Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 20 (17.5.1907)
- Date
- 1907-05-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 20 Dr■ Jahrgang iXlV Zentraloroan für die gesamten Ilnteressen des Zudentums. Wien, 17. Mai 1907. — Lrscbeint jeden zfrettag. Brief-Adresse: MUen, H/i» Lerggasse 39. Telegramm-Adreffe: IZlocD's Mocbenscbritt, MUen. O-.-» Vrrugsprris für Orstrrrrkrh: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig IO Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene PeMzetle 24 Heller. »-ft »-$ A. ft. Pofispsrkassrn-Ami Llearing-Verkebr Mr. 810.976. Ardsbtion und Administration: wir« ix/1, Verggasse Mr. 39. Telefon Nr. 14.847 m-* Inhalt: Leitartikel: Die Kandidatur Dr. I. S. Blochs im Wahlkreis Rawaruska. — Die neue Zeit. — III. jüdischer Turntag. — Die Juden in Hohenlohes Memoiren. — Korrespondenzen: Zur Kritik über Dr. Bloch. Wahlagitations-Bilder. Ein antisemitischer Ehrenmann. Hilfsaktion für Rumänien. London. Die Sitzung des Großen Aktionskomitee in Köln. Ein Heine-Denkmal auf einem Besitztum des Deutschen Kaisers. Berlin. Aus den Akten über den Pogrom in Bjelostok. Auswanderung nach Palästina im Jahre 1906. Ein Stammbuch der Frankfurter Juden. Die Judenfrage in der Duma. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zugunsten der Ehewra-Kadischa in Wien I.. Seitenstettengasse 4, für arme kranke Glaubensgenossen. Kranken- und Unterstützungsverein „Montefiore".. Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler. III. jüdische Turntag in Wien. Vierzig Jahre im Gastwirtegewerbe. Wien. Brünn. Prag. Berlin. Paris. Amsterdam. Salonichi. London. Von jüdischer Kunst. ,— Feuilleton „Das Rassenvorurteil." — Neue Bücher — Inserate. Dte Kandidatur Dr. Z. K.Ktochs im Wahlkreis Wawarnska In. letzter Stunde wurde der Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift", Dr. I. S. Bloch, von maßgebenden jüdischen Korporationen und Persönlichkeiten des Wahlkreises Rawaruska zur Bewerbung um das Mandat dieses Bezirkes dringend aufgefordert. Dr. Josef S. Bloch glaubte diesem ehrenvollen Rufe umso eher folgen zu müssen, als in diesem jüdischen Besitzstand keine einzige jüdische Partei den Kampf gegen den polnischen Kandidaten ausgenommen hatte. Die jüdische Bevölkerung, welcher er ein jüdisches Programm vorgelegt hatte, begrüßte den neuen Kandidaten stürmisch und erklärte sich in ihrer Mehrzahl mit Feuereifer bereit, für einen Mann einzutreten, welcher unter den gegebenen Verhältnissen im zukünftigen Parlamente der einzige sein dürfte, welcher die wissenschaftliche Verteidigung des Judentums führen kann und infolge seiner eminenten Fähigkeiten zu einer Stütze der jüdischen Politik wie selten ein anderer geeignet sei. Mit ihrem Willen, für die Kandidatur Dr. Blochs eiuzutreten, erfüllen die Wähler des dreißigsten Wahlkreises in Galizien auch den aufrichtigen Wunsch weiter jüdischer Kreise im Reiche überhaupt, welche diesen gediegenen Vertreter jüdischer Interessen sehr gerne auf der öffentlichen Tribüne sehen würden und glauben, daß in Rawaruska nicht nur die Wahl für diesen Bezirk, sondern auch noch manches jüdische Problem der Zukunft entschieden werden dürfte. Sind es doch gerade unsere ernsten Feinde, die Christlich-Sozialen und die mit ihnen verbündeten Klerikalen, welche während der Zertrümmerung fast aller anderen bürgerlichen Parteien ihren Besitzstand und Einfluß vermehrt und vergrößert haben. Von hier aus sind die schwersten Angriffe gegen uns zu erwarten und ohne den anderen jüdischen Abgeordneten nahezutreten, ihren Willen und ihre Fähigkeiten in Zweifel ziehen zu wollen, weiß doch ein jeder, welchen kolossalen Wert gerade die Anwesenheit Dr. Blochs im Reichsrat für das Gesamtjudentum hätte. Selbstverständlich finden sie wie alle anderen Bewohner des Kreises inDr. Bloch einen gewissenhaften und sachverständigen Landesabgeordneten, der die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse seiner Wählerschaft als Landeskind und aus seiner früheren politischen Tätigkeit genau kennt und sie in jeder Weise zu fördern imstande ist. Die ruthenische Bevölkerung hat ebenfalls allen gerechten Grund, den jüdischen Kandidaten zu unterstützen, da Doktor Bloch, der am eigenen Leibe, im eigenen Wirkungskreise so stark die Leiden eines unterdrückten Stammes zu spüren bekommen hat, mit selbstverständlicher Natürlichkeit für jeden Schwächeren eifrig einzutreten geneigt und geeignet ist. Der Kampf um das Mandat, welcher am 23. d. M. ausgetragen werden wird, hat dasselbe Vorspiel, wie wir es bei allen früheren galizischen Wahlen zu sehen gewohnt waren. Als ob nie strenge Gesetze zur Wahrung der Wahlfreiheit beschlossen worden wären, sind es gerade die behördlichen Organe, welche mit ihrem Vorgehen schärfsten Protest und Entrüstung Hervorrufen. Wir geben in den unten angefügten Telegrammen einige der krassesten Beispiele ihres gesetzwidrigen Vorgehens, das bis jetzt von keinem maßgebenden Faktor in die Schranken verwiesen wurde. Wir erhielten folgendes Telegramm: K r y st y n o p o l, 13. d. M. Gestern beschloß eine Wählerversammlung in Rawaruska, die von 2000 Personen besucht war, einstimmig die Kandidatur Dr. Blochs für den 30. Wahlbezirk und einen Protest gegen das Vorgehen der behördlichen Organe. In B e l z wurde beim Arzt Dr. Frostig eine Hausdurchsuchung vorgenommen, um Dr. Blochs Wahlaufrufe zu konfiszieren. Zu diesem Behufe wurde der Arzt aus dem Hause eines Patienten,mit Gendarmen durch die Straßen in seine Wohnung geleitet. Ein anderer Wähler wurde verhaftet, der solche Wahlaufrufe in Händen hatte. Heute hielt Dr. Bloch hier vor einer tausendköpfigen Versammlung seine Kandidatenrede. , Unter großem Beifalle sagte er: Man hat mich in letzter Stunde gerufen, um einem Wahlbezirk mit 63 Prozent Juden und 20 Prozent ruthenischer Bevölkerung, dem man einen polnischen Chauvinisten der allpolnischen Partei mit Gewalt als Kandidaten aufdrängt, Hilfe zu bringen. Der Bezirkshauptmann von Sokal hat aus der ihm von der hiesigen Gemeinde vorgelegten Wählerliste mit 700 Wahlberechtigten 250 gestrichen, sowie erklärt, jeden zu verhaften, der für einen jüdischen Kandidaten eintritt. Unter lebhaften Protesten gegen dieses Vorgehen wurde die Kandidatur Dr. Blochs einstimmig genehmigt.