Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-04-19 · 16 (19.4.1907) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
16 (19.4.1907)
Date
1907-04-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3020846-3021710-3021727--16321-3041134
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 16 Dr. Vlocb's Mlocdenscdrm. Seite 273 Bekenntnisses wegen keiner Gehässigkeit ausgesetzt ist, nach Deutschland zu verpflanzen. In Amerika besteht dieser Orden seit Oktober 1843, zählte zu der Zeit, als er nach Deutschland überführt wurde, 25.000 Mitglieder. Kaum zwölf Männer jüdischen Glauben waren es, alle deutscher Herkunft, die der Hamburger Henry Jones, der Schöpfer des Ordens, am 12. Oktober 1843 in New-Iork um sich versammelte und ihnen die Notwendigkeit zur Errichtung eines gemeinsamen Bundes für Fürsorge und Erziehung zur modernen Kultur unter den Juden ans Herz legte. Er war als Organisator und Führer des damals gegründeten Ordens ganz besonders befähigt. Mit großen Gaben des Geistes und Herzens ausgestattet, hatte er keinen anderen Ehrgeiz, als dem Orden und seinen Brüdern zu dier.en. Schlicht und einfach, wie die ersten Begründer waren, hatte er sich als Ziel gesetzt, Gutes zu tun, Barmherzigkeit zu üben, einen tugendhaften Lebenswandel zu führen. Rasch und ungemein kräftig verbreitete sich der Orden in Amerika, namentlich als sie ein weiteres Arbeitsfeld, die Erziehung und Förderung der eingewanderten Glaubensgenossen sich ernstlich zu eigen machten und durch Errichtung von Wohlfahrtsinstitutioncn, als Bibliothek, Waisenhaus, Altersheim sich im ganzen Lande Anerkennung verschafften. Im Jahre 1881 bestanden bereits 300 Logen in den Vereinigten Staaten, eingegliedert' in 7 Distrikte unter Leitung eines Exekutiv-Komitee, an deren Spitze der angesehene, geistig hochstehende, tatkräftige Julius Bien stand. Bei den deutschen Juden war der Orden so gut wie gar nicht bekannt, nur wenige, welche einem ähnlichen, ebenfalls von Amerika überkommenen Orden angehörten, hatten von seinem Bestehen Kenntnis und auch nur in allgemeinen Umrissen. Unverdrossen, trotz aller Schwierigkeiten unbeirrt, arbeitete Fenchel an der Ausführung seines Planes. Am 20. März 1882 wurde die erste Loge, die Berliner „Deutsche Reichs-Loge" installiert. Nun galt es, die Idee in Deutschland zu propagieren. Man warb durch Inserate. In der „Voss. Zeitung" wurden achtbare jüdische Herren zum Anschluß eingeladen — doch ohne Erfolg. Heute gibt es kaum eine nennenswerte deutsche Stadt ohne eine solche Vereinigung. Am 28. Juni 1885 fand die feierliche Installation der Großloge für Deutschland statt. Deutschland war somit Amerika gegenüber selbständiger geworden.' Die Namenführung der Logen war in der ersten Zeit leicht und in den meisten Fällen von selbst gegeben. Die erste Loge wollte klar und deutlich ihre nationale Gesinnung und zugleich aller deutschen Juden ausgedrückt wissen; in demselben Sinne nannte sich die zweite Loge in Halle Germania-Loge. In patriotischer Treue an ihre Landessürsten wählte man in Heidelberg den Namen Friedrich, in Karlsruhe Carl Friedrich, in Bremen Kaiser Friedrich und in Krotoschin Hohenzollern. — Ganz vereinzelt wählten andere Logen die Namen bedeutender und berühmter Glaubensgenossen, wie Berthold Auerbach, Eger, Behrend Lehmann, Henry Jones. Der dankbaren Gesinnung gegen christliche Gönner der Judenheit entsprachen die Namen eines Lessing, August Lamey. Altjüdische, biblische Namen waren selten: Mamreh, Sinai. In den ersten Jahren überwogen mehr die abstrakten Begriffe wie: Concordia, Humanitas, Caritas, Amicitia und andere. Nachdem diese aufgebraucht waren, kam man oft in Verlegenheit, man konnte sich schwer über die passende Benennung einigen, und nur aus diesem Umstande wurden neutrale Namen gesucht und so geriet man auf die geographische Nomenklatur, wie: Alemannia, Westphalia, Frankfurt, Rhenus, Anhalt, Pommerania rc. Der Ordenspräfident Julius Bien ist in Eschwege verewigt. Es war der Großloge nicht immer erwünscht und nicht angenehm, zur geographischen Benennung ihre Zustimmung zu geben, aber sie mußte wohl oder übel genehmigen, um keine Verstimmung bei der Gründung einer Loge heraufzubeschwören. In der letzten Zeit wurde jedoch von der Groß-Loge mit allem Nachdruck darauf hingewiesen, daß es die Ehre und Würde des Ordens erfordere, unsere Größen in Juda, sowie auch