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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-05-03 · 18 (3.5.1907) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
18 (3.5.1907)
Date
1907-05-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Dwcb's MoebenscbrM. Seite 299 Vom Statthalter Prinzen Hohenlohe traf folgende Depesche ein: Tief ergriffen durch die Nachricht des Ablebens des hochverehrten Herrn Bürgermeisters gedenke ich mit innigster Teilnahme Ihrer Stadt in dem Augenblicke eines unendlich schweren Verlustes. Ich werde den edlen Mann und unermüdlichen ausgezeichneten Vertreter seiner Vaterstadt stets dankbare und treue Erinnerung bewahren und bitte Sie, den Ausdruck meiner Teilnahme der Stadtvertretung zu übermitteln. Hohenlohe. Von Minister v. D e r s ch a t t a ist folgendes Telegramm einaelaufen: „Gemeinderat Czernowitz Bitte anlählich des schweren Verlustes, den die Gemeinde durch Ableben ihres hochverehrten Bürgermeisters erlitten hat, den Ausdruck aufrichtiger Teilnahme zu empfangen." Derschatta. Korrespondenzen. Jüdischer Bürgerverein „Jto" XII.—XV. Mittwoch den 24. v. M. fand die erste Reunion des Bürgervereines „Jto" des Xll.—XV. Bezirkes Wiens statt, der ein zahlreiches distinguiertes Publikum beiwohnte. Der Obmann Herr Dr. S. Krenberger eröffnete die Versammlung mit einer kurzen Ansprache, erläuterte die Tendenzen der „Jto" und schloß unter Beifall: Nicht in kleinlichen Kultuskämpfen, nicht um Kleinlichkeit jüdischer Ereignisse wollen wir arbeiten, denn unser Ziel ist auf ein großes Ganzes gerichtet! Die Festrede hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. M. G r u n w a l d. Er wisse als Rabbiner dieses Bezirkes, den Wert des Bürgervereines zu schätzen, wisse auch was die „itoitische" Bewegung uns Juden werden kann. Wir Juden können keine morschen Charaktere brauchen, diese Tage voll Leid und Not erfordern starke, freie Menschen. Mitleid kann heute nicht helfen, nur Selbsthilfe! Und alles, was wir von besseren Tagen erhoffen, erstrebt, erkämpft die „Jto". Sie hat die Regelung der ziel- und planlosen jüdischen Emigranten in die Hand genommen, was allein schon ein großes Werk bedeutet. Se. Ehrwürden meint, daß es gerade bei uns in Oesterreich, speziell aber in Wien mit dem Schicksal der Emigranten noch am besten bestellt sei. Die Wiener Kultusgemeinde überantworte diese unglücklichen Menschen nicht wie es anderweitig geschieht, dem „Schub", sie hilft jedem. Wohltun ist schön, aber man darf vor lauter Rachmones nicht selbst zum Rachmones werden." Wenn mir mithelfen wollen an der Lösung des großen Judenproblems, muß jeder einzelne von uns das Leid und den Schmerz des Volkes mitfühlen. Wir müssen mit Verstand handeln, und dafür bürgt uns ein Mann wie Israel Z a n g w i l l. Die allgemeine Judennot drängt zu einer raschen Tat, vergessen wir nicht die Worte der weisen Hillel: „Wenn ich mir nicht selber helfe, wer denn? Und wenn nicht jetzt, wann denn? (Langanhaltender Applaus.) Der Präsident der „Jüdischen Toynbee-Halle", Herr Dr. I. Sam ne ly, führt u. a. folgendes aus: Wenn man die Tiefe der Projekte der „Jto" erfassen wolle, dann muß man Zahlen nennen, muß die trockene Statistik in ihre Rechte treten lassen, und dann fällt es leicht, aus den analogen Schlüffen die zwingende Notwendigkeit der „Jto" zu erklären. Wenn wir die Juden beherbergende Staaten betrachten, dann müssen wir bei Galizien und Rußland verweilen. Es wäre aber ein Irrtum, anzunehmen, daß nur die Pogroms die ungeheuere Emigration verschuldeten. Das ökonomische und psychische Elend zugleich bewirkt die Massenflucht. DieAuswanderung nach Amerika ist von 3000 Menschen im Jahre 1818, auf 170.000 im Jahre 1906 gestiegen. Die sozialen Rückwirkungen und Schäden einer derart kolossalen Einwanderung nach einem Zentrum, vornehmlich wie New-Hork, lassen das Schreckensbild eines beschränkenden Einwanderungsgesetzes auftauchen. Wohin dann? Der Zionismus konnte für das Heer jüdischer Emigranten nichts tun. Die Idee des Zionismus ist edel und schön, aber