Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 26 (28.6.1907)
- Date
- 1907-06-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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©eilt 422 an. Jbiocü s Mocoenscvrttl« Nr. 26 nicht wichen? Wo sind die Herren deutschnationaler Konleur, deren zottige Germanenbrust die Krämpfe kriegte, wenn von Römlingen und Kuttenträgern die Rede war? Wo sind sie, die Korruptionstöter, die Feinde des Schachergeistes? Haaudlee! Sie schweige» für ihre Minister, die Wotansenkel. Wo sind die grimmen tschechischen Hussiten, die tapferen Taboriten, die den Manen ihres Huß und ÄLkas von Trocznow alljährlich nationale Feste veranstalten, die so zahlreiche Schmuckworte für den Charakter ihrer Nation und Schimpfworte gegen die Juden haben als Knöpfe aus der Czamara? Haandlee! Die Hußseiern eine Lüge, die Fortschrittsreden eine Lüge, die Tschechen schwiegen für ihre Minister und für den Posten eines Vizepräsidenten, sie stimmten mit den lächerlich freiheitlichen Deutschen für Weiskirchner, den Vertreter der schwärzesten Reaktion, und für den ihm ebenbürtigen Vertreter der ärgsten Korruption für den S ch l a ch z i z e n S t a r z y n s k i. Das ist einmal ein ganz auserlesener Charakter, der für den zweiten Vizepräsidentenposten ausgeschachert wurde. Starzynski ist der große Künstler, dem es gelang, trotz seiner antisemitischen Gesinnung in einem fast durchwegs jüdischen Wahlkreis gewählt zu werden. Starzynski ist der Vertrauensmann von.Smoleu und Genossen, ist mit dem letzten Aufgebot von haarsträubender Wahlkorruptiou, amtlicher Verbrechen, Schwindel und Terrorismus nicht gewählt, sondern der Wählerschaft erpreßt worden. Dieser große Charakter hat den Mut gehabt, sich über die Verbrechen seiner amtlichen Wahlmacher zu entrüsten, aber er hat ruhig eines der typischen galizischen Schlachzizenmandate behalten, die mit den erbärmlichsten Mitteln erworben werden, und hat es gewagt, im Bewußtsein dieses Besitzes die Ehre eines Vizepräsidentenpost en anzunehmen. Allerdings hat er schon im ersten Moment unerbittliche Wahrheiten über sich ergehen lassen müssen.- Als seine-Kandidatur aufgestellt wurde, hat er von den Ruthenen und Sozialdemokraten das Aergste an Beschimpfungen gehört, das man einem Menschen überhaupt sagen kann, von Schwindler bis Mörder. Aber was macht das diesem Herrn mit dem Schlachzizengewissen, was macht das seinen edeln, adeligen Genossen, die längst gewöhnt sind, Moral und Gesetz, zu verachten. Haaudlee! Zieht Magnatengala au, opfert dem Kosziuszko, der Handel der Schlachzizen in Oesterreich blüht nach wie vor! Noch ist Polen leider nicht verloren. Den dritten Erfolg des Schachergeschäftes haben die Tschechen davongetragen. Erst brüllte der böhmische Löwe gewaltig und schlug gefahrdrohend mit dem doppelten Schwänze um sich. Aber er wollte bloß gefüttert sein, der-gute Pudel! Dann leckte er schon die gütigen Hände, die ihn beschenkt hatten und auch die Stiefel, die ihn so oft getreten hatten. Es war ein herrlicher Anblick, als die Tschechen mit den übrigen Parteien die Geschäftsräume verließen, in welchen das löbliche Präsidium des österreichischen Abgeordnetenhauses gewählt wurde. Und die Juden? Sie sehen, daß sie noch tieferstehen als sie gestanden sind. Die Zusammensetzung des Parlaments- Präsidiums ist ihr Schicksal, vor dem sie kein abgetakelter Freisinn mehr retten wird, höchstens der starke Zusammenhalt, der jüdische Radikalismus, den wir immer verlangt haben. Wer die Achtung der Gegner hat, hat auch ihren Respekt. Den werden uns die nationalen Juden im Parlamente verschaffen, nicht die Hausjudeu des Polenklubs, welche der Klubdiszjplin ihre Ehre unterwarfen und leere Stimmzettel abgegeben haben, statt wie ein Mann gegen diesen Weißkirchner zu stimmen. Was werden die Wahlkreise dieser Herren