Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 20 (17.5.1907)
- Date
- 1907-05-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021710-3021731--16389-3041206- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 20 Dr. jbiocd ö TRUocbenscbrltt. Seile 3o7 Wien (Trauung.) Mittwoch, am 15. d. M., 2 Uhr nachmittags, fand im Leopoldstädter Tempel, 11., Tempelgasse, die Trauung des Fräulein Stefanie H e i m a n n, Tochter des Herrn Julius Heim an n, Chordirigenten der israelitischen Kultusgemeinde mit Herrn Karl Schnitzer, dem Sohne des allgemein geachteten Ledergroßhändlers Herrn Alois Schnitzer, statt. Der Tempel war von einem distinguierten Publikum dicht gefüllt und bemerkte man u. A. : Den Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Herrn Dr. Alfred Stern, den Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n und Baurat Ritter v. Goldschmidt und mehrere Kultusvorstände, die Bethausvorstände S. A. W a s s e r v o g e l, Albert Winterberg, Gemeinderat H e l b i g, Hofrat Doktor Munk, Bezirksrat Pöchhacker, Polizeikommissär Doktor Gans, Polizeikommissär Dr. Wagner, Polizei-Bezirksarzt Dr. Baum garten, Regierungsrat Dr. Schlag, Lektor Friedmann, Sekretär Dr. Adler in Vertretung der Beamtenschaft der israelitischen Kultusgemeinde, mehrere Kantoren und Berufskollegen, sowie viele andere Honoratioren. Rabbiner Dr. Schmied! hielt an das Brautpaar eine herzliche, ergreifende Ansprache, in welcher er auch auf die über vierzigjährige, von seltenem Pflichteifer erfüllte Dienstzeit des Vaters der Braut hinwies. Den Trauungsakt vollzog in bekannter Meisterschaft Oberkantor Guttmann, assistiert vom Chore mit Orgel- und Harfenbegleitung unter Leitung Professors Su lz e r s. Dem Brautpaare kamen aus Nah Und Fern Hunderte von Telegrammen und Glückwunschschreiben zu, welche von der Sympathie und Wertschätzung Zeugnis geben, welcher sich sowohl die Familie der Braut, als auch die des Bräutigams allenthalben erfreuen. Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler, Wien, Grünetorgasse 34 Freitag, den 17. Mai, findet um 7 Uhr abends im Universitätsgebäude (Saal 33 der jur. Fakultät) eine Vorlesung eigener Dichtungen des Schriftstellers Rudolf Hawel statt. Gäste herzlich Willkommen. Vierzig Jahre im Gastwirtegewerbe. Der Restaurateur Jacques Schwarz, an der Ecke der Kaiser Josefsttaße und der Mühlfeldgasse, feierte jüngst ein seltenes Jubiläum. Es find nämlich vier Jahrzehnte, perstrichen, daß er dem Gastwirtegewerbe angehört. In der einst. soi beliebten Pilz'schen Bierhalle machte er seine Lehrzeit durch, später servierte er in der Wiener Weltausstellung. Durch drei Sommersaisons war er im „Hotel Bellevue" in Gmunden Zimmerkellner, wo er mehrere Mitglieder des Hofes, darunter Kaiserin Elisabeth, Kronprinz Rudolf, Erzherzog Albrecht, ferner den Kaiser von Brasilien bediente. Fünfzehn Jahre war Schwarz Oberkellner bei der „Linde", durch fünf Sommer war der Jubilar im „Hotel New-Iork" in Marienbad engagiert, wo er dem damaligen Prinzen von Wales, jetzigem König Mn England, und dem Schah von Persien servierte. Wien. Die Vereinsleitung des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus hat der fich in großer Not befindlichen Mutter des unglücklichen Leopold H i l s n e r den Betrag von 25 Kr. übermittelt. Wien. Eine der wahrhaften Noschim zidkoriijaus, wie diese so sellen mehr zu finden sind, die in den besten jüdischen Kreisen der Leopoldstadt und auch anderen Bezirken sich einetz ausgezeichneten Rufes als einer LsclletU Chajil erfreuende Frau Therese Pfeiffer, welche nahezu 34 Jahre Inhaberin und Leiterin der ältesten Schule für Schnittzeichnen und Kleidermachen gewesen, ist verflossenen Freitag nach langem, qualvollen Leiden im 70. Lebensjahre in ein besseres Jenseits dahingegangen Ihren Hingang beweinen nicht nur ihre sie innig liebenden und verehrenden Kinder, die eine so hingebungsvolle edle Mutter verloren, betrauern nicht nur ihre sie verehrenden Anverwandten. die ihnen in Freud und Leid stets als kluge Beraterin zur Seite gestanden, sondern