Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 9 (1.3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 154 Dr. Llocbs MocbenscvrLrr. Nr. 9 nipn p« „Stein der Hilfe" nannte, fo wird auch der Stein, der hier draußen künden soll von diesem sieg- und segensreichen Menschenleben, seinen Kindern ein „Stein der Hilfe" sein, ein Hinweis auf den Beistand, den dieser edle Priester zu jeder Zeit in feinem Gott gefunden, und den auch seine Kinder finden werden, solange sie dem Beispiel des Vaters folgen. Und Lun von -en Geisteskindern unseres Meisters noch ein Wort! Die Titel seiner beiden letzten Schriften lauten: „Die Magie bei den alten Völkern" und „Das Feuer in Bibel und Talmud". Das sind keine bloßen Büchernamen. Es sind Symbole seines ganzen Seins und Wirkens. Der magische Reiz, der segensreiche Zauber, den bei unserem alten Volke der Lehrer der Gemeinde einst ausgeübt, ihm war er eigen, wieselten einem. Dafür spricht schon aus seinen jüngeren Jahren die Liebe, der herzliche Beifall, die er bei uns in Wien als Lehrer am Beth-hamidrasch gefunden und sodann in jenen drei Gemeinden, die ihn vor der hiesigen an ihrer Spitze sahen. Und das heilige Feuer, das in Bibel und Talmud glüht, das Feuer, das unser Volk zu einem Volk der Märtyrer und Priester geweiht hat, aus diesem Priesterherzen schlug es uns warm entgegen, eine Leuchte, die gar manchem aus Nacht und Wüste den Weg gewiesen, in so mancher Brust ein Licht entzündet hat, Tön *T3 nbsrb das ewig fortleuchten wird von Herz zu Herzen. Edler Meister! Diese beiden Engel, des Lehrers Weisheit und deS .Priesters Herzensgüte, sie geleiten Dich vor den Thron des Höchsten! Hienieden aber möge Dein Zauberwort fortleben, Dein heiliges Feuer fortleuchten Dir zu dauerndem Ruhme, uns allen zum Heil und zum Segen! Amen! Ferner sprachen am Friedhofe Herr Bernhard Biller als Präses der Grazer israelitischen Kultusgemeinde, Herr Markus Orovan als Präses der „ Chewra-Kadischa ", Herr Lehrer Anton Ungar als Vertreter der Beamtenschaft der israelitischen Kultusgemeinde und Med. Julius Schwarz, der das Wirken Doktor Mühsam's als Lehrer und Förderer der jüdischen Jugend und als Protektor des akademischen Vereines „Charitas" mit schönen Worten und in gediegener Form beleuchtete. Dann glitt der Sarg in die kühle Erde. ... „Da war kein Auge tränenleer." Im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde fand eine Traueckrndgebung statt, bei welcher der Präses Herr Biller eine Gckevkrede auf Dr. Mühsam hielt. — Der trauernden Familie übermittelten ihr Beileid: Oberlandesgerichtspräsident Dr. R. v. Pitreich, das Korpskommando, Bürgermeister Doktor Graf, der Stadtschulrat, Dr. Graf Ignaz Attems, Dr. R. v. Carneri, Landesschulinspektor Lampel, Dr. Peter Rosegger, Dr. Josef Stary, C. M. v. Savenau, Anton Jrschick, Architekt Kätscher, Dr. Landau, Oberkantor Bauer in Wien, Direktor Franz Scholz, D. Siegler, Inspektor der Staatsbahnen, die Freiwillige Feuerwehr, die Direktion des allgemeinen Krankenhauses, die Bezirkshauptmannschasten Voitsberg und Villach, das Bürgermeisteramt Klagenftrrt, die Direktion der Handelsakademie, des ersten und zweiten Staatsgymnasiums, des Marien- Jnstitutes, der Mädchenvolksschule in der Lagergasse, der Franz Josef-Schule für Mädchen, die Rabbiner Dr. Ungar in Jglau, Dr. Bernstein in Steinamanger, Dr. Hoff in Bisenz, Dr. Ernst in Csakathurn, die Mitglieder in Leoben, Judenburg, Knittelfeld, Laibach, Klagenfurt und die Kultusvorstände Wien, Krems, Csakathurn, Postelberg, Baden, Steinamanger, Effegg, Warasdin, Bisenz, Znaim, Triest, die Israelitische Allianz in Wien, der Verband der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen, das Kuratorium der Israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien rc. Kondoliert haben außerdem: die beiden Bürgermeister-Stellvertreter der Landeshauptstadt Graz, Josef Engel v. Janosi, das Kommando der Jnfanterie-Kadettenschule Liebenau, Direktor Drescher, Direktor Trunk, Schulrat Professor Frucht, Professor