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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-05-24 · 21 (24.5.1907) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
21 (24.5.1907)
Date
1907-05-24
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 21 Vr. Bloch's Wochenschrift. Seite 355 darüber war, ließ er im Geheimen durch mich kaufen, ebenso besorgte ich ihm oft das Setzen in der Lotterie, die Riskonten durfte ich allerdings nicht vor Edel übergeben. Eines Abends ging ich zu Bett; Reb Josef Harsch ging noch auf und ab und verrichtete das Nachtgebet, dabei schnupfte er gewohnheitsgemäß recht eifrig. Ich mochte so eine Weile im Bette gelegen haben, als ich mich schlafend stellte und mit halbgeschlossenem Munde zu sprechen begann, wie wenn ich aus dem Schlafe spräche: „Sechzehn," Reb Josef Harsch blieb vor meinem Bette stehen, um zu sehen, ob ich wirklich schlafe, und als er sich davon überzeugt zu haben glaubte, schrieb er sich die Zahl auf den Kasten auf; nach wenigen Minuten verkündete ich die zweite und etwas später auch die dritte Zahl, die Reb Josef Harsch gewissenhaft auf dem Kasten verzeichnete. Als ich am Morgen erwachte, fragte mich Reb Josef Harsch, was ich in der Nacht geträumt. Ich sah, so erzählte ich, einen greisen Rabbiner, der im Tallis gehüllt vor seiner Gemoroh saß, ich entbot ihm „Scholaum alechem“ („Friede mit Euch") und er erwiderte mir: „alechem Scholaum“ („mit Euch Friede"). Dreimal gab er mir Geld, das er laut abzählte, und sagte: „Dieses Geld werde mir Segen bringen. Weißt Du noch, wie viel Geld er Dir gab." „Nein," erwiderte ich." — Reb Josef Harsch schmunzelte, sagte mir aber nicht, daß er die Zahlen kenne, und gab mir, als ich in's Cheder ging, zwei Gulden mit, schrieb die drei Nummern, die ich ihm vorgesagt, auf ein Zettelchen und bat mich, ihm das Zettelchen in die Lottokollektur zu tragen und ihm die Riskonti heimlich zu übergeben. Als ich am Abend nach Hause kam und mit einem schrecklichen Geheul in's Zimmer stürzte — Grund dazu hatte ich, denn zwei Jungen, an deren Elternhaus ich allabends nach Chederschluß die Klingel gezogen, hatten den Störenfried endlich erwischt und ihn weidlich durchgeprügelt — fragte mich Reb Josef Harsch warum weinst du? und ich antwortete laut schluchzend: „ich kann nichts dafür, ich habe die Riskontri verloren." Reb Josef Harsch erschrack, doch er dachte an alles, nur nicht an Bosheit meinerseits, glaubte vielmehr, daß mir der Schrecken die Besinnung geraubt, wodurch ich das Geheimnis ausgeplaudert." „Riskonti verloren," schrie Edel, „du hast schon wieder in die Lotterie gesetzt, du Lump, du schlechter Mensch, du Ganev, (Dieb) stiehlst mir das Geld; läßt deinen Sohn Tägessen,^) darben und hungern und setzest in die Lotterie. Und in diesem Tone ging die Leier eine halbe Nacht hindurch, den Abschluß aber fand die Lotteriegeschichte erst am anderen Tage. Ich hatte die Riskonti in Wirklichkeit nicht verloren, sondern nur in der zerrissenen Westentasche versteckt. Als ich am anderen Tage in die Schule ging, gab mir Reb Josef Harsch ein paar Kreuzer auf Rapee mit, dabei zwinkerte er mit den Augen, was so viel bedeuten sollte, als Diskretion vor Edel, der holden aber keifenden Gattin, die zum Glücke kurzsichtig war und die Augensprache Reb Josef Harsch's nicht merkte. Nach der Schule sprang ich freudetrunken ins Zimmer und rief: Hier ist die Riskonti, ich habe sie gefunden; dabei legte ich Schnupftabak und Riskonti auf den Tisch des Hauses, Edel griff hastig nach dem co^xus delicti, doch auch Josef Harsch wollte sich der auf den Tisch geworfenen Dinge bemächtigen, dabei ging die schwache Papierdüte mit dem Rapee in Stücke. Also das auch noch, schrie Edel, außer der täglichen Portion noch hinter meinen Rücken Schnupftabak kaufen. Dann nahm sie die Brille zur Hand und warf einen Blick auf die Riskonti. Zwei