auch viele verschämte Arme, denen sie ungeachtet ihrer bescheidenen Verhältnisse nach Kräften stets Wohltaten angedeihen ließ. Die Verblichene war eine Bath Gedolim, entstammte einer berühmten Gelehrten- und Rabbinerfamilie, war eine Urenkelin der berübmten Elsenstädter Rabbinen Rabbi Ascher Lemel und Rabbi Michel Löwy aus Glogav, des Verfassers des »Chut hameschulosch bascheorim«, eine Tochter des in Pretzburg rühmlichst bekannten Talmudgelehrten Rabbi Lemel Löwinger sei. And. In deren Traditionen lebte und wirkte sie und gestaltete ihr Hans zu eineiu echt jüdischen. Wien. (B a r m i z w a h - F e i e r.) Frau Philippine Weiß feiert Montag den 20. Mai 1907 um 9 Uhr vormittags im israel. Tempel, Wien, XV., Turnergafse 22, die Barmizwah ihres Sohnes Erwin. Brünn. Am Sonntag, den 26. Mai l. I., halb 1 Uhr mittags, findet im großen Tempel zu Brünn die Trauung des Fräulein Elsa Heller, Tochter des Herrn Oberkantor Josef Heller, mit Herrn Dr. Leopold Stern, Sekretariats- Konzipisten der israelitischen Kultusgemeinde in Wien, statt. Prag. Der „Verein zur Beschaffung von Passahbedürfniffen", der einzige Verein, welcher es seinen Mitgliedern ermöglicht, ihren Bedarf an Mazzos — streng rituell bereitet — durch wöchentliche Einzahlungen zu decken, hielt am 5. Mai l. I. unter dem Vorsitze des Obmannes Herrn I. Perlitz seine ordentliche Generalversammlung ab. Der vom Kassier G. Lieben verlesene Kassa- und Geschäftsbericht wurde von der Versammlung genehmigt und dem Vorstande der Dank für seine Mühewaltung ausgesprochen. Die aus dem Vorstände ausscheidenden Mitglieder, die Herren: Hugo Eckstein, Salom. Flaschner und Baruch Guttmann wurden mit Stimmeneinhelligkeit in den Vorstand wiedergewählt. Ebenso wurden die Herren Simon Dewidels, Salomon Knina und JUDr. N. L. Kohner als Rechnungsrevisoren einstimmig wiedergewählt. Als Funktionäre wurden die Herren: I. Perlitz (Obmann), Gabr. Lieben (Obmannstellvertreter und Kassier), Hugo Eckstein (Rechnungsführer) und I. Kornsührer als Schriftführer wiedergewählt. Strastnitz. Am 9. d. M. ist hier der weit und breit bekannte Gelehrte Herr Sigmund R e i ch s f e l d, pens. Lehrer in Straßnitz (Mähren), nach langem schweren Leiden im 78. Lebensjahre verschieden. Der Verstorbene erblickte in Verböcz, Bezirk Szenicz in Ungarn, das Licht der Welt. Schon in seinem 12. Lebensjahre ergriff er den Wanderstab und begab fich zu Fuß nach Leipnik in die Jeschiwa, um fich dem Studium der heiligen Thora zu widmen. Nachdem er fich genügende talmudische Kenntnisse angeeignet hatte, ging er nach St. Anna bei Wien, um dort den Lehrerbildungskurs zu machen. Nach Ablegung seiner Prüfungen wurde er diplomierter Hauptschullehrer und wirkte ein halbes Jahrhundert an Schulen in Ungarn erfolgreich. Hunderte von Schüler verdanken ihm heute ihre Existenz. Das Begräbnis fand Freitag den 10. Mai d. I. unter außerordentlich großer Beteiligung aller Kreise der Gesellschaft statt. Se. Ehrwürden Herr Dr. A. Friedmann, Bezirksrabbiner in Straßnitz, hielt dem Verblichenen einen warmen Nachruf. Friede seiner Asche! Berlin. Eine hochherzige Zuwendung ist dem Hilfsverein der Deutschen Juden aus dem Nachlaß des Herrn Julius Bleichröder zuteil geworden; seine Erben haben für die Zwecke des Vereines 10.000 Mark zur Verfügung gestellt. Berlin. Die erste verheiratete Doktorin der Medizin wurde an der Berliner Universität soeben promoviert: die Ruffin Lea Schwarz, geb. Beßmertnaja. Sie ist 1881 als Tochter eines Kaufmannes in Witebsk geboren, wo sie das Mädchengymnafium besucht hat. Ihre Studien machte sie in Leipzig, Halle, Zürich und Berlin. Ihre wissenschaftliche Arbeit, die sie dem Andenken ihrer Mutter widmete, behandelt ein gynäkologisches Thema. Paris. Auf der Jahresversammlung der „8oei6t6 des Ltudös Juives“ in Paris wurde beschlossen, den 100. Jahrestag der Eröffnung des durch Napoleon im Jahre 1807 berufenen Sanhedrins festlich zu begehen. Amsterdam. Zum ersten Vertreter der Niederlande auf der Konferenz in Haag wurde der Staatsminister A s s e r ernannt.