Sehnsucht ist keine Hilfe. Und mit Wünschen und Hoffnungen kann keine Kolonisation gemacht werden. Der poetische Sinn Herzl's erkannte lange Zeit die realen Erforderniffe nicht; als er in dieser unklaren Messtassehnsucht die Judennot erfaßte, w er er Territorialist. Theodor Herzl war der erste Territorialist. Er legte dem Kongreffe Uganda vor. Man weiß ja, wie der Plan endete. Es wurde an Palästina festgehalten, das heute für die Emigration nicht in Betracht kommen kann. An der Hand tabellarischer Daten und eines verblüffenden Ziffernmaterials erbringt Redner den Nachweis, daß Palästina, heute wenigstens, für die Lösung der ökonomischen Judensrage nicht in Betracht komme. Vergleichsweise erörtert Herr Doktor S a m u e l y die in jeder Beziehung geeigneten Territorien Canada, Argentinien, Nordamerika und zitiert aus dem letzten Jahresberichte der „Jewish Colonisation Association“ („Jca") einen längeren Passus, in dem von dem Mißerfolg der von der „Jca" betriebenen Kolonisation in Palästina die Rede ist. Dieser Versuch hat ein immenses Defizit ergeben und es wird noch immer daraufgezahlt. Eines ist nun einmal klar: es gibt Zentren, wo eine freie, ökonomische Entwicklung gesichert ist. Sie baldigst der Oeffentlichkeit vorlegen zu können, ist eifriges Bestreben der zielbewußten Leitung der „Jto". Sie ist keine Poefie, keine Utopie, fie hat ein reales Programm, und schafft mit pofitiven, sozialökonomischen Voraussetzungen. Und jeder Jude muß ihr Erfolg wünschen, kann ihr vertrauen! (Stürmischer Beifall.) Im Namen der österreichischen „Jto"-Organisation begrüßt Herr M. Schmidt die Versammelten und konstatiert das erfreuliche Symptom, daß zur Zeit, wo die Zionisten in kleinlichen Kämpfen einer fruchtlosen Wahlbewegung ihre Energie verbrauchen, wo die Zionisten etwas erstreben, was sie vor noch 10 Jahren heftig bekämpften, die Territorialisten dasselbe tun. was fie vor 10 Jahren taten: die kleinlichen Kämpfe um ein Reichsratsmandat ignorieren, die ja niemals zur Lösung der Judenfrage führen können, dagegen alle verfügbaren Kräfte für die territoriale Lösung der Judenfrage — die Propagierung des territorialistischen Prinzipes — anspannen! Die „Jto" h a t d ie Judenfrage an ihrer Wurzel, d. i. an der Emigrationgepackt; in ihrer Regelung, in ihrer nationalen Regneration liegt die radikale Lösung des jüdischen Problems. Ueberall ist das erfreuliche Anwachsen unserer Bewegung wahrzunehmen. Mit der Schaffung des Emigrationsdepartements hat die „Jto" den ersten Schritt einer realen Politik unternommen, und schon in den nächsten Tagen wird das erste Schiff mit 500 Emigranten nach Galvestone abgehen, wo für Arbeitsgelegenheit vorgesorgt ist. Die Arbeiten des Londoner Rates schreiten fort, die verschiedentlichen Anbote werden demnächst einem Kongreffe vorgelegt werden. Dann kann die eigentliche Arbeit beginnen. Wir können der Führung Zangwills immer vertrauen. (Redner schließt mit einem Hoch auf Zangwill. Stürmischer Beifall und Hoch-Rufe!). Nach einem eindrucksvollen Schlußwort des Herrn Doktor S. Krenberger fand der schöne Abend sein Ende. M. Scha. Wien. Am 29. April d. I. fand im „Cafe Mariahilf" eine vom Präfidenten des Israelitischen Humanitätsvereines für die westlichen Bezirke einberufene Konferenz der Vorstände sämtlicher jüdischer Wohltätigkeitsvereine Wiens statt, zu welcher erschienen waren: seitens des einberufenden Vereines die Herren Dr. Karl Löwy, Dr. Ludwig Landau und S. Lemberger, ferner Herr Dr. Arnold Ascher für den Haufierer-Unterstützungsverein, Herr P. Goldfarb für den Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender, Frau Dr. Emilie Weiß und Frau Katharina Kohn für den Frauen-Wohltätigkeitsverein des XX. Bezirkes, Herr Isidor Gehlbard für den Verein Maskil et Dol im XV. Bezirk, Berthold Kaiser für den Humanitätsverein des XX. Bezirkes, Herr Heinrich Bondy für den Frauen- Wohltätigkeitsverein des VI. Bezirkes, die Herren Leopold Hendl und Eduard Leitersdorf für den Verein „Bikur Cholim"

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