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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-04-19 · 16 (19.4.1907) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
16 (19.4.1907)
Date
1907-04-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 274 Dr. Llocb's MLocbenscbrm. Nr. 16 wichtige Frage der Tätigkeit und des Arbeitsgebietes der einzelnen Logen, das Jnteresie an den Versammlungen und deren Besuch zu heben, wurde in erschöpfender Weise erörtert. Die Propaganda und die soziale Arbeit fanden lebhafte Erörterung und allseitige Zustimmung. Die in Dresden gepflogenen Verhandlungen haben auf die Logen befruchtend gewirkt. Im nächsten Jahre wurde das Komitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels von der dmtschen Großloge eingesetzt, das Studium dieser Materie deckte das ganze Judenelend in Galizien auf und man sah sich in die Notwendigkeit versetzt, hier Wandel zu schaffen, wenigstens die ersten Schritte einzuleiten, die österreichischen Brüder auf die unerträglichen, entsetzlichen Zustände in Galizien hinzuweisen. Zu dem Zwecke fand am 13. November 1898 die zweite Konferenz in Prag statt, an der die beiden Gr.-Präs. Hammerschlag und Timendorfer und andere Logenmitglieder teilnahmen. Zur Behandlung kam das wirtschaftliche, geistige und sittliche Elend der Juden in Galizien. Der österreichische Logenverband übernahm u. a. den Auftrag, für die Befferung der dortigen Zustände einzutreten, wozu die deutsche Großloge ihre Hilfe zusagte. Diese Konferenz hatte eine Verständigung in den grundlegenden Anschauungen über den Orden und sein Arbeitsgebiet geschaffen, zu einer Einmütigkeit in allen Maßnahmen geführt, wenn auch ein merklicher Unterschied in der Auffaffung und Behandlung zutage trat. Bei den Dmtschen trat mehr das starke Empfinden und eine gewiffe Impulsivität in den Vordergmnd, während bei den österreichischen Brüdern mehr die kühle Abwägung und das Gewicht der Tatsachen überwog. Das störte keineswegs, es wurden klare, präzise, ausführbare und zweckmäßige Beschlüsse gefaßt. Gemeinsam wurde die Hilfsaktion für die galizischen Glaubensbrüder in Angriff genommen. Auch innerhalb der einzelnen Kultusgemeinden zeitigte der Ordeu den reichsten Segen. Die jüdischen Gemeinden verhielten sich dem Orden gegenüber anfangs teilnahmslos, sie hielten unseren Bund für eine private Vereinigung, der sie irgmd welche Einwirkung auf die Verhältnisse der Gemeinden und deren Vertretung nicht zutrauten und auch zu gestatten keine Veranlaffuug hatten. Auch der Orden selbst wies jede Einflußnahme auf das Gemeindeleben ab. Indessen fanden soziale Ideen und Aufgaben bei den Logen mehr und mehr Eingang und Verständnis, das Jnteresie für soziale Einrichtungen gewann bald an Ausdehnung und Vertiefung, soziale Probleme und Wohlfahrtsbestrebungen wurden vielfach und mit immer regerem Eifer in d.en Logen verhandelt. An diesen uahmeu Mitglieder der Gemeindeverwaltungen, die in den Orden eingetreten waren, teil, sie überzeugten sich von der Notwendigkeit und Nützlichkeit der seitens der Logen geplanten Wohlfahrtseiurichtungen, sie fanden in den Logen das geeignete Forum für Anregungen zur besieren Ausgestaltung der Gemeindeeinrichtuugeu in bezug auf Armen- und Wohlfahrtspflege, sie fanden verständnisvolle und willfährige Männer, die solche Aufgaben gern übernehmen wollten und ihnen auch gewachsey waren. Die Gemeindevorstände hatten denn auch bald eingesehen, daß die Logen keine Sonderinteresien, keine umstürzenden Tendenzen verfolgen, vielmehr dem Allgemeinwohl ihr uneigennütziges Jnteresie widmen, und es knüpften sich mit der Zeit Fäden zum Vertrauen. Nicht minder wurde die Arbeit der Logen von den Gemeindevorständen vollauf gewürdigt. Sehr klar spricht sich die Rheinland-Loge über ihr Verhältnis zur Gemeinde aus: „Wir haben des Oesteren betont, daß es nicht die Aufgabe der Loge sein dürste, nur die Brüder für gute Zwecke zu erwärmen und mit den immerhin geringen Mitteln der Loge neue Einrichtungen ins Leben zu rufen, daß es vielmehr eine Ehrenpflicht der Loge sei, ihre guten Gedanken nach außen zu verbreiten und in den Gemeinden Mitarbeiter für ihre Pläne zu