Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 20 (17.5.1907)
- Date
- 1907-05-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 20 Dr. Llocv s Mocvenscvrln. Seite 335 Prokurator des Grodnoer Schwurgerichts zur weiteren gerichtlichen Verfolgung Mitteilung zu machen. Soweit die Akten der Voruntersuchung. In Wirklichkeit ist jede Verfolgung unterblieben und es haben alle obgenannten Angeklagten Beförderungen und Belohnungen erhalten. Auswanderung nach Palästina im Jahre 1906. Bekanntlich hat das Odeffaer Palästina-Komitee ein Jnformationsbureau begründet, welches über die Verhältnisse in Palästina den dorthin Auswandernden genaue Auskünfte erteilt. Aus den von diesem Bureau veröffentlichten Angaben erhalten wir ein ungefähres Bild über die Ausdehnung und Art der Emigration aus Rußland nach Palästina. Diese Angaben kommen der Wirklichkeit insofern ganz nahe, als aller Wahrscheinlichkeit nach fast alle Emigranten aus Rußland nach Palästina über Odessa gehen und fast alle die kostenlosen und nützlichen Informationen des Bureaus einziehen. Es find nach Palästina ausgewandert im Monat Männer Frauen Zusammen Jänner 132 94 226 Februar 233 194 427 März 301 235 536 April 117 78 195 Mai 104 98 202 Juni 78 73 151 Juli 202 164 366 August 378 328 706 September 41 27 68 Oktober 192 125 317 November 85 56 141 Dezember 55 37 92 im ganzen Jahr 1918 1509 3427 in % 56 44 100 Es find demnach 3427 Juden aus Rußland nach Palästina im Jahre 1906 ausgewandert gegenüber 1229 im Jahre 1905. Nachfolgende Zahlen geben die Altersgliederung und Arbeitsfähigkeit der Ausgewanderten an, indem Personen unter 15 und über 55 Jahre als arbeitsunfähig betrachtet werden. ' Arbeitsfähige Arbeitsunfähige Alter Zahl m % Zahl m 7. 1—15 — — 1064 31 16—25 716 21 — — 26—55 1068 31 — — über 56 — — 579 17 Summa 1864 52 1643 48 Die Zusammensetzung der Auswanderer in bezug auf Arbeitsfähigkeit darf als eine gute gelten, da mehr als die Hälfte der Auswanderer im arbeitsfähigen Alter steht. Es zeigt sich ferner der neue Charakter der Einwanderung nach Palästina, indem dahin nicht mehr Greise zum Sterben auf Kosten der Chalukka, sondern in überwiegender Mehrzahl im besten Alter stehende Personen zur Gründung eines neuen Lebens ziehen. Dem Berufe nach waren von den Auswanderern in absol. Zahl, in % Handwerker und Arbeiter 753 53 Händler. 504 35 Freie Berufe. 117 8 Landwirte ...... 51_4_ Summa 1425 100 Aus dieser Berufsgliederung ergibt sich, daß im Unterschiede zur früheren, ausschließlich agrikulturellen Anfiedlung Palästinas die gegenwärtige einen hauptsächlich industriellkommerziellen Charakter trägt. Am meisten find Handwerker und Arbeiter vertreten, am wenigsten gibt e§ Landwirte. Was das Vermögen der Auswanderer betrifft, so hatten bis 100 Rubel 295 Personen — 34% 100— 1000 n 364 - 42% 1000— 5000 n 133 „ - 15% 5000—20000 n 53 , - 7% über 20000 12 - - 2% . Das gesamte von den Emigranten beseffeue Vermögen betrug 2,584,123 Rubel — 750 Rubel pro Kopf. Im Allgemeinen kommen also ganz Unbemittelte nur in geringem Maße nach Palästina. Dies ist von Wichtigkeit mit Rücksicht auf die Rückständigkeit des Landes, zu dessen Belebung viel Kapital erforderlich ist. Der Herkunft nach waren aus Lithauen Polen Südrußland außerhalb des Anfiedlungsrayons Zusammen Zahl 175 688 1801 223 3427 in o/a 205 20 535 6 100 Als Zweck der Reise haben angegeben: Zahl in % Zeitweiligen Aufenthalt. 160 4.5 Niederlassung. 2805 82 Unterricht. 52 1.5 Zubringen der letzten Lebensjahre . 410 12_ Summa 3427 100 Es gingen demnach 2805 Personen (82% aller Emigranten) nach Palästina in der Absicht, sich dort dauernd niederzulaffen und zu arbeiten. Ei» Stammbuch der Frankfurter Juden bietet eine kürzlich aus der Feder von Alexander Dietz — einem Nichtjuden — im Verlage von I. St. Goar- Frankfurt a. M. erschienene Geschichte der in dem Zeitraum von 1349—1849 in Frankfurt a.. M. anWig gewesenen Juden. Uns interessiert an dem wertvollen Quellenwert im Hinblick auf die heutigen Tageskämpfe insbesondere folgende Stelle (S. 343): „Obgleich keine deutsche Stadt einen solchen Stamm alter Familien aufzuweisen haben wird wie unsere vormals freie Stadt Frankfurt a. M., so hat doch das von mir vor 10 Jahren herausgegebene Frankfurter Bürgerbuch den Beweis geliefert, daß im Allgemeinen das Alter der christlichen Familien wesentlich überschätzt worden ist. Bis zu Luthers Zeiten lassen sich nur etwa 20 Familien, an deren Spitze die Holzhausen, zurückverfolgen. Gegenüber dieser Feststellung muß das nunmehr von mir nachgewiesene Alter der hiesigen Judenschatt als ein ganz erstaunliches betrachtet werden. Gerade die bekanntesten und mitgliederreichsten Familien wie die Zunz (1495), Rindskopf (1498), Doctor und Dondorf (1499). Schwarzschild (1499), Cahn, Schiff und Spanier (1505), Goldschmidt (1521), Landau und Ochs (>523), Haas, Kann, Beer und Stern (1530), Hahn und Rothschild (1530), Oppenheimer (1531) und viele andere sind in der Zeit vor 1550 hier eingewandert und bilden heute noch wie vor 300 und mehr Jahren den wichtigsten Bestandteil der jüdischen Gemeinde. Die im Folgenden mitgeteilte Altersfolge der jüdischen Familien liefert sogar den sicheren Beweis, daß unter ihnen nicht verhältnismäßig, sondern auch absolut mehr alte Familien vorhanden find wie unter der ganzen übrigen Bevölkerung unserer Stadt." Diese Feststellung zeigt an einem prägnanten Beispiel recht sinnfällig, wie es mit dem albernen antisemitischen Schlagwort von dem „Wirtsvolk" und dem „Gastvolk" in Wahrheit bestellt ist. Die Judenfrage in der Duma. Der Petersburger Korrespondent des Warschauer Blattes „Unser Leben" hatte eine Unterredung mit dem jüdischen Dumaabgeordneten Schapira über die Behandlung der Judenfrage in der Duma. Schapira sagte ihm, daß das Hauptreferat über die jüdischen Angelegenheiten von einem christlichen Dumaabgeordneten erstattet werden wird, dessen Name aber vorläufig noch nicht genannt werden könne. Die jüdischen Abgeordneten suchen eine zufällige, nicht planmäßige Erörterung der Judenftage in der Reichsduma zu vermeiden, um der Rechten keine Gelegenheit zu geben, daß sie von den Juden herausgefordert würde. Die Hauptdebatte über die Judenfrage soll aus Anlaß