bedeutende christliche Männer für die Namenführung der Logen zu wählen, als ein Bund von Juden für Juden hätte der Orden ein Recht, von den Logen zu fordern, auch nach außen erscheinen zu lassen, daß sie um das Judentum hochverdiente Männer alter und neuer Zeit ehren. Diese Erwägungen waren durchschlagend, und wir begegnen Namen von Logen, wie: Gabriel Rießer, Maimonides, Michael Sachs, Esra, Plotke, Eduard Laster, Raphael Kosch, rühmlichst bekannter Arzt in Königsberg, der als Abgeordneter seinerzeit warm und entschieden für die Rechte der Juden eingetreten war. Die christlichen Größen find durch Herder, Humboldt, Dalberg vertreten. Bald traten Logen - Gründnngen in Oesterreich in den Gesichtskreis der deutschen Groß-Loge. Als es bekannt wurde, daß der Humanitätsverein Austria in Bielitz mit der Bezeichnung B. B. am 1. September 1889 sich konstituiert hatte, war man im Kreise der deutschen Bruderschaft zweifelhaft, ob dort eine Loge in gleichem Sinne mit gleichem Ziele sich etabliert habe. Eine Anfrage in Amerika brachte die Gewißheit, daß auch in Oesterreich der Orden festen Fuß gefaßt habe. Trotzdem hielt man es für geraten, einstweilen eine abwartende Stellung einzunehmen, die Entwicklung des Ordens bei den österreichischen Nachbarn zu beobachten, zu verfolgen, welche Wege sie einschlagen, welche Tätigkeit sie entfalten und welche Erfolge sie zu verzeichnen haben. Auch lag uns viel daran, den Fortschritt und das Emporwachsen der Ordenssache in Oesterreich durch Einmischung nicht zu stören, man mußte etwaige Empfindlichkeiten scheuen, den Nachbarn keine Schwierigkeiten bereiten. Langsam aber stetig nahm der Orden zu. in Pilsen und Krakau wurden Logen installiert, der Bestand nnd die Ausbreitung war gesichert. Da hielt es der damalige Gr.-Präi. Maretzki für eine Pflicht der Höflichkeit, eine Annäherung zu suchen und in Beziehung zu den österreichischen Brüdern zu treten, ihnen die brüderliche Hand zu reichen, ihnen Anerkennung für ihre Tätigkeit zu zollen, ihnen mit unseren Erfahrungen zu zu dienen. Zur Installation der Bohemia in Prag am 8. August 1893 meldete er sich an, überbrachte die Grüße und Glückwünsche der deutschen Brüder. Dort waren es die Herren Dr. Skall und Hammerschlag, welche die Sache des Ordens führten, Männer von großer Einsicht, hochheiliger Gesinnung, erprobter Tatkraft und warmer Begeisterung für die Ordensidee. Somit wurde ein gegenseitiges gutes Verhältnis zwischen den beiden Distrikten angebahnt, das von Jahr zu Jahr an Festigkeit zunahm und ein wahres freundschaftliches Benehmen sich herausbildete, das bis heute in unverminderter Kraft und Innigkeit besteht. Der gegenseitige wohltuende Einfluß machte sich bald geltend, getragen von gegenseitiger Wertschätzung und Fernhalten jeder störenden Einmischung. Bereits ein Jahr später hatte sich das Logenwesen in Oesterreich derart ausgebreitet und raschen Aufschwung genommen, daß auch den dortigen Brüdern der Freibrief für eine eigene Großloge bewilligt wurde. Maretzki wurde vom Ex.-Kom. beauftragt, diese feierlich einzusetzen, was am 30. Dezember 1894 vollzogen wurde. Und an der Installierung der Wiener Loge am 13. Oktober 1895 hat eine größere Deputation aus Berlin teilgenommen. Ungemein lebhaft begrüßt, brachten die Berliner Deputierten die schönsten Erinnerungen an das große Verbrüderungsfeft in die deutsche Heimat mit. Dieses für beide Distrikte wertvolle Verhältnis hat gute Früchte gezeitigt. Man fand bald, daß gemeinsame Berührungspunkte vorhanden seien und daß es für beide Teile von großem Vorteil sei, wenn man sich über die allgemeine Lage und Aussichten des Ordens, über Dinge, die für beide Distrikte von gleichem Jntereffe find, ausspräche. Das führte zu einer Konferenz in Dresden am 12. Juli 1896, an welcher von österreichischer Seite die Herren Hammerschlag, Stein und Deutsch, von Deutschland Maretzki, Joachim und Wolff teilnahmen. Nach einem von beiden Teilen festgesetzten Programm wurde in gründlicher Weife gearbeitet. Das Ergebnis war ein sehr wertvolles. Es ist ein reger Ideenaustausch über die gesammelten Erfahrungen herbeigcführt worden, gemeinsame Gesichtspunkte wurden hervorgebracht und geprüft, Anregungen für Verbesserungen im Ordenswesen wurden gegeben, ohne daß bindende Beschlüsse gefaßt wurden. Die für beide Distrikte gleich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.