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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-05-24 · 21 (24.5.1907) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
21 (24.5.1907)
Date
1907-05-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite SL6 Dr. Blocb’s MocdenscbriN. Nr. 21 Die „Dresdener Abend-Zeitung", in der dieser Bericht am 4. August mit der Unterschrift „Richard Wagner" erschien, hatte Anfang der Vierziger-Jahre schon dies Ansehen verloren, das ihr der geschäftige Herausgeber Hoftat Winkler ftüher verschafft hatte. Neun Jahre später laütet sein Urteil wesentlich anders, als er im „Judentum in der Musik" auf Heine zu sprechen kommt. Nicht als ob er Heines Bedeutung nun leugnet, aber sie erscheint ihm von einem höheren Gefichtspunkte aus jetzt in einem ganz veränderten Lichte. „Keine Täuschung hielt bei ihm vor: von dem unerbittlichen Dämon des Verneinens dessen, was verneinenswert schien, ward er rastlos vorwärtsgejagt durch alle Illusionen moderner Selbstbelügung hindurch bis auf den Punkt, wo er nun selbst wieder sich zum Dichter log." Korrespondenzen. Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Kultus- Vorstandes vom 1«. Mai 1907 unter dem Borsitze des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern. Beginn halb 6 Uhr abends. Im Einlaufe befinden sich: Dankschreiben des Herrn D. Horwitz für die Glückwünsche des Kultusvorstandes anläßlich seines 80. Geburtstages. Dankschreiben des Herrn Leopold Schnürmacher für die Glückwünsche des Kultusvorstandes anläßlich der goldenen Hochzeit seiner Eltern. Dankschreiben des Herrn Alois Taussig für die Ehrengabe des Kultusvorstandes anläßlich seiner goldenen Hochzeit. Erlaß des Reichs- Kriegsministeriums an die Kultusgemeinde Lemberg betreffend Nichtanstellung aktiver Feldrabbiner. An Spenden werden bekanntgegeben: Für die Talmud-Thora-Schule: Direktor Bernhard Popper K 2000, Th. Ritter v. Taussig K 1000, kais. Rat Alois Lemberger K 800. Leopold Pollack Edler von Parnegg L 500, Wiktor Ritter von Ephrussi L 400, Alexander Nierenstein und Alexander Kallir K 300, Hauser & Sobotka K 200, A. Stern L Sohn L 200, Doro Stein L 200, Ignaz Gewitsch L 100, Josef M. Kohn K100, Ludwig Weishut K 100, Kalman Taster K 100, Josef Brukner & Söhne K 50, Moriz Ornstein K 60, Adolf Pichler K 50, Friedrich Pollak K 50, Ernst Pollak K BO, kais. Rat Alexander Engel von Janosi die Zusage, Tischlerarbeiten im Betrage bis L500 in natura beizustellen. Kais. Rat Paul Lemberger anläßlich der Verehelichung seiner Tochter für diverse Wohltätigkeitsvereine K 500. Ferdinand Gombrich anläßlich der Vermählung feines Sohnes für Arme und humanitäre Vereine K 300. Richard Gombrich anläßlich seiner Verehelichung für diverse Vereine K 200. Arthur Friedmann für diverse Wohltätigkeitsvereine K 100. Sophie Quittner anläßlich des Sterbetages ihres Gatten Max Quittner zur Verteilung an sechs arme würdige Männer im Rothschild-Spital K 60. Dr. Ferd. Brüll, Floridsdorf, für die rumänischen Juden X 29.70. Grethe und Edith Bauer für Ausspeisung armer Schulkinder (XX.) X 13 50. Franz Worel für die russischen Juden X 4. Josef Wondra für die russischen Juden X 4. Nach Verlesung des Einlaufes referieren II. Vizepräsident Ritter v. Goldschmidt und Baurat Stiaßny über den vom Vertreterkollegium beantragten Erweiterungsbau des Versorgungshauses, der dadurch notwendig wurde, daß für die durch eine hochherzige Widmung von 600.000 Kr. der Frau Ernestine T h o r s ch gestifteten neuen 40 Betten Raum geschafft werden mußte. Nach einer längeren, den verschiedenen Projekten gewidmeten Debatte, an welcher sich die Referenten, fowie die Herren Salo Cohn, kais. Rat Sachs, Oberfinanzrat Dr. Rappaport, Baurat Marmorek, kais. Rat S. K a ud e rs, kais. Rat Weil, Dr. Maximilian Steiner und S. Steiner beteiligten, wurde der Antrag des Vertreterkollegiums einstimmig angenommen. Hierauf erteilt der Vorsitzende dem Finanzreferenten das Wort zur Vorlage des Rechnungsabschlusses pro 1906. Kais. Rat Bernhard v. P o l l a k: Ich bin in der angenehmen Lage, Ihnen berichten