sonst mit Rat und Tat unterstützen wird. — Auf der Noidbabn in Wien wird bei jedem einlaufenden Zuge ein durch sein Abzeichen leicht erkennbarer Bureaubeamter sich befinden, der die Aufgabe hat, die Emigranten bei ihrer Ankunft in Wien zu empfangen, ihnen vorerst billige Quartiere anzuweisen und sie vor betrügerischen Agenten zu warnen. Die Emigranten erhalten vom Bureau Aufklärung über die eventuell zu nehmende Reiseroute, sowie auch Hilfeleistung bei der Anschaffung von Reisebillets und bei ihrer Abreise von Wien. Die Emigranten weiden auch vom Vereine unentgeltlich verköstigt werden. Teuere Glaubensgenossen! Indem wir an Euer Herz und an Euer Mitgefühl für unsere unglücklichen heimatlosen Brüder appellieren, bitten wir Euch, uns in unserem grossen, segenspendenden Werke je nach Vermögen durch Spenden zu unterstützen. — Eine jede Gabe wird von uns mit grösstem Danke empfangen und im Blatte veröffentlicht werden. Ein jeder Spendende macht sich um die Erhaltung dieser in Wien einzigen und in ihrer Art wichtigsten Institution verdient. Die Spenden können an folgende Adresse eingesendet werden: Verein ..Machsike hadath“. Wien, II., Obere Augartenstrasse 40. MädchBntehr-ü.Erzi8hung$an$talt Staatsglltlge Zeugnisse, Julie Steril^ I, Werdertorgasse 12 Pensionat, Halbpensionat, Privat-, Volks- und Bürgerschule samt Fortbildungsklassen mit Lyzeum-Lehrplan. - ■ —: Prospekte auf Verlangen.