Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 23 (7.6.1907)
- Date
- 1907-06-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Sette 874 Dr. JBlocb’s MlocvenscvrM. Name des offiziellen Kandidaten mit Stampiglie vorgedruckt, auf der Rückseite war ein Stempel, um jeden dieser Stimmzettel sofort erkennen zu können. Dazu dann noch die vielen Mittelcheu und Mittel, schließlich die unverschämten Gesetzlosigkeiten, die wir mit Namensanführungen aufgezählt haben und deren Register wir nochmals wiedergeben, ein Register schändlicher Tatsachen, die wir den Gerichten und dem Gericht der öffentlichen Meinung unterbreiten, um die Wirkungen des neuen Wahlgesetzes in Galizien gründlich zu beleuchten: Saalabtreibungen durch den Bezirkshauptmann, Sperrung der Synagogen als Versammlungslokal durch die Gendarmerie, Bedrohung der Quartiersleute des Unterzeichneten, seine ständige Begleitung durch Wachorgane, gewaltsame Unterbindung seines Verkehres mit den Wählern, Feuerlärm während einer Versammlung waren noch Kleiuigkeiteu. Die wirklichen Leistungen der Schlachzizendieuer waren: Der Bezirkshauptmann von Sokal streicht widerrechtlich 250 Wähler von Krystynopol, weist ihre Reklamationen ohne Angabe von Gründen ab: er droht, jeden arretieren zu/lassen, der für einen jüdischen Kandidaten eiutritt, bestraft verdächtige Wähler und nimmt die Strafe gegen Nachweis der loyalen Gesinnung zurück. In Sokal wird eine Wählerversammlung im ruthenifchen Natioualhaus von der Gendarmerie aufgelöst, weil angeblich Frauen und Kinder anwesend seien. Advokaturskonzipient Dr. Ebersohn wird wegen Agitation für den Unterzeichneten mehrmals verhaftet, da er aber von der Agitation nicht abläßt, schließlich ohne Verhör und Untersuchung vom Bezirkshauptmann zu fünftägiger Haft verurteilt. Verhaftet werden auch die Agitatoren des Unterzeichneten, die Herren Grebel und Frostig. , Der Rathaussaal wird knapp vor einer Versammlung für baufällig erklärt. Den Restaurateuren und Hoteliers ist verboten, dem Kandidaten Kost und Quartier zu geben. In Krystyuopol erhält der Rabbiner vom Bezirkshauptmanu vou Sokal eine Rüge, weil er eine Wählerversammluug in der Synagoge nicht verhindert habe. In das Hotel des Kandidaten wird kein Wähler hineingelassen. In Zolkiew müssen die jüdischen Vorsteher ein Gesuch an den Bezirkshauptmaun richten, er möge den Kandidaten eventuell mit Gewalt am Betreten der Synagoge hindern. Vier Gendarmen hindern den Kandidaten auf Befehl des Bezirkshauptmannes am Betreten der Synagoge, dann auch eines kleineren Bethauses, in welchem er sprechen wollte. Die empörten Wähler bedrohen den jüdischen Gemeindepräsidenten, der aus Furcht vor Blutvergießen schließlich den Bezirkshauptmann veranlaßt, die große Shnagoge öffnen zu lassen. In Rawaruska werden nach Ankunst des Unterzeichneten sofort alle Bethäuser und Synagogen gesperrt, sogar die Betenden verjagt. Vor dem Wahllokal steht Vizebürgermeister Nikolaj Kogut mit Polizisten und Agitatoren, bearbeitet die Wähler mit Güte und Gewalt zur Wahl Starzynskis. Einige Wähler wollen zurückgehen, um überhaupt nicht zu wählen, werden aber mit Gewalt zurückgeschoben und stimmen unter Bewachung ab. In Belz gab Dr. Frostig dem Unterzeichneten Quartier, dafür stellte ihm Regierungskommissär Smolen zwei Gendarmen mit aufgepflanztem Bajonett vor die Wohnung, so daß sich die Patienten fürchten, hineinzugehen. Gendarmen begleiten den Kandidaten auf allen Wegen, um ihn als Verbrecher erscheinen zu lassen. Angesehene Wähler, die für den Juden agitieren, werden auf offener Straße verhaftet und um Mitternacht Hausdurchsuchungen bei ihnen vorgenommen, um Wahlaufrufe zu finden; so auch bei Dr. Frostig, dessen Privatkorrespondenz durchstöbert wird. Um die jüdischen Wähler für die Teilnahme an einer Versammlung zu bestrafen, werden einige flüchtige Juden aus Rußland