dazu sagen? Hoffentlich werden auch von dort, weil die Gegenwart für uns Juden eine dringende Lehre ist, unsere nationalen Vertreter Sukkurs erlangen, von deren Mut und Kraft alles abhängt, was wir im Parlamente mit Weißkirchuers löblichem Präsidium durchsetzen können. —- — y. Prof. §r. ». Starzynski, Uixe-Präftdent des österreichischen Abgeordnetenhauses Prof. Dr. v. Starzynski ist zum Vize-Präsidenten des Abgeordnetenhauses erwählt worden. Die Giltigkeit seines Mandates aber wird von den Wählern des 30. Reichsrats Wahlbezirkes im Königreich Galizien mit nachstehendem Protest angefochten: An das hohe Haus der Abgeordneten des österreichischen Reichsrates in Wien. Protest gegen die Wahl des Professors Dr. Stanislaus Starzynski zum Abgeordneten des 30. Wahlbezirkes im Königreich Galizien. Hohes Haus der Abgeordneten! Die Wahl des Prof. Dr. Stanislaus Starzynski zum Abgeordneten des 30. Wahlbezirkes im Königreich Galizien ist mit solchen, geradezu ungeheuerlichen Gewalttätigkeiten und Gesetzesoerletzungen — von Seite der amtlichen Organe der Regierung — vor sich gegangen, daß die Gutheißung einer solchen Wahl allen Glauben an Recht und Gerechtigkeit erschüttern und jedes Vertrauen in die gesetzliche Ordnung des Staatslebens untergraben müßte. Ohne brutale Vergewaltigung aller Bevölkerungsklassen konnte in einem Wahlbezirke, dessen Bewohner 63 Perzent Juden, 19 Perzent Ruthenen und 18 Perzent Polen zählen, unmöglich die Kandidatur eines Nationalpolen auch nur proklamiert werden. Allein obwohl schon bei Verhandlung über die Wahlreform dieser Wahlbezirk der jüdischen Bevölkerung zugewiesen wurde, oktroyierte der polnische Natioualrat in Lemberg den Wählern den Kandidaten Prof. Dr. Stanislaus Starzynski, wogegen die Juden den Herrn Dr. Josef Samuel Bloch und die Ruthenen den Herrn , Dr. W. ZahajkieWicz als Kandidaten' äufg'estellt haben. Die' Bezir^shauptleute begannen deßwegen ihre Arbeiten mit der Fälschung der Wählerlisten, um die Zahl der polnischen Wähler künstlich zu vermehren, dagegen die Zahl der jüdischen und ruthenischen Wähler zu reduzieren. In K r y st y n o p o l hat man 2 5 0 Wähler aus der dem Bezirkshauptmänne in Sokal vorgelegten Liste g e st r i ch e n, weil der Bezirkshauptmann sich äußerte, daß zu viel „unsichere" Wähler in die Liste ausgenommen wurden. Wir bitten hierüber den Gemeindesekretär Bodak und den Wähler G. Rubin st ein eidlich einvernehmenzu lassen. In Sokal dagegen hat man in die Wählerliste Leute ausgenommen, von denen es notorisch bekannt war, daß sie kein Jahr im Wahlkreise ansässig waren. Man hat sogar einen Beamten der Bezirkshauptmannschaft H. S k a r z y n s k i, der erst einen Monat in Sokal ansässig war, in die Wählerliste ausgenommen. Man hat auch sämtliche polnische Professoren der Mittelschule, die erst vor fünf Monaten errichtet wurde, in die Liste ausgenommen, während die ruthenischen, die zur selben Zeit gekommen sind, selbverständlich ausge lassen wurden. Hingegen wurden minderjährige Kinder der „sichersten" Wähler in die Liste ausgenommen, die auch tatsächlich gestimmt haben. Die Zahl der jüdischen Wähler wurde in Massen reduziert und um Reklamationen ummöglich zu machen, verlangte die Gemeinde in Sokal von Dr. Eduard Ebersohn für zehn Abschriften der.Wählerliste nicht weniger als tausend Kronen. Zu dem gleichen Behufe wurde verboten, irgendwelche Notizen aus der Wählerliste sich anzufertigen und auch eine .Kundmachung, beziehungsweise eine Aufforderung an die jüdischen Wähler, ihr Stimmrecht zu reklamieren, wurde konfisziert, obwohl das Plakat von der Lemberger Staatsanwaltschaft zensuriert war. Der Bezirkshauptmann von Sokal hat die Veröffentlichung dieses in deutscher Sprache und in hebräischer Schrift abgefaßten Plakates verboten, weil er, der Herr Bezirkshauptmann, das Plakat zu lesen nicht verstehe.