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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-02-22 · 8 (22.2.1907) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
8 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 8 Dr■ Bloch’s Jahrgang XXIV . Zentralorgan für die gesamten Ifnteressen des Judentums. Wim, 22. Februar 1907. LrscbeLnt jeden Freitag. - Brief-Adresse: Hülfen, IX/i, USerggasse 39. Telegramm-Adresse : JSlocb’s TRHod)ensd)rfft, THUfen. Inhalt: Leitartikel: Große Wählerversammlung in der Leopoldstadt. — Deutschvölkische und klerikale Taktik. — Direktor Doktor Hermann Baerwald. — Aus einer jüdischen Gemeinde an der nubischen Grenze. — Korrespondenzen: Erklärung der jüdischnationalen Verbindungen Wiens. Eingesendet. Tempelverein des VIII. Bezirkes Neudeggergasse 12. Eine Ungerechtigkeit bei der Rothschild-Trauung. Zur Trauung Wertheimstein-Rothschild. Schulfragen. Judenrein. Paris. — Vermischtes: Wien. Dr. Arnold v. Rapoport. Poale Zion. Jüdische Toynbeehalle, XX., Othmargasse 46. Bildungsheim der Jüdischen Toynbeehalle, XV., Herklotzgasse 21. Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Oomls Ovsseä. Klosterneuburg. Karlstadt. Holleschau. Djakovar. Eduard Ritter v. Portheim gestorben. Warasdin. — Feuilleton: Purim. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. «-& M. k. Postsparkassen-Amt Gleartng-Derftebr Nr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien IX/l, ÄSerggasse Nr. 39. Xr. 14.847 ©--* *---« Bezugspreis für Oesterreich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. »- A Große Utahlerversarnrnlurig in der Keopoldstadt. Kandidatur Dr. I. S. Blocks für den ersten Wahlkreis Leopoldstadt (Stadtseite). Ueber Einberufung einer großen Reihe von Vereinspräsidenten und Persönlichkeiten des II. Wiener Bezirkes, deren Liste wir in voriger Nummer veröffentlichten, fand am 18. d. M., 9 Uhr abends, im großen Saale des „Hotel Guth" eine überaus zahlreich besuchte Wählerversammlung statt. Auf der Tagesordnung stand die Kandidatenfrage für die Besetzung des Mandates im ersten Wahlkreis Leopoldstadt, in welchem die Juden 65 Perzent der Wählerschaft bilden. Für dieses Mandat wurde von zahlreichen einflußreichen Wählern, die allen Parteirichtungen angehören, Dr. I. S. Bloch vorgeschlagen und er nahm nun Gelegenheit, sein eigenes Programm und seine Stellung zu den verschiedenen politischen Fraktionen eingehend zu erörtern, worauf seine Kandidatur von der anwesenden Bürgerschaft einstimmig angenommen wurde. Außer dieser Bürgerschaft hatten sich als Gegner Zionisten und Sozialdemokraten eingefunden. Die Gegensätze stießen oft hart aneinander, doch vermochte die geschickte und kaltblütige Leitung des Vorsitzenden, Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Jos. Winternitz, immer wieder die Diskussion in ruhige Bahnen zu leiten. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte man den beiden großen Reden des Kandidaten selbst, in deren einer er sein von altersher bekanntes, rein jüdisches politisches Bekenntnis aus den historischen Tatsachen begründete, während er in der zweiten über die Praxis und Taktik im Falle seiner Wahl sprach. Seine Ausführungen machten starken Eindruck, ebenso wie die warmherzige und temperamentvolle Art der Unterstützung des Kandidaten durch Redner aus der Versammlung, der Herren Dr. Heinrich Schreiber, Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. K. Lif ci cz, kaiserl. Rat Dr. Krüger, sowie durch mehrere Bürger des Bezirkes. Der Verlauf der Versammlung war folgender: Hof- und Gerichtsadvökat, Vorsitzender des Wahlkomitees Dr. Jos. Winternitz begrüßt die Erschienenen, darunter Vertreter des Kultusvorstandes und vieler Korporationen, er bernft mit Zustimmung der Versammlung den Kaufmann S. Goldmann zum Schriftführer und fährt dann fort: Zweck der Versammlung sei es, alle Meinungen ungehindert zum vollen Ausdruck kommen zu lassen. Die Redner möchten sich nur alle den Zweck der Einberufung vor Augen halten. Es hätten sich viele Wähler entschlossen, einen jüdischen Abgeordneten für diesen Wahlkreis aufzustellen, der berufen sei und die Fähigkeiten dazu besitzt, vor allem Wissen und Mut, für die Judenheit das Wort zu führen. Diese Sache sei mit objektiver Ruhe zu besprechen. Wir Juden seien heute als Brüder beisammen, um eine gemeinsame Angelegenheit zu besprechen, jeder hat die Meinung des andern mit Geduld anzuhören, doch sei nicht zu bezweifeln, daß man sich in der Frage werde verständigen können, wer würdig und fähig sei, den Bezirk und die jüdischen Interessen zu vertreten. (Beifall.) Als erster Redner ergreift das Wort Herr Doktor Heinrich Schreiber. Dr. Schreiber bedauert es einleitend außerordentlich, daß die Kandidatenfrage nicht übereinstimmend von den offiziellen Behörden und großen Korporationen behandelt worden sei. Die schwere Folge davon sei Zersplitterung und ein beklagenswerter Zustand der Desorientierung, nachdem man lange und noch immer vergeblich auf eine Wahlparole, auf ein Zauberwort gewartet habe, das die Kraft der Juden zu ihrer vollen Entfaltung bringt. So sei es eine Frage statt einer Gewißheit geworden, ob die Majoritäten der galizischen Juden und der beiden jüdischen Wiener Wahlkreise auch wirklich zum Ausdruck kommen und ob auf Grund der Wahlreform die Juden auch wirklich Sachwalter im Parlamente erhalten werden, die gewillt und vor allem auch fähig sind, die Judenfrage als solche zu behandeln. Und doch seien wichtige und schwere Interessen auf dem Spiele, Interessen wirtschaftlicher und kultureller Natur. Die große Steuerleistung und Intelligenz der Juden rufe dringend nach einer Vertretung im Parlamente. In Wien seien 180.000 Juden zuhause, die unter antisemitischer Herrschaft stehen. Können diese auch nur daran denken, ihren Schutz und ihre Fürsprache jemandem anderem anzu-

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