über die russische Grenze abgeschoben. Unter der Aufsicht des Regierungskommissärs Smolen werden in einem Hotelzimmer Legitimationen ausgeteilt, daun heißt Smolen die Wähler in ein Nebenzimmer gehen, wo sie ausgefüllte offizielle Stimmzettel erhalten. Geschäftsleuten, welche diese Stimmzettel nicht aunehmen, wird der Bettieb gesperrt, so dem Wirt Selzer und dem Uhrmacher Allmann und erst nach Annahme des Stimmzettels wieder freigegeben. Die Wähler Markus, Fischel, Gerstenfeld, von den Christen Liskiewicz, Bilanski und der Notar Sarezinski werden verhaftet. Die Wähler Groder, Vater und Sohn, werden aus dem Bett heraus dem Regierungskommissär vorgeführt, weil es heißt, sie hätten den Stimmzettel geändert. Alle Wähler müssen unter Strafandrohung vor dem Wahllokal den Stimmzettel herzeigen, von denen jeder auch vom Vorsitzenden Dr^ Klein geöffnet wird. Am Wahltag wird von den Agenten des Regierungskommissärs im ganzen Bezirk die Nachricht ausgesprengt, der Unterzeichnete sei wegen Majestätsbeleidigung verhaftet. Trotzdem wurden für ihn ebenso wie für den ruthenifchen Kandidaten an den verschiedenen Wahlorten mehr Stimmen abgegeben als behördlich gezählt wurden. Mehr zu tun war den vom Unterzeichneten öffentlich in diesem Blatt des Amtsmißbrauches beschuldigten Ehrenmännern, dem Bezirkshauptmann von Srkal, dem k. k. Regierungskommissär Wladislaw Smolen in Belz, dem Vizebürgermeister Nikolaj Kogut in Rawaruska und ihrer Verbrechertruppe nicht möglich. Ihnen hat der Schlachzizenkandidat Starzynsli seine schändliche Wahl zu verdanken, ihren Gewalttaten und Fälschungen gelang die Wahl eines Antisemiten in einem jüdischen Bezirk. Das war ein Meisterstück, das die drei berechtigt, nach Rußland zu gehen und dort die Gouverneure zu unterrichten. Wir leben aber nicht in Rußland, wir leben in Oesterreich, wir haben eine Konstitution, wir haben Gesetze, uns ist die Unverletzlichkeit der Person garantiert worden. Mit Entrüstung protestieren "wir gegen die gesetzlose Paschawirtschaft einiger kleiner galizischer Machthaber, welche mit Freiheit und Eigentum der Bürger als ihrer Sklaven spielen, welche die Wahl und damit die öffentliche Meinung fälschen, welche unseren Staat vor deni Ausland verunglimpfen. Nicht nur wir erheben Protest, auch in dem Amtsbezirk der vielgenannten Ehrenmänner erheben sich Mutige, welche den Kampf gegen die von Lemberg geschützten Korruptionisten ohne Rücksicht auf die eigene Zukunft aufnehmen, welche sie mit gerichtlichen Klagen dutzendweise überschütten. Was muß nicht alles geschehen sein, daß man es wagt, diese allmächtigen Tyrannen avzugreifen! Und was tut die Regierung, um dem Gesetze und sich selbst Gerechtigkeit zu verschaffen? Es wurde gebeten und darauf gedrungen, daß diese politischen Sachen nicht in Galizien zur Verhandlung kommen sollen, nicht im Lande selbst, wo die Schlachzizen den Befehl auch über die Justiz haben. Zur Antwort hat man den Richtern von Sokal und Belz, die vielleicht doch nicht alle haarsträubenden Ungesetzlichkeiten freisprechend zur Kenntnis nehmen würden, die Untersuchung entzogen und hat zu dieser den Untersuchungsrichter Seng aus Lemberg in die Orte geschiiü. Das ist derselbe Seng, der aus polnischem Chauvinismus die ruthenifchen Studenten nach den Universitätsunruhen so lange ohne Verhör im Kerker ließ, bis sie zum Hungerstreik griffen. Dieser Seng soll nun die Geschäftsführer der Schlachzizen für schuldig finden!! Tatsächlich geht er mit dem Bezirkshauptmann vou Sokal speisen und spazieren, damit die Zeugen gleich wissen, woran sie sind. Dagegen will und kann ich auch nichts reden — da schnürt jedem die Wut die Kehle zu. Wer behördlich so die Ungesetzlichkeit züchtet, soll das mit sich selbst und seiner Ehre ausmachen. Mag nun mit dem sauberen Kleeblatt Ernst gemacht werden oder Komödie. An dieser Stelle soll ihnen der Spaß