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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-07-26 · 30 (26.7.1907) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
30 (26.7.1907)
Date
1907-07-26
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 601) L>r. Llocv s Mlocoenscdrm. Nr. 30 Esther auch der alte Mythus des Kampfes zwischen den babylonischen und den elamitifchen Gottheiten: Marduk wurde zu Mordechai, Humbaba zu dessen Feinde Haman, Krrischa (Humbabas Gattin) zu Seres, der Gattin Hamans, Jstar zu Esther; auch Vashti erinnert au die elamitifche Göttin Maschti. Mordechat -als Nachkomme des Kis steht im schroffen Gegensätze zu Haman, dem Sproßen des Erbfeindes der Juden, dem heidnischen Amalekiterkönig Agüg. Der Zug Nimrods und seines Freundes Ea-bani, um ein im fernen Osten befindliches heiliges Jstarbild einzuholen, das von Humbaba bewacht wird, erinnert wieder sehr an den Zug von Orestes und Pylade, nach Tauris. — Der persische Geschichtsschreiber BLrüni erzählt schon, daß die Juden eine Puppe, die Haman vorstellte, am Purimfeste prügelten und dann verbrannten, und Aehnliches berichtet der arabische Historiker Makrist; dies gemahnt wieder an den ganz ähnlichen Brauch im Abendlande, den „Winter" zu verbrennen, sowie die tolle Lustigkeit und Freigiebigkeit zur Purtmzeit an das uusgelassene „Oflergelächter" und den Brauch zur Osterzeit, die Armen zu beschenken; der stolze, pompöse Ritt Mordechais soll an den germanischen „Mairitt" erinnern und Esther die „Maikönigin" so wie Haman die „Maistange" bedeuten. Die Benützung der altpersischen und babylonische« Moive durch den Verfasser des Buches Esther für seine jüdischnationalen Zwecke vergleicht Haupt mit der Verwertung und Bearbeitung einer alten Sage durch den Dichter des Buches Hiob für seine pessimistische Philosophie und der Faustsage durch Goethe für seine hohen und poetischen Tendenzen. In allen diesen berühmten Werken sind eben die entlegensten und heterogensten exotischen Elemente verschmolzen und verwoben. Sehr interessant ist die Notiz, daß der Kardinal Wolsey, der Marguis d'Ancre und Louvois, also bestgehaßte Persönlichkeiten, in späten Dramen als Haman eingeführt erscheinen, während die Maintenon gerne mit Esther und die Montespan mit Vashti verglichen wurden. Die philologischen Untersuchungen über die Worte „Agag" und „Purim" können wir, so anziehend sie auch immer sind, hier nicht weiter berücksichtigen. Auch die aufgestellien Beziehungen mit dem Zinngießeu in der Shlvesteruacht und dem „Bohnenkönig" (roides feves) wollen wir hier schon darum nicht wiedergeben, weil sie uns wirklich zu gesucht und zu weit hergeholt erscheinen. Es sei nur noch kurz gesagt, daß die Ableitung des Wortes Purim vom babylonischen Puchrn, d. h. dem Versammlungsorte der Götter ebenso unwahrscheinlich ist, wie die von Grätz lanzierte Erklärung, Purim sei die Mehrzahl des hebräischen P irah (die Weinpreffe) und dieser Umstand weise auf ein ursprüngliches Weinlesefest hin. Auch die Vergleichung des Esther-Fasttages mit dem christlichen Allerseelentage will uns nicht sonderlich cinlenchten. Wir haben im Vorhergehenden den Hauptinhalt des Haupllschen VoAräges-in gedrängter Kürze wiederzugebcn versucht; vieles Mßtcu wir ganz übergehen, anderes konnten wir nur mit leisem Finger berühren. Das Hauptverdienst unseres Autors besteht darin, einen ziemlich epinösen, widerstrebenden Stoff ans dem Dunstkreis der Fachgelehrsamkeit tu eine freie Atuiosphäre gerückt zu haben. Die Zeiten sind gründlich vorbei, wo man eine Profanation der Wissenschaft zu begehen befürchtete, wenn man dieselbe zu