zu können, daß das Gebarungsergebnis des Jahres 1906 ein günstiges war. Nach dem Voranschläge für das Jahr 1906 waren die Ausgaben mit K 2,611.55188, die Einnahmen mit K 2,455.704*47 angenommen, so daß ein Betrag von K 155.847*41 als unbedecktes Erfordernis, beziehungsweise als Defizit veranschlagt wurde. Nach dem vorliegenden Rechnungsabschlüsse betragen jedoch die Ausgaben K 2,447.324*32, die Einnahmen K 2,608.816*87, so daß sich ein scheinbarer Ueberschuß von K 161.492*55 ergibt. Dieses günstige Ergebnis erklärt sich zum Teile daraus, daß, wie es einer vorsichtigen Budgetierung entspricht, in der Festsetzung der Ausgaben und der Reserven etwas karger vorgegangen, dagegen in der Präliminierung der Einnahmen sich strenge an das Ergebnis der Vorjahre gehalten worden war. Andererseits wurde eine größere Anzahl Bauten, Rekonstruktionsarbeiten rc. nicht ausgeführt, demnach die hiefür eingesetzten Posten nicht in Anspruch genommen; hiedurch ist jedoch meiner Ansicht nach — und ich werde diesbezüglich später darauf zurückkommen — keine wirkliche Ersparnis, sondern ein bloßer Aufschub erzielt worden. Von diesem Standpunkte aus betrachtet, ist also das Gebarungsergebnis kein so überaus günstiges, wie es sich im ersten Momente darstellt, und es muß meiner Ansicht nach auch bei der Verwendung des Gebarungsüberschusses darauf Rücksicht genommen werden. Ich erlaube mir daher, bevor ich auf die Details des Rechnungsabschlusses eingehe, Ihnen bezüglich der Verwendung des scheinbaren Ueberschusses folgende Vorschläge namens des Vertreterkollegiums zu erstatten: Nachdem in dem Gebahrungsüberschuß auch zum Teile der Ueberschuß auch aus den Kapiteln „Zentralftiedhof" und „Beerdigungswesen", insoferne dieser Ueberschuß nicht bereits für wohltätige Zwecke, das heißt zur Dotierung der Kapitel „Unterstützungen" und „Subventionen an Wohltätigkeitsvereine" verwendet wurde, auch enthalten ist, wäre zunächst entsprechend dem Vorgänge früherer Jahre ein Teil des Ueberschusses dem „Friedhoferwerbungsfond" zuzuführen. Dieser Fond beträgt derzeit K 589.184*22. Durch Zuwendung eines Betrages von K 60.815*78 würde sich dieser Fond auf K 650.000*— erhöhen, ein Betrag, welcher meines Erachtens zur Erwerbung eines Friedhofgrundes in jenem Ausmaße genügen dürfte, um den Bedarf für einen größeren Zeitraum zu decken. Auf Generationen hinaus nach dieser Richtung hin Vorsorge zu treffen, ist, glaube ich, nicht unsere Aufgabe, da wir vorerst näherliegende Ansprüche zu erfüllen haben. Was den sodann verbleibenden Rest des Ueberschusses per K 100.676*77 anbelangt, stellt das Vertreterkollegium den Antrag, damit einen Reservefond zu kreieren, aus welchem größere Auslagen für geplante Neu- oder Rekonstruktionsbauten gedeckt werden sollen. Daß die Gründung eines solchen Fondes eine Notwendigkeit ist, glaube ich nicht erst besonders betonen zu müssen. Ich verweise nur auf die seinerzeit geplanten Zwischenbauten im Leopoldstädter Tempel, deren Ausführung bis jetzt unterblieben ist, auf die Errichtung einer neuen Mikwah, auf die Adaptierung der nicht gerade im besten Zustande befindlichen Gemeinde-Ubikationen, auf die Erweiterung der Versorgungsanstalt behufs Aktivierung der von Frau Ernestine Thorsch beabsichtigten Schenkung, auf die Ausgestaltung des Spitales, ich erinnere nur an die mit ansehnlichen Kosten verbundene Errichtung eines Röntgen-Laboratoriums, endlich auf die in nicht allzu ferner Zeit erforderlich werdende Errichtung eines neuen Administrationsgebäudes. Wenn die geehrten Herren diese Anträge hinsichtlich des scheinbaren Gebahrungsüberschusses genehmigen, so treten wir in das Jahr 1907 ohne Vortrag ein und es wird nur durch Aufwendung der größten Sparsamkeit auf allen Verwaltungsgebieten unserer Gemeinde möglich sein, das für das Jahr 1907 präliminierte Defizit per K 153.127 — ganz oder teilweise vermeiden zu können. Daß die Erzielung eines Ueberschusses in diesem Jahre ausgeschlossen ist, glaube ich schon jetzt mit ziemlicher Gewißheit behaupten zu können.

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