Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 13 (29.3.1907)
- Date
- 1907-03-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ur. 13 Dl* ■ Bl och’S Jahrgang XXIV Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. Wim, 29. März 1907. — jßrscbefnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Mien. IX/,» JBerggasse 39. Telegramm-Adreffe: Llocb's Mocbenscbrlft» Mlien. Inhalt: Leitartikel: Die Reichsratswahl im fünften Wahlkreis. — Zionistische Stimme über die Kandidatur Tr. Blochs. — Zum Justizskandal Hilsner. — Wirgcles. — Ein trauriges Pessachfest. — Korrespondenzen: Die Reichsrats-Kandidatur im Kai- Viertel. Lazarus als Menschenfreund. Synagogen-Verein „Beth Israel". Kolomea. Ein jüdisches Ordensfest. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden rc. Vierzigjähriges Doktorjubiläum. Wien. Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Holleschau. Gaya. Slatina. Danksagung. — Feuilleton: Rouvke Arbel oder Ein Werk der Vorsehung. — Neue Bücher. — Briefkasten — Inserate. , *---« Delugsprris für Vrflrrrrirtz: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 * Anzeigen: Die 4mal gespaltene PeMzeile 24 Heller. %--ft O—-& N. ft. Postsparftaffen-Amt GI e a r t n g - ID e r ft e b r Är. 810.976. Deduktion und Administration: Wien IX/1, Verggasse Nr. 39. Telefon Nr. 14.847 V-G Zur Rrichsratswahl im fünfte« MahUrreis. Ein Wort der Abwehr. Von Dr. Josef S. Bloch. Seitdem eine Anzahl hochachtbarer Männer der Leopoldstadt den Beschluß gefaßt hat, mich — gewiß nicht aus besonderer Vorliebe und einer vorgefaßten Sympathie für meine Person, sondern in Erkenntnis der aus der heutigen politischen Situation sich ergebenden harten Notwendigkeit — als ihren Kandidaten für die Reichsratswahl zu empfehlen, find in Wählerversammlungen der gegnerischen Parteien sowohl gegen meine Person als gegen die von mir seit Jahren beobachtete politische Haltung Ausstellungen erfolgt und Anklagen erhoben worden, die ich vor der weitesten Oeffentlichkeit zur Erörterung bringen will. I. Unter den Männern, welche für Herrn Dr. Ofner das Wort geredet haben, ist unstreitig Herr Hofrat Hock am meisten sympathisch — schon wegen seines Characters und seiner unerschütterlichen Ueberzeugungstreue. Er sagte gegen meine Kandidatur: „Ich anerkenne die Verdienste und das Wissen des Herrn Doktor Bloch, allein er war nun einmal Mitglied des Polenklubs". Das ist allerdings wahr! Ende des Jahres 1883, nach dem Tode des Oberrabbiners Schreiber, haben die Wähler der drei Städte Kolomea, Buczacz, Sniatyn mich zum Abgeordneten gewählt, ohne mich vor der Wahl auch nur gesehen zu haben. Ich bewarb mich nicht um das Mandat, hielt keine Kandidatenrede. Zirka 12 jüdische Abgeordnete saßen damals im Reichsrat — keiner von ihnen fühlte sich jedoch berufen, für das Judentum ein Wort zu reden. Da erschienen 'die Führer der Kolomeaer Judenschaft bei mir und sagten: „Wir wollen Dir die parlamentarische Tribüne eröffnen, Deine Wahl gegen alle Machtfaktoren des Landes Galizien durchführen, dafür mußt Du das Opfer bringen und in den Polenklub eintreten." Das polnische Zentralwahlkomitee erließ eine öffentliche Proklamation an die Wähler von Kolomea, des Inhaltes: „die Aufstellung Dr. Blochs, der selbst erklärt, nur Jude zu sein und kein Pole — ist als eine antinationale anzusehen und zu bekämpfen. Seine Wahl werde der Stadt nicht bloß politische, sondern auch schwere wirtschaftliche Schädigung bringen." Der Polenklub, das polnische Zentral-Wahlkomitee hat meine Wahl mit den schwersten Massen, ja sogar mit heftigen Strafandrohungen gegen die Wähler bekämpft. Die Wähler nahmen das geduldig hin, verlangten jedoch meinen Eintritt in den Polenklub, um in Bezug auf Landesinteressen ihren heimatlichen Standpunkt zu dokumentieren. Ich fuhr nach Emmersdorf, um mit Adolf F i s ch h o f die Frage zu beraten, und er sagte mir wörtlich: „Es kommen schwere Tage für die österreichischen Juden, die einen Sachwalter im Parlament nötig haben werden. Sie müssen das Opfer bringen und in den Polenklub eintreten, um fich die parlamentarische Tribüne zu sichern." So sprach Adolf Fischhof. Das Schreiben, mit welchem er meine Wahl begrüßte, ist öffentlich bekannt. Und wer hätte mir damals anders geraten als Adolf Fischhof; hätte mir empfohlen, auf diese Wirksamkeit zu verzichten? Der heutigen Generation find die Vorgänge bereits aus dem Gedächtnis entschwunden. Die Reden, die ich im österreichischen Parlament gehalten habe, find gesammelt im Druck erschienen, und bereits gänzlich vergriffen, so daß kein Exemplar mehr zu haben ist. Sie waren somit wenigstens wert, an jener exponierten Stelle gehalten zu werden. Die Rechenschaftsberichte vor meinen Wählern erstattete ich in deutscher Sprache. Einmal ist es mir begegnet, daß in der Wählerversammlung ein Redner auftrat, um gegen den Gebrauch der deutschen Sprache in jener Versammlung energisch Protest einzulegen. Der Protestler war selbstverständlich ein Jude, dermalen zählt er fich zur zionistischen Partei. Auf den Protest habe ich damals wörtlich geantwortet: An der Bildung und Entwicklung der deutschen Sprache und Literatur haben Söhne des Judentums als Dichter und Schriftsteller in solch hervorragendem Maße erfolgreich mitgearbeitet, daß wir ein volles Anrecht auf diese Sprache erworben haben; sie ist nun unsere Muttersprache. Wenn die Juden in Galizien das Bürgerrecht besitzen, so muß ihre deutsche Muttersprache' gleiches Bürgerrecht genießen. Die Versammlung hat meinen Ausführungen zugestimmt und ist über den Protest zur Tagesordnung übergegangen. Ich weiß nun nicht, ob Herr Hofrat Hock mit dieser schweren Sünde Nachsicht üben will; ich