Simon, Generalkonsul Wetzlar, Regierungsrat Dr. Franz Martin Mayer, Nina Fröhlich v. Feldau, Direktor des Wiener Blindeninstitutes und viele Hunderte Andere. Lemberg. Gegenüber den falschen und einseitigen Berichten über die Tätigkeit des Herrn Professors Sternbach als Mitglied des k. k. Landesschulrates für Galizien wird es wohl genügen, hier den Wortlaut der Adresse mitzuteilen, welche sämtliche Teilnehmer der Enquete über den jüdffchm Religionsunterricht am 11. d. M. Unterzeichneten. Die Wdveffe lautet: In der radikalen jüdisch-nationalen Presse waren in letzter Zeit Angriffe gegen die Person des Herrn Professors Dr. Sternbach verbreitet, die sich gegen den Standpunkt richteten, den er in Angelegenheiten der Reform des jüdischen Religionsunterrichtes in Mittelschulen vertreten hat. Nach reiflicher Prüfung der von Ihnen, hochgeehrter Herr Professor, gestellten Anträge haben wir uns überzeugt, daß jene Vorwürfe gänzlich unbegründet sind, daß im Gegenteil die ganze in dieser Angelegenheit von Ihnen unternommene Arbeit erfüllt war nicht nur mit der genauesten Sachkenntnis, sondern auch mit dem edelsten Eifer und dem redlichsten Willen, der Sache der Jugend zu dienen. Wir bedauern aufs Tiefste, daß Euer Hochwohlgeboren für diese Opferwilligkeit Beleidigungen erfahren, wir glauben aber auch, daß unsere Anerkennung und Dankbarkeit nicht nur diese trübe Erfahrung verwischen wird, sondern daß die Dankbarkeit weiter jüdischer Kreise und das eigene Bewußtsein der treuesten Pflichterfüllung uns und Ihnen, hochverehrter Herr Professor, vergönnen werden, die Früchte Ihres idealen Strebens im Dienste des Judentums zu erblicken. Dr. I. Caro m. p., Rabbiner; Dr. Wilhelm Hochfeld m. p., Krakau; Dr. Bernhard Hausner m. p., Religionslehrer; Jsak Plohner m. p., Lemberg; Prof. M. Weiszberg m. p., Stanislau; Abraham Schnur m. p., Rabbiner, Tarnow; Julius Strisower m. p., Jaroslau; Wilhelm Grüner m. p., Inspektor der Baron Hirsch-Schulen; Dr. Jtawer Eitelberg m. p., Zloczow; Dr. Szymon Schaff m. p., Präses der Kultusgemeinde Lemberg; Dr. Josef Czeszer m. p., Vizepräses der Kultusgemeinde Lemberg; Dr. Rafael Landau in. p., Vizepräses der Kultusgemeinde Krakau; Dr. Jakob Glanz m. p., Przemysl; Dr. Herzel m. p., Brody; Dr. Eduard Misgram m. p., Kolomea; Prof. Salomon Mandel in. p., Sambor; Naftali Schipper m. p., Stanislau. Rumänische Jugend. Die Lorbeeren ihrer Kollegen in Craiova und Verlad haben die Schüler des Lyceums in Bacau nicht schlafen lassen, und sie haben es, wenn auch in verwässerter und abgeschwächter Ausgabe, gleichfalls zu antisemitischen Straßenkundgebungen gebracht. Den Anlaß dazu bildete die Tatsache, daß das Lokal des „Athenäums" in Bacau an eine israelitische Theatertruppe vermietet worden war, die daselbst Vorstellungen veranstaltete. Die Schüler fanden sich dadurch in ihrem Nationalgefühle gekränkt, durchzogen gestern Abend randalierend und unter den Rufen „Hoch Jorga", „Nieder mit den Juden!" die Stadt und veranstalteten vor dem Theatersaale eine feindliche Kundgebung. Das Publikum verließ aus Furcht den Theatersaal und die Kaufleute sperrten ihre Läden. Die Behörden trafen die umfassendsten Vorkehrungen, um die Ruhe wiederherzustellen, und in dieser Weise gelang es, ernste Ausschreitungen zu verhindern. Es wurden einige Verhaftungen vorgenommen. Vermischtes. Bortrag aus jüdischer Geschichte. Donnerstag, den 7. März 1907, präzise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten- Vereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag der Frau Nahida Ruth-Lazarus statt. Thema: Lazarus, der Begründerder Völkerpsychologie. Eintritt frei, ohne Karten. Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Wie bereits angekündigt, findet Freitag den 1. März d. I., abends halb 8 Uhr, im Festsaale des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, Schwarzenbergplatz 16, .ein Vortrag seitens des bekannten Gelehrten Dr. Franz Oppenheimer über das aktuelle Thema: „Das Rassenvorurteil" statt. Gäste willkommen.