Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 29 (19.7.1907)
- Date
- 1907-07-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 29 S>r. BiocD s MwcvensLvrm. Seite 483 Dort floß der Wein in Strömen und schwer bekohlt kehrten die Festteilnehmer bei Morgengrauen heim. Am IiLss beomer ") heiratete Max. Zwei Tage später kehrte der Rabbiner mit seiner Gattin von der Hochzeit zurück. Die Rabbinerin fühlte sich so unwohl, daß sie vom Wagen gehoben werden und sich in ihr Schlafzimmer zurückziehen mußte; doch ging sie eine halbe Stunde später ganz munter im Hause herum; sie hatte bei der Hochzeit des Sohnes des Guten zu viel getan. —- Im Monate Tamus gab Max seiner Gattin den Get. 1U) Er war in eine Gaunerfamilie geraten und brachte die größten Opfer, um sich von dieser Sippe zu befreien. Der Sommer war glücklich vorüber, die hohen Feiertage hielten ihren Einzug und wurden in althergebrachter Weise verlebt. Nach dem Versöhnungstage verließ Chajim die T .. er Jeschibah, um auf Anraten seines Lehrers nach den Feiertagen die größere Jeschibah in dem Landstädtchen M. zu besuchen. Fünf Jahre hatte Chajim im Hause seines Rabbi verlebt und der Abschied fiel ihm schwer. Chajim schluchzte laut auf, als er dem frommen Rabbi die Hand zum Abschiede küßte. Ahnte er vielleicht, daß er seinen frommen Lehrer nicht mehr sehen sollte? Chajim's Erlebnisse auf der Jeschibah in M. erzählen wir das nächstemal. Literatur. Der „Unionkalender". Mitte Juli erschien der neue Jahrgang (5668—1907/8) des von der „O e st e rr eichifch - I f r a e li t i fch en U. nion" Wien IX., Universitätsstraße 8, herausgegebenen „Kalender für Israeliten". Auch dieser Jahrgang weist wesentliche Verbesserungen und Ergänzungen auf. Dem kalendarischen Teile wurde die größte Sorgfalt gewidmet und im schematischen Teile war man bemüht, die möglichste Vollständigkeit und Aktualität der Daten, betreffend die österreichisch-ungarischen Kultusgemeinden, ihre Vorstehungen, Funktionäre und rituellen Institutionen, zu erreichen. Ebenso wurde auch diesmal dem jüdischen Vereinswesen die größte Aufmerksamkeit zugewendet. Der literarische Teil bringt zwei spannende Erzählungen aus dem jüdischen Leben des Ostens, deren Verfasser, Doktor I. R a b b ut o o i c z und I. UpiimnY, sich auf dem Gebiete der jüdischen Belletristik eines ausgezeichneten Rufes erfreuen Die handliche Form und die elegante Ausstattung des Kalenders werden auch diesmal gewiß volle Anerkennung finden. Der billige Preis (K 1.60) ermöglicht auch den Minderbemittelten die Anschaffung. Wünsche Aug., „Aus Israels Lehrhallen". Ed. Pfeiffer. Leipzig 1907. Mk. 2.—. Kaum hat uns Wünsche, der Unermüdliche, mit zwei vortrefflichen Büchern über die Bibel beschenkt, und schon steht er wieder mit einer dankenswerten Leistung auf seinem Lieblingsgebiet, der Midrasch-Literatur, auf dem Plan. In seinem Vorwort sagt der Verfasser: Die jüdische Midrasch-Literatur enthält eine große Anzahl kleinerer Midraschim, die ihres legendarischen Charakters wegen entschieden einen Platz neben den alttestamentlichen Pseudepigraphen verdienen. Wenn auch ihre Abfassung erst in das spätere Mittelalter fällt, so ist das kein Behinderungsgrund für ihren Anschluß, da fie durchgängig auf alten Traditionen beruhen, ja einzelne wird man sogar unter sie einreihen dürfen. Die meisten dieser Midraschim find in der von A. Jeüinek herausgegebenen Sammlung Bet Ha-Midrasch, 6 Bände 1853 ") Dreiunddreißig Tage im Omer. *-) Scheidcbrief. bis 1877 enthalten. Weniger von Belang ist die von CH. M. Horowitz in zwei Teilen erschienene Sammlung. Da die von Jellinek veröffentlichten Texte bisher von den Forschern wenig oder gar nicht berücksichtigt worden find, so habe ich es unternommen, fie ins Deutsche zu übersetzen und für den Gebrauch zugänglich zu machen. Die Arbeit war nicht immer