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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-04-05 · 14 (5.4.1907) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
14 (5.4.1907)
Date
1907-04-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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(©eite 2üö Dr. Llocvs MocbensLvrin. Nr. 14 können — wenn sie nur wollen. Diese unbezweifelbare Tatsache hat jeder jüdische Wähler in diesem Wahlbezirk zu prüfen und zu erwägen — er hat als Jude mit seinem Gewissen zu Rate zu gehen, auf die Stimme seines Gewissens sorgsam zu lauschen. Es darf indeß nicht verschwiegen werden, daß ein Teil der Verantwortlichkeit auch jene treffen muß, welche vermöge ihres Amtes, ihrer sozialen Stellung berufen sind, den Wählermaffen den Weg zu weisen. Wenn ein künftiger Geschichtsschreiber der österreichischen Judenheit — der wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen wird — den inneren Ursachen und geheimen Gründen des offenkundigen rapiden Mederganges, des geistigen und sozialen Verfalles der Wiener Judenheit nachspüren wird, so kann es geschehen, daß ihm die Reichsratswahl in Leopoldstadt I. eine instruktive auffchlußreiche Antwort auf vielerlei Fragen und Rätsel bieten wird. Die Ereignisse, welche heute nur der politisch geschärfte Blick herannahen sieht, wird er bereits in ihren Folgen überschauen und demgemäß über das Verhalten aller einzelnen Faktoren in dem heutigen schicksalsschweren Moment sein Urteil sprechen. q- * * Diesem Urteil der Geschichte darf ich meinerseits, wie immer der Wahlkampf enden mag, ruhig entgegensetzen. Wenn ich als Wahlwerber austrete, so suche ich im Parlament keine Versorgung und mich peitscht auch nicht ein wilder ungezügelter Ehrgeiz! Einzig und ausschließlich das Pflichtgefühl! Ich habe die peinliche Stellung eines jüdischen Abgeordneten des österreichischen Reichsrates mehr als genügend kennen gelernt und wenn ich sehen würde, daß in den 516 Wahlkreisen der Monarchie auch nur ein einziger Mann mit Aussicht auf Erfolg als Mandatswerber auftritt, welcher vermöge seiner Vorbildung und seiner Kenntnisse imstande ist, die speziellen und nicht gar so leichten Aufgaben eines jüdischen Abgeordneten zu erfüllen, würde ich ohneweiters auf die Kandidatur verzichten. Dem Manne, welchem die Mission zufiele, wäre ich nicht einmal neidisch. Nun ist aber weit und breit eine solche Kandidatur nicht in Sicht und ich persönlich zähle nun einmal nicht zu den Männern, welche beim nahenden Abschluß einer günstigen Laufbahn sich denken: apres nous le ddlouge, und die Verantwortlichkeit für die kommenden Geschehnisse auf den lieben Herrgott überwälzen. Hätten solche Gedankengänge je auf mich irgend einen Einfluß, so brauchte ich nicht aufzuhören, Abgeordneter zu sein; ich hätte dann in ruhiger Seelenstimmung dem Polenklub mich fügsam erwiesen, so klug und besonnen, so treu und brav wie z. B. Dr. Emil Byk, der über Wunsch des Klubobmannes nicht Anstand nahm, in offener Parlamentssitzung den Prinzen Liechten st ein um Entschuldigung zu bitten. An mich hat eine derartige Zumutung sich nie herangewagt. Das Pflichtbewußtsein, welches mich vor einem Jahrzehnt gedrängt hat, das Mandat von mir zu werfen, dasselbe Pflichtgefühl treibt mich heute und spornt mich an, vor den jüdischen Wählern des V. Wahlkreises als Wahlwerber zu erscheinen, über die geradezu historische Tragweite der gegenwärtigen Neuwahlen für das österreichische Judentum sie aufzuklären und den ganzen Umfang der Verantwortlichkeit vorzuführen, mit welcher sie diesmal beim Gebrauch des Stimmzettels vor dem Richterftuhl Gottes und der Geschichte ihr Gewissen beladen. (Lebhafter Beifall. Die Versammlung genehmigt einstimmig die Kandidatur Dr. Bloch s.) Nrrgilbte Papiere ans meiner Kriefmappe. „Es kam ein neuer