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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-05-10 · 19 (10.5.1907) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
19 (10.5.1907)
Date
1907-05-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 19 Dr■ Bloch’s Jahrgang AX1V Zentralorgan kür die gesamten Ifnteressen des Judentums. Wien, 10. Mai 1907. jErscbetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Mlien. IX/ic Kerggasse 39. Telegramm-Adresse: JBIocb’s THUoAensdbrift, TCCUen. Inhalt: Leitartikel: An die jüdischen Wühler der inneren Leopoldstadt. — Generalversammlung derOesterreichisch-JsraelitischenUnion. — Rede des Landesschulrates Dr. Gustav Kohn. — Die Verteilung des jüdischen Vermögens am Ausgang des Altertums. — Korrespondenzen: Das antisemitische Sprichwort. Der Blutaberglaube. Getaufte Juden. Ueber das hessische „Judenpatent". Zur Wahlbewe;ung. Berlin. Aus der territorialistischen Bewegung. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zugunsten der Ehewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengasse 4, für arme kranke Glaubensgenossen. Wien. Proßnitz. Aufruf. — Feuilleton: „Das Rassenvorurteil." — Neue Bücher — Eine historische Anekdote. — Notiz. — Inserate. a— -« Bezugspreis für Vrstrrrrrch: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplars 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4rnal gespaltene PeNtzetle 24 Heller. »-* »-« K. ft. Pofisparftsssen-Snrk Clearing- ID e r ft e br Nr. 810.976. Drdaklion und Administration: wirn IX/1. Merggasse Mr. 39. Nr, 14.847 «-* An die jüdischen Wähler der innere« Kropsldstadt. Zu den Wortführern und eifrigsten Förderern der Kandidatur des Herrn Dr. O f n e r in dem jüdischen Wahlbezirk der inneren Leopoldstadt zählt in erster Linie Herr Maximilian P a u l - Sch i f f. Gewiß hat Herr P a u l - Sch i f f für sein politisches Eingreifen in den Leopoldstädter Wahlkampf triftige Gründe, die aber auch für andere nicht schwer zu erraten sind. Im August letzten Jahres hat Herr Paul-Schiff eine große Aktion eingeleitet, um beim Unterrichtsministerium die Abschaffung des staatlichen Zwanges speziell für den jüdischen Religionsunterricht bei Kindern über 14 Jahren, sowie die Auflassung des Unterrichtes in der „toten" hebräischen Sprache durchzusetzen. Herr Paul-Schiff berief sich auf das preußische Vorbild. In Preußen besteht für den jüdischen Religionsunterricht notorisch ein Ausnahmsgesetz. Für Katholiken und Protestanten ist der Religionsunterricht obligatorisch durch alle Klassen der Mittelschule; für Juden bloß bis zum 14. Lebensjahre. Die Juden Deutschlands empfinden diese Sonderstellung als eine ehrenkränkende Zurücksetzung und haben cs an Anstrengungen nicht fehlen lassen, diese Ungleichheit zu beseitigen. Jndeß das konfessionelle Vorurteil in Preußen ist zu tief eingewurzelt. Herr Schiff unternahm es nun, bei unserer Regierung um ein gleiches Ausnahmsgesetz zu Ungun st en des jüdischen Religionsunterrichtes zu petitionieren. Die „Oesterreichische Wochenschrift" hat damals diese Aktion mit nachstehenden Ausführungen beleuchtet: „Die Haranguierung der staatlicheu Polizei, den jüdischen Religionsunterricht umzugestalten, verrät dermaßen eine erzreaktionäre Gesinnung, daß sie nicht scharf genug zurückgewiesen werden kann." ' „Durch alle Zeiten der Leiden haben wir unsere religiöse Autonomie aufrecht erhalten, eine staatliche Einmischung in unsere inneren Angelegenheiten wurde bis nun nicht einmal versucht und wird gewiß auch in Zukunft trotz allen Auf- und Anreizungen nicht gewagt werden." „Herrn M. Paul-Schiff mangelt indeß auch die Legitimation, in Sachen des jüdischen Religionsunterrichtes bei der Behörde zu intervenieren. Schon das G:bot des Anstandes hätte es ihm nahelegen müssen, in Fragen der religiösen Erziehung der jüdischen Jugend eine . größere Zurückhaltung zu beobachten und nicht als Wortführer aufzutreten. Herr M. Paul-Schiff läßt seine Kinder nicht beschneiden! — Gewiß ist das seine eigenste Angelegenheit, über welche er niemandem zur Rechenschaft verpflichtet ist.. Allein ein christlicher Familienvater, wir sagen nicht einnral katholischen, sondern nur protestantischen Bekenntnisses, der seine Kinder nicht taufen laßt, wird sich nie und nimmer herausnehmen, in Sachen des Religionsunterrichtes der protestantischen Gemeinde öffentlich aufzutreten und eine Einflußnahme sich zu arrogieren. Er wird das vermeiden, um einem Gebote des Anstandes zu gehorchen. Wer dem Bekenntniskreis auf solch weite Distanz sich entfernt hat. der enthält sich naturgemäß jeder Einflußnahme auf die internen Angelegenheiten der Bekenntnisgemeinschaft, welche die Religion der Väter auch den Kindern unverkümmert zu vererben wünscht." „Noch ein Wort über die „tote" hebräische Sprache Tot ist sie nur für denjenigen, der den jüdischen Gottesdienst meidet. Jnsolange die bedeutendsten Gemeinden beider Hemisphären an der hebräischen Gebetsprache festhalten, kann dieselbe nicht als tote angesehen werden. Vielmehr dient sie als unentbehrliches Bindemittel in der Zerstreuung, ein Freimaurerzeichen von höchstem Wert, das sich durch Jahrtausende praktisch bewährt hat. Wir haben kein Recht, unseren Kindern dieses Erbteil zu entziehen, das ihnen noch in mancher Krisis Dienste leisten wird. Wer nicht dem Judentum den Garaus machen will, der rüttle nicht an der Gebetsprache." Zur Förderung dieser großen Aktion, für den jüdischen Religionsunterricht ein Ausnahmsgesetz zu schaffen, braucht Herr Paul-Schiff dringend die Unterstützung eines Parlamentariers von der politischen Richtung des Herrn Doktor Ofner; dieser muß gleichzeitig ausgerüstet sein mit der unanfechtbaren Autorität des „Erwählten" eines konservativjüdischen Wahlbezirkes, wie der inneren Leopoldstadt. Herr Doktor Ofner, welcher die Katholiken von dem unerträglichen Zwange des katholischen Ehesakramentes zu befreien strebt, wird dann im Sinne seines Parteigängers, Herrn Paul - Schiff, auch die Befreiung der jüdischen Jugend von dem Zwange des jüdischen Religionsunterrichtes zu unternehmen haben. Die Täuffinge und die Konfessionslosen scharen sich einhellig «m die Fahne des Herrn Dr. Ofner. Gegen den israelitischen Kultusvorstand, welcher die religions- und volksverräterischen Aktionen des Herrn Paul-Schiff durch starken Widerstand vorläufig zum Scheitern brachte, wird Schimpf und Spott gehäuft; die Zugehörigkeit zum israelitischen Kultusvorstand wird nahezu als ein Makel des Charakters, als ein Vergehen gegen freiheitliche und fortschrittliche Gesinnung dargestellt. Jüdische Familienväter in der inneren Leopoldstadt! Wenn cs Euch ernst ist. das Judentum Eueren Kindern zu erhalten, das Erbe der Väter, für welches unsere Ahnen auf

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