leicht. Schwierigkeiten boten Textgestalt und Mangel an Interpunktion. Dazu kam noch das Fehlen der Angabe der alttestamentlichen Beweisstellen. Besonders mühselig war es, wenn die Konkordanzen (selbst die neueste von Mandelkern) versagten. Da erforderte oft ein einziges Zitat stundenlanges Nachschlagen. In der Anordnung der Stoffe bin ich chronologisch zu Werke gegangen. Es kommen die hervorragendsten biblischen Gestalten zur Behandlung. Den Schluß werden Legenden über den Messias und die mesfianische Zeit, über Tod, Grabesleiden, Auferstehung, Paradies, Hölle und Weltgericht bilden. Die letzteren gerade enthalten reiches Material zur Eschatologie des Judentums und werden sicher willkommene Gelegenheit zu Ergänzungen der Arbeiten von W. Bousfet („Die Religion des Judentums im neutestamentlichen Zeitalter", 2. Auflage 1906) und von P. Volz („Jüdische Eschatologie von Daniel bis Akiba" [1903]) bieten. Vom volkskundlichen Standpunkte sollten die kleinen Midraschim schon insofern gebührende Würdigung erfahren, als ein gutes Stück Volksseele in diesen Erzeugnissen der jüdischen Literatur liegt. Tiefe Wehmut und starke Zuversicht spricht sich in ihnen aus. Die Devise aber ist immer: Mag die Gegenwart noch so düster und traurig sein, Gott verläßt die Seinen nicht, das Ende wird für alle Leiden und Qualen reiche Entschädigung bieten. Aber auch vom dichterischen Gesichtspunkte verdienen die kleinen Midraschim Beachtung. Während unter den Händen moderner Dichter die biblischen Gestalten nicht selten zu Zerrbildern werden und ihnen durch die eigene ausschmückende Zutat eine völlig fremdartige Physiognomie aufgedrückt wird, die unser Gefühl verletzt, behalten fie bei den Midrasch-Verfassern ihr ursprüngliches Kolorit. Die Phantasie mag sich noch so umrankend und üppig wuchernd gestalten, allenthalben geschieht es im Geiste der biblischen Schriftsteller. Die dichterische Zutat ist dem Geiste des Alten Testamentes kongenial. Wir haben plastische Gemälde vor uns von großer Lebendigkeit und Anschaulichkeit. Oft geht durch fie sogar ein frischer, dramatischer Zug mit reichem Wechsel der Szenerie. Man hört Monologe und Dialoge, bald oben im Himmel, bald unten auf der Erde. Engel steigen auf göttliches Geheiß hernieder und greifen in die Handlung ein. Bisweilen erscheint Gott selbst auf dem Plan und gibt der kritischen Situation entscheidende Wendung. An der Moderne freilich dürfen die Midrasch-Schilderungen nicht gemessen werden. Wer nicht Sinn für Naivität, Einfachheit und Schlichtheit hat, wird sich getäuscht sehen, wenigstens wird er nicht das finden, was ich ihnen vindiziere. Es gilt auch hier das Wort: Wer den Dichter will versteh'n. Muß in Dichters Lande geh'n. Das Buch verdient besonders in jüdischen Kreisen die weiteste Verbreitung. X. Der Börsenkönig. Roman von Edward S t i l g e b a u e r. 41L Seiten Text. Preis broschiert 4 Mk.» elegant gebnnden 5 M. (Verlag von Rich. Bong. Berlin W. 57.) Von dem Verfasser des „Götz Krafft", deffen großzügiges Erzählungswerk wie ein zündender Funke in die deutsche Leserweit eingeschlagen hat und mit Recht zu den meistgelesenen Büchern zählt, ist im Verlag von Rich. Bong soeben ein neuer Roman „Der Börsenkönig" erschienen. Auch diesmal entrollt uns Stilgebauer in üraffem. lückenlosem Aufbau ein mächtiges Kulturbild voller dramatischer Kraft und leuchtender Kontrastfarben, deffen Stoff er aus den Finanzkreifen einer mitteldeutschen Großstadt geschöpft hat. Im Mittelpunkte des Romans steht die scharfe, vortrefflich gezeichnete Charaktergestalt drs genialen, rücksichtslosen Bankiers Harry Seliger, der als ein Napoleon der Börse Millionen auf Millionen zusammenhäuft, seine Töchter an Grafen und Fürsten vermählt und endlich bei der mit Zolascher Wucht wiedergegebenen Katastrophe einer feiner riesenhaften Unlen thu.uugcn