König, der kannte den Joseph nicht." Das neue Wahlgesetz ruft neue Volksgruppen zur Urne und das junge Geschlecht kennt den alten Bloch nicht mehr. Die Herren Lucian Brunner, Neust ad tl und Dr. P. W e i s e n g r ü n haben in Versammlungen sich viele Mühe gegeben und viel Kunst aufgeboten, von mir ein Zerrbild zu entwerfen, um die Wähler abzuschrecken. Es ist nun meine Aufgabe — zur Aufklärung der jüngeren Wählergeneration — den alten Bloch in seiner historischen Gestalt auf. Grund glaubwürdiger Dokumente vorzuführen. Aus meiner Mappe, die tausende Briefe füllen, greife ich auf gut Glück einige heraus — zunächst bloß zur Probe, ich kann mit weiteren Stücken dienen, eine lange Fortsetzung liefern, wenn es den Herren Gegnern beliebt: Hochgeehrter Herr Doktor! Ich gratuliere Ihnen aus vollem Herzen zu Ihrer ganz meisterhaften Rede. Dieselbe muss ja nach dem Berichte in der „Neuen Freien Presse“, dem einzigen, den ich bisher gelesen habe, einen ganz kolossalen Erfolg gehabt haben. Allerdings stand aber auch nur Ihnen bei Ihrer umfassenden Kenntnis der hebräischen Literatur ein solch reiches Material zur Verfügung. Nun haben sich doch endlich, endlich unsere Abgeordneten-Juden aufgerafft, sich als Juden zu bekennen. Es war schon die höchste Zeit. Sie wissen, dass von jeher meine Devise war: „Den Flederwisch heraus und frisch pariert“ oder: „Hilf Dir selbst und dann wird auch der liebe Gott Dir helfen!“ oder biblisch gesprochen: „ßak Chasak Weemaz!“ Sie erinnerten mich einmal, dass in Ihrem unvergesslichen Kampfe gegen Bohling ich einer der Wenigen war, welche Sie stand zu haften aufforderten. Sie wissen, dass im Gemeinderate Wien in Schulsachen, in der Angelegenheit der Herren Fiegl und Genossen ich jener Devise getreu handelte, ihr auch folgte, als es galt, das bekannte Promemoria bei der Regierung einzubringen. L nd nun freut es mich wirklich, dass endlich, endlich einmal solche OllöSSUdO Worte auch im Parlamente gesprochen werden, und gar nicht genug anzuerkennen ist es, dass mit einer so reichen Fülle vom sachlichen Argumenten, geschöpft aus der uns wenig oder gar nicht bekannten jüdischen Wissenschaft, gekämpft wird. Also nochmals Masel tow! Mit vollster Hochachtung Wien, 12. Februar 1890. Dr. Alfred Stern. Wien, 27. November 1899. Hochgeehrter Herr Doktor! Ich habe soeben Ihre Rede gelesen, dieses für unsere Geschichte unvergängliche Prachtstuck einer oratoflschen Leistung. — Herz und Seist, Tiefe des Gemütes, Wissenschaft, Verstand — wie musste diese Rede, das gesprochene Wort wirken und wie recht hatte Fürst Liechtenstein, als er Ihre Entfernung aus dem Ahgeordnetenhause forderte. Wie recht hatte er und welches Verbrechen, welche Dummheit begingen wir. Wenn unsere Glaubensbrüder in Ihrem Wahlkreis am Jom&lpUP sich ihr Sündenregister vorsagen, dann gehört in dasselbe auch der Stimmzettel, der nicht auf Dr. Bloch lautete. Mit vorzüglichster Hochachtung Dr. Alfred Stern. Moritz Leinkauf, k. k. Kommerzialrat, General-Sekretär der Börse für landwirtschaftliche Produkte, erlaubt sich Herrn Reichsrats-Abgeordneten Dr. Bloch zu seiner geistvollen gestrigen Rede zu beglückwünschen und ihm für seine kräftige Verteidigung der Juden vom Herzen zu danken. Eine Prachtiede! Wissen und Kenntnisse kann man erwerben — „Temperament“ muss man haben! Uebrigens kann auch nur ein „Journalist“ so reden — es ist journalistisches Blut darin. Ihr Sigmund Mayer, Gemeinderat d. St. W. Paris, den 17. November 1894. 2. Rue de l’Elysde. Herrn Reichsratsabgeordneten Dr. J. 8. Bloch, Wien. Sehr geehrter Herr Doktor! Ich empfing Ihr geschätztes Schreiben vom 9. d. M., sowie den Abdruck Ihrer in der Sitzung des österreichischen Reichsrates vom 5. November gehaltenen Rede, die ich mit grossem Interesse gelesen habe.

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