Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 30 (26.7.1907)
- Date
- 1907-07-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ur. 30 Dr. Bloch’s Jahrgang XXIV Zentralorgan für die gesamten Interessen des Audentums. Wien, 26. Juli 1907. Lrs<Letnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Miien, IX/J» Werggasse 39. Telegrcnnm-Adreffe: Llocb's Mocbenscbrttt» Mten. Inhalt: Leitartikel: Die Mahnung des Herrn von Kozlewski. — Der Einfluß der Juden auf die Leipziger Messen in früherer Zeit. — Elise Orzeßko. — Alexander Marmore!. — Aus dem Parlament. — Zur Affimilationsfrage. — Wortschlachten. — Korrespondenzen: Die Präterierung israelitischer Magistratsbeamter. Der Kampf einer Frau ums Recht. Juden als Schöffen und Geschworne. Jewish Colonization Association („Jca"). Aus der territorialistischen Bewegung. Breslau. — Vermischtes: Spendenverzeichnis der israelitischen Kultusgemeinde. Wien, Luhatschowitz, Turnau, Klattau, Colmar, Basel, Düsseldorf, München, Stuttgart, Rom. — Feuilleton: Die Sabbathbrecherin. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. »-—-9 A. kr. Vofisparksssrn-Amt Lleartng-Verkevr TU. 810.976. Redaktion und Administration: Wir« IX/i, Werggasse Mr. 39. Nr. 14.847 ■ß-—-« D---<i Vrxugsprris für VrsterreiUl: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. %-* Die Mahnung des Herrn non Kassernski. Die von einer überwältigenden Majorität galizischer Bezirkshauptleute gewählten Abgeordneten, die vom Vertrauen auf die Macht des Faustrechtes getragenen Schlachzizen, können es heute noch nicht verwinden, daß die Wählerschaft einiger Kreise diesen Raubrittern der Politik das Handwerk legte. Gegen die junge Stoßkraft der Ruthenen wagen sie sich zwar im offenen Parlament nicht vor; denen werden sie schon vis. Landtag und Statthalterei das Möglichste antun. Auch auf eine Antwort der unabhängigen polnischen Volkspartei sind sie nicht neugierig. Die Sozialdemokraten gar überlassen sie sehr gerne ihren würdigen Kampfgenossen, den ebenfalls mit Schmutz aus allen Pfützen überladenen Christlich-Sozialen. Nur wenn, die Schlachzizen die Vorsicht für unnötig halten, kennt ihr Mut keine Grenzen. Sie benützen jede Gelegenheit, um über die empörende Sklavenempörung der Juden loszuziehen, sie machen aus der immer offen gehaltenen Hand eine Faust, die sie drohend gegen das höchst gleichgiltig lächelnde Ghetto schütteln, das kein Ghetto sein wollte und deshalb im Wahlgang keinem Terrorismus der Schlachta wich. So sattelte denn auch Abgeordneter Dr. Ritter von Kozlewski sein Schlachtroß gegen die verhaßten Zionisten. Allerdings keine Nosiuante — wir wollen das Pferd Don Quixotes nicht beleidigen, das einen Idealisten trug. Doktor v. Kozlewskis Argumente hinken auf Verdrehung und sagen wir — Verleugnung der Tatsachen einher und dürften auch kaum ihr Ziel, erreichen. Da Worte nichts kosten, widmete der Redner vorerst ein paar Schock davon in freigebiger Bündnistreue dem christlichsozialen Standpunkt über Ehereform und freie Schule. Uns Juden gehen diese katholischen Streitfragen gar nichts an, deren Reform wir durch eine sinnlose Teilnahme höchstens aufhalten würden, und wir wollen auch nur die Liebedienerei der Herren von Lemberg für die Herren von Wien hervorheben. Im Zusammenhang mit diesem Entgegenkommen gewinnen die scheinbar freundschaftlichen Ausführungen Kozlvwskis über die Juden nur noch mehr Vertrauen. Der Wortführer der Schlachzizen führte aus, die Polen seien stolz darauf, haß sie sowohl die Reformierten als die Juden zu einer Zeit, da diese überall gepfählt und verbrannt wurden, in Polen gastfreundlich ausgenommen haben. Auch jetzt seien die Polen gewillt, den gerechten Wünschen der Bevölkerung Galiziens jüdischer Konfession Rechnung zu tragen und ihnen kulturelle und wirtschaftliche Fürsorge angedeihen zu lassen. Aber sie müssen im Interesse der jüdischen Bevölkerung ihre warnende Stimme gegen diejenigen erheben, welche, ohne die Verhältnisse des Landes zu kennen und ohne mit der galizischen Judenschaft in dauernder Berührung zu sein, Zwiespalt im Schoße der jüdischen Bevölkerung Hervorrufen. Redner hofft und wünscht, daß der sogenannte Zionismus, wie er in Galizien in letzter Zeit zutage getreten ist, eine vorübergehende Erscheinung bleiben wird. Ist das nicht schön, ist das nicht väterlich gesprochen? Jetzt und jetzt müssen die Reueträuen der zerknirschten Juden anfangen zu fließen, die so viel Liebe mit schwarzem Undank belohnten und gegen die Schlachta wählten, deren Ahnen schon es sich aus purer Gemütstiefe gefallen ließen, daß in ihr sarmatisches und kulturelles Tiefland jüdische Träger deutscher Kultur einzogen. Dieses Verdienst ist aber noch gar nichts. Mit beiden Ohren hören die Schlachtaführer von heute den jüdischen Wünschen zu und bedauern, nur zwei Arme zu haben, um alle diese Wünsche zu erfüllen. Weit und breit ist in Europa die kulturelle und wirtschaftliche Fürsorge berühmt, die den galizischen Juden von Seite der Landesbehörden zuteil wird. Stil und Inhalt eines Zarenmanifestes schießen einem durch den Kopf, wenn man diese Rede des Herrn Kozlewski liest. „Wir lieben unsere Völker wie Kinder, wir sorgen, beten und wachen für sie, unser Herzblut für sie, unser Wohlwollen reicht bis zum dritten Himmel.- Was aber ist die Wahrheit? Die heißgeliebten Untertanen streuen dem Väterchen Zar Dynamit auf den Weg statt Rosen, weil sie nach seinen Taten urteilen, statt nach seinen Reden. Wie wagt es nur Herr Kozlewski, von einer Fürsorge der Schlachzizen für die Juden zu reden, es gibt doch nur eine solche Fürsorge gegen die Juden. Die Schlachzizen haben die Kunst heraus, das Gebiet ihrer Schandwirtschaft mit einer Mauer von Worten vor jenen Europäern zu verbergen, denen eine genaue Einsicht in die wirklichen Verhält-