popularisieren suchte. Heute will man nicht mehr, daß sich ihr Strom zwischen steilen, unzugänglichen Ufern in unmöglichen Serpentinen hinwinde, sondern man faßt ihren Inhalt in breite Kanäle und leitet ihn über das weite dürstende Land, damit er dasselbe befruchte. Wenn nur der literarische Zwischenhandel nicht durch Unberufene erfolgt, die nur uni schnöden Gewinn ohne Ehrfurcht vor dem heiligen Geiste der Wissenschaft das schwere Gold der Forschung in leichte Münze umsetzen. Wer einen ernsten Stoff einer unkundigen Menge übermitteln will, muß mitten drinn stehen und von hoher Warte das ganze Gebiet übersehen können. Ein solcher ist Paul Haupt und sein Buch sei jedem, der des Englischen kundig ist, bestens empfohlen. Wien-Hietzing. Prof. Josef Frank. Konkurs- Bei der isael. Kultusgemeinde in Eibenschilz in Mähren gelangt die Stelle eines musikalisch gebildeten II. Kantors der zugleich die Funktionen eines Chordirigenlen, Schochet Koreh und Bodak, sowie das an Jahrzeittagen übliche Mischnalesen zu versehen hat, mit einem garantierten Einkommen von K 1500, welcher Jahresbezug durch Kreierung einer namhaften Stiftung in kürzester Zeit bedeutend erhöht werden würde, nebst freier Wohnung und Nebenemolumenten zur Besetzung. Bewerber um diesen Posten wollen ihre Gesuche unter Anschluss ihrer Atteste über vorhergegangene Tätigkeit mit Angäbe ihres Alters und Familienstandes an den gefertigten Vorstand gelangen lassen. Reisespesen werden nur dem Akzeptierten vergütet, Eibenschltz am 23. Juli 1907. Der Kultusvorsteher Gustav Neubauer-Samek. Bei dem Bethausverein „An sc he E m e s“ Wien, X. Favoritenstrasse 106, wird über die hohen Feiertage ein Mussafvorbeter der auch zugleich Schofar blasen kann, aufgenommen. Berücksichtigt werden nur solche Bewerber, die verheiratet, streng orthodox sind und über eine schöne und gute Stimme verfügen. Der Obmann : Sal. Baumgarten. AllfflOnnifimon Ulirri tüchtige, verlässliche Köchin, nur erste nUiytillUllllllifll VvllU Kraft, gegen gute Bezahlung für das Kescher-Restaurant Dohan, II. Bez., Untere Augartenstrasse 26. Der Wiener Credit- und Vorschuss - Verein r. G. m. b. BL, II», Stephaniesti*. 2 gewährt jüdischen Gewerbeu. Handeltreibenden Darlehen gegen Bürgschaft, belehnt deren offene ^umstände u. eskomptiert deren Geschäftswechsel billigst, ___ Der Präsident! m L k. Hofrat S. Tausslg. Ferienheim in Vöslan. Das von dem Pädagogen B. Nassau geleitete BIN AB EN-PEES 9 0 HAT WIEN, II. Bezirk, Czerninpiafz 4 übersiedelt zu Beginn der Ferien in sein eigenes Ferienheim nach Vöslau. Schlumbergerstrasse 18. Erholungsbedürftige Zöglinge werden aufgenommen. Zu jeder Art von Prüfungen für das kommende Schuljahr finden hier Vorbereitungen statt. Schwimmen und Turnen. Neue Bücher. Dr. Arnold Aro«. Das hebräisch-altfranzösische Glossar der Leipziger Universitätsbibliothek (Ms. 102). Zum erstenmale ausführlich besprochen. König!. bayr. Hof- und Universitäts-Buchdruckerei von Junge u. Sohn, Erlangen, 1907. Krirskaste«. I. G. Die Zahl der israelitischen Oberhausmitglieder in England beträgt jetzt sechs: Lord Rothschild, Lord Wan^sworth (Familienname Stern). Lord Burnham, der Besitzer des „Daily Telegraph" (Familienname Levy-Lawson), Lord Herschel, Lord Ludlow (Familienname Lopes), Lord Montagu. Dr. S. Professor David Supino ist zum zehntenmale zum .Rektor des Athenäums in Pisa gewählt worden. Der Oberst Achille Coen ist zum Generalkommandanten der. Brigade Ravenna in Venedig befördert worden. ___ sie nur den soeben erschienenen 55. Jahrgang des allgemein beliebten pasdielc’s itlnstr. israel. 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