gewinnen, insbesondere auch auf die in den Gemeindvn bestehenden Institutionen und dieselben nach höheren Zielen zu entwickeln. So haben wir in Gemeinschaft mit der israelitischen Armenverwaltung die Arbeitsstätte geschaffen, an welche die arbeitsfähigen Wanderbettler gewiesen werden." So konnte es nicht fehlen, daß die Bezichungen von Logen zu Gemeinden enger und freundlicher wurden, deren Ergebnisse den bedürftigen Glaubensgenossen in den Gemeinden, zunächst in Köln und Stettin, zugute kam. Viel intensiver gestalteten sich die gegenseitigen Beziehungen in Mainz, Mannheim, München und vor allem in Frankfurt und Hamburg. In allererster Reihe bemühten sich einige Logen (Stettin, Wiesbaden, Breslau, Köln, Elberfeld, Essen, Trier), eine Reform im Gemeinde-Armenwesen anzubahnen, sei es durch Zentralisation oder Neuorganisation nach modernen Anschauungen, die von den Gemeinden durchgeführt wurden. In anderen Logen ist man mit Beteiligung der Gemeindevorstände dem Wanderbettel gründlich zu Leibe gegangen (Mannheim, Darmstadt, Mainz). Die getroffenen Maßnahmen haben sich gut bewährt. Andererseits sind in vielen Logen Anregungen an die Gemeindevorstände gelangt, betreffend Veranstaltungen für Bejahrte (Osterode), für Kinderhort (Karlsruhe), für Kinderheilstätte und Ferienkolonie (Halle, Stuttgart), Einstellung von Krankenpflegerinnen (Stuttgart, Königshütte, Mannheim, Bromberg), für Begründung einer Nervenheilstätte in Ems (Koblenz), Haushaltungsschule (Hamburg). Gegenseitige Unterstützungen in Wohlfahrtsbestrebungen sind vielfach von den Logen hervorgehoben (München, Karlsruhe, Hamburg, Frankfurt) und der Einfluß der Loge ist maßgebend. Die Gotha-Loge bewirkte, daß eine Synagoge gebaut wurde. Einige ganz spezielle Einrichtungen sind in den Gemeinden durch die Logen begründet worden, so eine Darlehenskasse in Krotoschin, Prämie für Schuldender ebenda, Speisung russischer Auswanderer am Bahnhof (Hannover). Für die Pflege der geistigen Interessen des Judentums wurden die größten Opfer gebracht. Der Religionsunterricht wurde Gegenstand .der Fürsorge, Vortragsabende wurden veranstaltet. „Eine direkte Folge dieser Bestrebung,'" sagt Maretzki, „war es, daß von den Logen aus geschichtliche Kenntnisse in die Familien getragen wurden, das Bedürfnis der Aneignung jüdischer Geschichte mehr und mehr sich durchrang, das Interesse für ihre Geschichte bei den Glaubensgenossen erwachte und erstarkte und im Zusammenhänge damit reges Leben in der Judenheit pulsierte, jüdische Angelegenheiten in den Vordergrund bei den Juden traten, lebhaft besprochen, behandelt wurden und zu heilsamen, sozialen Einrichtungen führten. Eine weitere Folge war die Schaffung der Sammlung jüdischer Altertümer in Hamburg und die Begründung des allgemeinen Archivs der Juden Deutschlands. Im Oktober 1896 erläßt die Henry Jones-Loge einen Aufruf zur Sammlung für jüdische Volkskunde. „Nichts steigert den Wert eines Gutes höher, als die Gefahr, es zu verlieren. Diese Gefahr droht einem jeden Volksstamm, je mehr seine Eigenart der alles ausgleichenden modernen Bildung zum Opfer fällt. Und doch ist diese Eigenart für die Erhaltung des Lebens eines Volkes wichtiger, als politische und literarische Besonderheiten. Denn aus volkstümlichen Ueberlieferungen, aus Brauch und Sitte der Vorzeit, aus Väter Singen und Sagen redet der Geist des Volkes deutlicher, denn auf Stein und Pergament. (Fortsetzung folgt.) Neue Bücher. Boemi Baneth: „SozialeHilfsarbeit der modernen Jüdin". Ein Vortrag. Verlag von Louis Lamm, Berlin, 1907. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Dr. Z. Franke l, fortgesetzt von Professor Dr. H. G r a e tz und Dr. P. F. Frankel, neue Folge, im Vereine mit Professor Dr. David Kaufmann ins Leben gerufen und herausgegeben von Dr. M. B r a n n. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. 51. Jahrgang. Jänner-Februar 1907. Breslau. Koebnersche Verlagsbuchhandlung. (Barasch u. Riesenfeld.) Inhalt: M. Br ann: Zur Geschichte der „Monatsschrift". Felix Goldmann: Der Oelbau in Palästina in der tannaitischen Zeit. (Fortsetzung.) S. Horovitz: Der

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