papierene Gulden setzest du auf drei Nummern, dann schleuderte sie ihm Riskonti und Schnupftabak ins Gesicht, und es war ein Glück, daß Reb Josef Harsch den Schnupftabak mit der Hand auffing, gleich einer Furie fuhr sie dann auf den Mann los und nur durch seine rasche Flucht auf die Straße konnte er sich in Sicherheit bringen. Mir trug Reb Josef Harsch keinen Groll nach, denn er schrieb meine Ueberlegtheit der Freude über die wiedergefundenen Riskonti zu. Ja, er blickte auf mich mit einer gewissen Verehrung herab, als von den gesetzten drei Nummern zwei gezogen wurden, — woran er als sogenannter Seccoterno-Spieler keinen Gewinn hatte — und die dritte um ein Auge daneben ging, was Reb Josef Harsch dem Umstande zuschrieb, daß er diese nicht genau verstanden hätte, denn seiner Ansicht nach hätte ich giius Eli j ahn9) gehabt. Ich habe bei Reb Josef Harsch noch oft den Propheten gespielt und Nummern verkündet, indem ich mich schlafend gestellt, bis Reb Josef Harsch mir hinter meine Schliche kam. Ich verkündete wieder einmal Nummern, war aber begierig, was Reb Josef Harsch dabei für eirr Gesicht macht und öffnete die Augen halb. Reb Josef Harsch bemerkte dies, Purpurröte färbte sein Gesicht, allein die Scham legte ihm Schweigen auf; doch merkte ich ihm einige Tage lang an, daß er mir grollte, das Hellsehen und Nummernverkünden hatte aber ein Ende." Inzwischen waren die Reisenden nach R. angelangt, wo Bekannte zu ihnen ins Koup6 stiegen und die Reise bis Alba verlief in animiertester Stimmung. Herr Neuburg und Sohn verlebten bei den Verwandten in Alba einige schöne Stunden; am anderen Morgen wurde die Reise nach T. fortgesetzt. Um von Alba nach T. zu gelangen, mußte man nach F. mit der Eisenbahn fahren und von dort gelangte man durch eine dreistündige Wagenfahrt nach T. Herr Neuburg löste für seinen Sohn am Schalter eine halbe Karte; Chajim war trotz seiner 14 Jahre sehr klein, so daß er für jünger gehalten wurde, und um noch kleiner zu erscheinen, setzte er während der Bahnfahrt eine niedrige Mütze auf. Der Zug hat sich kaum in Bewegung gesetzt als der Kondukteur erschien. „Bitte die Fahrkarten". Herr Neuburg reichte ihm diese für sich und seinen Sohn. „Wie alt find Sie", fragte der Kondukteur den kleinen Reisenden. „Zehn Jahre vorüber", antwortete dieser prompt. „Aber wie lange vorüber", antwortete der Kondukteur. „Nicht lange", sagte Chajim. Der Kondukteur, ein Jude, ließ sich aber nicht verblüffen und fragte: „Sind Sie schon Barmizwah?" Chajim wurde verlegen und sein Vater mußte die halbe Karte nachzahlen. In S. angelangt erwartete sie der Sohn des Ter. Rabbiners; der Weg von S. nach T., der durch einen dichten Wald ging, war grundlos; ein Kotmeer. In dieser Gegend gab es keine Schottersteine und der ausgefahrene Weg wurde alljährlich mit Lehm ausgefüllt und wenn es im Herbste einige Tage regnete, dann war der Weg fast unpassierbar. Die zwei Herren unterhielten sich. Chajim saß aber in der Wagenecke in recht gedrückter Stimmung. Die Fahrstraße war wie ausgestorben, nichts als dichte Waldung; die Reisenden fuhren durch den bekannten Bakonyer Wald und es begann Chajim etwas unheimlich zu werden. Nach dreistündiger Fahrt sagte der Sohn des Rabbiners, dort ist T., und zeigte mit der Hand in der Richtung, wo T. lag. Man sah nichts als ein paar Häuser, die von Wald rings umgeben waren. _ (Fortsetzung folgt.) Neue Bücher. Rabbiner Dr. Joseph Eschelbacher. Das Judentum im Urteile der modernen protestantischen Theologie. Ein erweiterter Bortrag. Preis Mk. 1.50. Buchhandlung Gustav Fock, G. m. b. H. Leipzig 1907. Robert L. Berendsohn. Krieg oder Frieden? Deutsches Volk — Entscheide! Volksvortrag. Preis 25 Pfg. Verlag von Conrad H. A. Kloß. Hamburg 1907. 8) Wanderkost: Jeden Tag der Woche in einem andern Hause. ®) Erscheinung des Propheten Elijahu.

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